Was ist besser: Cloud-Dienste oder Server-Konsolidierung?

Tom Nolle

Verteiltes Computing, sinkende Technologie-Preise und großzügige Budgets haben zu einer schnellen Verbreitung von anwendungsspezifischen Servern geführt. Für CIOs bringt dies jedoch deutlich höhere Support-Kosten mit sich. Denn nicht nur hat sich die Zahl der Server vervielfacht, sondern auch ihre Verteilung auf unterschiedliche Standorte, oft fernab der zentralen Support-Ressourcen, hat zugenommen.

Dabei wurden diese Plattformen oft nicht im vollen Umfang und nicht entsprechend der Unternehmensstandards genutzt, was zu Problemen mit Compliance-Audits und Sicherheit führte. Derartige Komplikationen und die Kosten haben den Trend zur „Server-Konsolidierung“ ausgelöst, eine der wichtigsten Triebkräfte für das Interesse an Server-Virtualisierung und Cloud-Computing.

Bei Server-Konsolidierung wird eine zentrale „Farm“ von virtuellen Servern aufgebaut, die den Wildwuchs an verteilten Einzel-Servern ersetzt. Cloud-Computing bietet einen ähnlichen Wert: Wenig ausgelastetet und hinsichtlich Support anspruchsvolle Rechner vor Ort werden von einem gehosteten Dienst abgelöst. Mit Konsolidierung wie mit Cloud-Diensten können Unternehmen also viele anwendungsspezifische Server ersetzen. Vor diesem Hintergrund kommt es darauf an, die richtige der beiden Strategien zu wählen.

Wann Server in die Cloud verlagert werden sollten

Um zu erkennen, ob ein bestimmter Server konsolidiert oder in die Cloud gehört, müssen Sie wissen, wie viel Arbeitsspeicher, CPU, und I/O-Kapazität beim Storage er in Anspruch nimmt. Mit Hilfe dieser Informationen können Sie die Kosten für die Verlagerung seiner Anwendungen in die Cloud abschätzen; ebenso lässt sich feststellen, ob die Anwendungen so viele Ressourcen brauchen, dass sie nicht zusammen mit  anderen Anwendungen als virtuelle Maschine (VM) auf einem gemeinsamen Server laufen können. Ressourcenhungrige Anwendungen sollten ihre eigenen Server bekommen, wobei diese Server für leichteren Support zentralisiert sein sollten.

Die Kosten für Daten-Speicherung und -Transfers können Cloudscourcing-Projekte in manchen Unternehmen ausbremsen oder sogar zum Scheitern bringen. Aus diesem Grund ist es wichtig, vor einer Entscheidung die Kosten für die Daten-Nutzung bei den in Frage kommenden Anwendungen zu untersuchen. Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS) können die Wartungskosten und Lizenzgebühren für Anwendungen oder Plattform-Software reduzieren. Die besten Anwendungen für die Cloud zeichnen sich durch begrenzte Daten-Nutzung und nicht erforderlichen Zugriff auf riesige Datenbestände des Unternehmens aus.

SaaS, IaaS oder PaaS: Das passende Cloud-Modell wählen

Nachdem Sie Ihre Anwendung auf ihre Eignung für die Cloud hin geprüft haben, sollten Sie im nächsten Schritt entscheiden, welches Modell von Cloud-Dienst am besten dazu passt. Viele Anwender machen hier einen fundamentalen Fehler: Sie versuchen, die auf Virtualisierung basierende Architektur für die Server-Konsolidierung mit Hilfe von Infrastructure As a Service (IaaS) in der Cloud zu duplizieren. Dieser Ansatz funktioniert zwar fast immer, weil es sich bei IaaS um den allgemeinsten und flexibelsten Typ von Cloud-Diensten handelt; jedoch ist diese Wahl nicht immer die kosteneffizienteste. Um herauszufinden, ob die Cloud-Option wirklich eine gute Alternative zur Server-Konsolidierung darstellt, sollten Sie die folgenden der Fragen stellen:

