kentoh - Fotolia

Hyperkonvergenz: Von der Infrastruktur zur Plattform

Bei Hyperkonvergenz genügt die reine Infrastruktur nicht mehr. Plattformangebote, die verschiedene Cloud-Optionen einbeziehen, sind der letzte Schrei.

Zwei Milliarden Dollar betrug der Gesamtumsatz mit hyperkonvergenten Systemen im Jahr 2016 und dieses Jahr werden es wohl drei Milliarden Dollar werden. Dieses starke Wachstum zeigt die steigende Akzeptanz von Hyperkonvergenz in Unternehmen.

Ihren Erfolg verdankt die hyperkonvergente Infrastruktur (HCI) der einfachen Installation und dem unkomplizierten Betrieb. Im Gegensatz zu traditionellen Infrastrukturen erfordert HCI keinen komplexen Zusammenbau von Komponenten verschiedener Hersteller.

Normalerweise genügen drei Knoten für ein funktionsfähiges HCI, das sich in weniger als einer Stunde aufbauen lässt.

Ein anderes schlagkräftiges Argument für HCI ist die Erweiterbarkeit. Um die Kapazität von Storage und Compute auszubauen, genügt es, einen Knoten zu einem existierenden Cluster hinzuzufügen.

Zudem lassen sich leicht widerstandsfähige Architekturen aufbauen, die aus mehreren verteilten Clustern bestehen. So können Replizierung und Wiederherstellung umgesetzt werden.

Ebenso ins Gewicht fällt das ökonomische Argument. Die einfache Architektur und der Verzicht auf SAN, die Dichte der hyperkonvergenten Knoten und die Eliminierung von Silos sowie die einfache Administration führen alle zu geringeren Kosten. Dazu kommen Ersparnisse bei Lizenz- und Wartungskosten. In den meisten Fällen sind bei HCI Services kostenlos enthalten, für die in traditionellen Architekturen erhebliche Kosten anfallen.

Auch wenn bestimmte Anbieter darüber hinauswachsen wollen, geht es bei Hyperkonvergenz im Grundsatz um Infrastruktur. Die Systeme enthalten Server, Storage und Virtualisierung in einer einzigen betriebsfähigen Appliance.

Der Schlüssel liegt in der enthaltenen Software, die von jedem Hersteller proprietär bereitgestellt wird. Diese stellt mindestens sicher, dass auf einer Maschine Server und Storage zusammen funktionieren und konvergent arbeiten. Das vereinfacht die Architektur des Rechenzentrums.

In der Praxis ist ein HCI oft ein Standard x86-Server oder ein Chassis mit mehreren x86-Knoten, selbst wenn sich das hyperkonvergente System nicht auf x86 beschränkt. Ein Beispiel hierfür ist Nutanix, das im Begriff steht, seine Plattform auf IBM Power 9 zu portieren.

Jeder Knoten enthält normalerweise einige SSDs für den Cache und mehrere Festplatten für die Langzeitspeicherung. Immer stärker setzen sich aber All-Flash-Systeme durch, in denen auf Festplatten verzichtet wird.

Egal, wie sie ausgestattet sind, werden die Laufwerke zu einem virtuellen Speicher-Pool zusammengefasst, auf den alle Knoten zugreifen können. Dies wirkt wie ein externes Array, sei es NAS oder SAN.

Bei der Virtualisierung ist VMware ESXi der Standard. Aber einige Hersteller setzen auch auf eigene Lösungen wie bei Scale Computing oder optional wie bei Nutanix, dessen Hypervisor Acropolis auf KVM aufsetzt. Immer populärer wird Hyper-V, das von Microsoft selbst für den Azure Stack eingesetzt wird.

Entwicklung hin zur Plattform

Seit zwei bis drei Jahren spielt sich die Schlacht um Hyperkonvergenz in erster Linie in der Infrastruktur ab. Neuerdings kommt aber immer stärker HCI als Plattform ins Spiel, getrieben von Nutanix, VMware und Microsoft.

Microsoft hat bisher den HCI-Zug verpasst, ist aber nicht gewillt, das Feld der Konkurrenz zu überlassen. Mit dem neuen Angebot Azure Stack kombinieren die Redmonder eine hyperkonvergente Infrastruktur mit einer Private Cloud Software, die mit der Azure Public Cloud verbunden ist.

Nutanix hat genau wie Microsoft und VMware begriffen, dass es gefährlich ist, bei der reinen Infrastruktur stehenzubleiben. Bei der wachsenden Konkurrenz im Infrastrukturbereich drohen sinkende Margen. Mit seinem Acropolis Hypervisor hat sich Nutanix an das ehrgeizige Projekt einer Software-Plattform gewagt, die das automatische Deployment und die Lebenszyklusverwaltung der Unternehmensanwendungen ermöglicht.

