VMware EVO:RAIL: hyper-konvergente Hardware zwischen Nutanix und SimpliVity

EVO:RAIL ist VMwares erste hyper-konvergente Hardware. Kann VMware damit gegenüber Nutanix, SimpliVity und Co. punkten?

Gerüchte über eine Hardware-Appliance von VMware, genauer den Eintritt in den Markt für hyper-konvergente Hardware,...

machten bereits das ganze Jahr 2014 die Runde. Vor allem auch auf Twitter gab es immer wieder Tweets zu einem ominösen Projekt „Mystic“, später dann „Marvin“. Auch in verschiedenen Medien tauchten immer wieder Informationshäppchen dazu auf, aber bis vor kurzem war eigentlich nicht klar, um was es sich dabei handeln sollte und wie der finale Name lauten wird.

Auf der VMworld 2014 in San Francisco hat VMware dann nicht lange gefackelt und bereits am ersten Konferenztag in der Keynote von VMware-CEO Pat Gelsinger EVO:RAIL und EVO:RACK vorgestellt. Inzwischen ist klar, dass EVO:RAIL bislang unter dem Projektnamen „Starbust“ bekannt war, während „Marvin“ die Bezeichnung für die Infrastruktur-Appliance EVO:RACK war. Zusammen stehen sie für VMwares Eintritt in den Hardware-Markt.

Das heißt gleichzeitig aber nicht, dass VMware damit ein Hardware-Anbieter ist. Die EVO-Appliances werden über Hardware-Partner von VMware verkauft, Kunden können EVO:RAIL und EVO:RACK also nur von führenden Server-Herstellern beziehen, die die vorher abgesegnete Hardware-Plattform produzieren. 

Die neuen Appliances versprechen schnelles Provisioning sowie einfache Skalierbarkeit und Verwaltbarkeit der Plattform. Ermöglichen soll das die neue EVO-Layer, deren Software aus vSphere Enterprise Plus, vCenter Server, VMware vSAN und vCenter Log Insight besteht.

Grundsätzlich gibt es zur Positionierung von VMware im Hardware-Markt zwei Fragen: Die erste Frage dreht sich um VMwares Positionierung gegenüber Hardware-Partnern wie EMC, Dell, NetApp oder HP, denen VMware gewissermaßen das Wasser abgräbt. Die zweite dreht sich um den Vergleich mit Hardware-Herstellern wie Nutanix und SimpliVity, die ähnliche Appliances anbieten. Wie schlägt sich also VMware EVO:RAIL gegenüber den Appliances von SimpliVity und Nutanix?

EVO:RAIL vs. Nutanix und SimpliVity: Deployment, Management und Skalierbarkeit

Das einfache Management von hyper-konvergenten Appliances wird oft als deren größter Vorteil bezeichnet. Dementsprechend müsste man annehmen, dass das Deployment hyper-konvergenter Appliances wesentlich einfacher ist als mit herkömmlicher Hardware. Genauso müsste auch die Skalierung wesentlich einfacher und schneller zu erledigen sein.

Die neuen Appliances versprechen schnelles Provisioning sowie einfache Skalierbarkeit und Verwaltbarkeit der Plattform.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf würde ich Nutanix in der Führungsrolle sehen, während VMware mit seinem EVO-Angebot aber immerhin bereits SimpliVity hinter sich lassen konnte. Sowohl Nutanix als auch VMware setzen auf einen Web-basierten Ansatz, mit dem sich die Appliances sehr leicht bereitstellen lassen, indem Administratoren während des Deployments lediglich ein paar Fragen beantworten müssen. SimpliVity vereinfacht die Bereitstellung seines hyper-konvergenten Produktes im Vergleich zu eigener Infrastruktur zwar auch, kommt dabei aber nicht an VMware oder Nutanix heran.

Das gleiche Bild wie bei der Bereitstellung ergibt sich auch bei Patching und Upgrades sowie der Skalierung –  auch hier liegen VMware und Nutanix vor SimpliVity. Damit gilt für alle drei Bereiche die gleiche Rangfolge. Im Marktsegment für hyper-konvergente Hardware hat sich in der Vergangenheit viel getan, umso überraschender ist es, welche Qualität VMware gleich mit seinem ersten Wurf hinlegt.

Storage für hyper-konvergente Hardware

Neben einem einfacheren Management, das hyper-konvergente Hardware verspricht, wird als nächster Vorteil oft die höhere Storage-Performance angeführt. Diese Bewertung ist sicherlich am schwierigsten, weil VMwares EVO-Produkte noch so neu sind und vor einer abschließenden Beurteilung zunächst umfangreiche Tests stehen müssten. 

Zumindest sollte man aber davon ausgehen können, dass das neueste VMware-Produkt herkömmliche Storage-Systeme hinter sich lassen kann. Mit Blick auf bestehende vSAN-Tests dürfte EVO:RAIL aber nicht ganz an die Performance von Nutanix und SimpliVity herankommen, die beide in etwa gleichauf liegen.

Nach kurzen Tests realer EVO-Konfigurationen liegt es nahe, dass es VMware damit durchaus mit Nutanix und SimpliVity aufnehmen kann. Und das, obwohl diese beiden Unternehmen Funktionen verwenden, mit denen VMware in vSAN noch gar nicht arbeitet.

Wir wissen alle, dass wir wohl nächstes Jahr zusammen mit vSphere 6 Version 2 von vSAN sehen werden. EVO-Kunden, die dann auf vSAN 2 aktualisieren, werden ziemlich wahrscheinlich einen Performance-Schub sehen. Die Frage bleibt aber, ob VMware damit tatsächlich zu Nutanix und SimpliVity aufschließen oder sogar einen Vorsprung herausarbeiten kann.

