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Freiberufler oder Angestellter – Vorzüge und Nachteile

Die Abwägung, eine Karriere im IT-Umfeld als Freiberufler oder Angestellter zu verfolgen, fällt nicht immer leicht. Wir stellen die Vorzüge und Nachteile beider Alternativen vor.

Digitalisierung, Globalisierung, demografischer Wandel. Über diese Entwicklungen entstehen immer neue Arbeitsfelder und ein gewisses Maß an Flexibilität ist unerlässlich.

Entsprechend gibt es in vielen Branchen sukzessive Veränderungen weg von der klassischen Festanstellung hin zur dynamischen Freiberuflichkeit.

Allein in Deutschland arbeiten mittlerweile knapp 1,4 Millionen hauptberufliche Freelancer. Doch welche Vor- und Nachteile bieten die beiden Modelle? Hier ein Vergleich.

Stundensatz

Da das Gehalt bei Festangestellten meist auf jährlicher Basis, bei Freelancern dagegen auf die Stunde heruntergebrochen angegeben wird, ist die direkte Gegenüberstellung nicht ganz einfach. Dennoch lassen sich Trends erkennen.

So verdienen Freelancer in der IT-Branche im Schnitt mehr. Ein festangestellter SAP-Entwickler verdient im Durchschnitt 60.000 Euro im Jahr. Im Vergleich dazu verdient man als Freiberufler in diesem Bereich 90 Euro pro Stunde und müsste somit nur gute 80 Tage von neun bis sechs Uhr arbeiten, um ein gleichwertiges jährliches Bruttoeinkommen zu beziehen.

Dabei spielt Freiberuflern vor allem der anhaltende Fachkräftemangel in die Karten. Gerade Entwickler und SAP-Experten sind auf dem Markt besonders gefragt. Aber auch Spezialisten im Bereich Datenschutz und Cyber-Security haben Konjunktur.

Bei dem direkten Vergleich wird jedoch oft vergessen, dass Freiberuflern weniger Netto vom Brutto bleibt, da sie beispielsweise höhere Krankenkassen- und Rentenversicherungsbeiträge zahlen müssen. Zusätzlich tragen viele Freelancer die Kosten für einen Steuerberater und bestenfalls einen Notgroschen. Sie haben sowohl zeitlichen als auch finanziellen Aufwand bei der Projektakquise.

Administrativer Aufwand

Als festangestellter Mitarbeiter hält sich dagegen der administrative Aufwand in der Regel in Grenzen. Am Monatsende gehen Steuern, Versicherungsbeiträge und sonstige Fixkosten automatisch vom Bruttogehalt ab.

Einmal im Jahr wird dann doch noch die Steuererklärung fällig und fertig ist die bürokratische Pflicht. Freelancer haben hier einen Mehraufwand, insbesondere steuerrechtlich und buchhalterisch zusätzliche Verpflichtungen.

Darunter fallen beispielsweise Einkommenssteuer, Einnahmenüberschussrechnung sowie mehr Posten, die sich steuerrechtlich absetzen lassen (Home Office, PKW Leasing). Freiberuflichkeit erfordert ein hohes Maß an Selbstorganisation.

Zum Glück gibt es jedoch genug professionelle Portale, über die sich schnell die passenden Projekte für Freie aus den verschiedensten Branchen finden lassen. Zu dieser Selbstorganisation zählt auch eine kluge und vorausschauende Kalkulation der eigenen Arbeitsleistung: So sollte ein Freelancer beispielsweise bei der Festlegung seines Stundensatzes miteinbeziehen, dass er einige Stunden auf Administration und Projektakquise verwenden muss, die nicht direkt bezahlt werden.

Der Stundenlohn sollte also höher angesetzt werden, um den Mehraufwand zu kompensieren. Zudem kann eine frühzeitige Urlaubsplanung Stress mit möglichen Projektdeadlines verhindern. Auch das Thema Scheinselbstständigkeit stellt viele Freelancer vor Herausforderungen.

Flexibles Arbeiten

Administrative Herausforderungen stehen oftmals vor dem Hintergrund der Flexibilität zurück, den Freelancing mit sich bringt. Das beginnt bereits beim Arbeitsplatz: Ob Home-Office, Coworking-Spaces, externes oder Auftraggeber-Büro, oder doch der Strandkorb.

Freelancer können größtenteils selbst entscheiden, wo und wie sie sich einrichten möchten. Für Festangestellte sind bei ein paar Tage Homeoffice pro Jahr oft das höchste der Gefühle. Und auch die Arbeitszeiten unterliegen einem ähnlichen Prinzip: Sind Feste an strikte Arbeitszeiten gebunden, die bestenfalls von Gleitzeitregelungen aufgeweicht werden, können sich Freie ihre Zeit nach ihren Vorstellungen und Ansprüchen einteilen.

