sheelamohanachandran - Fotolia

VMware Cloud on AWS: Die nächste Runde im Kampf um die Hybrid Cloud

Die Partnerschaft mit AWS bricht VMwares bisherige Cloud-Strategie mit vCloud Air auf. Gerade deshalb hat VMware Cloud on AWS ein so großes Potenzial.

Die traditionelle Server-Virtualisierung im eigenen Rechenzentrum verliert in Zeiten der Public und Hybrid Cloud langsam aber sicher an Bedeutung, diese Zeichen der Zeit hat auch VMware längst erkannt und arbeitet seit Jahren daran, stagnierende vSphere-Lizenzgebühren durch die Ausweitung seines Produktportfolios in Richtung Cloud aufzufangen. Während in der IT-Branche zumindest anfangs vor allem die Public Cloud hoch im Kurs stand, setzte VMware früh auf hybride Strukturen aus Private und Public Cloud.

VMware-CEO Pat Gelsinger bestärkte diese Marschrichtung während seiner Keynote auf der VMworld Europe 2016, da trotz Cloud-Boom der vergangenen Jahre selbst heute erst 15 Prozent aller Workloads in Public Clouds gehostet seien. Selbst bis 2021 soll dieser Anteil nur auf 30 Prozent ansteigen und erst 2030, so zumindest die Erwartung seitens VMware, liegen über die Hälfte aller Workloads in der Public Cloud, trotzdem aber noch knapp ein Drittel in der Private Cloud.

Die Botschaft war klar: Die Transformation in die Cloud ist ein langer und steiniger Weg, und VMware mit seinem starken Fundament in der On-Premise-Infrastruktur der richtige Partner, um Unternehmen auf dieser Reise zu begleiten.

Eines der für VMwares Cloud-Strategie zukünftig wohl wichtigsten Produkte, VMware Cloud on AWS, wurde dabei tatsächlich schon in der Woche vor der WMworld Europe angekündigt – und war trotz der zahlreichen Ankündigungen der VMworld Europe das Gesprächsthema Nummer 1 der Messe.

Was ist VMware Cloud on AWS?

Es ist wohl einfacher damit anzufangen, was VMware Cloud on AWS nicht ist. Das neue Cloud-Angebot basiert nämlich gerade nicht auf EC2-Instanzen (Elastic Compute Cloud), insofern handelt es sich auch nicht um eine Art verschachtelter Virtualisierung. Für VMware Cloud on AWS hat Amazon einem Partner erstmals Zugriff auf die physische Hardware seiner Rechenzentren gewährt. VMware Cloud on AWS läuft auf dedizierten, speziell von Amazon für VMware angefertigten und konfigurierten Bare-Metal-Servern, auf denen VMware seine vSphere-Umgebung betreibt.

VMware Cloud on AWS ist also ein in AWS-Rechenzentren gehosteter Cloud-Service von VMware. VMware-Kunden melden sich über ein spezielles Portal mit ihrem VMware-Konto (zur Verknüpfung wird allerdings auch ein AWS-Konto benötigt) bei VMware Cloud on AWS an und haben – egal ob es um Support oder Abrechnung geht – mit VMware immer den gleichen Ansprechpartner. Der entscheidende Punkt bei VMware Cloud on AWS ist nun die einfache Anbindung der Cloud-Umgebung an die bestehende VMware-Infrastruktur.

Elastic DRS und Cross-Cloud-vMotion

Mit vCloud Air und dem vCloud Air Network (vCAN), also dem eigenen Public-Cloud-Angebot von VMware mit dazugehörigem Partnernetzwerk, sind zwar bereits ähnliche hybride Architekturen möglich, VMware Cloud on AWS bewegt sich durch die Bedeutung von AWS im Public-Cloud-Markt und durch einige exklusive Funktionen auf einem qualitativ deutlich höheren Level.

