Diversifizierung in der Cloud: Die richtige Strategie schützt vor Abhängigkeit

Cloud-Anbieter binden sich nicht gerne langfristig an Vertragsinhalte. Die Strategie der Cloud-Diversifizierung lindert das Problem.

Die Frustration von CIOs, ihre Cloud-Anbieter zu einem langfristigen Vertrag zu bewegen, beantwortet die auf Cloud-Verträge spezialisierte Juristin Rebecca Eisner mit technischen Gründen: „Ein Cloud-Anbieter möchte sich Flexibilität bewahren, da sich der Markt beständig in Bewegung befindet. Können Anbieter dann ihre Positionierung und Grundlagen nicht flexibel ändern, könnten sie schnell konkurrenzunfähig werden“, konstatiert die Partnerin der Chicagoer Kanzlei von Mayer Brown LLP.

Eisner, deren Kanzlei in jüngster Zeit „jede Menge Cloud-Verträge abgewickelt“ habe, gibt an, dass die mit ihr zusammenarbeitenden Anbieter ihre Flexibilität zwecks Wandel und Anpassung an den Markt beibehalten wollen, nur so ließe sich letztlich ihr Überleben sichern: „Sie erwarten Kündigungsrechte und das Recht, die Dienste zu jeder Zeit nach ihrem Bedarf verändern zu können.“

Diese Unverbindlichkeit ist es, die CIOs und Unternehmen in Bedrängnis bringt. Vermutlich ist dies sogar der wichtigste Grund, der Kunden von Mayer Brown davon abhalte, den Schritt in die Cloud zu wagen, meint Eisner. 

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Statt jedoch den Unwillen der Cloud-Anbieter zu einer festen Bindung zum Anlass zu nehmen, die Cloud zu meiden, sollten Interessenten Eisners Rat zufolge Stabilität und Sicherheit durch eine Diversifizierung ihrer Cloud-Strategie erzielen, also mehrere Cloud-Anbieter gleichzeitig nutzen.

„Sie sollten niemals alles auf eine Karte setzen“, erklärt Eisner. Schließlich könnten Cloud-Anbieter durchaus auch einmal Pleite gehen, oder Cloud-Startups von Unternehmen mit abweichenden Zielen aufgekauft werden. 

Eine Ausweichmöglichkeit sei immer wichtig. Eine diversifizierte Cloud-Strategie umfasse ähnlich wie ein diversifiziertes Finanzportfolio „mehrere Anbieter, die mehrere Optionen bieten, so dass man sich gegen einige dieser Risiken absichern kann“, so Eisner.

Analyst Rick Villars, Vice President Datacenter und Cloud beim Marktforschungsunternehmen IDC, ist ebenfalls Befürworter der Risikostreuung zur Verringerung all der Risiken, die ein volatiler Cloud-Markt birgt. Für den Bereich Infrastructure-as-a-Service (IaaS) sagt IDC laut Villars für das Jahr 2015 gegenwärtig für 75 Prozent aller IaaS-Produkte voraus, dass diese verändert, umgestellt oder auslaufen werden. Durch eine diversifizierte Cloud-Strategie „schützen Sie sich davor, als Opfer eines einzelnen Anbieters eine Dienstunterbrechung erleiden zu müssen“, meint Villars.

Cloud-Diversifizierung folgt der Evolution des Outsourcings

Neben der Risikominderung durch unabsehbare Entwicklungen bei Anbietern liegt ein weiterer Vorteil einer diversifizierten Cloud-Strategie in der strategischen Platzierung von Workloads. Durch diese Optimierung lässt sich letztendlich auch der Geschäftserfolg erhöhen. Dies sei auch der Grundgedanke des IT-Outsourcings gewesen, so Eisner.

Beim IT-Outsourcing folgten Unternehmen anfangs dem Trend, möglichst alle Leistungen zu bündeln und bei einem einzigen Anbieter und Ansprechpartner unterzubringen, meint die Juristin. Viele CIOs hätten aber bereits früh erkannt, dass sie mehr Leistung für ihr Geld bekommen, wenn sie die Arbeitslasten aufteilten. 

Damit gilt inzwischen die Devise, „diesem Anbieter meine Anwender-IT zu überlassen, jenem meine Mainframes, einem dritten meine Serverdienste und schließlich einem weiteren mein Hosting“, erklärt Eisner.

Villars stimmt zu, dass Unternehmen auch beim Thema Cloud zunehmend auf diesen Ansatz vertrauen: „Man versucht im Grunde, verschiedene Datensätze und verschiedene Dienste an den optimalen Einsatzort zu verbringen, so dass am Ende der bestmögliche Erfolg eintritt.“

Der zweite Teil dieser Artikelserie erscheint am Sonntag, den 8. März, und zeigt Wege aus der Komplexitätsfalle, in die CIOs durch diversifizierte Cloud-Strategien geraten können.

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Artikel wurde zuletzt im März 2015 aktualisiert

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