Replikation, Disaster Recovery und Backup

Heutzutage sind Backup, Replikation und automatisches Failover virtueller Maschinen keine optionalen Funktionen mehr. Anbieter hyper-konvergenter Hardware legen deshalb einen großen Fokus auf diese Aufgaben und geben sich alle Mühe, entsprechende Funktionen in ihre Produkte zu integrieren.

Wir wissen inzwischen, welche VMware-Software Teil des EVO-Angebots sein wird. jedoch wissen wir nicht genau, welche Produkte ganz speziell darin enthalten sein werden. Man könnte allerdings annehmen – da eine Lizenz für vSphere Enterprise Plus enthalten sein wird – dass EVO-Kunden für Backups auch Zugriff auf VDP Standard (vSphere Data Protection) erhalten werden. Sollte dies der Fall sein, könnte man das im Vergleich zu den Snapshot-basierten Backups der Konkurrenz als gutes Angebot betrachten.

Was Replikation betrifft, befindet sich VMware mit vSphere Replication in diesem Vergleich auf einem soliden dritten Platz. Die anderen Anbieter ermöglichen die Replikation pro virtueller Maschine, was die Angebote von Nutanix und SimpliVity wesentlich robuster macht.

Zusätzlich besteht hier auch die Möglichkeit der Deduplikation und Kompression während der Replikation, was enorme Bandbreiten-Vorteile mit sich bringt. Ein unabhängig vom jeweiligen Anbieter generell ganz neues Feature ist die Replikation von virtuellen Maschinen zu Amazons Cloud-Speicher.

Alle Anbieter unterstützen zudem VMware SRM (Site Recovery Manager ) für das automatische Failover von virtuellen Maschinen. SRM ist zwar in keinem der hier beschriebenen Angebote enthalten, kann aber leicht zusätzlich integriert werden.

Hardware-Vergleich hyper-konvergenter Angebote von VMware, Nutanix und SimpliVity

Derzeit ist ein Hardware-Vergleich noch etwas schwierig. Was wir wissen ist, dass EVO:RAIL eine 2U-Appliance mit vier Server-Nodes sein wird, sehr ähnlich also zum auf Supermicro-Hardware basierenden Nutanix-Angebot. Wir wissen auch, dass es wohl ein Modell für die Server-Virtualisierung und eines für VDI-Bereitstellungen geben wird. Die genauen Konfigurationen sind bisher allerdings noch nicht bekannt.

 VMware hat zwar bestätigt, dass es Server mit zwei CPU-Sockeln für Intels neuen Xeon-E5-Prozessor geben wird, zu den dann verfügbaren CPU-Kernen oder weiteren Konfigurationen ist wiederum nichts bekannt. Das einzige, was VMware hierzu verlauten lässt, ist die ungefähre Anzahl der möglichen Server- und VDI-VMs

Wenn man sich die Produkte all der anderen Hersteller ansieht, dann hat Nutanix derzeit sicherlich das beste Angebot in petto.

Neben EVO:RAIL wurde von VMware auch EVO:RACK angekündigt, das sich derzeit noch im Status einer Technology Preview befindet. Dieses Angebot tritt dabei wohl eher in Konkurrenz zu Systemen wie Vblock von VCE. EVO:RACK basiert auf Rack-Servern und wohl auch auf den gleichen HCIA-Nodes wie EVO:RAIL. 

RAIL wird zudem genauso VMwares vCloud Suite und NSX enthalten und so eine vollständige SDDC-Architektur bieten. EVO:RACK ist für größere Infrastrukturen gedacht und wird daher das für RAIL geltende Maximum von 16 Servern erhöhen.

Wenn man sich die Produkte all der anderen Hersteller ansieht, dann hat Nutanix derzeit sicherlich das beste Angebot in petto. Nutanix bietet Modellreihen für kleine und mittelständische Kunden, verschiedene Modelle für herkömmliche Server und virtuelle Umgebungen, auf VDI-Umgebungen zugeschnittene Produkte mit GPU-Unterstützung und große Modellreihen für Tier-1-Anwendungen. In manchen Modellen kann sogar die Größe des Flash-Storage gewählt werden, um noch anspruchsvolleren Workloads gerecht zu werden.

SimpliVity hat dagegen nur drei Modelle im Angebot, die sich kurz und knapp auf die drei Zielgruppen kleine, mittlere und große Unternehmen konzentrieren. Für die meisten Unternehmen dürfte dabei vor allem die mittlere Modellreihe in Frage kommen. 

Sowohl Nutanix als auch SimpliVity bieten momentan die größere Konfigurationsvielfalt, was gemessen am längeren Bestehen auf dem Markt nur logisch scheint. Was derzeit nach nur zwei Modellen von VMware aussieht, wird in den kommenden Monaten sicherlich erweitert werden. Die Möglichkeit, den Hersteller aus einem Kreis bekannter Server-Anbieter auswählen zu können, ist dabei ein großer Pluspunkt.

Über den Autor:
Brian Suhr ist ein VMware-Certified-Design Experte (VCDX5-DCV; VCDX #118) und ein Solutions Architect bei AHEAD. Er ist in der VMware-Community aktiv und hilft bei der Leitung der Chicago VMUG Gruppe mit. Brian spezialisiert in Virtual-Desktop-Infrastruktur und in Cloud-Projekt-Designs. Er wurde 2011, 2012 und 2013 mit dem vExpert Status ausgezeichnet.

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2014 aktualisiert

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