GUID, NetBoot und Disk Utility: Fünf Mac-Tipps für Windows-Administratoren

Auch Macs tauchen immer häufiger in Unternehmen auf. Damit wird es für Windows-Administratoren Zeit, sich auch mit Mac OS zu beschäftigen.

Mitarbeiter aus dem technischen Desktop-Support müssen sich damit abfinden, dass in Unternehmen zunehmend auch Macs auftauchen. Logischerweise schlägt sich dieser Umstand dann auch in Form von Service-Tickets nieder. 

Als wäre die mentale Gymnastik des Hin- und Herschaltens zwischen Windows XP, Windows 7 und Windows 8 nicht schon Herausforderung genug! Nun bekommen Sie es auch noch mit einem Betriebssystem zu tun, das Ihre Endanwender möglicherweise besser kennen als Sie selbst.

Apple hat Mac OS eigentlich nicht mit dem Hintergedanken an Enterprise-Umgebungen entwickelt. Es gibt aber einige gute Tools von Drittanbietern, mit denen sich Dutzende, Hunderte oder sogar Tausende von Mac-Systemen verwalten lassen. Allerdings hilft das wenig, wenn man Sie ruft, um das MacBook Air des Managers wiederzubeleben. 

Nachfolgend finden Sie einige Mac-Tipps und grundlegende Konzepte, mit denen gerade auch Windows-Administratoren Mac-Systemen erste Hilfe leisten können.

Installieren Sie das Betriebssystem direkt neu

Wie jedes andere Betriebssystem kann auch Mac OS beschädigt sein und dadurch Instabilitäten aufweisen. Im schlimmsten Fall lässt sich das Betriebssystem gar nicht mehr starten. Bei Windows bedeutet so etwas oftmals eine lange Sitzung an Stoßgebeten, während beispielsweise Startup Repair sein Bestes versucht. Sollte das nicht funktionieren, retten Sie entsprechend möglichst viele Daten und installieren das Betriebssystem neu.

Beim Neuinstallieren von Mac OS ist es möglich, die Applikationen, Daten und Einstellungen des Nutzers beizubehalten. Genau genommen ist das bei einer Installation die Standardeinstellung von Mac OS. Die Neuinstallation ist mithilfe einer versteckten Wiederherstellungs-Partition, wie im nächsten Tipp beschrieben, realisierbar. Auch die Nutzung eines Apple Servers oder irgendeines bootfähigen Gerätes wäre denkbar.

GUID, Disk Utility und NetBoot: So machen Sie Mac OS wieder fit

Vor einigen Jahren hat Apple das Partions-Schema GUID (Global Unique Identifier) angenommen. Dadurch ist das neue Partitionieren einer Festplatte sehr einfach. Bei GUID kann auf jeder dieser Partitionen ein bootfähiges Mac OS liegen.

Noch besser ist GUID seit Mac OS 10.7 „Lion“, auf dem Macs seitdem eine versteckte Wiederherstellungs-Partition vorhalten. Zudem gibt es entsprechende Tools, damit Sie ein defektes Betriebssystem reparieren oder ersetzen können.

Mit dem Tool Disk Utility von Mac OS X lässt sich das Betriebssystem reparieren.

Weiterhin ist moderne Mac-Hardware in der Lage, mithilfe von NetBoot auf Apple Server zuzugreifen. Damit können Sie den Rechner mit einer nagelneuen oder total defekten Festplatte starten. Macs sind Meister im Multi-Booting, auch wenn die meisten Endanwender  diese vorteilhafte Funktion wohl nie in Anspruch nehmen werden.

Die Anwendung Disk Utility finden Sie auf dem Boot-Datenträger im Ordner /Application/Utilities. Nachdem Sie von der Wiederherstellungs-Partition oder einem Installations-Assistenten gestartet haben, finden Sie das Tool auch im entsprechenden Fenster. Mit diesem Programm können Sie die komplette Wartung, Reparaturen und die gesamte Partitionierung vornehmen.

