Management- und Strategie-Wechsel bringt Citrix wieder auf den richtigen Weg

Nach heftiger Kritik hat sich Elliott Management durchgesetzt und ist im Citrix-Aufsichtsrat angekommen. Eine gute Entwicklung, findet Brian Madden.

Wer Citrix-Produkte genauso mag wie ich, aber in den letzten Jahren irgendwie das Gefühl hatte, dass Citrix ein bisschen die Richtung verloren hat, dem sei gesagt: Das wird sich sehr bald ändern!

Es begann alles im Juni 2015, als der Hedgefonds Elliott Management einen offenen Brief an Citrix über die Leistung der vergangenen Jahre veröffentlichte. Elliott beschreibt die Geschäftsführung bei Citrix darin als „ziemlich schlecht“ und nennt dafür auch einige Beispiele, so etwa die Abschaffung und spätere Wiedereinführung von XenApp und das Fehlen einiger wichtiger Funktionen in XenApp 7.x.

Elliott kritisiert auch den fehlenden Fokus des Citrix-Managements, was sich in überteuerten und strategisch wenig sinnvollen Investitionen sowie im Ausbau von Produkten und Konzepten niederschlägt, die nicht zum Citrix-Kernbereich gehören.

Normalerweise würde man diese Art Kritik, die nicht aus dem technischen Lager kommt, wohl einfach ignorieren. Elliott Management gehören aber sieben Prozent der Citrix-Aktien, was einem Gegenwert von einer Milliarde Dollar entspricht. Wenn ein Milliarden-Dollar-Aktionär Wind macht, dann hört man ihm auch zu.

Elliott Management erhält Sitz im Citrix-Aufsichtsrat

Wenig überraschend traf der Brief von Elliot Management auf gemischte Reaktionen. Bei vielen, auch bei mir, rief er Zustimmung hervor. Andere dagegen waren verärgert und warfen wiederum Elliott Management vor, eine Heuschrecke der 80er Jahre zu sein, die mit wenig Blick für die langfristige Zukunft einfach nur die Kernbereiche von Citrix herausbrechen und den Aktienkurs nach oben treiben wolle, um sich dann mit Gewinn aus dem Citrix-Investment zu verabschieden.

Aus heutiger Sicht ist der Plan von Elliott Management wohl aufgegangen. Citrix hat ebenfalls noch im Juni 2015 eine Vereinbarung mit Elliott bekanntgegeben, wonach Elliott Management einen Sitz im Aufsichtsrat erhalten wird (womit kein neuer Sitz geschaffen, sondern ein bestehendes Mitglied im Aufsichtsrat ausgetauscht wird) und sich beide Unternehmen auch über einen zweiten Sitz im Aufsichtsrat verständigt haben, der ebenfalls ein bestehendes Mitglied ersetzen soll. In dieser Vereinbarung wird zudem ein einjähriges Stillhalteabkommen aufgeführt, was letztlich nur bedeutet, dass beide Unternehmen wieder kooperativer miteinander umgehen wollen.

Die wirklich schlagzeilentaugliche Nachricht lautet aber, dass Mark Templeton, Präsident und CEO von Citrix, zurücktreten wird und derzeit ein neuer CEO gesucht wird. Das ist vor allem deshalb interessant, weil Mark Templeton eigentlich bereits vor fast zwei Jahren seinen Rücktritt angekündigt hatte, dann aber ein paar Monate später doch entschied, nicht zurückzutreten und stattdessen ein mehrjähriges Engagement bei Citrix versprach.

Mehrere Jahre sind seit dieser Ankündigung natürlich noch nicht vergangen, und so wurde der jetzige Rückzug von vielen als höfliche Kündigung durch Elliott Management verstanden. Mark Templeton ist also auf Abschiedstour, und die Firma, die Citrix wegen vermeintlich zu wenigen Änderungen kritisiert hat, sitzt jetzt im Aufsichtsrat. Wohin wird das alles führen?

Man kann stark davon ausgehen, dass der Großteil der von Elliott Management in dem offenen Brief geforderten Änderungen jetzt umgesetzt oder doch zumindest ernsthaft angedacht wird. Damit dürften die GoTo-Produkte von Citrix (GoToMyPC, GoToAssist, GoToMeeting) zum Verkauf stehen. Zudem ist damit zu rechnen, dass sich Citrix zukünftig tatsächlich wieder mehr auf den Kernbereich rund um die Desktop- und App-Virtualisierung mit XenApp und XenDesktop kümmern wird.

Am Ende des Tages finden viele Marktbeobachter und Citrix-Administratoren den gewachsenen Einfluss von Elliott Management auf Citrix aber gut, auch wenn zunächst eine bittere Pille geschluckt werden musste. Mein Kollege Gabe Knuth hat Citrix-Kunden kürzlich eine ganz einfache Frage gestellt: Sind Sie mit den heutigen Citrix-Produkten glücklicher als noch vor drei Jahren? Tatsächlich lautete die Antwort der meisten Kunden „Nein“, aber nachdem Elliott Management jetzt seinen Willen zu bekommen scheint und eine aktivere Rolle bei der weiteren Entwicklung von Citrix spielen wird, könnten viele Kunden schon im nächsten Jahr wieder vermehrt mit „Ja“ antworten. Und das wäre eine gute Sache.

Über den Autor:
Brian Maden ist international als eigensinniger, supertechnischer und extrem unabhängiger Desktop-Virtualisierungs-Experte bekannt. Er hat mehrere Bücher sowie mehr als 1000 Artikel zu den Themen Desktop-und Anwendungs-Virtualisierung geschrieben. Madden’s blog, BrianMadden.com, hat jährlich Millionen von Besuchern und fungiert als eine Plattform für den Austausch rund um das Thema Virtualisierungsindustrie. Zusätzlich hat er BriForum ins Leben gerufen, eine unabhängige Konferenz über Anwendungsbereitstellung.

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Artikel wurde zuletzt im September 2015 aktualisiert

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