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Public Cloud: Licht ins Preisdickicht

Die Preismodelle in der Public Cloud werden immer zahlreicher und komplizierter. Wir helfen Ihnen bei der Navigation und bringen Licht ins Dunkel.

Als die Public Cloud aufkam, waren die Preise noch einfach zu durchschauen. Amazon Web Services konnte damit werben: „So viel kostet es, zücken Sie Ihre Kreditkarte und los geht es.“

Aber mittlerweile bieten alle Provider sehr viele unterschiedliche Servicesangebote und jedes hat ein eigenes Preismodell. Für Administratoren ist die Situation zum Verzweifeln.

Betrachten wir ein recht einfaches Beispiel: Woraus besteht ein typischer Workload und wie sind die Anforderungen an Compute, Storage und Netzwerk? Dafür müssen folgende Fragen beantwortet werden.

  1. Welche Klasse an logischem Server wird benötigt?
  2. Wie sieht es mit dem Storage-Tiering aus?
  3. Werden die Daten alle in einer Region gespeichert?
  4. Sollen Daten von einer Region in eine andere verlagert werden?
  5. Wird langfristiger Speicher benötigt?
  6. Welche Netzwerkklassen sind erforderlich?
  7. Brauchen Sie verbesserte Konnektivität?
  8. Benötigen Sie Priorisierung und Quality of Service (QoS)?
  9. Sollen die Daten hochverfügbar sein?
  10. Gibt es Bedarf nach vollem, aktiven Mirroring?
  11. Reichen warme Container mit gespiegelten Daten aus?
  12. Oder sind kalte Container mit gespiegelten Daten vorzuziehen?

Jeder dieser Fragen hat Auswirkungen auf den Gesamtpreis. Und dann müssen Sie noch entscheiden, wie die Kalkulation aussieht, ob nach Transaktion, übertragenes Datenvolumen, oder anderen Metriken, die der Provider in den Markt drücken will.

Selbst nachdem ein Vertrag unterzeichnet wurde, hören die Probleme nicht auf. Die Cloud-Provider liefern sich einen Preiskampf. Der unvorsichtige Kunde kann auf einem hohen Preis sitzenbleiben, während rund um ihn herum Preissenkungen verkündet werden.

Es werden außerdem ständig neue Preismodelle herausgebracht. Die Finanzkenntnisse eines Technikers werden überlastet.

Preise pro Sekunde

Seit kurzem bieten AWS und Google Preise pro Sekunde. Früher war die Abrechnung pro Stunde üblich. Dann kamen Preise pro Minute in Mode. Heute stellt sich die Frage, ob eine sekundengenaue Abrechnung tatsächlich einen Mehrwert für den Kunden bietet.

Bei Anrufen auf dem Handy dauern viele Gespräche tatsächlich weniger als eine Minute und der Kunde profitiert wirklich von einer sekundengenauen Abrechnung.

Aber in der Cloud ticken die Uhren anders. Mir fällt kein Workload ein, der auf Sekundenbasis tackt. Sicher geht es etwa bei Börsendiensten um Antwortzeiten von weniger als einer Sekunde. Das hat aber nichts zu tun mit der Abrechnung von Server, CPU, Storage und Netzwerk.  

Es scheint einfach ein Triumph des Marketings über die Realität zu sein.

Oracle gegen AWS

Oracle tritt mit der Garantie an, alle Cloud-Preise von Amazon um mindestens 50 Prozent zu unterbieten. Wie üblich steckt der Teufel im Detail.

Dabei geht es nicht darum, die Oracle Cloud als Universal Workload Engine zu verwenden. Der versprochene Preisvorteil gilt für die neue Cloud-basierte Oracle-Datenbank. Oracle hat sein Preismodell so gebastelt, dass die Lizenzkosten für die Datenbank auf AWS doppelt so hoch sind wie auf der Oracle Cloud. So kann die Ellison-Company spielend den versprochenen Preisvorteil auf der Lizenzebene umsetzen.

Allerdings könnte AWS kontern, indem es einen Migrationsservice weg von der Oracle Datenbank anbietet und so wettbewerbsfähiger wird.

Hören Sie nicht auf falsche Versprechen

Der Markt ändert sich ständig und Gerüchte schwirren umher. Was sollte ein Kunde nun tun? Aktuell macht das Versprechen des „Serverless Computing“ die Runde.

AWS hat Lambda as a Service gestartet: Dabei startet der Kunde mit einem Daten-Workload. Der Provider berechnet die benötigten Ressourcen und macht dem Kunden einen Kostenvoranschlag, den dieser annehmen oder ablehnen kann.

So muss das künftige Cloud Computing aussehen. Der Plattformarchitekt soll nicht gezwungen werden, einen Abschluss in Informatik mit einem in Betriebswirtschaft zu kombinieren.

Die Provider sollten den Abnehmern sagen: „Teilt uns mit, was ihr braucht und wir kalkulieren die Kosten.“

Sicher können dann manchmal Nachzahlungen entstehen, wenn der ursprüngliche Vertrag überstrapaziert wurde oder sich das Workload so verändert, dass zusätzliche Ressourcen erforderlich werden.

Die Cloud-Provider schwärmen davon, dass ihre Plattformen ideal für künstliche Intelligenz und Maschinenlernen sind. Es ist an der Zeit, dass sie dies auch nutzen, um ihre Preismodelle kundenfreundlicher zu gestalten.

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Artikel wurde zuletzt im Februar 2018 aktualisiert

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