Eines der wichtigsten Tools aus der Trickkiste ist eine externe FireWire- oder Thunderbolt-Festplatte, die für Mac OS formatiert ist und mindestens eine kleine Boot-Partition beinhaltet. Es ist auch möglich, ein startfähiges USB-Gerät zu erstellen. Das kann unter Umständen aber quälend langsam sein. Im Verlauf dieses Beitrags werde ich noch genauer auf einige Beispiele eingehen.

Der Migrationsassistent unterstützt Sie bei der Nutzermigration

Einen Anwender auf einen anderen Computer zu übertragen kann sowohl für den Nutzer als auch den Support-Techniker ein Zeitfresser sein. Auch wenn Microsoft mithilfe von Easy Transfer sein Bestes getan hat, kann sich die Prozedur immer noch recht aufwendig gestalten. Weil Apple Hardware und Software herstellt, hat das Unternehmen großes Interesse daran, die Migration auf eine nagelneue Maschine so einfach wie möglich zu machen. Tatsächlich lassen sich Daten sowohl von einem Windows-PC als auch einem Mac importieren.

Der Migrationsassistent kann auch Windows-Daten importieren.

Beim ersten Start eines Macs bekommen Sie die Option, Daten von einem anderen Mac oder PC zu migrieren. Für Mac zu Mac brauchen Sie ein geeignetes Netzwerk, ein Thunderbolt- oder FireWire-Kabel – und ja, es gibt sowohl Kabel für FireWire 400 als auch FireWire 800.

Die Mac-Hardware erkennt die direkte Verbindung und überkreuzt die Empfangs- und Sende-Drähte von Ethernet elektronisch. Sie müssen also kein so genanntes Crossover-Kabel aus dem Schrank kramen. Das Konfigurationsprogramm des Macs führt Sie durch die weiteren Schritte.

Sie können den Migrationsassistenten auch erst nach der Ersteinrichtung laufen lassen. Die Anwendung befindet sich im Ordner Dienstprogramme. Sollten Sie diesen Weg wählen, stellen Sie sicher, dass sich die Anwendernamen der beiden Systeme unterscheiden. Sie können das verwendete Konto später immer noch löschen.

Bei der Nutzermigration von Mac zu Mac wird der Migrationsassistent Anwenderkonten, Anwendungen und sämtliche System- und Nutzereinstellungen übertragen.

Von PC zu Mac überträgt die Software Nutzerkonten und deren Einstellungen. Logischerweise können hier natürlich keine Anwendungen übertragen werden. Sollte der Endanwender einige Windows-only-Programme brauchen, würde sich am besten der Einsatz einer virtuellen Maschine (VM) anbieten. Die zwei bekanntesten Virtualisierungsprogramme sind Parallels und VMware Fusion. Mit beiden lässt sich ein virtueller Klon des ursprünglichen PCs erstellen.

Mac OS bietet auch eine optionale Funktion an, die sich Boot Camp nennt. Damit können Sie eine Windows-Partition auf der Mac-Festplatte erstellen und dort das Microsoft-Betriebssystem installieren. Für die Benutzung ist allerdings jedes Mal ein Neustart notwendig, was die Sache etwas umständlicher macht als eine virtuelle Maschine. Auch Sicht der Performance ist ein natives Betriebssystem allerdings natürlich immer schneller als eine VM.

All diese Möglichkeiten unterstützen Windows-Versionen von Windows XP SP2 bis Windows 8. Das gilt genau genommen auch für alle populären Linux-Distributionen.

Mithilfe des Migrationsassistenten ein Basis-Abbild erstellen

Beim Migrationsassistenten gibt es für Enterprise-Umgebungen noch einen weiteren cleveren Trick. Sollte die IT-Abteilung ein Basis-Abbild inklusive bestimmter Einstellungen haben, die alle Mac-Anwender erhalten sollen, klonen Sie dieses einfach auf die bootfähige Partition eines externen Datenträgers. Sie können diesen dann an einen Muster-Mac mit grundlegenden Einstellungen und vorinstallierten Applikationen hängen und Ihr Basis-Abbild von dort „migrieren“.

