Bedeutet die neue vCenter Server Appliance das Aus für den Desktop-Client?

Die neue vCSA steht nicht mehr als OVA, sondern im ISO-Format zur Verfügung. Bereitet VMware damit das Aus des vSphere Desktop-Client vor?

Als VMwares vCenter Server Appliance 2011 mit vSphere 5.0 eingeführt wurde, fand die im OVA-Format (Open Virtualization Appliance) vorgefertigte Appliance großen Anklang unter VMware-Administratoren, weil sie einfach bereitzustellen und zu verwalten war. Ein zusätzlicher Vorteil war die Nutzung von SUSE Linux, wodurch keine Windows-Lizenz benötigt wurde.

Allerdings gab es damit auch das ein oder andere Problem, so konnte sie nicht besonders gut skaliert werden, bot nicht alle Funktionen von vCenter Server und war zudem nicht gerade leichtgewichtig. Unter der Haube war auch das Management etwas schwierig, vor allem aufgrund der integrierten IBM DB2-Datenbank, die VMware mit der ersten Version seiner vCenter Server Appliance (vCSA) auslieferte. Schon im ersten vCSA-Update hatte sich VMware allerdings diesen Problemen angenommen und IBM DB2 durch eine PostgreSQL-Datenbank ausgetauscht, was die Ressourcenanforderungen senkte und damit die Bereitstellungszeit verringerte.

Seitdem wurde vCSA mit jeder neuen Version stabiler und auch vom Funktionsumfang her vollständiger. So wurden die früheren Einschränkungen zunehmend behoben, auch was Maximalwerte für die Konfiguration der integrierten Datenbank betrifft. Mit vSphere 6 und vCenter Server 6 befindet sich die Funktionalität der Appliance damit auf Augenhöhe mit dem Windows-basierten vCenter Server.

vCSA-Updates erweitern Funktionsumfang

In Version 5.x der vCenter Server Appliance gab es vor allem zwei Funktionsbeschränkungen, die in vielen IT-Abteilungen den Einsatz in Produktivumgebungen verhinderten: die Maximalwerte für die Konfiguration der integrierten Datenbank und die Verfügbarkeit von vCenter Server.

Einer der Vorteile bei der Bereitstellung von vCenter Server als Appliance liegt in der bequemen Situation, keine externe Datenbank bereitstellen zu müssen. Da die Appliance damals nur Oracle-Datenbanken unterstützt hatte, wäre sonst das Deployment einer vollständigen Oracle-Umgebung nötig gewesen, nur um die virtuelle Umgebung skalieren zu können. Und Oracle ist weder einfach noch günstig bereitzustellen.

Die ursprüngliche Datenbank in vCSA 5.0/5.1 skalierte nur bis maximal fünf Hosts und 50 virtuellen Maschinen. Alleine dadurch kam die Appliance für eine große Mehrheit an VMware-Kunden nicht in Frage, abgesehen von den wenigen, die tatsächlich eine externe Oracle-Datenbank verfügbar hatten. Diese Beschränkung wurde mit vSphere 5.5 angegangen und das Maximum wurde auf 100 Hosts und 3.000 VMs angehoben. Ein Limit, das nach Einschätzung von VMware 90 Prozent aller Deployments nicht erreichen würden. Mit diesem höheren Maximum fand die Appliance dann auch tatsächlich Einzug in immer mehr Produktivumgebungen.

Maximalwerte der vCSA-Konfiguration für die integrierte Datenbank

vCenter-Version 5.1 5.5 6.0
ESXi-Hosts pro VC 5 100 1.000
Aktive Ms pro VC 50 3000 10.000

VMware hat mit vSphere 6 die Maximalwerte erneut erhöht und zudem einen Wechseln von SQL Express als integrierte Datenbank im Windows-basierten vCenter Server zur gleichen vFabric Postgres-Datenbank wie in der vCSA vollzogen. Ein möglicher Vorteil hiervon könnte in der leichteren Migration von Daten vom Windows-basierten vCenter Server zur vCSA liegen.

