.NEXT 2017: Nutanix stellt mit Xi und Calm neue Cloud-Strategie vor

Xi macht Nutanix zum Cloud-Anbieter, Calm verspricht die App-Portabilität in Multi-Cloud-Umgebungen. Eine logische, aber riskante Zukunftsstrategie.

Auf der jährlich stattfindenden Anwenderkonferenz .NEXT gibt Nutanix für gewöhnlich einen Ausblick auf die kommende Unternehmensstrategie und stellt dabei meist auch gleich neue Produkte vor. Während Nutanix 2009 als reiner Anbieter hyperkonvergenter Infrastrukturlösungen gestartet ist, bewegt sich das Unternehmen mit seiner Produktstrategie seitdem immer weiter im Software-Stack nach oben.

Auf der letzten .NEXT-Konferenz im Juni 2016 wurde schließlich der Wandel im Selbstverständnis von Nutanix offensichtlich: Ab sofort wollte sich Nutanix nicht mehr alleine an seinen hyperkonvergenten Produkten messen lassen, sondern an der wesentlich umfangreicheren Nutanix Enterprise Cloud, die neben der Hardware und Virtualisierungsschicht schon damals immer mehr auch die Management-Schicht in den Blick nahm.

Eine zentrale Rolle spielt dabei das Nutanix-Tool Prism, das kontinuierlich um Verwaltungsfunktionen erweitert wird. Die Nutanix .NEXT 2017 steht jetzt ganz im Zeichen zweier neuer Tools, die Nutanix auf dem Weg zur umfassenden Enterprise-Cloud-Plattform einen entscheidenden Schritt weiter bringen sollen: Nutanix Xi und Calm.

Nutanix Xi: Nutanix wird zum Cloud-Anbieter

Hyperkonvergente IT ist im Kern Software-definierte IT, in diesem Sinne ist die Software das eigentlich Entscheidende bei hyperkonvergenten Produkten. Bislang war die Nutanix-Software nur im Paket mit Hardware erhältlich, entweder direkt von Nutanix oder über verschiedene Nutanix-Partner wie DELL/EMC, IBM oder Lenovo. Schon im August 2016 verkündete Nutanix dann einseitig, dass die Software der Enterprise Cloud Platform auch auf Cisco UCS Server validiert und einsatzbar sei.

Zur .NEXT 2017 geht Nutanix jetzt einen Schritt weiter und nennt Cisco und HPE als neue ELA-Partner (Enterprise License Agreements). Damit ist die Nutanix Software mittlerweile für die wichtigsten Markenhersteller validiert. Alleine bei der Ausweitung der Hardwareunterstützung belässt es Nutanix aber nicht, sondern nimmt gleich auch Hybrid- und Multi-Cloud-Umgebung ins Visier.

„Die meisten Unternehmen“, so Gregg Smith, Senior Director Product and Technical Marketing bei Nutanix, „nutzen bereits Hybrid oder Multi-Clouds, kämpfen aber mit der Technologie.“ Es fehle also an einem einheitlichen Betriebssystem über multiple Cloud-Umgebungen hinweg, so Gregg Smith weiter, und genau das will Nutanix mit der erweiterten Nutanix Cloud Platform liefern.

Zukünftig sollen Nutanix-Kunden eigene IT-Umgebungen daher über die neuen Nutanix Xi Cloud Services „nahtlos und mit wenigen Klicks“, so eine Nutanix-Pressemitteilung, in die Cloud erweitern können. Hierfür baut Nutanix eigene Rechenzentrumskapazitäten auf, über die Kunden dann von Nutanix gehostete Infrastruktur-Services zur Verfügung gestellt werden sollen. Im Endergebnis stellt Nutanix also seine Enterprise Cloud Platform als IaaS-Dienst (Infrastructure as a Service) bedarfsgerecht mit nutzungsbasiertem Abrechnungsmodell zur Verfügung. Das Management dieser hybriden Umgebung erfolgt über das gewohnte Prism-Tool.

Mit Nutanix Xi wird Nutanix also zum astreinen Cloud-Anbieter, obwohl schon viel größere Unternehmen einsehen mussten, dass gegen Amazon, Microsoft und Co. nicht viel auszurichten ist  – vor kurzem erst VMware mit dem Verkauf von vCloud Air an OVH. Auf die Frage, warum Nutanix im Cloud-Markt erfolgreich sein will, wo doch schon so viele andere gescheitert sind, antwortet Gregg Smith mit Verweis auf die tiefe Integration der Nutanix-Software, immerhin laufe sowohl in der Kundenumgebung als auch in der Nutanix-Cloud das Nutanix Enterprise Cloud OS. Ein Blick auf den gemeinsamen vSphere-Stack in vCloud Air und vSphere-Umgebungen von VMware-Kunden zeigt aber, dass dies noch lange kein Garant für den Erfolg einer Cloud-Plattform ist.

Natürlich dürfte die Versuchung seitens Nutanix groß gewesen sein, selbst ins Cloud-Geschäft einzusteigen. Immerhin ist die hierfür nötige Software bereits vorhanden, sie ist ausreichend getestet und in zahlreichen Kundenumgebungen tagtäglich erfolgreich im Einsatz. Warum also nicht eine eigene Cloud aufbauen und Kunden zum Cloud-Bursting von lokalen Nutanix-Umgebungen zur Verfügung stellen?

Tatsächlich ist es aber eben schon ein Unterschied, Support für Kundenumgebungen zu leisten oder selbst mit Latenzen, SLAs und all den Problemen zu kämpfen, die der Betrieb einer Public Cloud so mit sich bringt. Immerhin dürfte Nutanix Xi relativ schnell zu einer der bisher größten Nutanix-Umgebungen werden, was eine bislang nicht benötigte Skalierbarkeit und Mandantenfähigkeit voraussetzt.

