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ARM-Support und Power8-Verbesserungen: Die Neuerungen von SLES 12 SP2

SUSE Linux Enterprise Server 12 bietet mit Service Pack 2 viele neue Funktionen. Vor allem ARM- und Power8-Systeme profitieren von dem SLES-Update.

SUSE Linux Enterprise Server (SLES) kann auf eine langjährige Entwicklungsgeschichte zurückblicken und hat sich längst im Business-Umfeld robuster Linux-Distributionen für Serverumgebungen etabliert.

Während das letzte Update auf SLES 12 SP1 noch als Consolidation Release bezeichnet wurde und daher vor allem Stabilität und Sicherheit im Vordergrund standen, wurde auf der SUSEcon 2016 in Washington Anfang November 2016 mit Service Pack 2 der nächste Feature Release veröffentlicht, der zahlreiche neue Funktionen und nicht zuletzt das Update auf die Kernel-Version 4.4 mit sich brachte.

SLES 12 SP2: Feature-Release mit vielen neuen Funktionen

Mit SLES 12 SP2 wurde beispielsweise das Data Plane Development Kit (DPDK) integriert, mit dem sich die Anzahl der CPU-Zyklen zum Senden und Empfangen von Datenpaketen reduzieren lässt. Damit enthält SLES 12 SP2 zwar noch keinen funktionierenden Netzwerk-Stack, zusammen mit dem Open-vSwitch-Support ist aber die Grundlage für Software-defined Networking (SDN) und Network Functions Virtualization (NFV) gelegt, die in zukünftigen Versionen des SUSE Linux Enterprise Server Einzug halten sollen.

SLES bietet in Version 12 SP2 jetzt auch die Unterstützung für integrierte NVDIMMs, also nicht-flüchtigen, persistenten Speicher a lá Intel 3D XPoint, der sowohl die Boot- als auch generell die I/O-Performance verbessern soll. Laut SUSE gibt es dabei generell zwei mögliche Einsatzszenarien: Als Disk-Device zum Speichern der Metadaten im HPC-Bereich (High Performance Computing) sowie als System-Memory, der auch beim Host-Ausfall bestehen bleibt.

Der NVDIMM-Support in SLES 12 SP2 befindet sich allerdings noch im Status einer Technical Preview, letztere Variante wird daher noch nicht unterstützt, erstere nur auf zertifizierter Hardware. Wie bei SDN und NFV stellt SUSE also auch hier auf Architekturebene bereits jetzt die Weichen, um in späteren SLES-Versionen die volle Unterstützung bieten zu können.

Mit Service Pack 2 hat SUSE vor allem auch im Bereich HPC nachgelegt, so unterstützt SLES jetzt Intels skalierbare Omni-Path-Architektur, vorkonfigurierte Hardware bestehend aus PCIe-Adaptern, Chips, Switches und Verkabelung inklusive der hierfür benötigten Management-Software. Zudem wurde von SUSE ein neues HPC-Modul veröffentlicht, das ab SLES 12 SP2 für HPC-Workloads nachinstalliert werden kann.

Neu ist auch die volle Unterstützung von TPM 2.0 (Trusted Platform Module). Gerade im Produktivbetrieb dürften sich viele SLES-Admins zudem über die Möglichkeit freuen, bei der Migration von SLES 12 auf SLES 12 SP2 den Zwischenschritt über das erste Service-Pack auslassen zu können. Dieser Migrationsweg wird von SUSE vollständig unterstützt und ist über die üblichen Update-Tools wie YaST2, zypper oder SUSE Manager möglich.

Zu den wichtigsten Neuerungen von SLES 12 SP2 gehören schließlich die neue Unterstützung der ARM-Plattform sowie neue Funktionen für IBM Power8-Systeme.

SUSE Linux Enterprise Server für ARM-Plattformen

Mit SLES 12 SP2 unterstützt SUSE Linux Enterprise also zum ersten Mal offiziell die vor allem im Enterprise-Bereich noch vergleichsweise neue ARM-Plattform. Für Ralf Flaxa, President of Global Engineering bei SUSE, bieten ARM-Prozessoren dabei vor allem zwei Vorteile: Erstens die spezielle CPU-Architektur, mit der sich auf der gleichen Größe wesentlich mehr CPU-Kerne als mit x86-Designs unterbringen lassen. Auch wenn die Leistung von ARM-Chips nicht an die von x86-CPUs von Intel oder AMD heranreichen, eignet sich die ARM-Architektur so vor allem für Anwendungsfälle wie das High-Performance Computing, bei dem viele Workloads parallel von ebenfalls sehr vielen Prozessoren abgearbeitet werden.

Der zweite Vorteil ist für ihn die Offenheit der ARM-Plattform, durch die viele unterschiedliche SoC-Designs (System on a Chip) möglich sind. ARM ist zunächst nicht viel mehr als eine Prozessorarchitektur, die von Chip- oder Geräteherstellern lizenziert werden kann, um dann in eigenen Designs verwendet zu werden. So lassen sich ARM-Prozessoren beispielsweise für Peripheriegeräte wie Router sublizenzieren, um dann eben als System on a Chip neben dem Prozessor selbst noch weitere Komponenten in das Chip-Design gießen zu können, beispielsweise für Verschlüsselung oder Datenkomprimierung.

Bei x86-Designs dagegen müssten entsprechende Zusatzkomponenten separat auf dem Motherboard integriert werden, was zusätzlichen Platz beansprucht und zu höheren Kosten führt. Damit sind ARM-Prozessoren prinzipiell wesentlich anpassbarer als x86-Chips und können kostengünstig sehr spezifische Anwendungsfälle abdecken.

