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Al Monserrat und Bob Janssen von RES Software im Workspace-Interview

Auf VDI folgt Workspace-Management: Wir haben Al Monserrat und Bob Janssen von RES Software gebeten, uns im Interview die RES-Plattform zu erklären.

Die Diskussionen im VDI-Markt (Virtual Desktop Infrastructure) bewegen sich langsam aber sicher weg von der reinen Bereitstellung virtueller Desktops und Applikationen hin zu Management und Automatisierung des Digital Workspace. Seit Anfang 2016 bemühen sich nun auch die beiden Schwergewichte VMware (VMware Workspace ONE/Horizon Air Hybrid Mode) und Citrix (Citrix Workspace Cloud) offensiv um eine Positionierung im Workspace-Markt, was Workspace-Lösungen zukünftig eine noch größere Aufmerksamkeit sichern dürfte.

RES Software ist bereits seit 16 Jahren in diesem Marktbereich unterwegs und hat kürzlich die neue Sicherheitslösung RES ONE Security sowie das neue Vertriebsmodell RES ONE Workspace Core vorgestellt. Auf der Europa-Hausmesse RES Focus 2016 in Amsterdam haben wir die Gelegenheit genutzt und uns die RES-ONE-Plattform von Al Monserrat, CEO bei RES Software, und Bob Janssen, Gründer und CTO, erklären lassen.

Herr Monserrat, Herr Janssen, warum brauchen Unternehmen eine Drittanbieter-Lösung zum Workspace-Management wie RES ONE Automation? Reichen nicht auch die nativen Tools von Anbietern wie VMware oder Citrix?

Al Monserrat: Wenn man sich den typischen Enterprise-Workspace ansieht, dann reden wir auch heute noch immer über physische Komponenten. Selbst in stark virtualisierten Unternehmen finden sich schließich auch immer noch lokal installierte Applikationen wie Microsoft Office. Also müssen schon einmal virtuelle und lokal installierte Anwendungen verwaltet werden.

Zusätzlich gibt es meistens aber auch einen Mix unterschiedlicher Anbieter. Viele Unternehmen setzen beispielsweise Citrix für Shared-Hosted-Desktops und VMware für VDI-Umgebungen ein. Als zusätzliche Erschwernis kommen dann auch immer öfter SaaS-Anwendungen (Sofware as a Service, Anm. d. R.) wie Salesforce ins Spiel. Diese heterogenen Umgebungen zu verwalten und vor allem zu automatisieren ist kaum eine native Lösung in der Lage.

Mit RES ONE stecken wir die gesamte beim Kunden vorhandene Lösung im Grunde in eine Art Container, der dann eine einheitliche Oberfläche für Management und Automatisierung aller Komponenten bereitstellt. Zusätzlich bieten wir Unternehmen so aber auch kontextabhängige Sicherheitsfunktionen und einen tiefen Einblick in ihre heterogene Umgebung. Das wäre der erste Schritt zu dem, was wir „strategische Nutzung“ von RES ONE nennen, auf dieser ersten Stufe geht es also vor allem um die Verwaltung.

RES ONE Automation setzt eine Ebene höher an und ermöglicht neben dem Management der einzelnen Komponenten auch die Automatisierung des Workspace, indem HR- und Help-Desk-Systeme angebunden werden. Auf diesem strategischen Level können dann zum Beispiel Ressourcen und Zugriffsrechte automatisiert je nach Job-Rolle vergeben werden.

RES unterscheidet sich von anderen Anbietern also einerseits durch die Möglichkeit der Verwaltung heterogener Workspace-Umgebungen, andererseits aber durch die sehr weitreichende Automatisierung.

Also geht es beim Workspace-Konzept um mehr als nur um Endgeräte?

Monserrat: Für uns liegt dem Workspace eine sehr breite Definition zugrunde. Der Workspace beschreibt damit eigentlich alles, was man zur Erledigung seiner täglichen Aufgaben benötigt.

