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Kommandozeile vs. GUI: Das richtige Admin-Tool finden

Viele Admins schwören auf ihre grafischen Tools, andere auf die Kommandozeile. Welches die beste Software zum Verwalten eines Servers ist, hängt jedoch stark vom Einsatzzweck ab.

Beim Management von Servern geht es vor allem darum, bestimmte Aufgaben effizient zu erledigen. Am besten also mit möglichst wenig Aufwand für den Administrator. Ob dabei entweder eine grafische Oberfläche oder die Kommandozeile verwendet wird, hängt von den jeweiligen Umständen ab.

Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der es um die Frage Kommandozeile beziehungsweise CLI (Command-line Interface) versus GUI (Graphical User Interface) geht. Selbst Linux ist in Windows-Umgebungen immer häufiger anzutreffen. Das führt dazu, dass sich immer mehr Admins mit dem Open-Source-System und seiner Verwaltung beschäftigen müssen.

So kommt es in den heute vielerorts anzutreffenden heterogenen Rechenzentren nicht selten dazu, dass ein IT-Mitarbeiter mehrere Windows-Server von einer Linux-Maschine aus administrieren muss. Microsoft selbst hat diese Entwicklung mit der Einführung des Windows Subsystems for Linux gefördert und bietet nun auch die Unix-Shell Bash unter Windows an.

Für Linux-Admins ist das eine großartige Möglichkeit, um von einer Plattform aus Aufgaben auf beiden Systemen durchzuführen. Mit Windows Build 17063, das im Dezember 2017 erschienen ist, hat Microsoft zudem die beiden Linux-Tools curl und bsdtar nach Windows 10 portiert. Und dabei wird es nicht bleiben. Der Hersteller plant, in Zukunft noch weitere Linux-Werkzeuge zu portieren.

CLI vs. GUI – die wichtigsten Vor- und Nachteile

Egal, ob es sich um Windows- oder Linux-Tools handelt, sie lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: Entweder können sie mit einer grafischen Oberfläche oder nur auf der Kommandozeile bedient werden. Noch ein Hinweis: Dabei soll es an dieser Stelle aber nicht um Tools für die PowerShell gehen, das ist ein ganz eigenes Thema.

Auch wenn Microsoft seit der Einführung von Windows 2000 viel unternommen hat, um Kommandozeilen-Tools und das Erstellen von Skripten mit VBScript zu fördern, arbeiten immer noch viele Windows-Admins vor allem mit Werkzeugen, die sie über eine GUI steuern können. Die meisten dieser grafischen Tools zur Verwaltung des Betriebssystems basieren auf der Microsoft Management Console (MMC) auf. Die Admins können damit sogar ihre eigenen Werkzeuge erstellen.

Mit Hilfe der MMC kann ein Systemverwalter zum Beispiel das Tool Active Directory-Benutzer und Computer zusammen mit ADSI Edit (Active Directory Service Interface) sowie der Konsole zur Verwaltung des Domain Name Systems (DNS) gemeinsam laden. Damit kann er dann einen großen Teil seiner täglichen Aufgaben gemeinsam erledigen. Die Möglichkeit dieses gemeinsamen Nutzens ist sehr mächtig. Trotzdem gibt es immer noch viele Admins, die weiterhin alle Werkzeuge separat nutzen wollen.

Einer der größten Vorteile der grafischen Tools unter Windows ist, dass sie ähnlich aussehen und dass sie sich in der Regel auch ähnlich bedienen lassen. Wenn ein Admin den Umgang mit einem Tool beherrscht, kann er deswegen meist auch schnell mit einem ähnlichen Werkzeug umgehen. Diese Tools eignen sich außerdem auch besonders für weniger häufig auszuführende Aufgaben, wie zum Beispiel das Anlegen eines neuen Clusters. Dank ihres einfachen Aufbaus und der integrierten Auswahlmöglichkeiten für viele Optionen lassen sich auch diese selten zu erledigenden Aufgaben schneller durchführen.

Ein häufig eingesetztes Standard-Tool mit grafischer Oberfläche ist zum Beispiel der Windows-Explorer. Hier wird er genutzt, um sich den Inhalt eines Ordners anzusehen.
Abbildung 1: Ein häufig eingesetztes Standard-Tool mit grafischer Oberfläche ist zum Beispiel der Windows-Explorer. Hier wird er genutzt, um sich den Inhalt eines Ordners anzusehen.

Grafische Werkzeuge haben aber das Nachsehen, wenn es um das schnelle Erledigen vieler Aufgaben geht. Der dann benötigte ständige Wechsel zwischen Maus und Tastatur, um etwa bestimmte Werte einzugeben, kostet in den meisten Fällen viel an zusätzlicher Zeit.

So musste ich mich einmal um eine Exchange-Migration für ein Unternehmen mit rund 12.000 Mitarbeitern kümmern. Dabei sollte ich zunächst herausfinden, wer Outlook on the Web aktiviert hatte, um dann jeweils mehrere Änderungen an der Konfiguration der einzelnen Nutzer vorzunehmen. Das Klicken durch eine derart große Zahl von Anwendern war ein enorm zeitaufwändiger Prozess, den wohl nur wenige so erledigen wollen.

