Red Hat Enterprise Linux: Die RHEL-Installation mit Kickstart automatisieren

Red Hat Enterprise Linux erzeugt bei der Installation eine Kickstart-Datei. Diese können Sie für das Aufsetzen weiterer Linux-Server benutzen.

Nach der Betriebssystem-Installation von Red Hat Enterprise Linux (RHEL) befindet sich eine Datei mit Namen anaconda-ks.cfg...

im Home-Verzeichnis des Superusers root. Sie enthält alle Einstellungen, die während der Installation dieses Red-Hat-Enterprise-Servers verwendet wurden. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen, wie Sie die Datei anaconda-ks.cfg manuell modifizieren und nutzen, um RHEL auf anderen Servern zu installieren.

Bevor Sie die Datei anaconda-ks.cfg des Red-Hat-Enterprise-Servers für die Installation eines weiteren Servers benutzen, müssen Sie diese anpassen. Das gilt auch dann, wenn Sie genau die gleichen Einstellungen wieder verwenden möchten. Der Grund dafür ist, dass alle Festplatten-Operationen auskommentiert wurden. Das verhindert ein versehentliches Löschen der Inhalte von vorhandenen Festplatten auf dem Red-Hat-Enterprise-Servers.

Im Listing 1 sehen Sie, was sich in einer anaconda-ks.cfg befinden kann.

Beispiel-Inhalt einer anaconda-ks.cfg-Datei

[root@hnl ~]# cat anaconda-ks.cfg
# Kickstart file automatically generated by anaconda.

#version=DEVEL
install
cdrom
lang en_US.UTF-8
keyboard us-acentos
network --onboot no --device p6p1 --bootproto static --ip 192.168.0.70 --netmask 255.255.255.0 --noipv6 --hostname hnl.example.com
network --onboot no --device wlan0 --noipv4 --noipv6
rootpw  --iscrypted $6$tvvRd3Vd2ZBQ26yi$TdQs4ndaKXny0CkvtmENBeFkCs2eRnhzeobyGR50BEN02OdKCmr.x0yAkY9nhk.0fuMWB7ysPTqjXzEOzv6ax1
firewall --service=ssh
authconfig --enableshadow --passalgo=sha512
selinux --enforcing
timezone --utc Europe/Amsterdam
bootloader --location=mbr --driveorder=sda --append=" rhgb crashkernel=auto quiet"
# The following is the partition information you requested
# Note that any partitions you deleted are not expressed
# here so unless you clear all partitions first, this is
# not guaranteed to work
#clearpart --none

#part /boot --fstype=ext4 --onpart=sda1 --noformat
#part pv.008002 --onpart=sda2 --noformat

#volgroup vg_hnl --pesize=4096 --useexisting --noformat pv.008002
#logvol /home --fstype=ext4 --name=lv_home --vgname=vg_hnl --useexisting
#logvol / --fstype=ext4 --name=lv_root --vgname=vg_hnl --useexisting
#logvol swap --name=lv_swap --vgname=vg_hnl --useexisting --noformat
#logvol  --name=target --vgname=vg_hnl --useexisting --noformat

repo --name="Red Hat Enterprise Linux"  --baseurl=cdrom:sr0 --cost=100

%packages
@base
@client-mgmt-tools
@core
@debugging
@basic-desktop
@desktop-debugging
@desktop-platform
@directory-client
@fonts
@general-desktop
@graphical-admin-tools
@input-methods
@internet-browser
@java-platform
@legacy-x
@network-file-system-client
@perl-runtime
@print-client
@remote-desktop-clients
@server-platform
@server-policy
@x11
mtools
pax
python-dmidecode
oddjob
sgpio
genisoimage
wodim
abrt-gui
certmonger
pam_krb5
krb5-workstation
libXmu
perl-DBD-SQLite
%end

Am Anfang der Red-Hat-Enterprise-Server-Datei anaconda-ks.cfg finden Sie einige allgemeine Einstellungen. Die erste für uns wichtige Zeile beginnt mit network. Sie beinhaltet den Gerätenamen --device p6p1. Dieser Gerätename hängt direkt von der Hardware-Konfiguration des Servers ab, auf dem Red Hat Enterprise Linux installiert und die Kickstart-Datei kreiert wurde. Somit funktioniert der Parameter auf anderen Servern unter Umständen nicht. Ersetzen Sie den Parameter daher mit --device eth0. Weiterhin ist es unvorteilhaft, eine statische IP-Adresse in der Konfigurations-Datei zu hinterlegen. Ersetzen Sie deswegen --bootproto static --ip 192.168.0.70 --netmask 255.255.255.0 durch --bootproto dhcp.

Eine weitere Zeile, der wir besondere Beachtung schenken, ist das verschlüsselte root-Passwort. Dieses wurde während der Installation des Servers benutzt. Wollen Sie während der Installation ein neues Passwort für root vergeben, können Sie diese Zeile ganz einfach komplett löschen.

Ein wenig weiter unten in unserer Beispiel-Konfiguration finden Sie Details zur Erstellung der Partitionen und Logical Volumes. In unserem Fall wurden keine Größen spezifiziert. Wollen Sie eine angeben, benutzen Sie in den entsprechenden Zeilen zur Festlegung der Partitionen oder Logical Volumes die Option --size. Beachten Sie außerdem die Syntax für das Erschaffen der LVM-Umgebung. Dieser Schritt lässt sich im grafischen Interface system-config-kickstart nicht erledigen.

Nach der Definition der Partitionen und Logical Volumes geben Sie das zu benutzende Repository an. Diesen Parameter müssen Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ändern. Der Parameter --baseline enthält die URL, die Sie benutzen möchten. Zum Beispiel könnte das so aussehen und damit auf einen http-Installations-Server verweisen: --baseurl=http://server1-example.com/install.

In der letzten wichtigen Sektion hinterlegen wir, welche Pakete installiert werden sollen. Was mit einem @ beginnt, wie zum Beispiel @base, verweist auf eine RPM-Paket-Gruppe. Am Ende der Aufzählung sind einzelne Pakete aufgelistet. Hier geben Sie einfach den Namen des jeweiligen Pakets an.

Nachdem alle notwendigen Änderungen in der Kickstart-Datei vorgenommen sind, sollten Sie die Datei sichern. Gut wäre eine Stelle, auf die Sie bei der Installation des nächsten Servers zugreifen können. Eine Möglichkeit die Red-Hat-Enterprise-Datei leicht zugänglich zu machen, wäre sie auf einen Webserver zu legen. Sobald sich die Kickstart-Datei dort befindet, können Sie auf diese über das Boot-Prompt des zu installierenden Systems zugreifen. Sobald das Installations-Programm lädt, drücken Sie Tab und geben die entsprechende URL ein: http://<Ihr Webserver>/anaconda-ks.cfg. Sollte die Red-Hat-Enterprise-Server-Datei erreichbar sein, wird die Installation reibungslos beginnen. Anhalten wird sie nur dann, wenn bestimmte Teile der Konfiguration nicht spezifiziert wurden.

Über den Autor:  Sander van Vugt ist ein freiberuflicher Trainer und Consultant, der in den Niederlanden ansässig ist. Er ist Experte in den Bereichen Linux High Availability, Virtualisierung und Performance. Sander van Vugt war in mehreren Projekten involviert, die alle drei Gebite vereinten. Weiterhin ist er der Autor einiger Bücher mit Linux als Thema. Dazu gehören Beginning the Linux Command Line, Beginning Ubuntu Server Administration und Pro Ubuntu Server Administration.

Artikel wurde zuletzt im September 2013 aktualisiert

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