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Kapazitätsplanung für Anwendungs-Virtualisierung und VDI

Für die Anwendungs- oder Desktop-Virtualisierung müssen IT-Profis ein tiefes Verständnis über die Funktionsweise ihrer Systeme besitzen, um den Kapazitätsbedarf planen zu können.

Für eine Reise zu packen kann wirklich herausfordernd sein. Packen Sie zu viel ein, müssen Sie jede Menge Kram mit sich herumschleppen, den Sie keinen Moment lang brauchen werden. Packen Sie zu wenig ein, laufen Sie mehrere Tage mit demselben dreckigen Hemd herum.

Bei der Kapazitätsplanung für virtuelle Anwendungen und virtuelle Desktop Infrastruktur (VDI) verhält es sich ganz ähnlich. Überschätzen IT-Fachleute ihren Bedarf an Prozessorleistung, Hauptspeicher, Massenspeicher und Netzwerkressourcen, so geben sie unnötig Geld für Ressourcen aus, die gar nicht zum Einsatz kommen werden. Schätzen Sie den Bedarf aber zu niedrig ein, so werden die Nutzer unter Leistungseinbußen leiden, was zu Auswirkungen auf die Akzeptanz des gesamten Projekts führen kann.

Um die goldene Mitte zu treffen, sollten IT-Profis testen, testen und nochmals testen. Außerdem müssen sie ihre Anwender genauso verstehen wie die bestehende Infrastruktur, die betroffenen Anwendungen und einige weitere Aspekte mehr.

Auf welche Ressourcen kommt es an?

In Bezug auf physische Ressourcen für die Kapazitätsplanung einer VDI gibt es vier Bereiche, die IT-Pros genau im Auge behalten sollten:

Die CPU-Nutzung ist relevant für die Anzahl von Desktops, die auf einem Server untergebracht werden können. Beim Blick auf die CPU eines Servers sollte die IT-Abteilung Aspekte wie noch akzeptable Latenzzeiten, Anzahl verbundener Geräte und gleichzeitige Operationen berücksichtigen.

Englischsprachiges Video: Vermeiden von Problemen bei VDI IOPS.

Weiter geht es mit dem Hauptspeicher, den die IT-Abteilung auf Basis der Anwendungen und Betriebssysteme abschätzen sollte, mit denen die Anwender auf ihren virtuellen Desktops arbeiten.

Der dritte Hardwareaspekt, der Massenspeicher, läuft darauf hinaus, dass ausreichender Speicherplatz verfügbar bleiben muss, um auf unvorhergesehene IOPS (Input/Output Operations Per Second) reagieren zu können, die sich bei einer VDI etwa in Situationen wie Antivirus-Scans ergeben können.

Schließlich muss die IT-Abteilung noch die Netzwerkhardware im Back-End so zu dimensionieren wissen, dass Hochlastzeiten ohne Verzögerungen für die Anwender gemeistert werden können.

Was spielt in VDI-Kapazitätsplanung ein?

Anspruchsvolle Nutzer, die mit grafikintensiven Anwendungen und großen Dateien arbeiten, benötigen viel mehr Prozessorzeit, Haupt- und Massenspeicher sowie Netzwerkressourcen als andere Nutzer, die etwa nur E-Mail und Web für ihre Aufgaben einsetzen. Deshalb muss die IT-Abteilung Buch darüber führen, wer welche Anwendungen einsetzt, wie er sie nutzt und wann das passiert. Über diese Informationen zu verfügen ermöglicht es, Nutzungsmuster zu erkennen und die IT-Abteilung dazu zu befähigen, die richtige Balance an Ressourcen bereitzustellen. Auch können Probleme vermieden werden wie etwa Boot Storms, die dann eintreten, wenn viele Nutzer auf einmal ihre Desktops starten.

IT-Profis müssen in ihrer Kapazitätsplanung zudem berücksichtigen, welche VDI-Produkte sie dafür einsetzen werden. Die ausgewählten Server und Hypervisoren können ebenso die Kapazität beeinflussen wie die eingesetzte Software, etwa Antivirus- oder Verwaltungs-Tools. Nicht zu vergessen die Bereitstellungsmethodik für die Desktops. So erfordert zum Beispiel ein nicht-persistenter Ansatz weniger Massenspeicher, weil die Nutzer ihre Einstellungen nicht speichern können.

Vor dem Hinzufügen neuer virtueller Desktops müssen IT-Profis außerdem verstehen, wie ihre derzeitige Infrastruktur arbeitet. Dabei können Problemmuster auffallen, etwa in Bezug auf langsame Ladezeiten von Anwendungen und deren Ursachen. Diese Muster zu erforschen unterstützt die VDI-Kapazitätsplanung so, dass IT-Profis vorhersehen können, was beim Hinzufügen oder Entfernen von Nutzern zukünftig passieren wird.

Was spielt in Kapazitätsplanung für virtuelle Anwendungen ein?

Wenn es um virtuelle Anwendungen geht, kommt es darauf an, woher der Nutzer die Anwendung bezieht: ist dies eine lokale oder eine entfernte Quelle? Je weiter der Nutzer von dem Server entfernt ist, der die Anwendung hostet, desto mehr Bandbreite wird für deren Bereitstellung benötigt. Auch die Art und Weise, wie Nutzer auf die Anwendungen zugreifen, ist für IT-Pros eine wichtige Information. Greifen die Anwender etwa über eine WAN-Verbindung statt über das Firmennetzwerk auf virtuelle Anwendungen zu, so kann auch die Bandbreite ein Problem darstellen. Die Endpunkte, mit denen die Nutzer arbeiten – seien es PCs, Tablets oder Smartphones – sind ebenfalls ein relevantes Kriterium, denn unterschiedliche Geräte bieten unterschiedliche eigene Möglichkeiten an Prozessorleistung, Ausstattung mit Haupt- und Massenspeicher, die die Server mehr oder auch weniger entlasten könnten.

Ist der Bedarf der Nutzer erfasst, so sollte die IT-Abteilung die Anwendungen untersuchen, die für eine Virtualisierung vorgesehen sind. Die Art und Weise, wie Nutzer mit den Anwendungen interagieren, hat einen Einfluss darauf, wieviel Speicher und Prozessorleistung diese der Hardware abverlangen und welche Menge an Daten abgespeichert werden muss. Daher sollte für jede Anwendung ein minimal akzeptables Servicelevel definiert werden, um einen Mindeststandard für deren Leistung gewährleisten zu können.

Auf der Seite des Backends muss festgestellt werden, welche Features von Produkten für die Anwendungs-Virtualisierung tatsächlich benötigt werden. Denn zusätzliche Features benötigen auch zusätzliche Ressourcen. Einige Produkte, darunter zum Beispiel Microsofts App-V, umfassen auch Berichtsdienste, die zusätzliche Daten hervorbringen, die mithin auch zusätzlich gespeichert werden müssen. Auch die Anforderungen an die Datenbank müssen klar identifiziert werden. Beim Thema Datenbank sind auch Backups, Disaster Recovery und Failover-Unterstützung unter App-Virtualisierung zu prüfen.

Die IT-Abteilung sollte Messungen bezüglich Bandbreite, Verbindungspfaden und die Geschwindigkeit von WAN-Verbindungen vornehmen, um Kapazitätsreserven zu identifizieren. Bezüglich des Massenspeichers müssen Reserven vorgesehen werden, um die Anwendungen selber, aber auch die damit verbundenen Daten, die Analysedaten, die Konfigurationsdateien und einiges mehr hosten und bereitstellen zu können.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2018 aktualisiert

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