HPs EVO:RAIL-Rückzug mehr Image- als Umsatz-Schaden für VMware

HPs EVO:RAIL-Aus ist ein schwerer Image-Schaden, wird VMwares Umsätze aber kaum schmälern. Hyper-konvergente vSphere-Lösungen gibt es nach wie vor.

Vergangene Woche verkündete HP überraschend den  Ausstieg aus VMwares EVO:RAIL-Angebot und stellt damit ab sofort den Verkauf seiner hyper-konvergenten Appliance HP ConvergedSystem 200-HC EVO-RAIL ein. Damit bricht VMware zwar das globale Vertriebsnetz von HP weg, letzten Endes dürfte HPs EVO:RAIL-Aus für VMware trotzdem mehr Image- als Umsatz-Schaden bedeuten.

Mit EVO:RAIL hatte VMware erst vergangenen Oktober den Einstieg in den Markt für hyper-konvergente Appliances verkündet. Während der Software-Stack bestehend aus vSphere, vCenter Server, vRealize Log Insight, vSAN und EVO:RAIL-Engine vollständig von VMware kommt, greift VMware für die Fertigung auf Hardwarepartner wie Dell, NetApp, Fujitsu, EMC und bis vor kurzem eben auch HP zurück. Weder an der Software noch an den Hardwarespezifikationen können die VMware-Partner allerdings Veränderungen vornehmen, EVO:RAIL-Appliances sind damit enorm unflexibel und Hardware-Partner kaum mehr als Durchlaufstationen mit angeschlossenem Support und Vertrieb. Genau diese fehlende Flexibilität ist es jetzt, die HP zum Ausstieg aus VMwares EVO:RAIL-Programm bewogen hat.

VMware EVO:RAIL stand dabei von Anfang an unter keinem guten Stern: Zum Start konnten bestehende vSphere-Lizenzen nicht auf EVO:RAIL-Appliances migriert werden, was die Attraktivität vor allem in bestehenden vSphere-Umgebungen deutlich schmälerte. Gleichzeitig wurde auch die eingeschränkte Skalierbarkeit bemängelt.

In beiden Punkten hat VMware allerdings mittlerweile nachgebessert, so können bestehende vSphere-Lizenzen jetzt auch für neue Appliance verwendet werden und EVO:RAIL lässt sich mittlerweile zu Clustern mit acht Appliances und 32 Nodes bündeln. Nach wie vor wird aber zum Beispiel das Fehlen von integrierten Enterprise-Funktionen wie Deduplizierung industrieweit als Defizit von EVO:RAIL betrachtet.

Beim zentralen Kritikpunkt der unflexiblen Hard- und Softwareausstattung hat sich seit der Ankündigung Ende vergangenen Jahres nicht viel getan. Tony Parkinson, Vice President EMEA Enterprise Solutions bei Dell, ging im Gespräch mit SearchDataCenter.de auf der VMworld Europe 2014 erstaunlich deutlich auf diese fehlende Flexibilität ein und erwartete relativ zügig neue Modellvariante von VMware EVO:RAIL.

Geht man nun von einem gewissen Insider-Wissen seitens HP zur weiteren Entwicklung von EVO:RAIL aus, dann dürfte man zumindest für die nahe Zukunft (und für die bald stattfindende VMworld 2015) keine oder zumindest kaum nennenswerte Verbesserungen erwarten. Zumindest würde dies den Ausstieg von HP so kurz vor der VMworld 2015 erklären.

HP zieht sich aber natürlich nicht komplett aus dem Markt eigentlich noch recht dynamischen Markt für hyper-konvergente Infrastrukturlösungen zurück, sondern bietet die gleiche Hardware seiner ConvergedSystem 200-HC EVO-RAIL wie auch bisher schon parallel zu EVO:RAIL weiterhin als ConvergedSystem 200-HC StoreVirtual an – inklusive HP OneView for VMware vCenter. Und genau deshalb ist HPs Ausstieg aus dem Kreis der EVO:RAIL-Partner für VMware mehr Image- als Umsatz-Schaden.

Man mag meiner Kollegin Ulrike Rieß auf SearchStorage.de durchaus Recht geben, dass der Produktreihe EVO:RAIL womöglich bald „schon die Luft ausgeht.“ Der Wegfall eines weiteren großen Partners würde wohl reichen, um das Vertrauen in die Produktreihe vollends zu zerstören.

Aber auch wenn VMware die Nachfrage nach einer eigenen, rein vSphere-basierten hyper-konvergenten Lösung möglicherweise überschätzt hat bleibt unbestreitbar, dass VMwares Virtualisierungsplattform auch im Hyperconverged-Markt die Nase vorne hat. Sowohl von Nutanix als auch von SimpliVity oder auch von Maxta sind hyper-konvergente Infrastrukturlösungen erhältlich, die auch mit vSphere zu haben sind. Maxta und SimpliVity bieten zudem KVM-Unterstützung, Nutanix zusätzlich auch Support für Hyper-V.

Nicht vSphere selbst, sondern das unflexible vSphere-only-Produkt EVO:RAIL trifft also offenbar auf eine zu geringe Nachfrage. Ob vSphere und vCenter aber auf Basis von HPs EVO:RAIL- oder StoreVirtual-Lösung lizenziert werden, dürfte VMware im Zweifel egal sein. Auch nach dem Rückzug von HP gilt: Wer eine hyper-konvergente vSphere-Lösung sucht, der findet entsprechende Produkte – mit der ConvergedSystem 200-HC StoreVirtual nach wie vor auch von HP.

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Artikel wurde zuletzt im August 2015 aktualisiert

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