  1. Passt der Ressourcen-Bedarf der Anwendung zum Preismodell des Cloud-Dienstes? Anwendungen, die auf riesige Datenbanken zugreifen, werden hohe Storage-Gebühren verursachen, Anwendungen, die rund um die Uhr laufen, hohe Nutzungsgebühren. Achten Sie auf geringe Ressourcen-Nutzung, besonders bei Storage.
  2. Ist es im Cloud-Modell möglich, denselben Cloud-Anbieter für viele Anwendungen zu nutzen? Die Zusammenarbeit mit mehreren Cloud-Diensten ist kostenträchtig. Zudem ist es technisch komplexer, mit mehreren Providern Anwendungen zu hybridisieren, also teils noch im eigenen Rechenzentrum laufen zu lassen. Finden Sie einen Dienst, der für die meisten in Frage kommenden Anwendungen den besten Kompromiss aus Kosten und Support-Aufwand bietet.
  3. Würde der Cloud-Dienst so viel von der gesamten Anwendungsplattform – Hardware, Betriebssystem, Middleware und Anwendungssoftware – ersetzen wie möglich? Der Support für die Nutzer-Komponenten bleibt in ihrer Verantwortung. Dazu zählen Software-Lizenzen, Wartung und Updates, Installation und technischer Support. Cloud-Angebote der höheren Stufen wie PaaS und SaaS umfassen mehr Kostenblöcke. Dadurch kann ihr Wert höher sein, insbesondere für kleine oder weitab gelegene Unternehmen mit begrenzten Support-Ressourcen.

Die meisten Unternehmen sollten zunächst prüfen, ob sich eine Anwendung durch SaaS ersetzen lässt, entweder vom selben Anbieter oder von einem mit demselben Schwerpunkt. So stellen Unternehmen, die ihr System für Customer Relationship Management (CRM) auf eigenen Servern unterbringen, oft eines fest: Die Nutzung von Salesforce.com ist preisgünstiger als die Konsolidierung von CRM-Servern in eine einheitliche Rechner-Farm mit Hilfe von Virtualisierung.

Die Entscheidung zwischen IaaS und PaaS erfordert tiefere Analysen. Platform as a Service (PaaS) umfasst auch Betriebssysteme und Middleware, so dass die Cloud-Kosten hier auch Ausgaben für Software und Support enthalten. Sparmöglichkeiten und Support-Fragen sind oft bedeutende Entscheidungsfaktoren, vor allem wenn eine Unternehmenslizenz nicht bereits die Plattform-Dienste einer Anwendung umfasst. Zudem kann das Fehlen einer Lizenz auch bedeuten, dass kein Support vor Ort nötig ist – Cloudsourcing kann also den Bedarf an geschultem Support-Personal verringern. PaaS-Lösungen erfordern typischerweise weniger Cloud-Management und lassen sich leichter auf derselben Plattform mit internen Anwendungen vereinen.

IaaS auf der anderen Seite bietet einen offeneren Ansatz und ist eine weit verbreitete Option. Wenn Sie eine recht bunte Mischung an Anwendungen haben und nicht mit mehreren verschiedenen Diensten und Dienstleistern arbeiten wollen, sind IaaS-Dienste in der Cloud für Sie eine bessere Alternative zur Konsolidierung.

Nicht bei allen Anwendungen ist die Cloud eine gute Alternative zur Konsolidierung. In vielen Unternehmen dürfte es, selbst wenn sie die Cloud nutzen, immer noch einige interne Anwendungen geben – hybride Lösungen mit Cloud und privatem Rechenzentrum dürften deshalb zu einer unverzichtbaren Komponente werden. Mit einem einheitlichen Cloud-Modell und -Provider wird der Übergang zu hybriden Clouds erleichtert, und die Support-Kosten für die Weiterentwicklung von Anwendungen – in der Cloud wie im Rechenzentrum – sind geringer. Letztlich wird es wahrscheinlich so aussehen: Das Modell, das für Ihr Unternehmen am einfachsten erscheint, ist auch das beste.

ÜBER DEN AUTOR
: Tom Nolle ist President der CIMI Corporation, einer seit 1982 auf Telekommunikation und Daten-Kommunikation spezialisierten Beratungsfirma.

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