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IBM versucht den Spagat zwischen Mainframes und moderner IT

Understatement gehört normalerweise nicht zu den Merkmalen großer IT-Anbieter. Anders bei IBM: Über die erfolgreichsten Produkte wird kaum redet.

Wer in diesen Tagen Messen und Veranstaltungen zu den Themen IT-Infrastruktur und -Betrieb besucht, der könnte glauben, dass das Urgestein der massiven Datenverarbeitung und heutiger Mega-Rechenzentren nichts mehr mit Hardware, Betriebssystemen oder Middleware zu tun hat.

Dabei sind es gerade IBM-Mainframes, die noch immer die Last der heutigen IT-Welt tragen. „Mindestens 80 Prozent aller Business-Daten sind auf Mainframes gespeichert“, sagt Andreas Thomasch, IBM Platform Leader & Manager z Systems in der DACH-Region.

IBM-Mainframes verarbeiten heute 30 Milliarden Transaktionen pro Tag, dazu gehören 87 Prozent aller Kreditkartenoperationen und 29 Milliarden Geldautomatenabhebungen sowie vier Milliarden Flugbuchungen pro Jahr.

Weiter auf Erfolgskurs

Folglich ist es kein Wunder, dass diese oft als Dinosaurier bezeichneten Systeme auch heute noch zu einem Geschäftsbereich gehören, mit dem Big Blue viel Geld verdient.

Zur Erinnerung: Bis Herbst vorigen Jahres meldete IBM für 22 Quartale in Folge Umsatzeinbußen. Im letzten Quartal 2017 gab es erstmals wieder ein kleines Plus – was auf den steigenden Umsatz bei Mainframes und Storage zurückzuführen ist.

Dieser Trend setzte sich im ersten Quartal 2018 fort. So gab es bei einem Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar ein Plus von vier Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2017 und die Marge stieg von 40 auf 43,7 Prozent an.

IBM-Supercomputer: Der schnellste der Welt

Nicht nur bei den wirtschaftlichen Zahlen glänzen Mainframes. Auch in puncto Supercomputerleistung ist IBM top. So meldete IBM vor kurzem, dass man zusammen dem US-amerikanischen Oak Ridge Laboratory den schnellsten Supercomputer der Welt schaffen möchte.

Das System wird aus 4.608 Servern mit Power9-Prozessoren und jeweils 22 Kernen bestehen. Hinzu kommen jeweils sechs NVIDIA Tesla V100 GPUs (insgesamt 27.648 GPUs) und zehn Petabyte Hauptspeicher. Damit kann dann eine Leistung von 200 Petaflops erreicht werden, was 200 Quadrillionen Berechnungen pro Sekunde erlaubt. Das System soll 2021 in Betrieb gehen.

z14: Flaggschiff mit zwei Begleitbooten

Was die kommerziellen Mainframes der z-Serie angeht, so stellte IBM im vorigen Jahr das aktuelle Flaggschiff, die z14-Serie vor. Das wassergekühlte System kann 32 Terabyte Hauptspeicher aufnehmen und die Power9-Prozessoren sind mit 5,2 GHz getaktet. Die Hardware ist bereits mit einer Reihe an Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet, darunter Datenverschlüsselungen, die 18 Mal schneller sind, als auf einem x86-System, aber nur fünf Prozent der Kosten verursachen.

Wir starten Kundengespräche immer mit dem Business-Aspekt, beispielsweise mit Blockchain, KI oder Datensicherheit. Ob das inhouse, auf Mainframe oder in der Cloud läuft, ist den Kunden zunächst zweitrangig.
Andreas ThomaschIBM

Im Frühjahr wurde die z14-Familie um zwei zusätzliche Systeme abgerundet. Diese richten sich besonders an Kunden aus dem Mittelstand oder Geschäftspartner, die eine interne Cloud bereits betreiben oder einrichten wollen. Die beiden neuen Modelle ZR1 und LinuxONE Rockhopper II basieren auf Standard-19 Zoll-Einschüben und lassen sich somit ganz einfach in bestehende Data-Center-Umgebungen integrieren.

Als Betriebssystem bietet IBM neben dem klassischen VSE und z/OS auch Linux an. Das heißt, es steht alles an Middleware zur Verfügung, was Linux-fähig ist. Dazu gehört auch die Unterstützung verschiedener Programmiersprachen, darunter Java.