Die Verbindung zwischen lokalem Rechenzentrum und AWS-Cloud erfolgt wahlweise per VPN oder über AWS Direct Connect, die direkte Anbindung an AWS ist dabei zwar wesentlich kostspieliger, bietet dafür aber entsprechende Vorteile bei Latenz und Verbindungsgeschwindigkeit. Zwischen der AWS-Cloud und der lokalen VMware-Umgebung liegt ein Management-Gateway, das über vCenter und VMware NSX Cloud- und On-Premise-Ressourcen in eine VMware-Umgebung integriert. Das tatsächliche Management der hybriden Umgebung erfolgt dann über den Enhanced Linked Mode von vCenter sowie über einen internen und externen Platform Services Controller (PSC).

NSX wiederum schafft eine einheitliche Netzwerkarchitektur und ermöglicht so beispielsweise die Cross-Cloud-vMotion, also die Live-Migration virtueller Maschinen zwischen lokaler Infrastruktur und Cloud. Diese Cross-Cloud-vMotion ist dann die Basis für Elastic DRS, also Distributed Resource Scheduling zwischen Cloud und On-Premise-Rechenzentrum.

Dabei wird zunächst eine Ober- und Untergrenze der möglichen vSphere-Hosts in der Cloud festgelegt, anschließend kann DRS auch entsprechende vSphere-Hosts der AWS-Cloud zur Ressourcenverwaltung verwenden. Wer also zur Wartung lokale Hosts offline nehmen will oder für ungeplante Lastspitzen schnell neue Kapazitäten braucht, der kann zukünftig per Elastic DRS mit wenigen Mausklicks Cloud-Ressourcen nutzen.

AWS-Services als zentrales Unterscheidungsmerkmal

Wenn VMware Cloud on AWS die Funktionen und die Einfachheit liefert, die VMware verspricht – und der schnelle Beta-Start noch in diesem Jahr sowie die auf der VMworld Europe gezeigten Tech-Demos legen das nahe –, dann bedeutet VMwares kommender Cloud-Service im Vergleich zu VMwares bisherigen Cloud-Optionen durchaus einen qualitativen Sprung nach vorne.

Erstens wegen der einfachen Art und Weise, in der über gewohnte Tools wie vCenter und vRealize lokale vSphere-Instanzen in die Cloud erweitert werden können, ohne dass hierfür ein weiteres Produkt wie etwa der ebenfalls neue Hybrid Cloud Manager für vCloud Air zum Einsatz kommen muss. Für VMware-Admins wird es keinen Unterschied machen, ob sie lokale DRS- und vMotion-Prozesse anstoßen oder Elastic DRS und Cross-Cloud-vMotion. Sie benutzen dieselben Schaltflächen und dasselbe Vorgehen, und genau in dieser Einfachheit liegt der Schlüssel zum Erfolg von VMware Cloud on AWS.

Zweitens ist es aber natürlich die Kooperation mit dem führenden Public-Cloud-Anbieter Amazon, die die Anziehungskraft von VMware Cloud on AWS ausmacht. Eine große Skalierbarkeit bieten auch andere Cloud-Anbieter, die Fülle und Ausgereiftheit der Cloud-Services sind es aber letztlich, die AWS aus der Masse hervorstechen lassen.

Wer zum Beispiel, so ein von VMware genanntes Szenario, in seiner lokalen VMware-Umgebung auch AWS-Dienste wie Amazon S3 (Simple Storage Service) oder Glacier nutzt und dabei Latenzprobleme hat, der könnte zukünftig seine VMs über VMware Cloud on AWS einfach im gleichen AWS-Rechenzentrum hosten, was die Latenz auf ein Minimum reduzieren würde.

VMware Cloud on AWS vs. vCloud Air und Azure Stack

Die Kooperation mit AWS wurde vielfach als Reaktion auf Microsofts kommende Cloud-Plattform Azure Stack beschrieben, mit der Microsoft ebenfalls eine konsistente Grundlage schaffen will, um virtuelle Maschinen zwischen Private und Public Cloud zu verschieben.