Behalten Sie aber im Hinterkopf, dass Sie mehrere bootfähige Partitionen auf einem Mac haben können. Sollte es mehrere Wunschkonfigurationen geben, können diese alle auf einem Datenträger sitzen.  

Dem Migrationsassistenten ist es egal, ob die Hardware unterschiedlich ist oder ob es sich um eine etwas ältere Version des Betriebssystems handelt. Benötigtes wird importiert, ältere und nicht mehr lauffähige oder inkompatible Software sortiert das Programm einfach aus.

Es gibt auch Tools, mit denen Sie die komplette Festplatte auf einen neuen Computer klonen können. Dazu gehören Carbon Copy Cloner oder SuperDuper. Hier kann es allerdings zu Problemen kommen, auch wenn die derzeitigen Versionen von Mac OS zum Großteil mit älterer Hardware kompatibel sind. Klonen Sie nämlich ein älteres Abbild auf neue Hardware, startet das System möglicherweise nicht mehr. Das gilt auch dann, wenn es sich um dieselbe Softwareversion handelt.

Der älteren OS-Version fehlen möglicherweise ganz einfach notwendige Treiber für die neue Hardware. Mac OS verwendet außerdem den Cache ausgiebig, um den Boot-Vorgang und das Starten von Anwendungen zu beschleunigen. Selbst wenn Sie eine Maschine auf die gleiche Generation klonen, ist ein Erfolg nicht garantiert.

Eine Migration stellt einen sauberen und neuen Cache zur Verfügung. Diese Klon-Tools sind definitiv nützlich, wenn Sie Ihr System vor einem größeren Update oder einer Reparatur spiegeln wollen.

Ein weiterer Mac-Tipp: Sie finden die genaue Version (Build) Ihres Mac OS unter „Über diesen Mac“ im Apple-Menü. Klicken Sie auf die Versionsnummer und der Build wird erscheinen. Klicken Sie nochmal darauf, bekommen Sie die Seriennummer der Hardware.

Über das Apple-Menü erfahren Sie, welchen Build Sie im Einsatz haben.

Der Finder als Äquivalent zum Windows Explorer

Sind Sie mit einem Betriebssystem aufgewachsen, fühlt man sich bei der Berührung mit einem neuen zunächst etwas hilflos. Der Finder ist das Apple-Äquivalent zum Windows Explorer. Hier dürfen Sie zwischen verschiedenen Ansichten wie Listen oder Spalten wechseln. Haben Sie ein Dokument geöffnet und wollen den Speicherort erfahren, halten Sie die Command-Taste (früher Apfel-Taste, nun mit cmd bezeichnet) gedrückt und klicken Sie auf den Dateinamen in der Menüleiste. Ziehen Sie auf einen der eingebetteten Ordner, öffnet sich dieser in Finder.

Die Statusleiste zeigt den freien Speicherplatz.

Wie bei Windows lässt sich der Finder auch so einstellen, dass dieser den gesamten Dateipfad per Standard anzeigt. Öffnen Sie irgendeinen Ordner, können Sie sich mithilfe des Finder-Menüs Pfad- und Statusleiste anzeigen lassen. Dort sehen Sie, wie viele Dateien sich im Ordner befinden und wie viel Speicherplatz auf der Festplatte noch frei ist.

Diese Mac-Tipps sind nur einige Tricks, mit denen sich an Windows gewohnte Desktop-Administratoren behelfen können, um plattformübergreifend den Überblick nicht zu verlieren. In meinem nächsten Artikel sehen wir uns die Kommandozeile, den „Gray Screen of Death“ und weitere Komponenten an.

Über den Autor:
Ric Getter ist Programmierer und Analyst am Portland Community College. Seine Spezialgebiete sind Enterprise-Software, Remote-Systeme und Anwendungs-Management. Getter schreibt seit 1999 regelmäßig über Computer.

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Artikel wurde zuletzt im März 2014 aktualisiert

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