Vor und Nachteil des Desktop-Zugriffs per Thin, Thick oder Zero-Client

Der Zugriff auf virtuelle Desktops erfolgt wahlweise per Thin, Thick oder Zero Client. Alle drei Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.

Gerade in der Anfangsphase einer VDI-Bereitstellung (virtuelle Desktop-Infrastruktur) schenken Admins gerne vor...

allem der Back-End-Infrastruktur, die zum Ausliefern der Desktops benötigt wird, große Aufmerksamkeit, während die Client-Infrastruktur meist etwas vernachlässigt wird. Aber schon während der Planungsphase sollten IT-Admins auch und gerade an die Client-Frage denken, um später Wartungsarbeiten und Kosten zu minimieren sowie die Performance zu erhöhen.

Auch wenn mobile Endgeräte den Markt für Virtualisierung derzeit gehörig verändern gehört es noch immer zu den schwierigsten Fragen bei VDI-Umgebungen, den Mitarbeitern an ihren Schreibtischen in angemessener Weise ihre Desktops bereitzustellen. Administratoren haben dazu prinzipiell drei Möglichkeiten: bereits existierende, vollwertige PCs werden als Thick Clients bezeichnet, dediziert hierfür hergestellte und angeschaffte PCs fallen unter den Begriff der Thin Clients und abschließend gibt es auch noch Zero Clients.

Thick Clients sind meist schon vorhanden

Thick Clients sind einfach vorhandene, vollwertige PCs, die lediglich für den Zugriff auf den virtuellen Desktop konfiguriert werden müssen. Der PC verwendet dabei sein bisheriges Betriebssystem weiter und normalerweise dürften auch keine nennenswerten Änderungen an Hardware oder Software nötig werden.

Die einfachste Art der Bereitstellung besteht darin, den VDI-Client zu installieren und ein Shortcut-Icon für die virtuelle Umgebung auf dem Desktop abzulegen. Endanwender haben so immer noch den vollen Zugriff auf die nativen Funktionen des PCs, können aber zusätzlich auf den virtuellen Desktop zugreifen.

Eine weitere Möglichkeit besteht natürlich darin, alle Komponenten zu sperren, die nicht zur VDI-Umgebung gehören. Auf diese Weise wird der Thick Client zu einer Art Thin Client, ohne dass die IT-Abteilung in neue Hardware wie aufgerüstete PCs oder Thin Clients von Drittanbietern investieren muss. Vor allem für Unternehmen, die noch über viele funktionierende PCs verfügen, ist der Weg über Thick Clients ratsam, da hier die Hardware ja quasi bereits angeschafft wurde und voll funktionstüchtig ist.

Allerdings haben Administratoren im Falle von Thick Clients das Problem, auch das darauf ausgeführte Betriebssystem wie Windows unterstützen zu müssen – und zwar wiederum für jeden einzelnen Nutzer. Die Thick Clients müssen schließlich wie normale PCs mit Patches und Updates versorgt werden, um sie gegen Malware und andere Sicherheitsbedrohungen zu schützen. Gleichzeitig steigt der Wartungsaufwand enorm, je mehr Zugriff Endanwender auf ihre Thick Clients haben.

Thick Clients bringen also nicht das volle Potenzial von VDI zur Geltung, beispielsweise beim eigentlich geringeren Management-Aufwand, der verbesserten Sicherheit und den reduzierten Hardware- und Energiekosten. Aber natürlich gibt es mit Thin und Zero Clients noch weitere Möglichkeiten, VDI-Clients bereitzustellen.

Mit Thin Clients alle Vorteile von VDI nutzen

Dedizierte Thin Clients sind im Grunde genommen abgespeckte PCs mit gerade genug Prozessorleistung, um den VDI-Client auszuführen. Thin Clients bieten wenig Erweiterungen oder Konfigurationsmöglichkeiten und laufen meist auch mit leichtgewichtigen Betriebssystemen wie Linux oder Windows Embedded. Der Großteil der Prozessorleistung wird im Fall von Thin Clients an den VDI-Server ausgelagert.

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Da Thin Clients mit eingeschränkten Betriebssystemrechten und nur minimalen Zugriffsrechten auf die Nicht-VDI-Komponenten ausgeführt werden, sind diese Maschinen auch wesentlich sicherer als die Thick-Client-Alternative. Zudem können Thin Clients auch ohne eigene Festplatte oder externe Anschlüsse verwendet werden, was den Download geschäftskritischer Daten verhindert. So kommt es auch extrem selten vor, dass sich Thin Clients einen Virus einfangen, vor allem wenn Linux zum Einsatz kommt. Zur Sicherheit trägt außerdem bei, dass auch keine Nutzerdaten heruntergeladen werden können.

Thin Clients senken zudem die Hardwarekosten, da diese Geräte nicht so oft erneuert werden müssen. Auch die geringere Hardwareausstattung macht diese Geräte kostengünstiger. Gleichzeitig verbrauchen sie weniger Energie, sind leichter bereitzustellen und können einfacher verwaltet werden, zumal sie wesentlich weniger Patches und Updates benötigen als herkömmliche PCs.