Die fehlende Unterstützung von vCenter Heartbeat und Linked Mode waren weitere Beschränkungen der vCenter Server Appliance. Vor allem für große Unternehmen sind dies unverzichtbare Enterprise-Funktionen, um mehrere vCenter-Instanzen im Linked Mode von einem einzigen Client aus zu verwalten oder um mit vCenter Heartbeat die Hochverfügbarkeit von vCenter Server sicherzustellen.

Die fehlende Unterstützung für vCenter Heartbeat wurde inzwischen durch das angepasste VMware Fault Tolerance (FT) in vSphere 6 behoben, um jetzt auch virtuelle Maschinen mit mehreren vCPUs zu unterstützen. Damit lässt sich vCSA jetzt mit VMware FT absichern, zumindest so lange vCSA nur vier vCPUs nutzt, während der gleichzeitige Einsatz von VMware High Availability die Hochverfügbarkeit der Hardwareebene sicherstellt.

Das Fehlen des Linked Mode wurde durch die Einführung des Platform Services Controller (PSC) adressiert, der einen verbesserten Linked Mode enthält. PSC umfasst  Single Sign-On (SSO), Zertifikatverwaltung, einen Lizenz-Server und andere Management-Tools, die sich im Vergleich zu früheren Versionen von VMware SSO leichter replizieren lassen. Als Ergebnis verschiedener Änderungen an der Architektur bietet PSC nun ein Äquivalent zum Linked Mode und wird von vCenter Server sowohl auf Windows als auch als vCenter Server Appliance unterstützt.

Der verbesserte Linked Mode in PSC verbindet verschiedene vCenter Server, egal ob auf Windows oder als Appliance, durch die Nutzung von einem oder mehrerer Platform Services Controller. Administratoren erhalten so eine einzige umfassende Kontrollinstanz für ihre vSphere-Domäne. Über den erweiterten Linked Mode lassen sich sämtliche verbundenen vCenter-Server-Systeme überblicken und durchsuchen, so können beispielsweise Rollen, Berechtigungen, Lizenzen und Richtlinien repliziert werden. Typischerweise wird bei der Nutzung des erweiterten Linked Mode ein externer Platform Services Controller empfohlen.

vCSA und vCenter Server: Nahe dran, aber doch nur fast…

Es gibt aber selbst nach all den Updates und Verbesserungen noch immer einige Funktionen, die der vCenter Server Appliance im Vergleich zu vCenter Server fehlen:

  • Unterstützung für vSphere CLI. Hierfür muss die vCenter Management Appliance installiert werden.
  • Integrierter VMware Update Manager (VUM). Hierfür muss noch immer eine Windows-VM bereitgestellt werden, um VUM zu installieren.
  • Integrierter View Composer. Auch hierfür muss eine Windows-VM bereitgestellt werden, um den Composer zu deployen.
  • Keine Unterstützung für eine externe SQL-Server-Datenbank. In vCSA muss also weiterhin die integrierte Datenbank oder eine externe Oracle-Datenbank genutzt werden. Immerhin wurden die Maximalwerte erhöht, was die Notwendigkeit einer externen Datenbank deutlich reduziert.
  • Keine Möglichkeit, individuelle Rollen des vCenter Server zu trennen (abgesehen von PSC). Mit der auf Windows installierten vCenter-Version ist dies möglich.

Ein weiterer Hinweis in Form eines ISO-Images

Bei der neuen vCenter Server Appliance fällt eine weitere Sache auf: VMware verpackt vCSA seit vCenter Server 6 nicht mehr als OVA-Datei, sondern als ISO-Image. Aber warum sollte sich VMware nach all der Zeit vom OVA-Format verabschieden? Es ist natürlich ein bisschen ins Blaue geraten, aber könnte das nicht auch den Abschied vom vSphere Desktop-Client bedeuten? Wenn man sich nicht mehr mit einem neu erstellen ESXi-Host verbinden kann, wie sollte man dann eine OVA-Appliance bereitstellen?

