Windows Server auf Desktop-Hardware installieren: Was sollte man beachten?

Es gibt durchaus Gründe dafür, Server-Software auf Desktop-Hardware zu nutzen. Hier erfahren Sie, was Sie dabei beachten müssen.

Die konventionelle Meinung über Server-und Desktop-SKUs von Windows ist bekanntlich die, dass für beide verschiedene Arten von Hardware verwendet werden muss. Allerdings hindert Administratoren nichts daran, die Installation einer Server-Edition von Windows auf Desktop-Hardware durchzuführen.

Solange der betreffende Computer die Hardware-Mindestanforderungen für Windows Server erfüllt, wird der Installationsassistent von Windows, auch noch in Windows Server 2012/2012 R2, das Betriebssystem installieren und ausführen. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist aber, warum Administratoren dies machen würden und ob mit dieser Konfiguration das System auch rund laufen wird.

Vorteile von Windows Server auf einem Desktop-System

Also, warum sollten Administratoren Windows Server auf Desktop-Hardware installieren? Auch im Zeitalter von virtuellen Maschinen (VMs) gibt es eine Reihe von Gründen, die Sinn ergeben. Der am häufigsten genannte Grund ist die einfache Verfügbarkeit der Hardware. Desktop-Maschinen sind inzwischen relativ günstig und reichlich verfügbar. Außerdem lassen sich so alte Desktop-Systeme und auch Server wiederverwenden. Für viele Serverdienste reicht die Leistung dieser Systeme durchaus aus.  Außerdem ist es manchmal einfacher, einen Server statt auf einer VM auf echter Hardware zu installieren, vor allem für Testumgebungen.

Welche Desktop-Systeme wären nun geeignet für Windows Server? Für Windows Server 2012 nennt Microsoft folgende Systemanforderungen:

  • Einen 64-Bit-Prozessor mit 1,4 GHz Taktfrequenz
  • 512 MB RAM
  • 32 GB Festplattenspeicher
  • Optisches Laufwerk
  • Tastatur, Maus und ein Display mit einer Auflösung von mindestens 800x600 Bildpunkten
  • Internetverbindung

Nichts davon ist außerhalb des Bereichs von Desktops, die ein paar Jahre alt sind. Im Gegenteil, viele Desktop-Systeme sind sogar schneller als die eine oder andere günstige Server-Hardware. Windows Server erfordert nicht unbedingt mehrere Prozessor-Kerne, Sie können also durchaus auch Windows Server 2012/2012 R2 auf Desktop-Hardware installieren, die Single-Core-Prozessoren nutzt.

Server-Software auf Desktop-Hardware: Erwarten Sie nicht die gleiche Leistung

Erwarten Sie aber nicht die gleiche Leistung auf Desktop-Systemen, wenn Sie hardwarehungrige Serverdienste wie Exchange oder SQL installieren. Das gilt auch für Testumgebungen. Auch wenn die Grundanforderungen für Windows Server immer noch recht niedrig sind, gibt es eine Reihe von weiteren Fragen, die speziell für Server-Umgebungen wichtig sind:

Desktop-Systeme unterstützen in der Regel keine Multi-Sockel-Konfigurationen. Nicht alles was Mehrprozessor-Systeme bieten, können auch Desktop-Systeme leisten, selbst wenn diese über mehrere Kerne und einen starken, aktuellen Prozessor verfügen. Mehrfach-Sockel gibt es seit einiger Zeit auch in High-End-Workstations und von der Leistung her stellen diese Single-Socket/Multi-Core Konfigurationen in den Schatten.