Nutanix arbeitet zudem daran, seine Software auf der Cloud verfügbar zu machen, zunächst durch eine Allianz mit Google. Weitere Partnerschaften sind demnächst zu erwarten. Ziel sind der Aufbau von Services für die hybride Cloud sowie für Disaster Recovery as a Service.

Nutanix will die Attraktivität seiner Plattform für Entwickler dadurch stärken, dass das automatische Deployment von Containern auf der Plattform sowie in der Cloud ermöglicht wird. Hier geht Nutanix erneut mit Google zusammen und setzt auf die Orchestrierungsplattform Kubernetes, die sich zunehmend als Standard durchsetzt.

VMware hat bereits angekündigt, seine Plattformen in die Cloud zu portieren und hat sich dafür Amazon Web Services (AWS) und IBM als Allianzpartner ausgewählt. Zudem werden die Plattformfähigkeiten durch eine Zusammenarbeit mit dem Pivotal, einem Schwesterunternehmen aus dem Hause Dell EMC, erweitert. Die Platform as a Service von Pivotal wird mit dem HCI von VMware verbunden. Damit können Container sowohl in der hybriden als auch in der Public Cloud eingesetzt werden.

Dafür hat VMware eine Vereinbarung mit Google getroffen, bei der es um Kubernetes geht. Eine einsatzbereite Kubernetes-Version namens Pivotal Container Service (PKS) soll mit dem Google Angebot GKS (Google Container Service) interagieren.

Microsoft nimmt den umgekehrten Weg als die Wettbewerber. Mit seiner großen Erfahrung im Bereich Platform as a Service (PaaS) mit Azure soll nun Azure Stack den Weg in die Private Cloud eröffnen.

Azure Stack als HCI wird als Appliance von den Hardwarepartnern Cisco, Dell EMC, HPE und Lenovo angeboten. Dieselben Infrastruktur Services wie auf Azure sollen so ermöglicht werden (VM as a service, Storage as a service, SDN). Außerdem werden Services einbezogen wie Azure Service Fabric, Azure App Service und Azure Service Bus.

Der Azure Resource Manager ermöglicht Templates für Azure. Die Idee dahinter ist, mit solchen Templates die einfache Portierung einer Anwendung von Azure Stack zu Azure und umgekehrt zu ermöglichen.     

Mit fortschrittlichen Angeboten für ihr HCI sowie mit Lebenszyklusverwaltungen wollen sich die Großen Drei über das Niveau bloßer Infrastruktur erheben. Sie wollen Problemfelder in Unternehmen angehen, wie die Wartezeiten beim Start von Anwendungen, den operativen Betrieb, die Größenanpassungen der Infrastruktur bei unerwarteten Belastungen, die Portierung in die Public Cloud und ähnliches.

Dabei wetten sie darauf, dass Anbieter, die sich auf bloße Infrastruktur beschränken, bald an den Rand gedrängt werden.

Auf den Konferenzen von Nutanix und VMware im Herbst 2017 wurden diese Ankündigungen von den anwesenden Unternehmen sehr gut aufgenommen. Das klingt nicht gut für Hersteller wie Cisco, HPE oder NetApp, die sich im Moment auf hyperkonvergente Infrastrukturen begrenzen. Die Letzteren haben die Bedrohung aber begriffen und wollen schnell reagieren.

HPE will mit seiner Methode der „Composable Infrastructure“ seinen Konkurrenten Paroli bieten und hat dazu Allianzen mit Docker und Mesosphere geschlossen.

NetApp hat mit dem Kauf von GreenQloud eine Orchestrierungsplattform erworben, mit der das Problem des Ausrollens von Anwendungen angegangen werden kann.

Cisco hat die Kontrolle über SpringPath übernommen und verfügt über die finanziellen Ressourcen, diese Infrastrukturplattform auszubauen.

In einer Welt, die sich ständig beschleunigt, ist es nie zu spät, zu reagieren.

Folgen Sie SearchDataCenter.de auch auf Twitter, Google+, Xing und Facebook!

Nächste Schritte

Der Markt für hyperkonvergente Infrastrukturen ist in einer Übergangsphase

Hyperkonvergenz für den Mittelstand: Auf die Konfiguration kommt es an

Hyperkonvergenz 2017: Verbesserungen bei Skalierbarkeit und Modularität

Artikel wurde zuletzt im Dezember 2017 aktualisiert

Erfahren Sie mehr über Virtualisierung: Anbietervergleich

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

Close