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Composable Infrastructure könnte HCI und CI ablösen

Der nächste Schritt in der IT-Architektur nach CI und HCI könnte eine Composable Infrastructure sein, weil sie flexibel, schnell und kostengünstig ist.

Eine Composable Infrastructure, im Deutschen auch „zusammensetzbare Infrastruktur“ oder komponierbare Infrastruktur genannt, ist ein IT-Framework für die Bereitstellung von Rechen-, Speicher- und Netzwerkressourcen als Kombination einheitlicher Dienste. Dabei könnte es sich um die nächste Evolution im Bereich der hyperkonvergenten Infrastruktur handeln.

Viele der Probleme hyperkonvergenter Infrastrukturen werden durch Composable Infrastructure adressiert. Sie bietet eine sehr viel flexiblere, durch Software gesteuerte Wahl zur schnellen und effizienten Änderung von Workloads. Es ist diese Flexibilität, die dieses neue Framework zum Kandidaten für die Eroberung von Rechenzentrums-Architekturen der kommenden Generation erhebt.

Composable Infrastructure kurz vorgestellt

Der Begriff Composable Infrastructure sorgt oftmals für einige Verwirrung. Zumindest zu einem Teil liegt das wohl daran, dass Anbieter den Ausdruck in einem Atemzug mit softwaredefinierter Infrastruktur (Software-defined Infrastructure, SDI) und Infrastruktur als Code (Infrastructure as Code, IaC) nennen.

Eine Blickweise auf Composable Infrastructure ist, diese als eine Variante von SDI anzusehen, die Hardwareressourcen disaggregiert und logisch gruppiert, um jede einzelne davon als einen Dienst zu behandeln, den die IT-Abteilung bereitstellen und an spezifische Workloads anpassen kann.

Diese disaggregierte Infrastruktur setzt eine durch Software definierte Intelligenz ein, um Ressourcen über eine umfangreiche API zu gruppieren und zu steuern. Software und API zusammen ermöglichen es, die Zuweisung von Ressourcengruppen ganz nach Bedarf unterschiedlicher Anwendungsanforderungen zu steuern und anzupassen (Komposition oder Neukomposition). Die damit erzielbare Flexibilität erreicht durchaus die einer Public Cloud.

Implementieren lässt sich eine Composable Infrastructure auf Basis von Bare Metal, virtuellen Maschinen (VM) oder Containern. Die IT-Fachabteilung kann klein anfangen, etwa mit einem Halb-Rack mit Hardware, und je nach Anwendungsanforderungen nach und nach Ausstattung nachrüsten. Diese neue Art der Infrastruktur versteht sich auch auf IaC, Entwickler können also eigenen Code in ihre Anwendungen einbauen, der den Ressourcenbedarf der Anwendung im jeweiligen Zustand definiert und zugewiesen bekommt, ohne dass ein administrativer Eingriff notwendig wäre.

Wie funktioniert das?

Composable Infrastructure baut für die Bereitstellung eines einheitlichen Frameworks auf drei Technologieschichten auf: die Hardwareressourcen, die intelligente Software und eine Verwaltungs-API.

In der Hardwareschicht befinden sich die Komponenten, die die Rechen-, Speicher- und Netzwerkressourcen bilden. Im Idealfall kann die Hardware sich über mehrere Standorte hinweg erstrecken. Sie kann jegliche disaggregierte Standardkomponenten umfassen. Heutige Composable-Infrastructure-Produkte haben allerdings diesen Grad an Flexibilität noch nicht erreicht.

In der Softwareschicht werden die Hardwareressourcen abstrahiert und in logischen Ressourcengruppen organisiert. Die Software ist sowohl programmierbar als auch durch Vorlagen gesteuert. Sie kann Dienste bereitstellen, Operationen automatisieren, Ressourcengruppen eigenständig korrigieren und verschiedene andere Aufgaben wahrnehmen.

