Tipps, Probleme und Stolperfallen der RHEL-Installation mit Anaconda

RHEL 7 ist für viele Unternehmen die Linux-Distribution der Wahl. Diese Anleitung zeigt die Stolperfallen bei der ersten Installation.

Microsoft dominiert die IT-Abteilungen vieler Unternehmen mit Windows Server für das Infrastruktur- und Identity-Management...

(ADDS, DNS, DHCP). Während für Storage auch in KMUs heute externe Geräte zum Einsatz kommen, wandern sonstige Serveranforderungen wie Webserver, Monitoring oder auch Backup heute oft auf Linux-Maschinen, die in der Regel virtuell betrieben werden. Wer Linux im Unternehmen einsetzen möchte, greift zu Red Hat Enterprise Linux (RHEL), wenn er auf professionellen Support angewiesen ist. Die Installation der aktuellen Version 7.2 ist im Vergleich zu anderen (freien) Linux-Distributionen allerdings hier und da etwas speziell.

Herunterladen lässt sich RHEL 7.2 im Red Hat Customer Portal. Im Kontextmenü bei Downloads steht Latest Server zur Verfügung. Der Download setzt einen vorhandenen Red-Hat-Login und eine gültige Subskription voraus. Wer RHEL 7 vorerst nur testen möchte, klickt alternativ auf Start Evaluation und dann bei Red Hat Enterprise Linux Server auf Continue. Das Testen ist ohne Funktionsbeschränkung 30 Tage möglich.

CentOS als kostenfreie Alternative

Optional steht das freie und binär-kompatible CentOS zur Verfügung. Nutzer, die beim Testen Red-Hat-spezifische Details kennenlernen möchten, nehmen daher besser die Trial-Version. Unterschiede zu CentOS gibt es zum Beispiel in der Organisation der Paketquellen und beim Installieren von Paket-Upgrades oder System-Updates.

Upgrades lassen sich bei CentOS jederzeit ohne Einschränkungen innerhalb eines Release-Zyklus installieren. Bei Red Hat dagegen geht ohne Subskription gar nichts. Zudem sind Paketquellen und Pakete grundsätzlich signiert. Erst wenn der betreffende Rechner mit gültiger Subskription im Red Hat Network registriert ist, lassen sich Pakete ausschließlich über die dafür vorgesehenen Verfahren aktualisieren. Dafür garantiert Red Hat per Default 7 Jahre, auf Wunsch auch 10 Jahre Produktpflege für den entsprechenden Release-Zweig 5.x, 6.x oder 7.x.

Installationsquellen und Ziele

Das Installieren von Red Hat Enterprise Linux ist von einem optischen Laufwerk (DVD), von jeder Art Festplatte einschließlich USB-Flash-Disk (ISO-Image) oder aus einer Netzwerkressource möglich. Hierbei können die Installationsdateien auf einem NFS-Server, einem HTTP-/HTTPS- oder FTP-Server liegen. Für NFS müssen in einer vorhandenen Firewall die Ports 2049, 111 und 20048 geöffnet sein.

Als Installationsziele kommen lokale SCSI-, SATA- oder SAS-Platten, BIOS-/Firmware RAID-Controller, FC Host Bus-Adapter sowie bei einer Installation als Gastsystem in einer virtuellen Umgebung Xen-Block-Devices, KVM-Virtio-Block-Devices oder VMwares paravirtualisierter SCSI-Controller unter ESXi (jeweils nur im Zusammenhang mit Intel-CPUs) in Frage. 