Erwarten Sie aber trotzdem nicht, dass Single-Core-Systeme mit Server-Software die gleiche Leistung wie mit Desktop-Software erbringen können. Wenn Sie einen Low-End-Desktop (Low-End nach heutigen Maßstäben) wiederverwenden, der einen Single-Core-Prozessor hat, dürfen Sie keine echte Server-Leistung erwarten, da fast jede aktuelle Server-Anwendung mehrere Kerne nutzen können muss. Auch wenn Desktop-Systeme generell durchaus für den Betrieb von Windows-Server geeignet sind, gibt es Grenzen. Selbst aktuelle Linux-Distributionen stellen an Systeme einige Anforderungen, die alte Desktop-Systeme nicht mehr liefern können

Auch Non-Uniform Memory Access (NUMA) wird in Desktops nicht mehr unterstützt. Wenn Sie irgendetwas, was NUMA erfordert, auf einem Desktop-System installieren, wenn auch nur für Testzwecke, dann stehen die Chancen nicht gut, dass Sie Windows-Server auf diesem System mit ausreichender Performance ausführen können.

Desktop-Speicher ist zudem definitiv kein Storage für Server. Das gilt für Festplatten, aber auch für den Arbeitsspeicher. Desktop-Laufwerke mit 7.200 Umdrehungen sind absolut keine Konkurrenz für 10K-RPM-Laufwerke, geschweige denn für Multidrive-Arrays, RAID- 0-Konfigurationen oder andere schnelle Speichersysteme. Die einzige Ausnahme von dieser Regel lautet Solid-State Drive (SSD). Diese bieten zwar nicht den Speicherplatz, den Serveranwendungen oft benötigen, dafür sind diese Festplatten aber auch für Serveranwendungen ausreichend schnell. Selbst wenn es sich um Desktop-SSDs handelt und nicht um Server-SSDs mit Ausfallschutz, mehr Kapazität und einer höheren Geschwindigkeit.

Auch die Netzwerk-Hardware auf Desktops ist nicht für Serverlasten ausgelegt. Es ist verlockend zu glauben, eine Netzwerkkarte wäre eine Netzwerkkarte. Tatsächlich gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Netzwerkkarten für Server und solchen für Desktops. Das gilt vor allem dann, wenn Sie Serverdienste wie Hyper-V oder andere Virtualisierungslösungen auf Desktop-Systemen betreiben wollen. Zwar reichen viele Netzwerkkarten in Desktop-Systemen auch für Serverdienste aus, allerdings müssen Sie hier mit deutlich weniger Leistung rechnen.

Microsoft Hyper-V ist zum großen Teil nicht dafür geeignet, auf Desktop-Systemen zu funktionieren, da Hyper-V sehr spezifische Anforderungen an die Hardware stellt und viel Leistung auf dem Hyper-V-Host benötigt. Zudem haben Desktop-Level-CPUs oft nicht die Prozessorerweiterungen, die Hyper-V braucht. Das heißt, dass Sie den Serverdienst häufig nicht einmal installieren können, geschweige denn testen. Dazu kommt, dass Desktop-Systeme in den meisten Fällen nicht in der Lage sind, die große Menge an Speicher zu verwalten und zur Verfügung zu stellen, die Hyper-V benötigt, um performant zu  laufen. Wenn Sie mehr als eine VM in Hyper-V betreiben wollen, dann benötigen Sie zum Beispiel mehr als 4 GB RAM, um dieses Problem zu umgehen. Vor allem, wenn Sie Serverdienste auf Basis von Windows betreiben wollen, zum Beispiel Exchange oder SQL. Je älter das Desktop-System ist, desto geringer liegt die physische Grenze für Speicher, der zur Maschine hinzugefügt werden kann.

Serveranwendungen sind also die elementare Sache, die Sie beim Betrieb von Dekstop-Hardware mit Server-Software im Auge behalten sollten. Ein Desktop-System kann als Datei-und Druckserver, als Low-Volume-Datenbankserver oder vielleicht als Web-Server für Inhouse-Programme wie Sharepoint funktionieren. Erwarten Sie aber nicht, eine solche Maschine für alles verwenden zu können, was Sie auch auf echter Serverhardware durchführen können.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2014 aktualisiert

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