Wie weiter oben bereits beschrieben, besteht natürlich auch die Möglichkeit, bestehende PCs softwareseitig zu Thin Clients zu machen, also die bestehende Software durch ein leichtgewichtiges Betriebssystem mit VDI-Client zu ersetzen und das Gerät wie Thin Clients zu begrenzen. Dabei sollte man natürlich das Alter der Hardware nicht außer Acht lassen – selbst als Thin Client möchte man zu alte PCs schließlich auch nicht verwenden, da sonst der Wartungsaufwand wieder erheblich steigt.

Für welche Herangehensweise sich Unternehmen beim Thema Thin Client auch entscheiden, diese Geräte sind PCs noch immer ähnlich genug, dass sie persistenten Speicher und lokale Anwendungen unterstützen. Manche Thin Clients werden sogar mit PCI-Steckplätzen oder externen Schnittstellen ausgeliefert. Auch wenn diese Möglichkeiten durchaus Vorteile haben können, am Ende sorgen sie doch wieder dafür, die Geräte komplexer und damit wartungsanfälliger und unsicherer zu machen.

Gleichzeitig müssen Unternehmen aber auch beim Einsatz von Thin Clients auf die Lizenzierung der verwendeten Software achten. Die Welt der Windows-Lizenzierung ist äußerst komplex, daher sollten IT-Abteilungen zunächst erfassen, welche Lizenzen bereits vorhanden sind und welche zusätzlich nötig werden. Der Wechsel hin zu Thin Clients kann unbedarfte Unternehmen schnell unerwartete Lizenzanforderungen einbringen.

Zero Clients verkleinern den Fußabdruck weiter

Zero Clients verfolgen das Ziel abgespeckter Hardware sogar noch ein Stück weiter. Thin Clients sind extrem leichtgewichtige Maschinen, die mit Standardfunktionen konfiguriert werden, die den meisten Nutzern gerecht werden. Diese Hardware dient damit keinem anderen Zweck, als mit dem VDI-Server zu kommunizieren und den virtuellen Desktop darzustellen. 

Wie auch Thin Clients schieben Zero Clients so viele Rechenaufgaben wie nur irgendwie möglich an den Server. Anders wie Thin Clients nutzen Zero Clients aber nicht einmal mehr ein Betriebssystem, sondern setzen einen speziellen Onboard-Prozessor ein, der für den Umgang mit Remote-Display-Protokollen entwickelt wurde.

Da Zero Clients also weder Laufwerke noch lokalen Storage oder andere Komponenten enthalten, die nicht zwingend für den VDI-Zugang benötigt werden, stellt diese Art VDI-Client die sicherste Möglichkeit unter den hier aufgeführten Alternativen dar. Zero Clients brauchen im Grunde keinerlei Konfiguration – damit sind sie extrem einfach bereitzustellen, einfach zu installieren und unterstützen ein zentrales Management mit wenig Updates. Im Vergleich zu Thick oder Thin Clients verbrauchen sie zudem weniger Energie. Gleichzeitig bieten sie aber oft eine bessere und performantere Darstellung, da sie speziell auf ein spezifisches VDI-Protokoll getrimmt werden.

Gerade der letzte Punkt kann aber auch zum Nachteil werden: Durch die Festlegung auf ein bestimmtes Protokoll bindet man sich unter Umständen langfristig an einen bestimmten Hersteller, was einen möglichen Wechsel kostspielig machen kann.

Thin, Thick oder Zero Client: Was darf es sein?

Wer sich zwischen Thin, Thick und Zero Client entscheiden muss, sollte vor allem die Nutzeranforderung nach einem authentischen Desktop-Erlebnis und den entsprechenden Management-Aufwand im Auge behalten. So kann es zum Beispiel sein, dass Thin Clients gegenüber Thick Clients langfristig die bessere Wahl sind, weil sie seltener aktualisiert oder erneuert werden müssen. Andererseits können Administratoren eben auch nicht kurzfristig defekte Komponenten austauschen, um einen Thin Client wieder fit zu machen. Stattdessen wird ein komplett neuer Client nötig sein.

Natürlich geht es hierbei nicht um Alles-oder-Nichts-Fragen. Unternehmen können also durchaus einige PCs als Thick Clients nutzen, andere zu Thin Clients machen und zusätzlich dedizierte Thin und Zero Clients anschaffen. Dieses Szenario erhöht zwar die Komplexität des Managements der VDI-Umgebung, kann aber eine gute Zwischenlösung sein, falls manche Anwender noch die Leistung eines vollwertigen PCs benötigen.

IT-Abteilungen sollten dabei natürlich auch immer bedenken, dass vielleicht auch Tablets die Anforderungen für den Zugriff auf virtuelle Desktops erfüllen könnten. Für bestimmte Anwendungsszenarien wie beispielsweise Außendienstmitarbeiter oder Führungskräfte unterwegs könnte es die Produktivität schon heute enorm steigern, auch mobil auf seinen Desktop zugreifen zu können. Allerdings sind viele Windows-Anwendungen noch nicht für die Bedienung per Touch-Bildschirm ausgelegt.

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Artikel wurde zuletzt im April 2015 aktualisiert

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