Folgendes Beispiel beschreibt das Installieren der 64-Bit-Version von RHEL 7.2 von einem ISO als Gastsysteme in einer virtuellen Maschine auf unter ESXi virtualisierter X86-Hardware aktuellster Version 11 (Red Hat unterstützt zum Beispiel auch IBM Power Systeme). Die Basis-Installation unterscheidet sich aber nicht von der unter RHEV oder Hyper-V. Unterschiede gibt es nur beim Einrichten der Integration Services und bei der Auswahl des virtuellen Disk-Controllers.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur RHEL-Installation mit Anaconda

Red Hats Installationsprogramm heißt Anaconda. Das Beschreiben aller möglichen „Abzweigungen“ in der Installations-Dramaturgie von Anaconda sprengt den Rahmen dieses Beitrages. Folgendes Beispiel beschreibt daher die Installation auf einer virtuellen Disk mit paravirtualisiertem SCSI-Controller, der von RHEL als offiziell von VMware supportetes Gast-OS per Default unterstützt wird, mit automatischer Partitionierung.

Red Hat Enterprise Linux lässt sich wahlweise per grafischer Benutzeroberfläche oder im Textmodus installieren. Ersteres ist die Default-Option und soll im Folgenden beschrieben werden.

1. Nach dem Booten von der Installations-CD leitet der erste Menüeintrag Install Red Hat Enterprise Linux die Installation ein. Wer RHEL 7 in einer virtuellem Maschine unter VMware installiert, muss an dieser Stelle die Tab-Taste drücken und in der Boot-Zeile den Paramater linux resolution 1024x768 ergänzen, weil der grafische Installer sonst im VGA-Modus startet und nicht korrekt dargestellt wird. Zur Vorbereitung der Installation ist danach die gewünschte Installationssprache zu wählen, nach der sich vorerst auch das Tastaturlayout richtet. Beides lässt sich anschließend im Anaconda-Hauptmenü durch einen Klick auf TASTATUR oder SRACHUNTERSTÜTZUNG ändern.

2. Die Einstellungen bei INSTALLATIONSQUELLE SOFTWARE  können für dieses Beispiel übernommen werden. Wer bei der Installation zusätzliche Repositories wie beispielsweise Server-HighAvailabilty einbinden will, muss jedoch in das Submenü INSTALLATIONSMEDIUM abtauchen. Wer RHEL von einem Netzwerkpfad installieren wollte, könnte die betreffenden Parameter bei Auf dem Netzwerk eintragen.

Eine Eigenart des Installers besteht darin, dass Änderungen mit Fertig (oben links) zu übernehmen sind. Anaconda weist  zudem darauf hin, dass eine Netzwerkinstallation erst möglich ist, wenn das Netzwerk gestartet ist (Default ist Off).

Abbildung 1: Setup-Bildschirm der RHEL-Installation.

3. Zurück im Hauptmenü erfährt der Nutzer auch, dass für ein erfolgreiches Einleiten des Installationsvorgangs alle Schritte zu vervollständigen sind, die mit dem Warnschildchen markiert sind, wie jetzt etwa INSTALLATIONS-ZIEL. Das Untermenü zum Hinzufügen weiterer Festplatten und zum Auswählen des Partitions-Layouts ist auf den ersten Blick undurchsichtig und erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. Vom Grundsatz genügt es, die Option Partitionierung automatisch konfigurieren zu aktivieren. Weitere Möglichkeiten sind das manuelle Konfigurieren oder das Freischaufeln von Speicherplatz für RHEL 7.

Wer trotzdem sehen will, was der Partitionierer macht, schaltet auf die manuelle Partitionierung und klickt dann oben links auf Fertig um dann (hier zeigt sich die eigenwillige Bedienung von Anaconda) nicht im Hauptmenü zu landen, sondern im Menü MANUELLE PARTITIONIERUNG. Da die virtuelle Disk unter VMware noch nicht initialisiert ist, genügt jetzt ein Klick auf Hier klicken, um diese automatisch zu erstellen und Anaconda macht genau das, was er im Automatik-Modus tun würde, vorausgesetzt der Nutzer hat sich mit den Klapp-Menü darunter für ein grundsätzliches Partitionierungsschema Standard-Partition, Btrfs, LVM oder LVM Reduzierte Bereitstellung entschieden. LVM ist deutlich flexibler als Standard-Partitionen.