Bei einem völlig neu installierten ESXi-Host zum Beispiel gibt es keine wirklich einfache Möglichkeit, diesen ohne vSphere-Client oder vCenter Server zu verwalten. Derzeit ist es nicht möglich, in dieser Situation einen Web-Client für das Host-Management zu nutzen, daher scheint es aus dieser Perspektive nur logisch, auch die OVA-Bereitstellung abzuschaffen. Stattdessen gibt es nun also das ISO-Image, das sich über einen Browser installieren lässt.

Auf diese Weise kann das Installationspaket für die vCSA-Bereitstellung gestartet werden, ohne dass die OVA-Datei über den vSphere Desktop-Client importiert werden muss. Hierfür muss lediglich das ISO-Image über einen Laptop, eine Workstation oder eine virtuelle Maschine gestartet und anschließend der Installationsassistent über die Setup-Webseite aufgerufen werden.

Während des Installationsvorgangs werden lediglich IP/Host-Name des bereitzustellenden ESXi-Hosts und die Root-Zugangsdaten benötigt. Der Installationsassistent erledigt dann selbstständig die Bereitstellung auf dem ESXi-Host und setzt den vCenter Server auf.

In den letzten Jahren hat VMware mit sehr begrenztem Erfolg versucht, Administratoren vom Desktop- hin zum Web-Client zu locken. vSphere über den Web-Client zu verwalten war in vSphere 5.1 und 5.5 aber auch einfach nicht hinnehmbar. Mit den mehr als 100 Neuerungen für den Web-Client in vSphere 6 und vCenter Server 6 und großen Verbesserungen bei Usability und Performance ist VMware aber schon einen großen Schritt weitergekommen. Auch wenn der Web-Client zum großen Missfallen vieler Admins noch immer auf Flash basiert, wurden das Dashboard, die Menüführung und die Benutzeroberfläche zu großen Teilen neugestaltet, wodurch der Web-Client jetzt wesentlich einfach zu benutzen ist.

Die Benutzeroberfläche des vSphere Web Client in vSphere 6 ist damit wesentlich aufgeräumter und bietet deutlich kürzere Wartezeiten bei Log-ons oder der Darstellung der Kontextmenüs über den Rechtsklick. Die einzige Sache, für die man wohl wirklich noch den Desktop-Client braucht, ist die VUM-Integration. Auch die dürfte aber in einer der nächsten Updates mit in den Web-Client wandern.

VMware Labs hilft bei der Migration

Auch VMware Labs beschäftigt sich natürlich mit diesem Thema und hat kürzlich ein neues VMware Labs Fling veröffentlicht, mit dem sich ein Windows-basierter vCenter Server zu einer vCenter Server Appliance migrieren lässt.

 Bisher bestand ein Problem dabei darin, Daten und Einstellungen von einem Windows-basiertem vCenter Server auf eine neue Linux-basierte vCSA zu migrieren. Hierfür gab es schlicht keinen einfachen Prozess. Der empfohlene Migrationspfad sah dagegen vor, mit einer Neuinstallation zu beginnnen.

Der neue VMware Labs Fling verrichtet allerdings bereits ziemlich gute Arbeit. Er migriert die vCenter-Datenbank, Rollen, Berechtigungen, Zertifikate und Inventory-Services. Er migriert sogar Ereignisse und Aufgabenlisten, Ordner und vApp-Einstellungen – einfach so gut wie alles, was in der Datenbank gespeichert ist. Das einzige, was noch nicht funktioniert, ist die Migration der SSO-Konfiguration, was daher noch manuell erfolgen muss. Das ist aber keine allzu schwere Aufgabe.

Noch gibt es aber natürlich ein paar Beschränkungen, es handelt sich immerhin nur um ein Tool der VMware Labs und es gibt auch noch keinen offiziellen Support. Trotzdem hat das Tool bereits ordentlich Zustimmung aus der Community erfahren, daher kann man durchaus damit rechnen, dass VMware ein voll unterstütztes Produkt daraus machen wird.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2015 aktualisiert

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