Die Software nutzt für die Kommunikation und Steuerung der Hardwareressourcen die API-Schicht. Die API sollte so offen und erweiterbar sein, dass die mit unterschiedlichsten Arten von Hardware interagieren kann und eine Plattformintegration mit Systemen und Diensten von Fremdherstellern erleichtert wird, zum Beispiel mit Reporting- oder Management-Tools. Eine umfassende API ist ebenso von zentraler Bedeutung für den Erfolg der neuen Architektur wie die intelligente Software.

Vorteile disaggregierter Infrastruktur

Auch wenn sie in einigen Aspekten vergleichbar zu hyperkonvergenter Infrastruktur (Hyper-Converged Infrastructure, HCI) sein mag, bietet Composable Infrastructure doch weit mehr Flexibilität. HCI ist normalerweise für definierte Workloads vorkonfiguriert. Außerdem folgt die Skalierbarkeit einer HCI-Lösung einer eng definierten Kennlinie. Und nicht zuletzt die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter spricht an sich gegen HCI-Systeme, gerade wenn der IT-Einkauf ein vorkonfektioniertes System erwirbt.

Diese neueste Art der Infrastruktur kann sich vergleichsweise einfach an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. IT-Abteilungen können damit schnell auf diejenigen Ressourcen zugreifen, die in einem bestimmten Szenario gerade benötigt werden. Eine disaggregierte Infrastruktur sollte auch mit Hardware unterschiedlicher Anbieter zurechtkommen, selbst wenn in der Praxis die Bindung an einen einzelnen Anbieter faktisch ein Problem bleiben mag.

Trotz der Vorteile einer Composable Infrastructure besteht eine der größten Herausforderungen darin, dass es keine Industriestandards für deren Einsatz gibt.

Erhebliches Potenzial für Kosteneinsparungen ergeben sich aber jedenfalls mit diesem neuen Infrastruktur-Framework, indem sie IT-Abteilungen die bessere Nutzung von Hardwareressourcen ermöglicht. Durch die intelligente Software werden außerdem weniger IT-Fachleute für den Betrieb der Plattform und das Bereitstellen von Anwendungen benötigt. Auch daraus ergeben sich ein rationeller Betrieb und zusätzliche Einsparungen.

Auch eine inkrementelle Hochskalierung der Hardware zur Befriedigung des Nutzerbedarfs wird durch die disaggregierte Infrastruktur ermöglicht. IT-Administratoren müssen deshalb nicht mehr auf Basis prognostizierter Workloads mehr Ressourcen zuteilen, als am Ende tatsächlich benötigt werden.

Bleibende Herausforderungen

Auch wenn die Composable Infrastructure vielfältige Vorteile mit sich bringt: Eine der großen Herausforderungen ist es, dass sich noch kein Industriestandard für ihre Bereitstellung etabliert hat. Aus diesem Grund verfolgen die Anbieter, wie etwa HPE, Dell oder Liqid, mit ihren Produkten jeweils leicht abgewandelte Herangehensweisen. Dadurch kommt es zu proprietären Produkten und einem wiederum erhöhten Risiko der Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter.

Eine echte Composable Infrastructure sollte offen und erweiterbar sein. Sie sollte Hardware unterschiedlichster Anbieter bedienen können. Aber weil es sich um eine vergleichsweise neue Spielart handelt, ist es nicht übermäßig verwunderlich, dass entsprechende Standards sich zunächst noch etablieren müssen.

Darüber hinaus ist die Software, die eine disaggregierte Infrastruktur betreibt, noch in einem Reifeprozess. Bevor wir diese neueste Architektur also in ihrer reinsten Form erleben dürfen, die mit jeglicher auf Standards basierenden Hardware umzugehen versteht, könnte es also noch eine Weile dauern.

Fazit

Composable Infrastructure ist auf dem Sprung in eine große Zukunft, und ihre Möglichkeiten sind vielversprechend. Es dürfte nicht allzu lange dauern, bis sie in Rechenzentren Fuß gefasst hat, so wie wir es in den vergangenen Jahren mit konvergenten und hyperkonvergenten Systemen beobachten konnten. Die Frage, die sich dann stellen wird: Was passiert mit diesen Altsystemen, wenn die neuen sich erst einmal etabliert haben?

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Nächste Schritte

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2018 aktualisiert

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