4. Nach einem Klick auf den erwähnten Link wird sichtbar, dass Anaconda per Default eine 500 MB große Boot-Partition (/boot) mit Standard-Layout anlegt, eine Swap-Partition, deren Größe sich nach dem Arbeitsspeicher richtet, sowie eine unter „/“ eingebundene System-Partition mit LVM-Layout. Die Boot-Partition kann LVM nicht verwenden, weil LVM beim Booten noch nicht zur Verfügung steht.

Auch, dass RHEL als Standard-Dateisystem XFS verwendet, geht in Ordnung. Wer sich aber mit den Management-Tools für ext4 sicherer fühlt, kann das jeweilige Dateisystem auch anpassen. XFS eignet sich aber deutlich besser für große Dateisysteme. Übernommen werden die Änderungen wieder mit Fertig und dem anschließende Bestätigen der angezeigten Zusammenfassung mit Änderungen übernehmen.

Abbildung 2: Konfiguration der RHEL-Partition.

5. Zurück im Hauptmenü ließe sich die Installation bereits mit Installation starten (diesmal rechts unten) im Gang setzen, eine weitere Besonderheit des Installer. Dieser ist in der Lage, mit dem Kopieren und Installieren der benötigten Dateien zu beginnen, während der Nutzer parallel noch weitere Anpassungen vornimmt. Das Zeitspar-Argument finden viele Admins allerdings weniger wichtig, weil dadurch eine oft gewünschte lineare Dramaturgie der Installation aufgebrochen wird.

Zumindest sollte der Admin vor dem Starten der Installation auf NETZWERK & RECHNERNAME klicken und ein Netzwerk-Device via DHCP oder manuell konfigurieren sowie den Rechnernahmen vergeben, damit der Installer im Verlauf der Installation falls gewünscht auch auf Netzwerk-Repositories zugreifen kann.

6. Ferner ist es empfehlenswert, vor dem Starten der Installation die SOFTWARE-AUSWAHL anzupassen, denn der Default-Umfang ist sonst Minimale Installation. Hier muss jeder die Basisumgebung wählen, die seinen Wünschen am ehesten entspricht. Später lassen sich  jederzeit Paketgruppen oder Pakete nachinstallieren und/oder entfernen. Für einen Server im KMU-Umfeld nutzt dieses Beispiel Server mit GUI, um auch eine grafische Oberfläche (Gnome-Desktop) zu erhalten, die später bei der weiteren Konfiguration unterstützt.

Während jeweils nur eine Basisumgebung auswählbar ist, kann der Admin im rechten Bereich der SOFTWARE-AUSWAHL zusätzliche (auch mehrere) Erweiterungen zur Installation auswählen. Empfehlenswert für ein KMU-Szenario sind zum Beispiel Datei- und Storage-Server, DNS-Nameserver, Identitätsverwaltungsserver und gegebenenfalls Virtualisierungs-Hypervisor und/oder Virtualisierung-Client und in jedem Fall die Kompatibilitätsbibliotheken sowie die Entwicklungswerkzeuge, um Pakete aus Quellen übersetzen zu können.

Abbildung 3: Auswahl der gewünschten Software bei der RHEL-Installation.

7. Jetzt ist es an der Zeit, die Installation tatsächlich zu starten. Während Anaconda die benötigten Dateien überträgt, lässt sich das Administrator-Passwort setzen und ein normaler Benutzer anlegen. Zum Ende des Kopiervorgangs konfiguriert Anaconda automatisch den Grub-Bootmanager und RHEL 7.2 ist einem Reboot (dabei darf das Entfernen des Installationsmediums nicht vergessen werden) grundsätzlich einsatzbereit.

Folgen Sie SearchDataCenter.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im Februar 2016 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über Linux-Server

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

Close