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PayPal-VP Jigar Desai im Interview zu Deployment und Vorteilen von OpenStack

PayPal gilt als einer der größten OpenStack-Betreiber. Im Interview gibt Jigar Desai Einblick in die Herausforderungen bei Deployment und Betrieb.

Als einer der frühesten OpenStack-Unterstützer ist PayPal mittlerweile auch einer der größten Anwender, und während PayPal weiter daran arbeitet, die Open-Source-Lösung zu meistern, geht dies natürlich nicht ohne Herausforderungen vor sich. Jigar Desai, Vice President Cloud and Plattforms bei PayPal, sprach mit uns über den Stand von PayPals massivem OpenStack-Deployment, wie Container-Virtualisierung die eigene PaaS-Plattform (Platform as a Service) verändert hat und welche Probleme beim Betrieb der Open-Source-Cloud-Plattformen  auftreten.

Wo steht PayPal mit seinem OpenStack-Deployment?

Jigar Desai: Das gesamte Front-End und auch Mit-Tier-Workloads laufen mittlerweile auf OpenStack. Wir haben inzwischen auch eine PaaS-Automatisierung vorgenommen, wodurch unsere Entwickler zum Großteil mit der PaaS-Ebene arbeiten, um eine Applikation zu erstellen. Die PaaS-Ebene wiederum interagiert dann mit der IaaS-Ebene (Infrastructure as a Service).

Was war der treibende Gedanke für die Erstellung einer eigenen PaaS-Ebene?

Desai: Wir haben ungefähr zum gleichen Zeitpunkt damit angefangen, als wir auch generell unsere technische Basis weg von proprietären hin zu Open-Source-Lösungen entwickelt haben. Beim Blick auf die fehlende Agilität unserer Entwickler haben wir festgestellt, dass Entwickler auch gerne im Unternehmen mit den Tools arbeiten, die außerhalb der Organisation populär sind.

Wir hätten ihnen auch einfach Infrastruktur-APIs geben können, mit denen sie die Hardware absichern und Applikationen bereitstellen hätten können. Wir wollten aber auch auf Architekturseite  eine Standardisierung für das Deployment. Daher dachten wir ganz einfach, es wäre sinnvoll, eine eigene zu entwickeln, mit der Java-Anwendungen in einer sehr strukturieren Art und Weise bereitgestellt werden können und sich Entwickler nicht mehr groß darum kümmern müssen, die Anwendung in verschiedenen Data Centern und Failure- oder Hochverfügbarkeitszonen bereitzustellen.

Als wir diesen Prozess angefangen haben, gab es noch nicht zu viele PaaS-Anbieter, daher haben wir einfach unsere eigene PaaS-Ebene gebaut und diese Ebene durchläuft gerade eine große Veränderung. Durch die zunehmende Popularität von Docker freuen auch wir uns, Container für unsere PaaS-Ebene nutzen zu können. Wie investieren zudem auch in Technologien wie Mesos und Kubernetes. Während uns also OpenStack große Freiheiten bei Infrastruktur und Automatisierung gibt, versuchen wir auch immer mehr, unsere PaaS-Schicht mit neuen Funktionen anzureichern.

Es gab einige Verwirrung darüber, was Ihre OpenStack-Aktivitäten für Ihre VMware-Nutzung bedeutet. Können Sie uns hier ein wenig Einblick geben?

Desai: Wir haben noch immer VMware-Deployments in unseren Produktivsystemen laufen. Wir nutzen OpenStack also nicht für 100 Prozent unserer IT, sondern nutzen VMware zum Beispiel für unser Betriebssystem. Wir haben also eine gute Beziehung zueinander. Tatsächlich arbeiten wir sogar auch auf anderen Ebenen miteinander, beispielsweise bei Docker oder Kubernetes.

Mit OpenStack, welchen Hypervisor nutzen Sie hier?

Desai: Wir nutzen als Hypervisor KVM, und das schon seit dem ersten Tag.

Nutzen Sie eine kommerzielle OpenStack-Variante?

Desai: Im Moment sind wir gerade mit dem Upgrade auf das Kilo-Release beschäftigt und nutzen pures OpenStack, also ohne jede Modifikation. Mirantis hat uns vor ein paar Jahren geholfen, aber zum aktuellen Zeitpunkt kümmern wir uns mehr oder weniger komplett alleine um die OpenStack-Umgebung.

Mit Walmart scheint ein anderer großer OpenStack-Anwender mit Upgrades etwas im Verzug zu sein, wo liegen hierfür die Gründe?

Desai: Wir wären natürlich immer gerne auf der letzten OpenStack-Version, das muss unser Ziel sein. Wir haben OpenStack in verschiedenen Verfügbarkeitszonen und in verschiedenen Regionen im Einsatz, daher benötigen wir auch ein hohes Level an Automatisierung.

