Mangelnde Energieeffizienz: Mittelstand mit Nachholbedarf beim Thema Green IT

Mittelständische Data Center verschwenden zu viel Energie, so eine IDC-Studie. Beim Thema Green IT gibt es also noch erheblichen Aufklärungsbedarf.

Die von Rittal in Auftrag gegebene IDC-Studie „Wachstumsmotor IT: So fördern effiziente Rechenzentren das Unternehmenswachstum“ zeigt, wie katastrophal es um die Energieeffizienz in mittelständischen Data Centern steht. Die Studie soll die Vertriebsargumentation für den modularen Rechenzentrumsbau stärken, wie Dirk Miller, Geschäftsbereichsleiter Marketing bei Rittal, während der Vorstellung der Studie erklärte. Erst im März dieses Jahres stellte Rittal mit RiMatrix S eine eigene modulare Data-Center-Lösung vor.

Entsprechend zielgerichtet argumentiert die Studie in Richtung modulare Data Center, offenbart auf dem Weg dahin aber interessante Einblicke in die Schwachstellen und Problempunkte mittelständischer Rechenzentren. Besonders auffallend ist dabei das fehlende Bewusstsein um die Energieeffizienz im Data Center.

Data Center im Mittelstand sind durchschnittlich 7 Jahre alt

Im Durchschnitt arbeiten die Data Center der für die Studie befragten IT-Verantwortlichen mit einem PUE-Wert (Power Usage Efficiency) von 2,4. Damit werden für jede Kilowattstunde (kWh) Strom, die von den IT-Geräten verbraucht wird, weitere 1,4 kWh für das Gebäude-Management verbraucht, also beispielsweise für Kühlung und Beleuchtung. Im Vergleich zum PUE-Wert von 1,4, den die Studie für große Rechenzentren nennt, ein enorm schlechter Wert. 

PUE von Data Centern im Mittelstand laut IDC

 

Einer der Gründe für die schlechte Energieeffizienz ist das hohe Alter der Data Center. Die meisten Komponenten eines Rechenzentrums wie Storage oder Server sollten alle zwei bis vier Jahre erneuert werden, um von neuen Funktionen und technischen Weiterentwicklungen zu profitieren. Das durchschnittliche Alter mittelständischer Data Center dagegen liegt laut IDC-Studie bei 6,9 Jahren. Die meisten Komponenten stammen also aus einer Zeit, in der sich das Interesse an Green IT und Energieeffizienz im Data Center gerade erst zu entwickeln begann.

Diesen Durchschnittswert müsse man zwar differenziert betrachten, so Bernd Hanstein, Hauptabteilungsleiter Produktmanagement IT bei Rittal, weil es durchaus Komponenten gebe, für die auch eine Lebensdauer jenseits von drei oder vier Jahren akzeptabel sei. Gerade im dynamischen Markt rund um die Energieeffizienz im Data Center sei ein Alter von 6,9 Jahren für die meisten Komponenten aber nicht mehr vertretbar.

Pure Energieverschwendung: Durchschnittliche Raumtemperatur liegt bei 15 Grad Celsius

Großer Aufklärungsbedarf besteht offenbar auch bei der Kühlung des Data Centers. Laut IDC-Studie liegt die durchschnittliche Raumtemperatur in Rechenzentren des Mittelstandes bei 15,5 Grad, für Bernd Hanstein „reine Energieverschwendung“ und ein weiterer Grund für den schlechten PUE-Wert.

Statt Raumkühlung empfiehlt er die direkte Kühlung im Rack oder die Kühlung einzelner Gänge. Allerdings räumt er ein, dass dies aufgrund einer heterogenen Gerätelandschaft mit unterschiedlichen Anforderungen einzelner Komponenten an die Kühlung schwierig umzusetzen sein kann.

Andererseits sind technisch gesehen weitaus höhere Temperaturen möglich, die American Society of Heating, Refrigerating and Air Conditioning Engineers (ASHRAE)  zum Beispiel spricht von einer Temperatur von bis zu 40 Grad Celsius, bei der sich Rechenzentren unter gewissen Voraussetzungen betreiben lassen. Auch wenn die Arbeit in einem derart warmen Data Center sicherlich nicht immer angenehm sei, so Bernd Hanstein, müsse ein Rechenzentrum für eine hohe Energieeffizienz so konzipiert werden, dass man „auf der kalten Seite schwitzt“. Immerhin sei auch in Deutschland eine indirekte Freikühlung problemlos möglich. All das sind Faktoren, mit denen sich der Energieverbrauch eines Data Centers enorm senken lässt. Dafür muss das Thema Green IT aber auch aktiv angegangen werden.

Green IT muss gewollt sein

Der Zweck eines Rechenzentrums ist allerdings nicht das Energiesparen, sondern die zuverlässige Bereitstellung von IT-Services. Laut Studie genießen für die meisten Rechenzentrumsbetreiber im nächsten Jahr daher auch Verfügbarkeit, Systemmanagement und Mitarbeiterqualifikation die höchste Priorität. Eine Senkung der Energie- und damit auch der Betriebskosten planen dagegen nur 24 Prozent der Befragten.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine Studie zur Zukunft der Data-Center-Branche von Emerson Network Power: Green IT spielt eine zunehmend wichtigere Rolle, muss sich aber nach wie vor der hohen Verfügbarkeit geschlagen geben.

Rittal empfiehlt auch zur Senkung der Energiekosten den eingangs erwähnten modularen Rechenzentrumsbau mit RiMatrix S, mit dem aufgrund der hohen Standardisierung ein PUE-Wert von bis zu 1,15 garantiert wird.

Für die Studie wurden 500 IT-Manager aus Deutschland, Großbritannien, Schweden, Italien und den Niederlanden zu ihren Rechenzentren befragt. Die Unternehmen der Befragten sind im Mittelstand angesiedelt und haben mindestens 30 Server oder mindestens 100 Mitarbeiter. Unter den befragten Unternehmen befindet sich laut Rittal kein Kunde des Unternehmens.

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