Geredet wird übers Geschäft

Doch neben diesen Basis-Technologien ist es vor allem der Erfahrungsschatz im Bereich unternehmenskritischer Business-IT, der IBM auszeichnet. Vieles von dem, was heute als aktuell verkauft wird, bietet IBM schon geraume Zeit an – wenn auch unter einem weniger bekannten Namen. „Virtualisierung gibt es bei uns schon seit über 20 Jahren“, sagt Thomasch.

Und auch Hosting- und Cloud-Services hat IBM unter dem Begriff „Information on Demand“ schon lange vor Amazon und Microsoft angeboten. Sogar das Software-defined Data Center (SDDC) gab es bei IBM, bevor VMware die Marketing-Trommel dafür rührte. Denn: IBM musste sein Systemangebot schon frühzeitig über Software definieren, da die Hochleistungsparameter der Mainframes nur Insidern bekannt sind.

„Wir starten Kundengespräche immer mit dem Business-Aspekt, beispielsweise mit Blockchain, KI oder Datensicherheit. Ob das inhouse, auf Mainframe oder in der Cloud läuft, ist den Kunden zunächst zweitrangig“, erklärt Thomasch.

Anpassung an moderne Topologien

Das heißt aber nicht, dass man die IT-Trends außerhalb der Mainframe-Welt vernachlässigt. Container und Microservices sind zum Beispiel Technologien, auf die IBM reagieren musste. Mit dem Einsatz von Docker ist es nun möglich, einen auf einem x86-System erstellten Container auf einen Mainframe laufen zu lassen.

„Wir können Millionen Container auf einen Mainframe betreiben, das bedeutet praktisch eine nahezu unbegrenzte Skalierbarkeit, plus höchstmögliche Verfügbarkeit, Sicherheit und alle Standard-Recovery-Tools unserer Mainframe-Architektur – so werden die Container bei uns Business-tauglich“, schwärmt Thomasch über diese Adaption.

Bekanntes aus der x86-Welt

Überhaupt kommt man x86-Fans weit entgegen. Zum Beispiel steht auch der KVM-Hypervisor zur Verfügung. Eine weitere Kooperation gibt es mit Sparc. Hierbei lassen sich moderne Netzwerk-Topologien mit vielen Nodes auf Mainframes abbilden.

„Ein Mainframe kann bis zu 140 Cores enthalten, die alle separate Prozessoren für I/O hat, so dass sie besonders schnell sind“, schreibt Thomasch in einem Blog. „IBM hat (mal wieder) den Mainframe neu erfunden und dabei noch leichter in Rechenzentren und in darauf betriebenen Clouds integrierbar gemacht – egal ob mit Linux oder klassischen Mainframe-Betriebssystemen wie z/OS oder VSE.“

Analysten bestätigen den positiven Trend. „In den vergangenen drei Jahren haben über 20 Unternehmen IBM-Mainframes gekauft und sie in ihren eigenen Cloud-Umgebungen in Betrieb genommen, vor allem die beiden neuen Systeme können sich nahtlos und ohne spezielle Anpassungen in deren IT-Umgebungen einfügen", sagt Ian Murphy, Principal Analyst bei Creative Intellect Consulting.

Arbeitsteilung mit x86 und weitere Integration

IBM weiß, dass die Großrechenzentren nicht verschwinden. Das Unternehmen versucht den Brückenschlag zu schaffen zwischen strukturierten Daten und etablierten Anwendungen auf Mainframes einerseits und den Buzzword-getriebenen Fachbereichswünschen, vor allem bei unstrukturierten Daten andererseits.

Solange IBM Schritt hält und CIOs mit einer arbeitsteiligen x86 plus Mainframe Topologie zufrieden sind, werden Mainframes als Arbeitstiere in den Großrechenzentren ihren Stammplatz behalten.

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Nächste Schritte

SDM: Mainframe-Anwendungen auf anderen Systemen ausführen.

IBM will Mainframes zukunftsfähig machen.

Mainframes: Eine Sache der Vergangenheit oder der Zukunft?

Artikel wurde zuletzt im Juni 2018 aktualisiert

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