Private-Cloud-Architektur mit VMware oder mit OpenStack?

Die technologische Basis einer Private Cloud sollte wohlüberlegt sein. Diese Vor- und Nachteile bieten VMware und OpenStack.

Ja nach Anbieter gibt es verschiedene Ansichten darüber, in welche Richtung sich Cloud-Computing entwickeln wird. Amazon zum Beispiel geht davon aus, dass Private und Hybrid Clouds lediglich ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Public Cloud sind. Demgegenüber wachsen die Bedenken in Unternehmen über die zunehmende IT-Auslagerung sowie über Sicherheits- und Compliance-Probleme, was eher zu Private und vor allem Hybrid Clouds führt. Glaubt man den Analysten bei IDC, dann werden noch vor 2016 65 Prozent aller Unternehmen ein Hybrid-Cloud-Modell nutzen.

Gerade bei der Implementation einer Hybrid Cloud gibt es aber mehr Probleme, als man oft denkt. Bei Hybrid Clouds werden Daten zwischen Private und Public Clouds transferiert, was zum Beispiel durch unzureichende WAN-Kapazitäten zum Problem werden kann.

Ein anderes Problem ist die Wahl der richtigen Private-Cloud-Technologie. Manche Unternehmen nutzen OpenStack als Private Cloud innerhalb ihrer hybriden Umgebung. OpenStack sitzt dabei auf einem Hypervisor und besteht aus einem komplexen Bündel an Modulen, mit denen Cloud-Ressourcen bereitgestellt und orchestriert werden. OpenStack ist Open Source und wird von vielen großen IT-Unternehmen unterstützt, zum Beispiel von HP, Dell, IBM, Google oder auch Red Hat.

VMware und die Schwierigkeiten der OpenStack-Integration

Viele VMware-Nutzer fragen sich, wie sie ihren virtuellen Server-Pool  zur Erstellung einer Private Cloud nutzen können, die anschließend mit einer Public Cloud kommunizieren kann. Vor allem Unternehmen, die viel Zeit und Geld in VMware-Training, -Lizenzen und –Produkte investiert haben, stehen alternativen Private Clouds naturgemäß ablehnend gegenüber. Gerade beim Thema Hybrid Cloud macht eine Gewissen Unschärfe seitens VMware die Sache aber schwierig.

OpenStack in virtuellen VMware-Umgebungen auszuführen ist dabei nicht das Problem. Aber man muss aufpassen, was mit VMware in diesem Zusammenhang gemeint ist. Mit VMwares Hypervisor ESXi gibt es keine Probleme, auf einer höheren Ebene, also bei vSphere und vCenter, gibt es allerdings einige Überschneidungen und Interface-Probleme. Probleme gibt es auch oft mit vSphere-kontrolliertem lokalem Speicher und dem Object Storage OpenStack Swift. Weil Block-Speicher I/O-orientiert arbeitet, hat VMware kein direktes Äquivalent zu OpenStack Swift.

OpenStack, VMware und die Private Cloud

OpenStack war von Anfang an als Cloud-Technologie konzipiert, VMware dagegen kommt aus der Server-Virtualisierung im Data Center. Nachdem es sich hierbei also um zwei unterschiedliche Architektur-Generationen handelt, ist ein direkter Vergleich von OpenStack und VMware schwierig. Manche OpenStack-Dienste korrespondieren zwar mit VMware-Services, aber die Liste ist ziemlich kurz. Von den mehr als 30 Modulen, die offiziell als OpenStack-Projekte gelistet sind, finden nur vier – Nova für Compute, Glance für das Image-Management, Neutron bei Netzwerken und das Horizon Dashboard-Modul – direkte Entsprechungen bei VMware.

Vor allem VMwares vCloud-Strategie erschwert dabei den Vergleich. Obwohl vCloud mit OpenStack konkurriert, fehlt dem Produkt die Reichweite und die Produktvielfalt von OpenStack. Für viele Marktbeobachter ist dies ein Zeichen von VMwares später Akzeptanz der Cloud als Unternehmensrealität, was VMware jetzt zu einer Aufholjagd zwingt.

Auch ein Blick auf die Kosten ist dazu geeignet, die Debatte zwischen OpenStack vs. VMware weiter anzuheizen. VMwares ESXi-Hypervisor mag kostenfrei zu nutzen sein, der Rest des Software-Stacks erfordert aber eine entsprechende Lizenzierung. Da in naher Zukunft ein großes Wachstum bei virtuellen Server-Farmen zu erwarten ist, sehen sich viele IT-Abteilungen derzeit nach kostengünstigeren Alternativen um. Diese Motivation führt Unternehmen oft direkt in die Arme von OpenStack. Die Nutzung von OpenStack mag zugegebenermaßen zu hohen Support-Kosten führen, das gilt aber in ähnlicher Weise unter Umständen auch für VMware-Produkte. Ganz generell dürfte es aber deutlich günstiger sein, den OpenStack-Weg zu wählen.

Gleichzeitig haben viele Unternehmen auch Whitebox-Standard-Hardware im Auge, um die Kosten zu reduzieren. Auch für diese Unternehmen dürfte OpenStack die bessere Wahl sein, da VMware bekanntlich seine eigene Liste an kompatibler Hardware pflegt.

Qualität und Stabilität: Es gibt auch Gründe gegen OpenStack

OpenStack ist gerade einmal drei Jahre alt und befindet sich noch immer in einer frühen Entwicklungsphase. Der Kern mag stabil sein, was Qualitätsstandards betrifft ist OpenStack aber sicher noch nicht in der Lage, es mit VMware-Produkten aufzunehmen. Viele neuen OpenStack-Funktionen befinden sich derzeit noch in der Entwicklung, aber genau hier kann der modulare Ansatz von OpenStack seine Vorteile ausspielen. OpenStack könnte man in der Hinsicht mit einer Art Cloud-Lego vergleichen, dem mit der Zeit mehr und mehr Teile und Module hinzugefügt werden.

Auf der anderen Seite ist aber auch vCloud noch recht neu und weniger ausgereift als vergleichbare Produkte anderer Hersteller. Im Vergleich mit OpenStack muss vCloud also durchaus noch ein paar Funktionen nachrüsten. VMware ist Partnerschaften mit AT&T und Terremark eingegangen, um Hybrid-Cloud-Funktionen anbieten zu können, aber durch den späten Einstieg in den Markt dürfte VMware hier eine steile Lernkurve erwarten. vCloud nutzt interne Hypervisor-Installationen mit Public-Cloud-Funktionen von VMware, was eine wirklich offene, anbieterunabhängige VMware-Option auf lange Sicht unwahrscheinlich macht.

VMware hat im März 2015 eine eigene OpenStack-Distribution veröffentlicht: VMware Integrated OpenStack (VIO). VIO unterstützt OpenStack in vCenter- und vSphere-Umgebungen. Es ist sicherlich noch zu früh, die Auswirkungen von VIO bestimmen zu wollen, aber das neue Produkt schafft letztlich eine weitere Ebene und erhöht so die Indirektheit von VMwares Ansatz, was die Performance beeinträchtigen könnte. Gleichzeitig bleiben natürlich die teuren Lizenzanforderungen für die darunterliegende vSphere-Architektur bestehen.

OpenStack macht sich derzeit auf, in immer mehr Unternehmen Fuß zu fassen, und das auch bei VMware-Kunden. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es einfach nicht mehr gerechtfertigt, VMware pauschal als die bessere Option zu bezeichnen.

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Artikel wurde zuletzt im August 2015 aktualisiert

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