Aus diesen Gründen, so Ralf Flaxa weiter, habe SUSE schon früh damit begonnen, sich mit ARM-Designs zu beschäftigen und intern Wissen aufzubauen. Der erste 64-Bit-fähige ARM-Prozessor (AArch64) wurde im Oktober 2011 auf den Markt gebracht, erst mit diesem Schritt war die ARM-Plattform letztlich auch für Enterprise-Applikationen interessant. Während OpenSUSE 12.2 bereits im September 2012 32-Bit-ARM-Prozessoren unterstützte, folgte schließlich im April 2013 OpenSUSE 12.3 mit experimentellem Support für 64-Bit-Prozessoren auf Basis der ARM-Architektur.

Im Juli 2015 wurde schließlich das SUSE ARM Partner Program gestartet, bevor ARM im Januar 2016 mit SLE 12 SP1 einen ersten eigenen Kernel-Branch erhielt, der im Mai 2016 zur ersten Beta-Version von SUSE Linux Enterprise Server 12 SP2 auch für ARM führte. Mit dem zur SUSEcon 2016 Anfang November veröffentlichtem SLES 12 SP2 gehört ARM jetzt offiziell zu den von SLES unterstützten Plattformen.

Als Hypervisor wird von SUSE derzeit lediglich KVM mit libvirt unterstützt. Aufgrund des sehr heterogenen ARM-Ökosystems müssen auch die einzelnen Prozessoren getestet und zertifiziert werden, was derzeit für AMD Opteron A1100, Applied Micro mit X-Gene 1 und X-Gene 2, Cavium mit ThunderX, NXP/Qualcomm/Freescale LS 208xA und Xilinx UltraScale+ MPSoc erfolgt ist.

Auf Basis von SLES 12 SP2 für ARM wurde auf der SUSEcon 2016 auch SLES für den Raspberry Pi 3 vorgestellt, wobei es sich hierbei vor allem um Anwendungsfälle wie Test- und Demo-Szenarien handelt. Zusammen mit SUSE Enterprise Storage 4, das in der neuen Versionen ebenfalls für ARM-Plattformen verfügbar ist, hat SUSE damit rund um die SUSEcon 2016 einen großen Schritt in Richtung ARM gemacht, auch wenn, so Ralf Flaxa, ARM im Rechenzentrum wohl nie dieselbe Bedeutung erlangen wird wie x86-Prozessoren.

SLES-Neuerungen für IBM Power8

IBMs Power8-Systeme werden, zumindest zum Teil, von SUSE schon seit SLES 11 SP4 unterstützt. Wie auch bereits mit SLES 12 für IBM Power8 Anfang 2016 wird jetzt mit SLES 12 SP2 die Palette an unterstützten Power8-Systemen erneut ausgeweitet, was nun auch Power8-Systeme der vergleichsweise günstigeren LC-Produktfamilie mit einschließt. LC-Systeme mit SLES 12 SP2 unterstützten dabei auch das Bare-Metal-Provisioning.

Neu für Power8-Systeme ist mit SLES 12 SP2 auch die Integration des SUSE Package Hub, mit dem sich zusätzliche Open-Source-Softwarekomponenten aus einem von SUSE geprüften Community-Repository in die eigene SLES-Version integrieren lassen. Auch wenn die Pakete selbst ausdrücklich nicht von SUSE unterstützt werden, so bleibt doch SLES selbst auch nach dem Hinzufügen entsprechender Komponenten offiziell von SUSE supportet.

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Der Haupttreiber von SLES für IBM Power ist dabei eindeutig SAP Hana, um die 90 bis 95 Prozent der SUSE-Kunden mit Power-System nutzen dieses laut SUSE für die Walldorfer In-Memory-Datenbank. Im Gespräch mit Michael Miller, President of Strategy, Alliances and Marketing bei SUSE, nannte Brian Vink, SAP Vice President of Data Management Products bei SAP, auf der Keynote-Bühne der SUSEcon 2016 die Zahl von 320 SAP-Kunden, die SAP Hana mittlerweile auf SLES für Power betreiben. SAP Hana für Power ist dabei bereits seit August 2015 verfügbar, SLES 12 für Power erst seit Januar 2016.

Vor allem an diese Enterprise-Anwender richtet sich dann auch die neue Unterstützung für das High Availability Extension Pack, das mit SLES 12 SP2 jetzt auch für SLES für Power zur Verfügung steht. Die Availability-Erweiterung nutzt Pacemaker, um über geografisch verteilte Hochverfügbarkeits-Cluster Ausfallzeiten zu minimieren oder sogar zu eliminieren.

Eine weitere Neuerung in SLES 12 SP2 für Power8 sind Systemrollen-Templates für eine vereinfachte und damit schnellere Installation von Power-Systemen. Über diese vorab definierten Installations-Templates können konsistente Server-Konfigurationen beispielsweise für Datenbankserver oder Virtualisierungs-Hosts und -Gäste vorgegeben werden, die dann beim Aufsetzen neuer Power-Server mit wenigen Klicks angewendet werden können.

Rund um IBMs z Systems war es zwar auf der vergangenen SUSEcon 2016 zwar etwas ruhig, trotzdem sollte man nicht vergessen, dass SUSE auch auf Mainframes eine der populärsten Linux-Distributionen anbietet. Zusammen mit dem neuen ARM-Support, den neuen Funktionen für Power8-Systeme und der breiten Hypervisor-Unterstützung von KVM, Xen, Microsoft Hyper-V und VMware ESXi sowie auf Container-Seite von LXC und Docker bietet SUSE damit inzwischen eine der am breitesten ausgelegten Linux-Plattformen auf dem Markt.

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Artikel wurde zuletzt im November 2016 aktualisiert

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