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Modulare Data Center als Grundlage des Edge Computing

Edge Computing verspricht Bandbreitenvorteile und mehr Performance für kleine Standorte. Modulare Data Center bilden hierfür die ideale Grundlage.

Gerade als die CIOs der Welt sich an die Entscheidung darüber gewöhnt haben, welche Bestandteile ihrer IT sie in konzerneigene Data Center, Colocation-Rechenzentren oder die Public Cloud verlagern sollen, gesellt sich eine neue Option hinzu: das Edge Computing.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten des Edge Computing: Erstens über kleine Anlagen, die nachrangige Standorte über Service- oder Colocation-Provider bedienen. Zweitens über modularisierte Mikro-Rechenzentren, die am „Rand“ des eigenen Netzwerks platziert werden.

Unternehmen wie Equinix oder Virtus sind mit ihren hektargroßen Colocation-Standorten auf den ersten Typ spezialisiert. Ihr Ziel ist dabei das Anbieten von Rechenzentrumsfläche für ihre Kunden, viele davon Serviceanbieter, die so ein vollständiges Data Center zur Verfügung haben, das aber von einem Drittanbieter verwaltet wird. Ein mögliches Anwendungsszenario hierfür wäre ein globales Medienunternehmen, das die eigene IT-Plattform in Colocation-Rechenzentren rund um die Welt verteilt, um so die bestmögliche Kapazität, Ausfallsicherheit und Performance zu erhalten. Das funktioniert so lange, bis der ansprechbare Kundenkreis für die Angebote des Unternehmens in Regionen hinein wächst, in denen der Zugriff auf superschnelle Netzwerke begrenzt ist.

Warum nicht als Lösung für dieses Problem ein kleineres Rechenzentrum in der Nähe solcher Standorte aufbauen, das anschließend dedizierte Verbindungen zu den großen Data Centern unterhält und dann neben den eigenen Inhalten auch gleich Netzwerkbandbreite anbieten? Damit wäre das Medienunternehmen in der Lage, effiziente Services einem breiteren Kundenkreis zu vernünftigen Preisen anzubieten.

Dieses Modell kann auch für kleinere Colocation-Akteure funktionieren, so lange sie in der Lage sind, diese Dienste auf lokaler Ebene anzubieten und, wo notwendig, mit den großen Anbietern zusammen zu arbeiten. Die CDNs (Content Distribution Networks) von Akamai, CloudFlare, Limelight oder CDNetworks könnten beispielsweise solche lokalen Standorte für ihr Edge Computing nutzen, Traffic dorthin umleiten und so in den beteiligten Städten eine viel bessere Leistung anbieten.

Auf dem flachen Land kann es Edge Computing einem Service-Provider ermöglichen, zunächst einmal einen Testballon zu starten, statt gleich mit Pauken und Trompeten und einem hektargroßen Rechenzentrumsstandort auf Kundenfang zu gehen und abzuwarten, ob sich die Investition auch tatsächlich je auszahlt.

Der Vorteil modularer Mikro-Rechenzentren

Viele Unternehmen arbeiten heute weltweit an unterschiedlichsten geographischen Standorten. Jeder dieser Standorte kann Zugriff auf wesentliche Unternehmensdaten und -systeme benötigen. Früher wurden solche Anforderungen damit beantwortet, dass man alle Systeme in ein einziges Rechenzentrum verfrachtete, das per Fernzugriff für alle erreichbar war. Oder aber es wurden mehrere unterschiedliche Systeme in die Nähe der Standorte verbracht. Dies kann aber schnell zu versprengten Datensilos führen, die schwer wieder unter einen Hut zu bringen sind.

In solchen Situationen kann Edge Computing über modulare Mikro-Rechenzentren Abhilfe schaffen. Ein gut durchdachtes Rechenzentrum in einem halben oder ganzen Standard-Container kann sogar ganz einfach vorkonfiguriert per Lastwagen transportiert werden. Durch den modularen Aufbau können diese Mikro-Data-Center später beliebig erweitert oder angepasst werden. Schon ein einziges Container-Modul kann als Edge-Rechenzentrum dienen und kleinere Firmenstandorte mit IT-Ressourcen und Colocation- oder Cloud-Anbindung versorgen.

Edge Computing mag derzeit noch eher eine Nischenanforderung sein, dürfte zukünftig aber immer wichtiger werden, vor allem auch wenn es um kurzfristige Kapazitätsengpässe lokaler Workloads geht und der Weg in die Cloud durch die Datenmenge oder Latenz beeinträchtigt wird.

Edge Computing richtig einsetzen

Edge Computing eignet sich aber natürlich nicht für jedes Unternehmen, obwohl es eine exzellente Lösung für Standorte in weniger gut versorgten Gemeinden, Städten, Regionen und Ländern ist, in denen der Zugriff auf unternehmenseigene Anwendungen und Inhalte in einer Geschwindigkeit erfolgen soll, die den Erwartungen heutiger Nutzer entspricht.

Auch große Konzerne sollten also kleinere Anbieter von Rechenzentren am Markt nicht gleich abschreiben. Stattdessen lohnt der Blick auf die möglichen Verbindungen zu den großen Colocation- und Cloud-Anbietern und auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. In den meisten Fällen werden sich große Unternehmen kleinere Anbieter nicht als Haupt-Colocation-Rechenzentrum aussuchen, aber um durch Edge Computing eine höhere Reichweite und bessere Performance zu erzielen, kommen sie mitunter durchaus in Frage.

Weitere Artikel zu modularen Data Centern:

Das modulare Data Center der Sagrada Familia.

Green IT mit modularen Rechenzentren.

Interview mit Huawei zu modularen Data Centern.

Bevor CIOs einen Vertrag unterschreiben, sollte natürlich auch geklärt werden, ob sich die Zukunftspläne des jeweiligen Anbieters auch mit denen des eigenen Unternehmens decken, vor allem was die Abdeckung neuer Regionen und die Wachstumsgeschwindigkeit betrifft. Zusätzlich sollten natürlich auch die Service-Vereinbarungen mit den eigenen Produktversprechen abgeglichen werden. Dabei darf man aber auch den Faktor Mensch nicht vernachlässigen. Im Fall der Fälle ist es wichtig zu wissen, dass man gemeinsam effektiv Fehlerursachen behebt, anstatt sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen zu ergehen.

Auch wenn die formalen Ränder eines Unternehmensnetzwerkes zunehmend verschwimmen, kann Edge Computing jedermann an jeder Stelle auf dem Planeten das Gefühl vermitteln, er arbeite mit denselben Systemen, mit derselben Leistung und mit derselben Funktionalität, als sitze er in der Hauptniederlassung des Unternehmens.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2016 aktualisiert

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