Bob Janssen: Der Workspace kann von einem Laptop bis zum Smartphone alles sein, aber ohne die richtigen Services kann man damit nicht viel anfangen. Mitarbeiter brauchen den richtigen Zugang zu den richtigen Daten. Der Workspace geht also weit über den physischen Arbeitsplatz hinaus, es geht dabei nicht nur um Endgeräte, sondern um zusätzliche Services und Applikationen.

Monserrat: Setzt man das Produktportfolio von RES wie bereits erwähnt strategisch zur Automatisierung des gesamten Workspaces ein, dann schließt die Definition nicht nur Apps und Daten, sondern auch Zugriffsrechte, Rollenzugehörigkeiten und auch so profane Dinge wie Visitenkarten ein. All das lässt sich dann auf Basis der jeweiligen Job-Rolle im Unternehmen automatisiert verwalten.

Wie viele Ihrer Kunden rufen denn das gesamte Potenzial der RES-Plattform auf diesem strategischen Level tatsächlich ab?

Monserrat: Generell ist es natürlich immer schwierig, Unternehmen zu einer strategischen Nutzung von Produkten zu bewegen...

...weil hierfür neue Produkte wie RES ONE Automation oder RES ONE Security gekauft werden müssten?

Monserrat: Nicht nur deshalb, sondern vor allem, weil hierfür ein Wandel im Denken notwendig ist. Dabei braucht man sich nur einmal die innovativen Unternehmen der Branche anschauen. Was macht sie so innovativ? Sie gehen Dinge anders an, als andere Unternehmen. Bei Citrix haben die meisten anfangs gar nicht verstanden, was diese Technologie eigentlich kann und es hat lange gedauert, bis sie zum Mainstream wurde.

„Support-Tickets sind ein Symptom für den falschen Umgang mit dem IT-Provisioning.“

Bob Janssen, RES Software

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Oder auch VMware: Es hat VMware zehn Jahre gekostet, bis die Server-Virtualisierung eine Marktdurchdringung von zehn Prozent erreicht hat. IT-Abteilungen waren es eben gewohnt, einfach einen neuen physischen Server zu kaufen, anstatt Software zu installieren und dann drei virtuelle Server auf einem physischen laufen zu lassen. Nutanix ist ein ebenso gutes Beispiel. Anfangs haben viele nach einer Kategorie für deren Produkte gesucht. Ist es Storage? Oder sind es doch Server? Am Anfang muss sich alles, was neu ist, erst gegenüber Zweifeln und Kritik durchsetzen.

Wenn wir also von der strategischen Anwendung von RES ONE sprechen, dann sprechen wir natürlich nicht über tausende von Kunden, aber immerhin von mehreren Dutzend.

Wie funktioniert dann die Automatisierung auf diesem strategischen Level konkret?

Janssen: Lassen Sie mich die Antwort mit einer Gegenfrage beginnen: Warum gibt es eigentlich immer noch Support-Teams und Service-Desks? Niemand will ein Support-Ticket ziehen, wenn er eine neue Unternehmensressource benötigt. Das ganze Ticketing-System ist ein Symptom für den falschen Umgang mit dem IT-Provisioning. Warum kann die IT-Abteilung nicht stattdessen proaktiv die Ressourcen bereitstellen, die ich benötige, noch bevor selbst ich weiß, dass ich sie benötige?

Mit RES ist das möglich, dafür sind aber eine Menge zusätzlicher Informationen nötig, die IT-Abteilungen typischerweise nicht haben. Zu den gängigen Informationen gehört zum Beispiel die Job-Rolle eines Mitarbeiters sowie seine Fachabteilung und der Standort seines Büros. Das wären klassische Informationen eines IAM-Systems (Identity and Access Management, Anm. d. R.), reicht aber für die proaktive Auslieferung von IT-Services nicht aus.