Jigar Desai,
Vice President Cloud
and Plattforms, PayPal

Aus diesem Grund haben wir vor allem auch in die PaaS-Schicht investiert. Wenn man OpenStack in fünf verschiedenen Data Centern betreibt, muss man einfach sicherstellen, dass es zu keiner Verschiebung bei der Integration kommt.

Wir können aber natürlich nicht die gesamte Verfügbarkeitszone auseinandernehmen und in einer komplett neuen Cloud wieder zusammensetzen. Das wäre die wesentlich einfachere Variante gewesen, aber diese Wahl hatten wir nicht.

Die OpenStack-Komponenten Nova oder Neutron zu aktualisieren dauert einfach, wenn man dabei sicherstellen will, dass weder Webseite noch Kunden davon negativ betroffen sein werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch andere Unternehmen vor ähnlichen Problemen stehen.

Sehen Sie für dieses Problem in naher Zukunft eine Lösung?

Desai: Ich denke die OpenStack Foundation wäre hierfür der richtige Ansprechpartner. Ich bin mir nicht sicher, ob hierauf genug Fokus liegt, aber das wäre sicher ein Bereich, auf den die Foundation mehr Energie verwenden könnte. Je höher man OpenStack skaliert, umso offensichtlicher wird diese Art von Problem. Ich habe einige Projekte gesehen, bei denen vor allem die Cloud-Automatisierung vorangetrieben werden soll, und finde, das ist der richtige Weg. Aber je mehr Unternehmen wie PayPal in OpenStack investieren, umso offensichtlicher wird das Fehlen solcher Möglichkeiten.

Sie haben gerade die Skalierbarkeit erwähnt – stellt das Netzwerk hierbei eine besondere Herausforderung dar?

Desai: OpenStack zu skalieren ist für uns schon seit drei Jahren eine große Herausforderung. Wir haben natürlich mit einer relativ kleinen Bereitstellung angefangen und diese Stück für Stück vergrößert, so dass wir jetzt wohl eine der größten Private Clouds mit OpenStack betreiben. Je weiter man OpenStack skaliert, umso stärker treten dabei auch Probleme mit Nova und Neutron auf. Wir nutzen zum Beispiel Software-defined Networking, und wie sich diese Technologie mit hunderten und tausenden von CPU-Kernen und dem damit verbundenen Netzwerk verhält, müssen wir immer noch erst lernen.

Einer der größten Vorteile, auf den unsere IT-Abteilung nicht mehr verzichten möchte, ist die Fähigkeit, Applikationen innerhalb von Minuten dem Bedarf entsprechend nach oben oder nach unten zu skalieren. Wenn man das aber im großen Maßstab durchführt, findet man fast immer Performance-Probleme, die wir zuerst lösen müssen und dann an die Community zurückgeben. Das ist eine der zentralen Herausforderungen bei der Skalierbarkeit, mit der wir jeden Tag zu kämpfen haben.

Allerdings nimmt auch die Community rund um OpenStack an Fahrt auf. Mit jedem neuen Release werden auch immer mehr dieser Performance-Probleme gelöst. Mit OpenStack ist es wie mit jeder Open-Source-Software: die Verantwortung liegt auf beiden Seiten. Wir können uns nicht einfach nur auf OpenStack verlassen. Jede Lösung, die wir finden, geben wir daher natürlich auch an die OpenStack-Community weiter.

Wo stehen Sie, wenn es um den Riss in der OpenStack-Community bezüglich der Frage geht, ob man sich lieber vermehrt den Core Projects oder doch auch Nebenprojekten widmen sollte?

Desai: Es sollte wohl am besten eine Kombination aus beidem sein. Die Core Projects müssen vorangetrieben werden, um die Bedürfnisse der OpenStack-Nutzer zu befriedigen. Auf der anderen Seite sind natürlich auch die neuen Projekte spannend, die eine Integration mit neueren Technologien wie der Container-Virtualisierung ermöglichen. Wenn es nur um Core Projects ginge, wären die Projekte an sich wohl bald obsolet. Aber das Ökosystem rund um OpenStack wächst ebenfalls sehr rasant, aus diesem Grund sollte man sich auch nicht nur auf Nebenprojekte konzentrieren, weil auch das Fundament von OpenStack einen gewissen Reifegrad erreichen muss.

Hätten Sie auf Ihrem bisherigen Weg im Nachhinein lieber etwas anders gemacht? Was wäre Ihr Rat an Unternehmen, die gerade erst mit OpenStack beginnen?

Desai: OpenStack betrifft Mitarbeiter genauso wie organisatorische und technologische Strukturen. Es gibt viele Ratschläge rund um die Technologie und welche Komponenten zu IaaS-Diensten migriert werden sollten und wie man von kleinen Machbarkeitsstudien hin zu Full-Scale-Bereitstellungen wie bei PayPal kommt. Entscheidend ist aber immer auch der organisatorische Teil, bei dem das ganze Team hinter der Vision stehen muss. Die gesamte Belegschaft muss hinter OpenStack stehen, die IT-Abteilung genauso wie Produkt- und Projekt-Teams.

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2015 aktualisiert

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