Virtualisierung oder Multi-Boot: Verschiedene Server-Betriebssysteme verwalten

Für eine größere Flexibilität im Data Center bietet sich der Einsatz unterschiedlicher Betriebssysteme an. Zwei Vorgehensweisen führen zum Ziel.

Die Nutzung von mehr als einem Server-Betriebssystem gibt Admins eine größere Flexibilität bei der Wahl des bevorzugten Systems, schafft aber auch zusätzlichen Management-Aufwand. Die Konfiguration und Wartung unterschiedlicher Systeme kann aufwendig und zeitraubend sein, auch wenn Systemadministratoren inzwischen eine Vielzahl unterschiedlichster Anbieter und Drittanbieter-Tools für genau diesen Zweck zur Verfügung stehen.

Der erste Schritt hin zu einem heterogenen Data Center besteht darin, die Server für den Betrieb mit unterschiedlichen Betriebssystemen zu konfigurieren. Hier haben Administratoren die Wahl zwischen Multi-Boot-Umgebungen mit separaten Partitionen oder Virtualisierung.

Mehrere Server-Betriebssysteme per Multi-Boot betreiben

Multi-Boot-Umgebungen sind recht häufig in Unternehmen anzutreffen, die unterschiedliche Server-Betriebssysteme nutzen wollen. Bei diesem Vorgehen werden unabhängig voneinander unterschiedliche Systeme auf verschiedenen physischen Laufwerken oder logischen Partitionen installiert. Im Anschluss daran kann der Systemadministrator das jeweils gewünschte Betriebssystem beim Start des Servers aus einem Menü auswählen.

Um eine Multi-Boot-Umgebung zu erstellen, muss für jedes Betriebssystem ein eigener Bereich auf der Festplatte bereitgestellt werden. Das bedeutet typischerweise, dass eine einzelne Festplatte in mehrere Partitionen aufgeteilt wird. Jede Server-Festplatte nutzt einen Master Boot Record (MBR), der eine Partitionstabelle enthält, die die genaue Aufteilung der Festplatte in logisch voneinander getrennte Partitionen definiert.

Wenn der Server startet, sucht das Basic Input/Output System (BIOS) nach geeigneten Boot-Geräten, liest den MBR der verbauten Festplatte aus und führt ein kleines Stück Code aus. Dieser Code untersucht die Partitionstabelle und stellt so fest, welche Partitionen aktiv sind, lädt anschließend die entsprechenden Informationen – den Boot-Sektor des Laufwerks –, um dann die Kontrolle an den OS-Loader zu übergeben.

Windows bringt für das Management unterschiedlicher Festplattenpartitionen bereits eingebaute Tools mit. Drittanbieter-Tools wie EaseUS Partition Master, Partition Wizard von MiniTool oder auch Partition Wizard von Aomei Technology helfen bei der Automatisierung dieses Prozesses. Allerdings löschen diese Programme meist auch zuerst alle Windows-Partitionen, um anschließend neue Partitionen mit der jeweils benötigten Größe anzulegen.

Weitere Artikel zu Linux und Windows im Data Center:

Von Nagios bis New Relic: Kostenlose Monitoring-Tools für Windows Server

Windows oder Linux: Welches ist das bessere Server-Betriebssystem?

Mit diesen Tipps finden Sie die richtige Linux-Distribution für Ihre Server

Das zweite Betriebssystem wird mit hoher Wahrscheinlichkeit wohl Linux sein. Hierfür gibt es zwei Bootloader, Linux Loader und Grand Unified Boot Loader, die ähnliche Aufgaben wahrnehmen wie der MBR unter Windows.

Wenn Unternehmen Multi-Boot-Umgebungen mit Unix aufsetzen wollen, dann lohnt ein Blick auf Anbieter wie HP, IBM oder Oracle, die alle Partitionsfunktionen in ihre Produkte zum Unix-System-Management integriert haben. Es gibt aber auch hier eine Vielzahl unterschiedlicher Anbieter mit entsprechenden Produkten, beispielsweise von Magic LLC oder Partition Manager von Tenorshare.

Sobald verschiedene Partitionen angelegt sind, sollte dringend auch festgelegt werden, wo Unternehmensdaten abgespeichert werden sollen. Oft bevorzugen es Administratoren zum Beispiel, Daten zentral statt auf der jeweiligen Partition des Betriebssystems zu speichern.  Hierfür würde dann eine weitere logische Partition benötigt, auf der die Daten abgespeichert werden können.

Der Weg über verschiedene Partitionen hat aber auch so seine Nachteile. Je mehr Partitionen angelegt werden, umso mehr Management-Aufwand entsteht schließlich auch. Zudem kann es schwierig sein, den Partitionen die richtige Größe zuzuweisen, da Applikationen oft auch wachsen. Das nachträgliche Hinzufügen von Speicherplatz, nachdem eine Partition bereits erstellt wurde, kann dann ebenfalls sehr zeitraubend sein.

Durch Virtualisierung zu multiplen Server-Betriebssystemen im Data Center

Eine Alternative zu Multi-Boot-Umgebungen mit unterschiedlichen Partitionen wäre das Hosten unterschiedlicher Server-Betriebssysteme in virtuellen Maschinen auf einem Server. Virtuelle Maschinen ermöglichen das vollständige emulieren einer kompletten Hardware-Umgebung innerhalb des Betriebssystems. Während das eine Betriebssystem läuft, kann so also ein zweites gestartet werden, so als ob es einfach eine andere Applikation wäre.

Virtuelle Maschinen können so mehrere unterschiedliche Betriebssysteme Seite an Seite ausführen. Da jede virtuelle Maschine ihre eigene IP-Adresse und ihr eigenes virtuelles Netzwerk hat, entsteht so ein kleines Netzwerk unterschiedlicher Computer innerhalb eines einzigen Servers. Admins können dann die gleichen Aufgaben auf Gast-Servern erledigen wie auf dem eigentlichen Host, also Programme ausführen, Dateien teilen und sogar Partitionen anlegen.

Die Nachteile hierbei liegen in der geringeren Performance, die durch das Emulieren von Hardware durch Software entstehen, und durch die zusätzlichen Kosten des Hypervisors, meist von VMware oder Microsoft.

Multiple Server-Betriebssysteme updaten

Sobald ein Server bereitgestellt und konfiguriert wurde, erhält das Betriebssystem natürlich auch regelmäßig Updates. Microsoft bietet hierzu unter anderem die Windows Server Update Services (WSUS), die auf Windows Server automatisch installiert werden. Hiermit können über eine Verwaltungskonsole Sicherheitsupdates verteilt und verwaltet werden. Windows-Admins können aber zum Beispiel auch über Microsoft Windows Update Aktualisierungen beziehen.

Unix bietet eine hierzu sehr vergleichbare Möglichkeit. Oracle Enterprise Manager Ops Center beispielsweise reduziert die Komplexität beim Updaten einer großen Anzahl an Systemen, standardisiert den Installationsprozess von Updates, minimiert die Downtime und ermöglicht es Admins, das Level an Automatisierung selbst zu wählen.

Linux-Updates zu verwalten kann dagegen etwas aufwendiger sein, vor allem wenn im Data Center unterschiedliche Linux-Distributionen zum Einsatz kommen. Auch wenn das Betriebssystem natürlich über die verschiedenen Distributionen gewisse Konsistenzen aufweist, gibt es eben doch auch Unterschiede. Daher dürften hierbei meist die Update-Tools der entsprechenden Hersteller zum Einsatz kommen.

Folgen Sie SearchDataCenter.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im Mai 2015 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über Data-Center-Systems-Management

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

Close