Tatsächlich ähneln sich die Konzepte, auch wenn die Stoßrichtung eine andere ist: Während Microsoft seine Azure-Cloud über den Azure Service Fabric quasi von oben nach unten in die Rechenzentren der Kunden ausdehnt, geht VMware den anderen Weg und verschiebt die neue Cloud Foundation als Grundlage der Cross-Cloud-Services von unten nach oben in Amazons Public Cloud. Am Ende steht aber bei beiden ein konsistenter Software-Stack, der zumindest von der Zielsetzung her keinen Unterschied mehr zwischen lokalen Instanzen und Cloud-Instanzen macht.

Zumindest derzeit sieht VMwares neuer Cloud-Service allerdings wesentlich attraktiver aus, immerhin wurde Azure Stack aufgrund der komplexen Entwicklung verschoben und setzt nun zudem den Kauf neuer Hardware-Appliances voraus. VMware Cloud on AWS dagegen dockt als Cloud-Service an die sowieso bereits bestehende vSphere-Infrastruktur an.

Allerdings verwässert VMware mit der AWS-Kooperation gleichzeitig auch seine bisherige Cloud-Strategie. Bisher hatten VMware-Kunden die Wahl zwischen vCloud Air, vereinfacht gesagt eine von VMware verwaltete vSphere-Umgebung im von VMware selbst betriebenen Rechenzentrum, und dem vCloud Air Network, also einer von einem VMware-Partner verwalteten VMware-Infrastruktur im Partner-Rechenzentrum.

Selbst die im Zuge der VMworld US ebenfalls groß angekündigte Cloud-Partnerschaft mit IBM brach dieses Muster nicht auf, sondern bewegt sich ebenfalls im Rahmen des vCloud Air Network. VMware Cloud on AWS sprengt diesen Rahmen und stellt dem eine dritte Option gegenüber: Eine von VMware verwaltete Umgebung, die aber in der Amazon-Cloud gehostet wird.

Gerade durch exklusive Funktionen wie Cross-Cloud-vMotion und Elastic DRS scheinen vCloud Air und vCloud Air Network plötzlich wie VMware-Clouds zweiter Klasse, tatsächlich liegt eher der Schluss nahe, dass entsprechende Features über kurz oder lang auch in vCloud Air und vCAN integriert werden. Damit mag VMware Cloud on AWS zwar gerade VMwares Leuchtturm-Projekt in Sachen Cloud geworden sein, wird aber sicher nicht zum alleinigen Standbein.

VMware Cloud on AWS mit großem Potenzial

Das Potenzial von VMware Cloud on AWS ist jedenfalls sehr groß, vor allem durch die Einfachheit und die wichtige Rolle von AWS im Public-Cloud-Markt. Zwar denken wohl die wenigsten Unternehmen beim Weg in die Public Cloud sofort an den VMware-Stack, als komfortable Cloud-Option mit optimaler Anbindung an zusätzliche AWS-Services dürfte VMware aber durchaus interessierte Kunden finden.

Damit bleibt als einer der letzten Erfolgsfaktoren noch der Preis. Tatsächlich mietet man mit VMware Cloud on AWS von VMware verwaltete ESXi-Hosts, momentan sieht es daher so aus, als würden die Kosten für den Cloud-Service auf Basis dieser ESXi-Hosts berechnet. Ob und in welcher Höhe für den Managed Service ein zusätzlicher Obulus fällig wird, ist derzeit allerdings noch nicht klar.

Nachdem Microsoft mit Azure Stack das erste Konzept einer kohärenten Cloud-Plattform auf den Weg gebracht hat, läutet VMware Cloud on AWS jetzt gewissermaßen die zweite Runde im Konkurrenzkampf um Hybrid-Cloud-Kunden ein. Wenn beide Produkte nächstes Jahr auf dem Markt sind, wird sich zeigen, ob sie ihre Versprechen auch halten können.

Folgen Sie SearchDataCenter.de auch auf Twitter, Google+, Xing und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im Oktober 2016 aktualisiert

Erfahren Sie mehr über Private-Cloud-Infrastruktur

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

Close