Wie viele Systeme sind vom Support-Ende für Windows Server 2003 betroffen?

Windows Server 2003 steht kurz vor dem Support-Ende, läuft laut IDC aber noch immer auf zahlreichen Servern. Die Gründe hierfür sind vielfältig.

Im Juli 2015 endet der Support („End of Life“) für das noch immer häufig eingesetzte Betriebssystem Windows Server...

2003. Im ersten Artikel dieser zweiteiligen Reihe haben wir gezeigt, warum man das Support-Ende auch als Chance zur Modernisierung von Workloads begreifen kann. Im diesem zweiten Artikel gehen wir der Frage nach, wie viele Systeme tatsächlich vom Support-Ende betroffen sind und geben einen Überblick über hilfreiche Ressourcen zur Migration.

Laut inoffiziellen Zahlen von netmarketshare.com kommt Windows XP selbst heute, rund ein halbes Jahr nach seinem Support-Ende, noch immer auf deutlich mehr als 20 Prozent Marktanteil unter allen genutzten Desktop-Betriebssystemen

Im Juli 2015 erreicht dann mit Windows Server 2003 in Kürze das nächste populäre Betriebssystem von Microsoft sein Support-Ende. Damit Unternehmen nach dem „End of Life“ von Windows Server 2003 nicht in gleicher Manier weiter auf das betagte Betriebssystem setzen, geben sich Microsoft und Serverhersteller alle Mühe, Unternehmen bei der Migration auf modernere Server-Betriebssysteme zu unterstützen.

Laut IDC weltweit noch knapp 3 Millionen Windows Server 2003-Installationen

Je näher die Support-Deadline für Windows Server 2003 rückt, umso interessanter ist die Frage, wie viele Installationen des inzwischen rund elf Jahre alten Betriebssystems überhaupt noch genutzt werden. Beim IT-Dienstleister transtec geht man von derzeit weltweit 2,3 Millionen Installationen von Windows Server 2003 aus. 

Serveranbieter Dell rechnet mit etwa 40.000 Servern alleine in Deutschland, auf denen noch Windows Server 2003 läuft. Microsoft selbst will die Zahlen nicht kommentieren, bestätigt aber immerhin, dass es derzeit im Markt noch immer „eine signifikante Anzahl“ an Installationen von Windows Server 2003 gibt.

Das Marktforschungsunternehmen IDC wiederum kommt gegenüber SearchDataCenter.de aufgrund seiner Daten auf weltweit aktuell 2,77 Millionen installierte Versionen von Windows Server 2003. Dabei sei diese Zahl in den vergangenen Jahren bereits stark zurückgegangen, so Wafa Moussavi-Amin, Geschäftsführer und Analyst bei IDC Deutschland. 

Demnach gab es im Jahr 2012 noch 9,1 Millionen Windows Server 2003 im Markt. Allerdings sollen auch in drei Jahren, also im Jahr 2017, weltweit noch 113.000 Installationen genutzt werden. Damit dürften also viele Unternehmen Schwierigkeiten haben, die Deadline im April 2015 einhalten zu können.

113.000 oder sogar 2,7 Millionen aktuell vorhandene Installationen von Windows Server 2003 – verglichen mit den rund 2,5 Millionen alleine im zweiten Quartal 2014 ausgelieferten Servern mag das nach einer überschaubaren Anzahl klingen. 

Allerdings stellt für Michael Hohl, Head of Datacenter Solutions bei transtec, nach dem Support-Ende jede einzelne Version von Windows Server 2003, Windows Server 2003 R2 oder Windows Small Business Server 2003 einen „idealen Nährboden für Viren und Malware“ dar und gefährde damit nicht nur das eigene, sondern auch fremde Unternehmensnetzwerke.

Nach dem Support-Ende, so Wafa Moussavi-Amin, müssten IT-Manager aber nicht nur mit unnötigen und gefährlichen Sicherheitsbedrohungen rechnen, sondern gleichzeitig auch mit erhöhten Management-Kosten. Neben der von Microsoft favorisierten Migration alter Workloads in Microsofts Public Cloud Azure oder dem von Serverherstellern bevorzugtem direkten Austausch alter Windows Server 2003 durch neue Server, gibt es für Moussavi-Amin aber noch eine dritte Option: Custom Support von Microsoft. Durch die hohen Kosten dürfte diese Variante aber für kaum ein Unternehmen eine dauerhafte Lösung darstellen.

Aufgrund des enormen Bedrohungspotenzials von beispielsweise ungepatchten Applikations- oder Webservern stellt sich natürlich die Frage, wieso so viele Unternehmen die Migration bisher verschleppt haben. Zumal sich der Markt durchaus der Problematik bewusst sei, so Peter Dümig, Field Product Manager Enterprise bei Dell. Daher müsse demnächst auch noch mit einer großen Migrationswelle vieler Nachzügler gerechnet werden.

Budget als Hauptgrund für die zögerliche Migration

Budget-Gründe spielen in diesem Zusammenhang offenbar die Hauptrolle. Migrationen sind teuer und aufwendig und werden daher gerne verschoben. Im Zweifelsfall so lange, bis das Support-Ende bevorsteht. 

