Dieser Artikel ist Teil unseres Guides: Profi-Tipps zu Windows Server 2016

Diese Vorteile bringt Nested Virtualization in Windows Server 2016 Hyper-V

Windows Server 2016 Hyper-V wird erstmals auch die verschachtelte Virtualisierung unterstützen. Aber welche Vorteile bietet Nested Virtualization?

Eine der vielen neuen Möglichkeiten mit Windows Server 2016 besteht in der verschachtelten Virtualisierung, auch Nested Virtualization genannt. Erstmals wird es damit möglich sein, einen Hyper-V-Host zu virtualisieren, um dann Hyper-V und die dazugehörigen virtuellen Maschinen innerhalb einer VM ausführen zu können. So faszinierend diese Idee vom technischen Standpunkt her erscheinen mag, stellt sich doch die Frage, für welche Szenarien man die Nested Virtualization in Hyper-V 2016 tatsächlich einsetzen würde.

Um ehrlich zu sein wird Nested Virtualization in Hyper-V 2016 in Produktionsumgebungen vermutlich noch keinen allzu großen Vorteil bringen – zumindest derzeit noch nicht. Das soll aber natürlich nicht bedeuten, dass es keinerlei Anwendungsfälle für die verschachtelte Virtualisierung gibt, oder gar, dass Nested Virtualization nicht zukünftig doch noch einen großen Nutzen bringen könnte.

Wer allerdings nur einige Domain Controller und ein paar Anwendungs-Server in einer virtuellen Umgebung betreibt, den wird die verschachtelte Virtualisierung keinen einzigen Schritt weiterbringen.

Testumgebung mit Nested Virtualization

Wofür also ist die verschachtelte Virtualisierung gut? Im Grunde gibt es mindestens drei potenzielle Szenarien, in denen Nested Virtualization einen Mehrwert bietet

Der erste – und offensichtlichste – Anwendungsfall ist der Aufbau einer Test- und Entwicklungsumgebung. Oft benötigen Entwickler und IT-Abteilungen experimentellen Zugriff auf virtualisierte Umgebungen. In der Vergangenheit wurden solche Umgebungen meist durch die Nutzung eines dedizierten physischen Servers angelegt, der dann mit Hyper-V ausgestattet wird und der IT-Abteilung anschließend zum Ausprobieren zur Verfügung steht.

Das Problem bei diesem Ansatz liegt in den hohen Kosten. Manche IT-Abteilung hat schlicht gar nicht das Budget für Entwicklungs- und Test-Hardware. Und selbst wo das nicht unbedingt ein Problem darstellt,  kann es schwierig werden, von der Führungsebene einen dedizierten Server genehmigt zu bekommen, der die meiste Zeit sehr unausgelastet bleiben wird.

Verschachtelte Virtualisierung kann dieses Problem potenziell lösen, indem der IT-Abteilung innerhalb isolierter Umgebungen das Erzeugen von Test- und Entwickler-VMs erlaubt wird, ohne dabei die für dedizierte Hardware entstehenden Kosten zu verursachen.

Die komplette Test- und Entwicklungsabteilung kann dann auf einem einzigen virtualisierten Hyper-V-Server untergebracht werden. Zugegebenermaßen benötigt diese VM dann erhebliche Mengen an Hauptspeicher, virtuellen CPUs und Storage, wenn die virtualisierte Umgebung effektiv sein soll. Hyper-V unterstützt aber auch Large-Scale-VMs. Selbst eine wirklich große virtuelle Maschine wird dabei nicht zwangsläufig genug Hardwareressourcen in Anspruch nehmen, um einen dedizierten physischen Host-Server zu rechtfertigen.

Verschachtelte Virtualisierung zur Schulung nutzen

Ein zweiter Anwendungsfall für verschachtelte Virtualisierung sind Schulungen. Einen noch unerfahrenen Mitarbeiter würde man sicherlich nicht an Produktivsystemen schulen, stattdessen kann das Training durch Nested Virtualization an einer eigenen TestLab-Umgebung erfolgen.

Selbst wenn Unternehmen meist keine gänzlich unerfahrenen Administratoren einstellen, könnte sich die verschachtelte Virtualisierung trotzdem für Schulungszwecke eignen. Beim nächsten großen Release nach Windows Server 2016 könnte so beispielsweise in einer verschachtelt virtualisierten Umgebung der Migrationsprozess trainiert werden.

In der Vergangenheit hätte man Migrationstests an Hypervisoren in Laborumgebungen mit extra dafür vorgesehener Hardware durchgeführt. Tatsächlich können die Hardwareanforderungen hierfür schnell in die Höhe schnellen, zum Beispiel wenn es bei dem Test um ein geclustertes Hyper-V-Deployment geht. Mit Nested Virtualization ist es ab Hyper-V 2016 aber möglich, virtuelle Hyper-V-Cluster zu erzeugen und den Migrationsprozess zu testen, ohne hierfür dedizierte physische Hardware anschaffen zu müssen.

Nested Virtualization als günstige Private Cloud

Der letzte Anwendungsfall lässt sich als günstige Private Cloud durch Nested Virtualization beschreiben. Die meisten Private-Cloud-Deployments basieren auf der Annahme, dass es eine gewisse Anzahl von Anwendern oder Abteilungen gibt, die Bedarf an der Erstellung und Konfiguration eigener virtueller Maschinen haben. Auch wenn dies einfach genug erscheint, ist das Anlegen einer Private Cloud in der Praxis eine komplexe und kostenintensive Unternehmung.

Nested Virtualization in Hyper-V 2016 kann Administratoren die Möglichkeit bieten, erfahrenen Anwendern alternativ zu einer Private Cloud virtuelle Hyper-V-Server an die Hand zu geben. Da solche Hyper-V-Server virtuell sind, hat der Administrator auch weiterhin die Möglichkeit zur Beschränkung des Ressourcenverbrauchs, so wie es auch in einer echten Private-Cloud-Umgebung der Fall wäre. Hyper-V unterstützt in Windows Server 2016 sogar das Hinzufügen von Storage und Netzwerkadaptern im laufenden Betrieb, so dass Administratoren die Möglichkeit des Hinzufügens zusätzlicher Hardware zu einem virtualisierten Hyper-V-Server haben, ohne dafür Downtime in Kauf nehmen zu müssen.

Oberflächlich betrachtet wirkt die verschachtelte Virtualisierung also eher wie ein verspieltes neues Feature. Gräbt man jedoch etwas tiefer, so finden sich durchaus Situationen, in denen sich Nested Virtualization als ungemein nützlich erweist – auch wenn es sich dabei nur um eine Nischentechnologie handelt.

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Artikel wurde zuletzt im März 2016 aktualisiert

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