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Mainframes: Eine Sache der Vergangenheit oder der Zukunft?

Mainframes spielen nach wie vor eine große Rolle in vielen Unternehmen, vor allem im Bankensektor. Viele Anwendungen laufen noch auf Cobol und IBM hält daran fest.

Seit 25 Jahren haben ambitionierte Start-ups mit vielversprechenden Computing-Architekturen – begleitet von auf die Zukunft spezialisierten Analysten – immer wieder den Tod der Mainframes verkündet.

Während diese scheinbaren Konkurrenten regelmäßig angesichts der Marktanteile des altehrwürdigen Systems wieder von der Bildfläche verschwanden, haben es sich nur wenige IT-Abteilungen angesichts ihrer riesigen Investitionen getraut, sich von ihren Mainframes zu verabschieden.

Und das mit gutem Grund: Mit geschätzten 220 Milliarden Zeilen aktivem Cobol-Code läuft auf Mainframe-Umgebungen fast die Hälfte aller Banksysteme. Damit sind Mainframes verantwortlich für Transaktionen im Wert von etwa 1,5 Milliarden Dollar pro Tag – also für etwas, das man nicht so einfach abstellen oder auswechseln kann.

Trotzdem blicken viele der Mainframe-Anhänger heute mit Interesse auf die Cloud. Mit seinen Versprechungen an niedrigeren Kosten und der Fähigkeit, große Datenmengen leicht zugänglich zu machen und zu verschieben, könnte Cloud Computing eine zunehmend attraktive Alternative zu Mainframe-Umgebungen werden.

„Es stimmt, dass die Anwendungen, die Unternehmen auf ihren Mainframes laufen haben, geschäftskritisch sind, und in manchen Fällen wäre es auch zu teuer, sie für andere Systeme umzuschreiben“, sagt Tom Nolle, TechTarget-Mitarbeiter und Präsident der CIMI Group, einer unabhängigen Beratungsfirma, die sich auf Telekom- und Datenverbindungen spezialisiert hat. „Auf der anderen Seite kann ich mich nicht erinnern, in der letzten Zeit mit einem Anwender gesprochen zu haben, der weitere Investitionen in die Mainframe-Technologie für eine gute strategische Entscheidung halten würde.“

Die jährlichen Verkäufe von Mainframe-Systemen sind von einem Hoch von über vier Milliarden Dollar zu Beginn dieses Jahrzehnts auf zwei Milliarden Dollar im Jahr 2016 zurückgegangen und machen gerade einmal drei Prozent von IBMs Gesamtumsatz aus.

Trotzdem entsprechen laut Bernstein Research die damit verbundenen Hardware-, Software und technischen Services fast 25 Prozent der Verkäufe von IBM und 40 Prozent vom gesamten Gewinn 2016.

„Wir haben den Tod des Mainframes für ein paar Jahrzehnte angezeigt. Das ist fast solange, wie man immer wieder den Tod des früheren spanischen Diktators General Francisco Franco vorhergesagt hatte“, kommentiert Geoff Woollacott, leitender Analyst bei Technology Business Research. „Big Iron ist alt und archaisch, aber es hat noch immer seinen Gebrauchswert.“

Die Herausforderung durch die Cloud

IBM, die dominante Kraft im Mainframe-Markt, ist entschlossen, der heraufkommenden Bedrohung durch die Cloud zu widerstehen. Man möchte den Mainframe in die Überlegungen und Diskussionen über die „digitale Transformation“ einbringen – eine Diskussion, die sich in der Regel um Cloud- und mobile Technologien dreht.

Im Januar 2015 brachte IBM den z13 Mainframe heraus. Er wurde entwickelt, um Milliarden von mobilen Transaktionen aus einem breiten Angebot an mobilen Geräten, einschließlich iPhone und iPad von Apple, durchzuführen.

Das war das erste Mal, dass der Hersteller eine Mainframe-Umgebung herausbrachte, die für Mobility, Analytics und die Cloud eingerichtet war. Sie konnte nicht nur Milliarden von mobilen Transaktionen abwickeln, sondern kostete IBM außerdem eine Milliarde Dollar innerhalb von fünf Jahren Entwicklungszeit.

Danach kam im Juli 2017 der z14 Mainframe heraus, ausgerüstet mit weitgehenden Verschlüsselungsfunktionen und besonders für große Unternehmen gedacht, die sich vor Hackerzugriffen auf ihre am meisten empfindlichen Daten fürchten. Die neue Technologie bietet End-to-End-Schutz von zirkulierenden Daten und APIs, die in Netzwerken unterwegs sind, wobei Encryption Keys eingesetzt werden, die in kryptografischer Hardware verankert sind.

Die hinzugefügten Security-Funktionen konnten darüber hinaus das Image der z14 als zuverlässiges Repository für die wichtigsten Daten eines Unternehmens ausbauen, indem sie auch leichter den vielen komplexen Compliance-Regulierungen in den USA und anderen Ländern entsprechen.

„Umfassende Verschlüsselung sollte besonders die globalen Banken und andere Finanzinstitutionen interessieren, die ihre Geschäfte weltweit durchführen“, meint Charles King, Präsident und führender Analyst bei Pund-IT. „Selbst wenn Hacker in ein System eindringen, können sie nicht viel erreichen, außer sie haben etwas Wirksames, um eine 128-Bit-Verschlüsselung zu knacken.“

Der z14 ist außerdem der bisher schnellste Mainframe von IBM – offizielle Vertreter des Unternehmens gehen sogar davon aus, dass der 10-Core-CPU-Chip der Systeme der schnellste in der ganzen IT-Industrie ist. Er kann 12 Milliarden verschlüsselte Transaktionen pro Tag auf einem einzigen System ausführen und verfügt über eine drei Mal so große Memory-Kapazität wie der Vorgänger z13. Diese Art von Rechenkraft soll besonders jene IT-Professionals ansprechen, die an die speziellen Fähigkeiten einer Mainframe-Umgebung gewöhnt sind.

