VM-Provisionierung: Fünf Tipps für die richtige Ressourcenzuweisung

Falsch dimensionierte virtuelle Maschinen führen zu schlechter Performance oder Ressourcenverschwendung. Diese Tipps helfen beim VM-Provisioning.

Es ist natürlich nicht so, als wären Anwendungs- und Server-Administratoren darauf aus, das System zu missbrauchen, um virtuelle Maschinen (VM) absichtlich zu groß zu dimensionieren. Nein, sie möchten einfach die bestmögliche Umgebung für ihre Anwender bereitstellen. Oftmals bedeutet das auch, bei der Anwendungsinstallation die Richtlinien des Herstellers zu befolgen. Allerdings sind diese Richtlinien letztlich nicht verbindlicher als Leitfäden oder Minimalanforderungen für das VM-Provisioning.

Ja, richtig, es ist technisch möglich, Windows Server 2012 auf einer Maschine mit 512 MB RAM zu installieren – der empfohlenen Mindestanforderung. Dass eine solche Installation irgendwie zu mehr taugen könnte als für ein paar Protokollierungsaufgaben, ist indes eher unwahrscheinlich.

Ohne allzu pauschal urteilen zu wollen, ist es doch oft so, dass IT-Fachleute einem der beiden folgenden Lager angehören:

  • Dem Hersteller blind in die Provisioning-Falle folgen. Herstellerempfehlungen basieren meist auf nicht mehr als der Beobachtung eines bestimmten Systems. Bezogen auf Ihre konkrete Umgebung erhalten Sie also Empfehlungen, die auf Hochrechnungen und Schätzungen beruhen. Ein solcher Ansatz mag nahe dran sein, aber er wird nie exakt sein. Reale Systeme haben dafür einfach zu viele unterschiedliche spezifische Anforderungen und Konfigurationen.
  • Doppelt hält besser. Betagtere IT-Fachleute wissen aus Erfahrung, dass Hersteller ihre Systemanforderungen meist niedrig ansetzen, um dem gewünschten Verkaufserfolg keine Steine in den Weg zu legen. Mit diesem Wissen schätzen IT-Teams den tatsächlichen Ressourcenbedarf oftmals zu hoch ein. Oft läuft dann die Hardware an ihrer unteren Leistungsgrenze.

Der Versuch, angenommenen und tatsächlichen Bedarf abzuwägen, kann für IT-Administratoren im Zwiespalt enden. Behalten Sie dabei aber im Hinterkopf, dass ein späteres Wachstum dank Virtualisierung unproblematisch möglich ist. Steigen Sie anfangs niedrig ein und erweitern Sie dann unter sorgsamer Beobachtung ihrer virtuellen Maschinen Größe und Kapazität der Bereitstellung.

Ein häufiger Fehler bei der Untersuchung von Anwendungsnutzung und -wachstum ist es, entweder auf das Minimum oder auf das Maximum hin zu planen. Aber Anwendungen und Anwender sind keine statischen Größen. Abhängig von Geschäftsmodell und Geschäftserfolg ändern sich Ihre Anforderungen an die IT mit der Zeit. Derselben Elastizität bedarf eine IT-Infrastruktur, die eine solche Dynamik bedienen soll.

Tipps für das optimale VM-Provisioning

Bei all dieser Flexibilität bei Anwendungen und Infrastruktur ist es ratsam, Regeln zum VM-Provisioning aufzustellen, um trotz der hohen Flexibilität die Kontrolle zu behalten.

Dafür im Folgenden fünf Tipps:

  1. Begrenzen Sie Ihr VM-Angebot. Geben Sie Ihren Anwendern die Wahl zwischen unendlich vielen Optionen für CPUs, Hauptspeicher und Laufwerke, so können Sie sich schon jetzt darauf einstellen, dass Sie in Kürze eine Mondlandefähre-VM einzurichten haben. Aber im Ernst: Stellen Sie lediglich eine begrenzte Auswahl vordefinierter VMs zur Auswahl, die 90 Prozent Ihrer Alltagsanfragen abdecken. So helfen Sie Ihren Anwendern, sich nicht in einer Vielzahl ungeahnter Möglichkeiten zu verlieren, sondern eine passende der angebotenen VMs für ihren Bedarf auszuwählen. Beginnen Sie mit drei virtuellen Serverkategorien: schwach, mittel und stark. Behalten Sie sich aber dennoch die Flexibilität etwaiger Anpassungen vor. Damit bieten Sie einen unkomplizierten Einstieg, ohne die Flexibilitätsvorteile der Virtualisierung opfern zu müssen.
  2. Setzen Sie Fristen. Definieren Sie Richtlinien für die Lebensdauer von VM-Bereitstellungen. Damit schaffen Sie zumindest das Bewusstsein, dass eine einmal erstellte virtuelle Maschine nicht auf ewig fortbestehen wird. Vergeben Sie dabei unterschiedliche Zeitfenster für Test-, Entwicklungs- und Produktionszwecke.
  3. Nutzen Sie Bestellformulare/-prozesse. Die Bereitstellung einer virtuellen Infrastruktur ist keine Leistung, die Ihre Anwender durch einen Plausch am Kaffeeautomaten abrufen können sollten. Die Entwicklung eines formalen Prozesses hilft Ihnen im Kampf gegen VM-Wildwuchs und gegen unnötige Anfragen. Mit einem Online-Formular können Sie auf einfache und komfortable Weise einen durchgängigen Prozess abbilden, mit dessen Hilfe eine formale Anfrage in möglichst wenigen Schritten vorgenommen werden kann. Bedenken Sie dabei, dass allzu komplexe Formulare oft viel nachlässiger ausgefüllt werden.
  4. Nutzen Sie einen angemessenen Autorisierungsprozess. Sicher, jede neue virtuelle Maschine sollte von der IT-Abteilung abgesegnet werden. Aber nicht jeder Vorgang benötigt gleich eine Freigabe durch den Geschäftsführer persönlich. Flexiblere Genehmigungsvorgaben vereinfachen Prozesse zumeist erheblich. Legen Sie beispielsweise Test- und Entwicklungsserver mit eingeschränkten Deployments in die Hand der Teamleiter, während Sie Produktionsänderungen auf Abteilungsleiterebene schützen. Dadurch bleiben Ihre Prozesse agil, während gleichzeitig wertvollere und langfristigere VM-Ressourcen in der Hand des Managements verbleiben.
  5. Ausnahmen bestätigen die Regeln – aber nur mit zusätzlichem Prozess. Sie kennen das sicherlich: „Nur noch ein paar Tage“ wird die auslaufende VM gebraucht. Und es ist ja meist auch nichts Schlimmes daran, eine Verlängerung einzuräumen. Zu Ihrem eigenen Besten sollten Sie aber darauf bestehen, dass auch solche Anfragen denselben formalen Prozess durchlaufen. Sie verbessern damit ganz einfach Ihre Kapazitätsplanung. Außerdem verinnerlichen Ihre Nutzer auf diese Weise, dass der eingeführte Prozess für das Management der virtuellen Infrastruktur nicht aus reiner Langeweile installiert wurde. Konsistente, bekannte Prozesse sind der Schlüssel zu Richtlinien, denen jeder entsprechen und folgen kann.

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Artikel wurde zuletzt im April 2015 aktualisiert

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