alphaspirit - Fotolia

Sieben Überlegungen zum Kauf von Management-Tools für virtuelle Umgebungen

Tools zum Management virtueller Umgebungen bieten eine große Funktionsvielfalt. Vor der Kaufentscheidung sollte eine gründliche Bedarfsanalyse stehen.

Viele verschiedene Hersteller bieten Management-Tools für virtuelle Umgebungen an. Administratoren stehen damit vor der Herausforderung, den Bedarf nach entsprechenden Lösungen im eigenen Unternehmen zu evaluieren und anschließend aus der schier unüberschaubaren Menge an Management-Tools das passende für die eigene Umgebung auszuwählen.

Die folgenden sieben Überlegungen können Administratoren dabei helfen, das für sie richtige Produkt aus der Vielzahl an vorhandenen Managementlösungen auszuwählen.

1. Wie skaliert die virtuelle Umgebung?

Die erste Überlegung, die man hierbei anstellen sollte, betrifft die Größe der virtuellen Umgebung. Hypervisoren wie VMware ESXi und Microsoft Hyper-V beinhalten bereits eingebaute Werkzeuge für die Verwaltung. Solche Tools eignen sich vor allem für alltägliche Aufgaben, wie etwa das Anlegen, Ändern und Löschen von virtuellen Maschinen (VMs). Für größer skalierende Umgebungen eignen sich diese Tools allerdings üblicherweise nicht.

Im Fall von Microsoft Hyper-V bietet das eingebaute Werkzeug für die Verwaltung, der Hyper-V Manager, eine auf Server zentrierte Ansicht der virtuellen Infrastruktur. Der Hyper-V Manager bietet allerdings keine konsolidierte Ansicht aller Hosts und VMs eines Unternehmens. Die einzige Möglichkeit, eine solche Ansicht zu erhalten, ist der Rückgriff auf zusätzliche Verwaltungswerkzeuge oder ein tiefes Eintauchen in die PowerShell.

2. Welches Management-Tool ist derzeit im Einsatz?

Die zweite Überlegung sollte der Frage gelten, welche Virtualisierungssoftware derzeit genutzt wird. Native Werkzeuge im Lieferumfang des Hypervisors sind speziell auf diesen Hypervisor zugeschnitten, normalerweise aber auf keine Produkte anderer Hersteller. Für Unternehmen, die sowieso auf nur einen Anbieter setzen, stellt dies natürlich kein Problem dar. Werden aber Hypervisoren unterschiedlicher Anbieter verwendet, dann kommt die Nutzung der Hypervisor-Bordmittel meist schon nicht mehr in Frage. Damit müssten Administratoren für die Verwaltung unterschiedlicher Hypervisoren auch mehrere verschiedene Tools einsetzen.

Allerdings muss auch beim Einsatz mehrerer Hypervisoren nicht zwangsläufig ein Drittanbieter-Tool verwendet werden, auch wenn diese meist hilfreiche Zusatzfunktionen bieten. Oft bieten auch Drittanbieter-Lösungen nicht für alle im eigenen Unternehmen verwendeten Virtualisierungsprodukte Unterstützung, falls aber doch, dann steht darin meist auch eine einheitliche Oberfläche  für die VM-Verwaltung über verschiedene Hypervisoren hinweg zur Verfügung. So kann zum Beispiel Microsofts System Center Virtual Machine Manager (SCVMM) neben Hyper-V auch VMware- und Citrix-Hosts verwalten und natürlich die darauf ausgeführten virtuellen Maschinen.

3. Wie sieht das zukünftige Wachstum aus?

Ein dritter Aspekt, der auf jeden Fall berücksichtigt werden sollte, ist die aktuelle Planung für das zukünftige Wachstum der virtuellen Umgebung. Man nehme beispielsweise an, aktuell wäre die Server-Umgebung noch relativ klein und besteht aus wenigen Hosts und ein paar Dutzend VMs. Eine solche Umgebung kann meist noch recht gut mit den eingebauten Werkzeugen ausreichend verwaltet werden. Sollen zukünftig aber weitere Host-Server hinzugefügt oder zusätzliche VMs angelegt werden, so könnte ein natives Management-Tool schnell an seine Grenzen stoßen.

Selbst wenn keine konkreten Wachstumspläne vorliegen ist es eine gute Idee, einen Blick auf die historische Entwicklung der virtuellen Maschinen im Unternehmen zu werfen. Ist die Anzahl virtueller Maschinen in der Vergangenheit stark gestiegen, dann dürfte die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres Wachstum recht hoch sein. Selbst wenn also aktuell noch kein ausgewachsenes Management-Tool benötigt wird, schadet in dieser Situation ein Blick auf mögliche Optionen nicht.