Man denke nur an eine Anwaltskanzlei oder ein Ingenieursbüro. Für das proaktive Provisioning von Services und Ressourcen, wie wir dies mit RES möglich machen, reicht es nicht, die Job-Rolle „Anwalt“ oder „Ingenieur“ zu kennen. Wir brauchen den Kontext, an welchen konkreten Fällen arbeitet der Anwalt, in welche Projekte ist ein Ingenieur involviert? Erst dann wird es möglich, die richtigen Informationen und Zugriffsrechte auszuliefern.

Diese Informationen sind aber nicht im Active Directory gespeichert, sondern in Business-Anwendungen. Die meisten IT-Abteilungen sind heutzutage aber noch nicht ausreichend dafür ausgestattet, diese kontextbezogenen Informationen zu den einzelnen Mitarbeitern abzurufen.

Woher bezieht dann RES ONE diese kontextbezogenen Informationen?

Janssen: Das muss man dem System tatsächlich erst einmal sagen. Wir erledigen dies über einen Identity Store, dessen Basis die herkömmlichen Informationen der Personalabteilung sind. Dann werden aber weitere Informationen hinzugefügt, beispielsweise von Projekt-Management-Software, die Informationen dazu liefert, welcher Mitarbeiter in welche Projekte involviert ist. Auf dieser Basis können IT-Abteilungen dann wesentlich granularerer und vor alle proaktive Entscheidungen treffen. Für diese Anbindung an Drittanbieter-Software sind wir aber natürlich auf Partner angewiesen.

Die Integration setzt also bestimmte Plug-ins voraus?

Janssen: Wir nutzen für RES ONE eine sehr leichtgewichtige Architektur, die sich quasi Huckepack an die bereits bestehende Infrastruktur dranhängt. So dürfte es beispielsweise in jeder IT-Abteilungen irgendeinen Datenbankserver geben. Egal ob Oracle, Microsoft SQL Server oder IBM DB2, wir unterstützen alle drei. Damit hat man schon einmal die Datenbank, auf der alle Policies gespeichert werden.

„Was macht innovative Unternehmen innovativ? Sie gehen Dinge anders an als andere Unternehmen.“

Al Monserrat, RES Software

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Im nächsten Schritt wird die Admin-Konsole aufgesetzt, die sich dann mit der Datenbank verbindet. Jetzt können die ersten Regeln erstellt werden, wir bieten hierfür auch bestimmte Basis-Pakete, etwa für Desktops, mit denen sich die ersten Schritte leichter gehen lassen. Somit muss man nicht von Anfang an alle Regeln selbst erstellen und kann sich erst einmal mit der Funktionsweise vertraut machen. Über den Workspace Designer können dann individuelle Workspaces erstellt werden.

Im nächsten Schritt wird der Composer auf den Endgeräten installiert und über einen ebenfalls sehr leichtgewichtigen Daten-Broker angebunden. Die gesamte Management-Architektur ist so leichtgewichtig, dass sich diese mühelos in etwa einer halben Stunde bereitstellen lässt. Hierfür werden also keine großen Backend-Server oder ähnliches benötigt.

Die Integration mit Drittanbieter-Software erfolgt schließlich über Connector Packs, die bestehende Softwareprodukte mit unserer Automation Layer verbinden. In der Grundkonfiguration verfügt die Automation Layer bereits über mehr als 300 Milliarden Aufgaben. Man kann aber auch einfach zum Beispiel das MDM Connector Pack installieren, das die Anbindung an all die großen MDM- und EMM-Anbieter (Mobile Device Management und Enterprise Mobility Management, Anm. d. R.) wie AirWatch, XenMobile, MobileIron oder auch Microsoft ermöglicht.

Wir wollen hier aber ausdrücklich nichts ersetzen, was bereits da ist und für Kunden funktioniert. Es geht uns mehr darum, die Funktionalität zu erweitern und damit die Benutzererfahrung zu verbessern.

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Artikel wurde zuletzt im September 2016 aktualisiert

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