IBM hat die Unterstützung für eine Reihe von neuen Technologien hinzugefügt wie zum Beispiel Container. Die neue Maschine kann zwei Millionen Docker-Container hosten. IBM hat ferner Schritte unternommen, um die Fähigkeiten der z14 in Sachen Machine Learning Analytics sowohl einzelnen Personen wie auch großen Teams von Produktentwicklern innerhalb eines Unternehmens zur Verfügung zu stellen. Die neue Funktion mit Namen „Machine Learning for zOS“ kann kombinierte Analytics-Aufgaben auf z-basierten wie auch auf nicht-z-basierten Systemen übernehmen.

Gestützt auf Interviews mit zehn IT-Abteilungen, die stark in Mainframe-Umgebungen investiert haben, kommt eine kürzlich erschienene Studie von IDC (Sponsoren: CA Technologies und IBM) zu der Schlussfolgerung, dass der Mainframe einen Wendepunkt erreicht hat: Das System wird entweder bloß eine reine Geldmaschine bleiben oder es wird eine wichtige Rolle bei Projekten zur digitalen Transformation spielen, die sich nun in vielen Unternehmen herauskristallisieren.

Welchen Weg der moderne Mainframe einschlagen wird, hängt davon ab, wie erfolgreich IBM das System mit den bestehenden oder zukünftigen Web Services und service-ausgerichteten Architekturen der Anwender verbinden kann, damit Mainframe-Umgebungen Daten effizienter zu verteilten Applikationen bringen können. In dem Report berichten IT-Professionals auch darüber, dass sie sowohl Linux als auch Java als eine Methode einsetzen, um die Entwicklungskosten zu senken.

„Ein wichtiger Aspekt bei der Modernisierung des Mainframes ist der Einsatz von Java“, merkt hierzu Peter Rutten an, Research Manager bei der Enterprise Platform Group von IDC. „Die meisten Unternehmen in der Studie berichten, dass sie Java auf Linux unterstützen wollen – einige von ihnen sogar sehr aggressiv –, während es andere in einer mehr gemäßigten Form tun werden, indem sie Java innerhalb des Customer Information Control System laufen lassen.“

Ein Vorteil – aber für wie lange?

Nicht alle sehen strategische langfristige Vorteile der Mainframes – weder für die Kunden noch für IBM. Sie glauben, dass sich die glorreichen Tage der Mainframe-Umgebung nur im Blick rückwärts feststellen lassen und dass Zeit und Geld der Anwender für andere Projekte besser ausgegeben sind.

„IBM versucht lediglich, ein Pflaster auf eine tiefe Wunde aufzulegen“, sagt Nolle von CIMI zu dem z14-Mainframe. „Man bewegt sich in einem Marktumfeld, das nie wieder ein Wachstumsmarkt werden wird“, fügt er hinzu.

Was den Wettbewerbsvorteil durch weitgehende Verschlüsselung angeht, konzediert Nolle durchaus, dass der Mainframe die beste Plattform für eine solche Technologie ist. Er verweist aber auch darauf, dass unersättliche Konkurrenten wie Amazon modernere Cloud-basierte Lösungen verwenden werden und so den aktuellen technischen Vorteil von Big Blue alt aussehen lassen.

„Jeder größere Konkurrent wird versuchen, die Security-Vorteile des z14 anzugreifen, indem er mit etwas herauskommt, das nicht so gut ist, aber gerade gut genug“, gibt Nolle zu bedenken. „Diese Angebote werden letztlich ihren Produkten zugutekommen und das Überleben für IBMs Mainframes komplizierter machen.“

Überraschenderweise liefern gerade die Mainframes einige der wenigen positiven Zahlen in IBMs gesamtem Serverhardware-Portfolio aus dem vierten Quartal 2017. Während sich die Umsätze in diesem Quartal für alle Serverhardware insgesamt auf 2,5 Milliarden Dollar beliefen, ein Rückgang um 12,5 Prozent verglichen mit dem vierten Quartal des Vorjahres, sind die Umsätze für z-Systeme um vier Prozent angewachsen.

Dieses Wachstum wurde laut IBM vor allem angetrieben durch Anwender, die die z13 wegen ihrer Funktionen für mobile Transaktionen installieren wollten, außerdem durch neue Workloads wie zum Beispiel Blockchain-Transaktionen auf dem Mainframe.

Während Nolle den zukünftigen kommerziellen Erfolg der Mainframes skeptisch beurteilt, sieht er sich durch IBMs Entscheidung ermutigt, zu seinen Wurzeln zurückzukehren und mit der z14 die Informationstechnologie erneut voranzutreiben.

Nolle gibt zu bedenken: „Ich hatte dieses IBM-Notebook aus den 60er Jahren, und auf seiner Frontseite stand in goldenen Lettern das Wort 'Think'. IBM wurde zu IBM durch Denken, aber in den letzten zehn Jahren hat es diese Fähigkeit verloren. Was man bei IBM nun versucht, bedeutet, wieder zu denken.“

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Artikel wurde zuletzt im März 2018 aktualisiert

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