4. Wie dynamisch muss die Umgebung sein?

Die vierte Überlegung zur Bedarfsermittlung einer Managementlösung für virtuelle Umgebungen betrifft die Dynamik der Infrastruktur. Mit anderen Worten: Wie dynamisch ändert sich die Umgebung normalerweise? Diese Überlegung dreht sich vorrangig um die Migration von VMs und weniger um die Planung für ein zukünftiges Wachstum.

Man nehme zum Beispiel an, es wären drei Virtualisierungs-Hosts vorhanden und es finden kaum VM-Migrationen zwischen den Hosts statt. Diese Umgebung wäre also als sehr statisch zu betrachten. In dieser Situation ist es leicht nachzuvollziehen, wo welche virtuelle Maschine gehostet wird, weil diese nur selten verschoben werden. Andererseits gibt es aber auch virtuelle Umgebungen, in denen virtuelle Maschinen sehr häufig zwischen Hosts verschoben werden, beispielsweise zum Load Balancing.

Letztendlich ist ein Management-Tool für virtuelle Server, das keinen verständlichen Überblick über Hosts und virtuelle Maschinen liefert, wenig brauchbar, wenn in der entsprechenden Umgebung viele VM-Migrationen vorgenommen werden. In diesem Fall müsste jede virtuelle Maschine zuerst manuell gesucht werden, bevor an ihr gearbeitet werden kann.

5. Lässt sich die Einführung eines neuen Management-Tools überhaupt durchführen?

Ein weiterer Aspekt, den man nicht aus den Augen verlieren sollte, dreht sich um die Frage, ob die Einführung eines neuen Management-Tools überhaupt machbar ist. An erster Stelle steht dabei die Frage, ob die Lizenzkosten des Produkts überhaupt zu stemmen sind. Immerhin variieren die Lizenzkosten je nach Hersteller durchaus enorm.

Zusätzlich zu den Lizenzkosten geht es bei dieser Frage aber auch um mögliche Hardware und um Budget für Schulungen, über die IT-Mitarbeiter das nötige Fachwissen zum Umgang mit dem neuen Tool erlangen. Schulungen und Trainings sollten an dieser Stelle nicht vernachlässigt werden, da die Handhabung komplexer Management-Tools für virtuelle Umgebungen oft nicht gerade intuitiv ist.

6. Würde die Umgebung von einer Automatisierung profitieren?

Bei der Evaluierung eines Management-Tools für virtuelle Server stellt sich zudem die Frage, ob die eigene Umgebung von einer Automatisierung profitieren würde. Die Automatisierung kann sich dabei in unterschiedlichen Ausprägungen äußern.  So könnten beispielsweise neue virtuelle Maschinen einfach über ein Skript angelegt werden, was das Erstellen vorkonfigurierter VMS im laufenden Betrieb ermöglicht. Ein weiteres Bespiel für die VM-Automatisierung wäre die Konsolidierung von Workloads in der Nacht, wodurch einige Hosts zum Energiesparen heruntergefahren werden können.

7. Welche Funktionen werden benötigt?

Schließlich ist es natürlich extrem wichtig zu wissen, welche Funktionen das Management-Tool überhaupt bieten muss. Einige Verwaltungsprodukte für virtuelle Umgebungen genau das: Verwaltungsprodukte. Diese Produkte ermöglichen es in der Regel, virtuelle Maschinen und VM-Vorlagen anzulegen, den Zustand einer VM zu ändern, Snapshots zu erstellen oder andere tagtäglichen Herausforderungen zu lösen. Einige solcher Produkte bieten vielleicht auch die Self-Service-Provisionierung oder ermöglichen die Implementierung eines Chargeback-Systems.

Andere Verwaltungssoftware für virtuelle Umgebungen geht auch in Richtung Systemüberwachung. Solche Produkte mögen das tagtägliche Management von VMs womöglich gar nicht unterstützen, bieten dafür aber Reportings, die für das Monitoring von Performance, SLAs und Server-Kapazität sowie zum Troubleshooting hilfreich sind.

Management-Tools sorgfältig auswählen

Es gibt also einige Überlegungen, die bei der Entscheidung für ein Management-Tool dringend beachtet werden sollten. Auch wenn eine solche Verwaltungslösung einige hilfreiche Möglichkeiten zur Verfügung stellen kann, mag ein solches Produkt für kleinere Unternehmen oder weniger virtualisierte Umgebungen zu viel des Guten sein.

Auf der anderen Seite werden Unternehmen mit einer großen Anzahl an Host Servern und virtuellen Maschinen feststellen, dass ein umfassendes Verwaltungs-Tool für die virtuelle Umgebung die Gesamteffizienz der IT-Infrastruktur deutlich verbessert, sobald die IT-Mitarbeiter erst einmal die anfängliche Lernkurve bewältigt haben.

Folgen Sie SearchDataCenter.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im Oktober 2016 aktualisiert

Erfahren Sie mehr über Virtuelle Maschinen: Bereitstellung und Konfiguration

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

Close