Zusätzliches Budget wird in diesen Fällen meist erst im allerletzten Moment genehmigt, gibt Michael Hohl zu bedenken. Nämlich erst dann, wenn Firmen-Policies und Compliance-Vorschriften den Einsatz nicht-unterstützter Software unmöglich machen würden.

Bei transtec selbst gibt es allerdings nach eigenen Angaben kaum noch Kunden, die Windows Server 2003 im Einsatz haben. Mit der Landingpage endofwinserver.info bewegt man sich dort aber bewusst auf die Zielgruppe der Unternehmen zu, die Unterstützung bei der Migration benötigen.

Bei Dell sind es offenbar gerade die großen Kunden, die die Migration fast durchwegs alle abgeschlossen haben. Übrig sind laut Peter Dümig vor allem noch kleine und mittlere Unternehmen, aber auch sei der Migrationsprozess bereits relativ weit vorangeschritten. 

Trotzdem lässt sich auch Dell die potenzielle Zielgruppe nicht entgehen und bietet ebenfalls ein Support-Programm zur Migration auf Windows Server 2012/2012 R2. Mit ähnlichen Angeboten werben auch HP oder Fujitsu um Kunden. Die Anzahl betroffener Unternehmen scheint groß genug, um entsprechende Marketing-Aktionen zu rechtfertigen.

Neben budgetären Gründen ergibt sich für Peter Dümig bei der Migration ein zusätzliches Hemmnis durch die Tatsache, dass sich Windows Server 2003 manuell nicht direkt auf Windows Server 2012/2012 R2 aktualisieren lässt und auch Microsoft-Tools wie System Center in diesem Fall keinen direkten Upgrade-Pfad ohne Umweg über Windows Server 2008 ermöglichen. 

Peter Dümig rät hier zu Drittanbieter-Tools wie Dell Quest oder aber direkt zu Managed-Cloud-Modellen. Gerade kleinere Unternehmen ohne ausgewiesene IT-Experten würde dies von Bereitstellung, Patching und Konfiguration einer Server-Umgebung befreien, allerdings natürlich zum Preis monatlicher Service-Kosten.

Von einer Virtualisierung vorhandener Instanzen von Windows Server 2003, oft als Alternative zur Migration angebotenen, rät er hingegen dringend ab. Einerseits sehe sich auch ein ungepatchter virtueller Server den gleichen Bedrohungen ausgesetzt wie ein physischer – andererseits gehe es dabei nicht nur um den Server an sich. Auch Drittanbieter-Tools wie Firewalls oder Antivirensoftware dürften in naher Zukunft den Support für Windows Server 2003 einstellen. 

Weiterführende Informationen und hilfreiche Ressourcen zur Migration

Microsoft bietet Unternehmen über verschiedenste Kanäle weiterführende Informationen und hilfreiche Ressourcen zur Migration. Eine umfangreiche Beratung und Begleitung während der Migration durch erfahrene Systemhäuser, Serverhersteller oder IT-Dienstleister dürfte dies zwar in den meisten Fällen nicht ersetzen, Unternehmen erhalten so aber erste Anhaltspunkte zu den Möglichkeiten und dem grundsätzlichen Vorgehen bei einer Migration.

Als erste Anlaufstelle empfiehlt sich die Kampagnenseite von Microsofts Server-Abteilung, die bereits viele weiterführende Informationen wie beispielsweise ein Übersichtsposter verschiedener Migrationspfade (PDF-Datei zum Download), das Microsoft Assessment and Planning Toolkit oder den webbasierten Windows Server 2003 Migration Planning Assistant verlinkt.  

In der Microsoft Virtual Academy (MVA), Microsofts kostenlosem Schulungsportal, finden sich zudem englischsprachige Online-Kurse zur Migration, so zum Beispiel ein Einstiegskurs mit einem Überblick zur Migration sowie der technisch anspruchsvollere Kurs zur Migration auf Windows Server 2012 R2

Im MVA-Blog auf TechNet komplettiert Microsoft die Online-Kurse mit weiteren Tipps zu einem zehnstufigen Migrationsplan. Auf Microsofts Video-Portal Channel 9 steht zusätzlich die Aufzeichnung eines Vortrags von der TechEd North America 2014 bereit, der in gut einer Stunde das Vorgehen bei der Migration alter Legacy-Applikationen zeigt. Im Server & Cloud Blog schließlich geht eine derzeit fünfteilige Artikel-Serie auf verschiedene Schwerpunkte bei der Server-Migration ein.

Bei all den Anstrengungen seitens Microsoft und Serverherstellern wie Dell oder IT-Dienstleistern wie transtec ist alleine mit Blick auf die IDC-Zahlen klar, dass viele Unternehmen zum Stichtag 14. Juli 2015 die Migration noch nicht vollzogen haben werden. 

Noch sind keine großflächigen Exploits für Sicherheitslücken in Windows XP bekanntgeworden. Unternehmen, die noch auf Windows Server 2003 setzen, sollten sich davon aber nicht in Sicherheit wiegen lassen. Immerhin, so Michael Hohl, wurden von Microsoft nur für Windows Server 2003 R2 alleine im Jahr 2013 37 kritische Sicherheitsupdates veröffentlicht.

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2014 aktualisiert

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