Nutanix Xi wird daher zunächst auch in einem begrenztem Funktionsumfang an den Start gehen, die ersten Rechenzentrumskapazitäten (Gregg Smith spricht ausdrücklich nicht von eigenen Rechenzentren) werden im ersten Quartal 2018 in den USA ans Netz gehen, Europa und Asien sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Anfangs wird auch lediglich ein einziger Workload in der Nutanix-Cloud unterstützt: Über die einheitliche Benutzeroberfläche von Prism sollen Nutanix-Kunden dann in die Lage versetzt werden, „in wenigen Minuten“ einen Cloud-basierten Disaster-Recovery-Service aufzusetzen, zu testen und zu verwalten.

Nutanix Calm verspricht App-Portabilität in Multi-Cloud-Umgebungen

Während Nutanix Xi das Nutanix Enterprise Cloud OS in die Nutanix-eigene Cloud erweitert, setzt das ebenfalls neu vorgestellte Produkt Nutanix Calm bei den Public Clouds von Amazon, Microsoft und Google an. Die Nutanix Enterprise Cloud Platform läuft bereits jetzt auf dem Nutanix-eigenen Hypervisor Acropolis sowie auf ESXi und Hyper-V. Nutanix Calm erweitert diese Liste lokal bereitgestellter Hypervisoren zukünftig auf die Cloud-Plattformen AWS, Microsoft Azure und Google Cloud Platform.

Das Ziel dabei, erklärt Gregg Smith, sei das Entkoppeln der Workloads von der darunterliegenden Infrastruktur. So soll es auch möglich sein, Anwendungen über Policies zum Beispiel auf Basis der anfallenden Kosten oder aufgrund steigender Anforderungen an die Skalierbarkeit automatisch in die Cloud (Nutanix Xi oder eine der drei unterstützten Public Clouds) zu migrieren – oder eben wieder zurück ins eigene Rechenzentrum.

Damit verspricht Nutanix eine Workload-Portabilität in Multi-Cloud-Umgebungen, wie sie andere Unternehmen derzeit allenfalls über zusätzliche Abstraktionsschichten wahrzumachen versuchen – meist über die Container-Virtualisierung, die auch gleich das Problem der Softwareabhängigkeiten komplexer verteilter Anwendungen lösen könnte. In eine ähnliche Richtung wie Nutanix Xi und Calm gehen auch Ansätze wie die Workload-Portabilität in OpenStack-Umgebungen, VMware Cloud on AWS oder Azure Stack, allerdings besteht bei allen diesen Projekten ja im eigenen Rechenzentrum sowie in der Cloud der gleiche Software-Stack.

Die Nutanix-Ankündigung geht darüber hinaus und will Anwendungen ohne zusätzliche Abstraktionsschicht in so unterschiedlichen Cloud-Umgebungen wie AWS, Microsoft Azure und Google Cloud Platform portabel machen, alleine über die öffentlichen Programmierschnittstellen der jeweiligen Cloud. Die hierfür nötige Konfigurationsarbeit, so Gregg Smith, wird in sogenannten Blueprints hinterlegt, also in einer Art Bauplan, den Nutanix Calm lesen und anwenden kann, um Applikationen in den verschiedenen Cloud-Umgebungen bereitzustellen.

Laut Gregg Smith soll jedes neue Blueprint-Design von Nutanix auf die Kompatibilität mit den unterschiedlichen Clouds geprüft werden, damit es nach dem Deployment einer Anwendung nicht zu Problemen kommt. Gleichzeitig soll es einen Marktplatz geben, auf dem Blueprints allen Nutanix-Kunden zur Verfügung gestellt werden können. Nutanix Calm soll schon im vierten Quartal 2017 verfügbar sein und zunächst lokale Nutanix-Bereitstellungen, Nutanix Xi und AWS integrieren, Microsoft Azure und Google Cloud Platform sollen später folgen.

Wie Nutanix mit den sich schnell verändernden Bedingungen der unterschiedlichen Cloud-Anbieter (neue Services, neue APIs, neue Kostenstruktur…) oder hunderten von Kunden erstellter Blueprints umgehen will bleibt abzuwarten. Die Vermutung liegt aber nahe, dass es nur eine kleine Auswahl offiziell von Nutanix unterstützter Blueprints geben wird, denen eine Vielzahl offiziell nicht unterstützter Blueprints aus der Community gegenüberstehen.

Das riskante Geschäft mit der Cloud

Nutanix arbeitet sich also beständig im Software-Stack nach oben, erst mit Acropolis und Prism auf der Virtualisierungsebe, jetzt mit Xi und Calm auch im Cloud- und Management-Bereich. Gregg Smith sieht darin das Grundthema von zusätzlichen Wahlmöglichkeiten und Alternativen, egal ob auf Hypervisor- oder Cloud-Level. Dabei ist klar, dass der Schritt in die Cloud deutlich riskanter ist, als einfach auf KVM-Basis einen eigenen Hypervisor zur Verfügung zu stellen.

Wer viel wagt, kann aber auch viel gewinnen. Sollten Nutanix Xi und Calm so funktionieren, wie von Nutanix angekündigt, dann wäre Nutanix eines der ersten Unternehmen, das die Versprechungen der App-Portabilität in Multi-Cloud-Umgebungen tatsächlich wahrmachen kann: das Policy-gestützte, automatisierte Verschieben von Workloads, etwa auf Basis der je nach Tageszeit günstigsten Cloud-Plattform.

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