Der Raspberry Pi als kostengünstige Alternative zu herkömmlichen Thin Clients

Seit der Ankündigung des Citrix HDX Ready Pi gilt der Raspberry Pi als Alternative zu Thin Clients. Die Leistung reicht für einfache Anwendungsfälle.

Spätestens nachdem Citrix auf der Citrix Synergy 2016 seine eigene Raspberry-Pi-Variante Citrix HDX Ready Pi vorgestellt...

hat, sollten sich IT-Abteilung der Möglichkeit bewusst sein, dass diese Low-Cost-Rechner demnächst als kostengünstige Thin Clients in Unternehmen Einzug halten könnten.

Ein Raspberry Pi ist ein kleiner Einplatinencomputer mit System on a Chip (SoC) von Broadcom. Typischerweise werden Raspberry Pis als besonders kostengünstige Lösung im Bildungsbereich eingesetzt, bei einem Preis von 35 US-Dollar wurden aber schnell weitere Anwendungsfälle gefunden, darunter auch der Einsatz als Thin Client für VDI-Umgebungen (Virtual Desktop Infrastructure).

Hierfür ist Citrix eine Partnerschaft mit der Raspberry Pi Foundation eingegangen, um einen Raspberry Pi 3 (Rpi3) zusammen mit der Citrix HDX-Technologie für den Einsatz als Thin Client für XenDesktop und XenApp zu optimieren. Das Resultat ist als Citrix HDX Ready Pi für ca. 75 bis 90 US-Dollar über die Hardwareanbieter ViewSonic und Micro Center erhältlich, was diese Lösung zu einer der günstigsten Thin-Client-Optionen auf dem Enterprise-Markt macht. Alleine der günstige Preis wird schon für viele Unternehmen Grund genug sein, über die Anschaffung nachzudenken – IT-Abteilungen sollten sich also zumindest mit dem Grundkonzept vertraut machen.

Was ist ein Raspberry Pi Thin Client?

Raspberry Pis bestehen aus einer Hauptplatine, die gerade einmal die Größe einer Kreditkarte hat und trotzdem mit HDMI-, Ethernet- und vier USB-Anschlüssen ausgestattet ist. Strom wird ebenfalls über USB geliefert, als Betriebssystem kommt Linux zum Einsatz. Abgesehen von der USB-Stromversorgung und dem geringen Preis unterscheiden sich Raspberry Pi Thin Clients von anderen Linux Thin Clients aber auch durch die Verwendung anderer CPUs. Im Raspberry Pi kommt ein ARM-Prozessor statt einer x86-basierten CPU zum Einsatz. Damit sind der Software Grenzen gesetzt, die auf dem RPi3 eingesetzt werden kann und für eine optimale Performance sollte diese an die spezielle Architektur des Raspberry Pi angepasst werden.

Normalerweise werden Raspberry Pis einfach nur als Hauptplatine und nicht wie der Citrix HDX Ready Pi als betriebsfertiger Computer verkauft. Damit müssen IT-Abteilungen zusätzlich noch ein Gehäuse, eine Speicherkarte, Stromversorgung sowie Maus, Tastatur und einen Bildschirm zur Verfügung stellen, um einen funktionsfähigen Thin Client daraus zu machen. Aber trotz all dieser Extrakosten ist ein Raspberry Pi Thin Client noch immer wesentlich günstiger die meisten anderen Low-Cost Thin Clients. Ein RPi3 Thin Client sollte für um die 200 Euro machbar sein.

Natürlich befinden wir uns bei der Nutzung von Raspberry Pis als Thin Clients noch immer in einer frühen Nutzungsphase, daher gibt es auch nur einige wenige spezielle Linux-Versionen für Thin Clients, die tatsächlich auch mit Raspberry Pis umgehen können, zum Beispiel ThinLinX TLXOS. Die geringe Auswahl an Thin-Client-Software zeigt, wie wenig etabliert diese Art der Thin-Client-Bereitstellung noch ist, aber die Unterstütztung von Citrix wiederum könnte enormen Schwung bringen. Momentan ist es aber eigentlich noch keine gute Idee, einen VDI-Client zu empfehlen, der IT-Abteilungen so wenig Management-Möglichkeiten an die Hand gibt.

Der Raspberry Pi als Thin Client im Test

Der Raspberry Pi wurde als Thin Client in einer VMware Horizon-View-Umgebung getestet, hierfür kam der Linux-Build des Rapsberry Pi Thin Client Projects zum Einsatz. Damit können Boot-Images erstellt und angepasst werden, zudem lässt sich zusätzliche Client-Software und Support für lokale Drucker oder Remote-Zugriff hinzufügen. Endanwender dürften damit zwar überfordert sein, IT-Abteilungen sollten aber in etwa einer Stunde ein funktionierendes Basis-Image erstellt haben.

Im Test wurde einfach nur der Horizon Client hinzugefügt und der RPi3 neu gestartet. Die Horizon-View-Umgebung nutzte ein SSL-Zertifikat, das von einer eigenen Zertifizierungsstelle ausgestellt wurde, wodurch der Horizon Client noch angewiesen werden musste, nicht-vertrauenswürdige Zertifikate zu akzeptieren. Mit etwas Zeitaufwand hätte man dem Boot Image aber auch ein vertrauenswürdiges Zertifikat hinzufügen können, dieser Punkt sollte für IT-Abteilungen im Unternehmen also kein großes Problem darstellen.

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In wenigen Minuten war es im Test anschließend möglich, einen Desktop auf einem Full-HD-Bildschirm auszuführen. Der RPi3 liefert für seine günstige Hardwareausstattung eine gute, im Vergleich aber natürlich nur mittelstarke Performance ab. Für Word und Outlook oder normale Internetnutzung reicht die Leistung aber allemal. Im Vergleich zu einem Mac, über den auf den gleichen virtuellen Desktop zugegriffen wurde, war der Raspberry Pi zwar nicht ganz so responsiv, ein Mac kostet aber natürlich auch in etwa zehn Mal so viel. Alles in allem liegt die Performance des RPi3 als Thin Client aber durchaus im gleichen Leistungsbereich wie die anderer Low-Cost-Clients.

Damit schränkt sich der Anwendungsbereich von Raspberry Pi Thin Clients klar auf normale Büroarbeiten ein, bei denen gleichzeitig meist nur eine Anwendung verwendet wird, beispielsweise zur Dateneingabe oder für den Kundensupport. Ein weiterer Anwendungsfall wäre auch die Nutzung im Kiosk-Modus, bei dem Anwender nur sehr kurz oder mit wenig leistungsintensiven Applikationen arbeiten und die Performance daher weniger wichtig ist als die Kosten.

Das größte Problem beim Deployment von Raspberry Pi Thin Clients ist derzeit ganz klar noch das Fehlen guter Support-Tools. Ohne ein Policy-basiertes Management-Tool ist es momentan noch schwer vorstellbar, das Boot-Image für mehrere Hundert Raspberry Pis aufzusetzen und zu verwalten. Zudem eignet sich der Raspberry Pi natürlich lediglich als Thin Client für Anwendungsfälle, in denen ihm nicht allzuviel abverlangt wird.  

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2016 aktualisiert

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