Auf der anderen Seite lassen sich die meisten Kommandozeilen-Tools in zwei Gruppen einteilen. Zum einen gibt es die Werkzeuge, die jeder kennt und gerne nutzt. Dazu gehören zum Beispiel ipconfig und ping. Für diese Tools gibt es keine adäquaten grafischen Alternativen. Außerdem gibt es sie schon so lange, dass nahezu jeder sie bereitwillig einsetzt. Die zweite Gruppe besteht aus Tools, die nur wenig bekannt sind oder die nur sehr selten benötigt werden. Dazu gehören zum Beispiel chkntfs sowie wmic.

Auf der Kommandozeile dient der Befehl dir dazu, den Inhalt eines Ordners anzuzeigen.
Abbildung 2: Auf der Kommandozeile dient der Befehl dir dazu, den Inhalt eines Ordners anzuzeigen.

Beim Einsatz von Kommandozeilen-Tools gibt es jedoch zwei gewichtige Nachteile. So kann die dafür benötigte Syntax sehr komplex und nur schwer verständlich sein. Es kommt nicht selten vor, dass zwischen einzelnen Befehlen und ihren Parametern nur wenig oder sogar gar keine Übereinstimmungen bestehen. Die meisten Admins müssen deswegen viel Zeit dafür aufbringen, jeden einzelnen Befehl umständlich zu lernen und immer wieder die genaue Syntax nachzuschlagen. Viele Windows-Admins geben deswegen nach einer gewissen Zeit wieder auf und kehren zu ihren grafischen Werkzeugen zurück, da sie weniger Aufwand bei der Benutzung erfordern.

Das zweite und möglicherweise noch gewichtigere Problem ist, dass Kommandozeilen-Tools ihre Ergebnisse in der Regel in Form von Text auf dem Bildschirm ausgeben. Das heißt, sie sind nicht darauf ausgerichtet, mit anderen Anwendungen direkt zusammenzuarbeiten. Admins können dafür in manchen Fällen Workarounds entwickeln, so dass mehrere Kommandozeilen-Tools zusammen eingesetzt werden können. Dabei wird das Ergebnis des einen Werkzeugs per Pipe zu einer anderen Software umgeleitet.

Für viele Windows-Admins ist das jedoch ungewohnt und wird als umständlicher Prozess angesehen. Bei der Verwaltung von Linux gehört dieses Vorgehen jedoch zu den häufig genutzten Standards.

Um dasselbe Ziel auf Windows-Seite zu erreichen, gibt es zudem einige Hürden zu nehmen. So muss der Admin die Textausgabe in einer Art aufbereiten, dass sie das andere Tool auch wirklich versteht und interpretieren kann. Das erfordert nicht selten die Einarbeitung in reguläre Ausdrücke und viel Aufwand bei der Auswahl der richtigen Parameter.

Dazu kommt, dass es keine Garantie gibt, dass der Output eines bestimmten Befehls unter einer anderen Windows-Version auch wirklich derselbe ist. Sobald er sich aber ändert, bricht der ganze Workflow zusammen und die Arbeit beginnt von Neuem.

Szenarien, die für einen Einsatz von grafischen Tools sprechen

Es gibt einige Szenarien, die für einen Einsatz der grafischen Standard-Tools sprechen. Zu ihnen gehören:

  • Wenn es nur darum geht, einen einzelnen Server zu verwalten. In diesem Fall macht es meist keinen großen Unterschied, für welche Tools sich der Admin entscheidet.
  • Die Aufgabe muss nur einmalig auf einem einzelnen Server durchgeführt werden.
  • Es gibt gar kein anderes Werkzeug, um die Aufgabe zu erfüllen.
  • Die Aufgabe ist nur selten zu erledigen und das grafische Werkzeug erleichtert dem Admin die Erledigung.
  • Ein einzelnes Tool kann die benötigte Aufgabe zur Zufriedenheit erledigen.

Diese Vorteile des Einsatzes der grafischen Tools lassen jedoch nach, wenn die Zahl der zu verwaltenden Server steigt. Das Anmelden an einem Server, das Aufrufen der Anwendung und das Durchführen der Aufgabe benötigen allein schon durch das Warten auf die Verbindung und das Starten der Software jeweils viel Zeit. Diese Wartezeiten summieren sich dann auf, so dass sie die Produktivität zum Teil erheblich senken.

Insbesondere, wenn unterschiedliche Aktionen auf mehreren Servern durchgeführt werden müssen, verlieren die grafischen Tools schnell ihre Vorteile. Das gilt vor allem dann, wenn die Aufgaben von der Art des jeweiligen Servers abhängen, also immer wieder angepasst werden müssen. Das führt dann dazu, dass der Admin sich nacheinander mit jedem Server einzeln verbinden muss, um seine Aufgabe zu erfüllen. Noch schlimmer ist es, wenn er sich sogar mehrmals verbinden muss, um erst einen Teil zu erledigen, bevor er mit dem anderen beginnen kann. Dieser Vorgang benötigt nicht nur viel Zeit, er ist auch äußerst fehleranfällig.

Meist ist dies der Zeitpunkt, an dem die Vorteile eines Einsatzes von Kommandozeilen-Tools dann doch wieder eindeutig überwiegen. Außerdem lassen sich mittels Skripting viele der hier beschriebenen Aufgaben automatisieren und so erheblich leichter erledigen.

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Artikel wurde zuletzt im April 2018 aktualisiert

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