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Entscheidungshilfe: virtueller oder dedizierter Root-Server?

Ob Sie einen dedizierten oder einen virtuellen Root-Server benötigen, hängt von der geforderten Leistung ab. Auch der Standort spielt eine entscheidende Rolle.

In den beiden vorangegangenen Beiträgen haben wir Ihnen gezeigt, wie Sie den Live Patch Service von Canonical auf einem Ubuntu Server installieren und wie Sie Ihren Linux-Server abhärten können.

Sehen wir uns in diesem Beitrag an, ob sich sogenannte Root-Server für kleine und mittelständische Firmen lohnen oder ob Sie doch besser einen Server am eigenen Standort betreiben sollten.

Was ist ein Root-Server?

Ein Root-Server ist ein Server, den Sie bei einem Anbieter mieten können. Er steht somit nicht am eigenen Standort. Dabei müssen Sie zwischen physischem oder dediziertem und virtuellem Root-Server unterscheiden.

Ein dedizierter Root-Server ist eine physische Maschine, die Sie alleine benutzen. Bei einem virtuellen Server teilen sich mehrere Kunden die Hardware. Haben Sie einen dedizierten Server, können Sie damit machen, was Sie wollen. Sie dürfen so viel Last auf den Prozessoren verursachen, wie Sie möchten. Bei einem virtuellen Server behält sich der Anbieter meist vor, dass er Server sperrt, die dauerhaft die Performance der Hardware negativ beeinflussen.

Somit können Sie sich an dieser Stelle gleich die Frage stellen, ob der Server für sehr rechenintensive Aufgaben genutzt wird. In diesem Fall würden Sie zu einem dedizierten Server greifen. Sie können sich aber sicher auch denken, dass dedizierte Server teurer sind als ihre virtuellen Pendants.

Es gibt genau genommen noch eine Option, die sich Colocation nennt. In diesem Fall betreiben Sie einen eigenen Server, der allerdings im Rechenzentrum eines Anbieters steht. Sie mieten sich in diesem Fall einen Stellplatz und zahlen zusätzliche für Bandbreite und Strom.

Eine Frage der Leistung

Nehmen wir ein praktisches Beispiel. Angenommen, Sie möchten eine Private Cloud für Ihr Unternehmen aufsetzen und haben sich für Nextcloud entschieden. 100 Anwender sollen mit der Private Cloud arbeiten. In diesem Fall sehen wir uns zunächst an, welche Systeme die Software unterstützt. Die Anforderungen finden Sie normalerweise beim Anbieter selbst, wie zum Beispiel in der Dokumentation für Nextcloud 12. Auch wenn noch weitere Systeme unterstützt werden, empfehlen die Entwickler RHEL 7 (Red Hat Enterprise Linux) oder Ubuntu 16.04 LTS, MySQL/MariaDB, PHP 7.0 oder 7.1 und Apache 2.4 mit mod_php.

Der zweite Faktor ist nun, wie viel Performance die Hardware liefern muss. Das ist nicht ganz so präzise berechenbar, denn nicht alle Benutzer brauchen gleich viel Leistung. Eine generelle Empfehlung finden Sie ebenfalls in der Dokumentation.

Für bis zu 150 Anwender empfehlen die Entwickler zwischen 100 GByte und 10 TByte Storage. Hier können Sie selbst ausrechnen, wie viel Storage jeder Anwender erhalten soll. Weiterhin benötigen Sie einen Server mit mindestens 2 CPU-Kernen und 16 GByte RAM. Für unser Beispiel würde ein etwas besserer virtueller Server noch ausreichen.

Ab 150 Anwender empfehlen die Entwickler allerdings 2 bis 4 Application-Server und einen Cluster aus mindestens zwei Datenbankservern. Weiterhin sollte das Storage an einen NFS-Server ausgelagert sein. Geht es in solche Dimensionen, müssen Sie die Kosten vergleichen und ausrechnen, ob ein Betrieb am eigenen Standort nicht wesentlich günstiger ist. Fakt ist, dass Sie virtuelle Server mit 6 CPUs, 30 GByte garantiertes RAM und 2 TByte Storage für 20 Euro im Monat bekommen (Stand: März 2018). Der Anbieter ist Contabo. Aber!

Reaktionszeiten beachten und Puffer einkalkulieren!

Beachten Sie die Support-Zeiten der Anbieter. Manche sind günstiger, haben aber keinen 24/7 Support. Contabo zum Beispiel ist derzeit von 8 bis 23 Uhr zu erreichen. Können Sie mit diesen Support-Zeiten leben, dann ist der Anbieter attraktiv. Brauchen Sie Unterstützung rund um die Uhr, dann werden Sie etwas tiefer in die Tasche greifen müssen.

Kalkulieren Sie auch nicht zu knapp. Ein gewisser Puffer ist nicht nur in Spitzenzeiten vorteilhaft, sondern auch in die Zukunft gedacht. Ihre Firma wächst im Idealfall und irgendwann müssen Sie aufrüsten. Wenn Sie genug Puffer einkalkulieren, dann haben Sie mehr Zeit, in die Zukunft zu planen und müssen nicht überhastet aufrüsten.

Backup bleibt Ihnen nicht erspart

Ob Sie sich für einen Root-Server, Hardware am eigenen Standort oder einen virtuellen Server entscheiden, hängt von der notwendigen Performance ab. Unabhängig davon bleibt Ihnen das Backup nicht erspart. Selbst wenn der Root-Server mit RAID-Storage angemietet wird, müssen Sie sich dennoch um die Datensicherung kümmern.

An dieser Stelle gibt es mehrere Möglichkeiten. Haben Sie Root-Zugriff auf den Server, könnten Sie die Daten über eine SSH-Leitung zum eigenen Standort sichern. Vielleicht mieten Sie sich aber auch eine Online-Festplatte irgendwo und lassen die Backups dort auflaufen. Sehr konservativ wäre das Anmieten eines zweiten Root-Servers, vielleicht bei einer anderen Firma oder in einem anderen Data Center, der mehr oder weniger ein Spiegel des ersten ist. Bei einem Hardwareschaden wäre die Ausfallzeit somit sehr gering.

Sie können die Kombination mit zwei Servern auch beliebig tauschen. Vielleicht betreiben Sie Ihren Hauptserver als dedizierte Hardware und für den Fall des Desasters springt ein virtueller Server ein. Die Performance leidet vielleicht etwas, aber Business Continuity ist gegeben.

Sie sehen, dass mehrere Faktoren zu beachten sind, wenn Sie einen eigenen Server betreiben wollen. Denken Sie über die verschiedenen Eckpunkte gut nach und machen Sie sich Notizen. Dann kristallisiert sich der optimale Server für Ihre Firma von alleine heraus.

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Artikel wurde zuletzt im März 2018 aktualisiert

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