Sie können so deutlich spontaner sein und damit besser auf die Herausforderungen und Eventualitäten des Alltags reagieren. Welches Modell besser mit Familie und Kindern vereinbar ist, darüber scheiden sich die Geister.

Die einen sagen, feste Zeiten bringen Routine, die anderen, dass eine flexible Gestaltung ihnen effektiv mehr Familienzeit lässt. Unabhängig von der flexiblen Einteilung der Zeiten hält sich jedoch das hartnäckige Gerücht, Freelancer müssten deutlich mehr als die klassischen 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Dieses Vorurteil lässt sich so pauschal nicht bestätigen. Auch Freiberufler kommen im Schnitt auf etwa 40 Stunden Arbeitszeit pro Woche. Natürlich gibt es dabei immer wieder Ausreißer. Doch die gibt es im herkömmlichen Festangestelltenverhältnis auch.

Simon Gravel, Freelance.de

„Für viele Freelancer ist die Unabhängigkeit das entscheidende Kriterium.“

Simon Gravel, Freelance.de

So oder so ist das Abschalten in der Freizeit bei beiden Varianten unabdinglich, um eine gesunde Work-Life-Balance zu wahren. Ähnlich gestaltet es sich beim Thema Urlaub. Denn auch wenn eine frühzeitige Urlaubsplanung sinnvoll sein kann, ist es dem Freelancer trotzdem möglich, spontan in die Ferien zu reisen.

So kann er zwischen zwei Projekten wegfahren oder aber die Arbeit ins Café oder die Hotel-Lobby verlegen. Einzelne freie Tage lassen sich oft leichter in den Alltag integrieren: Die Sonne scheint und ein Tag am See klingt verlockender als die Arbeit am Schreibtisch? Für den Freelancer oftmals kein Problem.

Abseits derlei Planungen haben feste Mitarbeiter einen fixen Urlaubsanspruch und ein regelmäßiges garantiertes Einkommen und somit eine höhere Planungssicherheit. Im Gegensatz zu Freien, die sich ihren Urlaub je nach Auftrags- und Auslastungslage einteilen können und müssen.

Doch nicht nur in puncto Arbeitszeiten ist Flexibilität ein großes Plus: Unsere Umfrage unter Freelancern ergab, dass sie es an ihrer Arbeit insbesondere schätzen, so flexibel auf Trends reagieren zu können.

Die Unabhängigkeit von starren Unternehmenshierarchien und -umgebungen bietet die Möglichkeit, neue und innovative Ideen oder Trends entsprechend ihren Vorstellungen auszuprobieren und zu verfolgen. Zudem schaffen häufig wechselnden Arbeitsumfelder und Aufgaben frischen Wind und neue Perspektiven.

Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung

Besonders durch die jungen Generationen X und Y, die gerade ins Arbeitsleben einsteigen, erleben wir einen Wertewandel. Die Abhängigkeit von nur einem Job, Arbeitgeber oder Team ist für viele kein zeitgemäßes Lebens-, Werte- und Arbeitsmodell mehr, so dass sie sich für die Arbeit als Freie entscheiden.

Für viele Freelancer ist die Unabhängigkeit das entscheidende Kriterium: Niemand, der ihnen auf die Finger schaut, wann sie was wie machen. Die aktive Entscheidung für oder gegen ein Projekt oder Auftraggeber. Das trägt zur Selbstverwirklichung bei.

Demgegenüber steht die Sicherheit, die die klassische Festanstellung mit sich bringt. Krankheit, Elternschaft oder Rente sind dabei besser geschützt. Gedanken um das nächste Projekt muss sich ein Festangestellter auch nicht machen.

Er bewegt sich meist in seiner Alltagsroutine, was für viele ein entspanntes Arbeiten bedeutet. Freelancer dagegen schätzen die Abwechslung, Erfahrungen und neue Aufgaben, durch die sie sich ständig weiterentwickeln und -bilden.

Frei und selbstbestimmt arbeiten zu können macht auch langfristig glücklich und gleicht so manchen Nachteil wieder aus. Im Wesentlichen gilt es also zu entscheiden: Freiheit oder Sicherheit?

Existenzgrundlage

Oder doch beides? Denn das Freelancing lässt sich ideal als Nebenberuf oder in Elternzeit als Zusatzverdienst betreiben. Es kann auch den Wiedereinstieg nach einer längeren Pause erleichtern und schafft Raum für die eigenen Bedürfnisse.

Zwar genießt man als festangestellter Arbeitnehmer einen besseren Kündigungsschutz, ein Freifahrtschein beziehungsweise eine Garantie ist dies jedoch trotzdem nicht, denn wer ist schon auf alle Eventualitäten vorbereitet? Deshalb lautet das Fazit: Raus aus der Komfortzone und rein ins Freelancer-Dasein.

Über den Autor:
Simon Gravel ist CEO von freelance.de.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2018 aktualisiert

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