Passiv und synthetisch: VDI-Performance aus Endanwendersicht überwachen

Performance-Monitoring in VDI-Umgebungen aus Endanwendersicht kann synthetisch oder passiv erfolgen. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile.

Eine der wirksamsten Methoden zur Überwachung von VDI- (Virtual-Desktop-Infrastruktur) und Anwendungsleistung ist das Performance-Monitoring aus Endanwendersicht. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, Analysedaten zu erhalten: das passive und das synthetische Monitoring. Die meisten IT-Abteilungen setzen beide Möglichkeiten zusammen ein.

Tools für das passive und synthetische Performance-Monitoring aus Endanwendersicht zeigen Ihnen, wie gut die Virtual-Desktop-Infrastruktur für Ihre Mitarbeiter funktioniert. Dabei vermitteln passive Tools meist keine umfassende Sicht darauf, wie gut die VDI-Umgebung tatsächlich funktioniert, während synthetische Optionen die Leistung beeinträchtigen können.

Man muss wohl kaum noch betonen, welch große Bedeutung die Leistungsüberwachung einer VDI-Umgebung hat. Wie man diesen Prozess am besten umsetzt, ist aber eine Frage des Unternehmenswillens und der vorhandenen Ressourcen. Die meisten VDI-Installationen sind von Anfang an geschäftskritische Dienste – oder werden schnell zu solchen –, die von den Endanwendern genutzt werden, um ihre tägliche Arbeit zu erledigen und Umsatz zu generieren. Daher ist die Überwachung der Leistung dieser Infrastruktur genauso wichtig wie die Infrastruktur selbst.

Das Performance-Monitoring aus Endanwendersicht nutzt einen Softwareassistenten, der auf einem Endanwender-Computer installiert ist. Dieser Computer kann der Computer eines wirklichen oder eines simulierten Anwenders sein. Die beste Möglichkeit, um eine Leistungsüberwachung aus Endanwendersicht bereitzustellen, ist die Installation eines Überwachungsassistenten auf den virtuellen Desktops einer Untergruppe von Anwendern. Diese Assistenten verwenden dann interne Stoppuhren, um festzuhalten, wie lange bestimmte Aktionen und Transaktionen der Endanwender bis zum Abschluss dauern.

Der Vorteil bei der Verwendung eines Assistenten für die Überwachung wirklicher Transaktionen liegt im Monitoring reale Aktivitäten aus der Sicht des Endanwenders. Der Nachteil bei der Überwachung der Endanwenderleistung besteht in der zusätzlichen Belastung des Clients, auf dem der Assistent ausgeführt wird. Damit besteht die Gefahr, die Anwenderleistung gerade durch das Monitoring zu beeinträchtigen.

Passive Überwachung der VDI-Endanwenderleistung

Eine Möglichkeit zur Leistungsüberwachung aus Endbenutzersicht besteht im Einsatz eines passiven Assistenten, der auf den virtuellen Desktops eines kleinen Teils realer Anwender läuft. Im Regelfall ist dies relativ einfach zu konfigurieren und umzusetzen.

Wenn Sie den passiven Performance-Assistenten bereits im VDI-Image integrieren, dann können Sie die Überwachung bei Bedarf mit wenig Aufwand aktivieren, etwa wenn Sie aufgrund einer bestimmten Beschwerde eines Anwenders nach dem Fehler suchen. Sie können diese passiven Assistenten für bestimmte Endanwendergruppen aber auch permanent aktiviert lassen. 

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Wenn Ihr Helpdesk beispielsweise feststellt, dass die Beschwerden von einem bestimmten Ort oder einer bestimmten Niederlassung erkennbar häufiger auftreten, dann könnte man hier für einige oder auch für alle der betroffenen Anwender die passive Leistungsüberwachung dauerhaft aktivieren, um langfristige Daten für die Fehlersuche zu sammeln. Die Möglichkeit, den Assistenten für das Performance-Monitoring aus der Ferne zu aktivieren und zu deaktivieren ist also ein wichtiger Vorteil von VDI-Images, in denen die Monitoring-Software bereits enthalten ist.

Die passive Leistungsüberwachung aus Endanwendersicht ist hervorragend für das Sammeln von Daten geeignet, die bei der Fehlersuche spezifischer Leistungsprobleme dienen sollen, denn Sie wissen, dass es Daten aus dem Produktivbetrieb sind: Sie wurden gesammelt, während ein Endanwender wirklich seine Arbeit mit dem virtuellen Desktop verrichtet hat. Der Nachteil der passiven Leistungsüberwachung liegt allerdings darin, dass Sie keine vernünftig definierten Leistungsdaten erhalten, weil die Daten nicht in einem regelmäßigen und festen Intervall erhoben werden.

Dadurch wird es schwierig, die passive Überwachung für die Bestimmung der Basisanwenderleistung einzusetzen. Passive Überwachung erschwert es zudem, zeitbedingte Leistungstrends festzustellen, weil ein bestimmter Anwender nicht unbedingt zur gleichen Zeit auf dieselbe Anwendung zugreift und nicht unbedingt jeden Tag die gleiche Arbeit verrichtet, während Sie Leistungsdaten sammeln.

Leistungsüberwachung mit synthetischen Transaktionen

Eine andere Strategie zur Überwachung der Endanwenderleistung ist die Verwendung spezieller Test-Computer, die nichts anderes tun, als eine festgelegte Folge von Skripts auszuführen: Die sogenannten synthetischen Anwendertransaktionen. Diese Skripts imitieren typische Anwenderaktivitäten und sammeln entsprechende Leistungsstatistiken, um Warnungen auszugeben, Service-Level zu berechnen und ähnliche Datenanalysen vorzunehmen.

Der Vorteil der synthetischen Leistungsüberwachung liegt darin, dass Sie diese Transaktionen nach einem regelmäßigen Zeitplan ausführen können, so dass Sie einheitliche Stichproben der Leistungsdaten erhalten. Ein Nachteil ist aber, dass die synthetischen Anwendertransaktionen weiterentwickelt und verwaltet werden müssen, da sich die Nutzung Ihrer VDI-Anwendungen mit der Zeit ändern wird. Wenn Sie zum Beispiel ein neues CRM-Tool (Customer Relationship Management) in Ihrer VDI-Umgebung installieren, müssen Sie daran denken, die Skripts für Ihre synthetischen Transaktionen zu aktualisieren, um Tests dieser neuen Anwendung darin aufzunehmen.

Es ist zwar technisch möglich, synthetische Transaktionen auf dem Computer eines realen Anwenders im Hintergrund auszuführen, meiner Erfahrung nach ist das jedoch riskant. Eine eingefrorene oder schlecht ablaufende synthetische Transaktion könnte die vom Anwender wahrgenommene Leistung ernsthaft beeinträchtigen. Was Sie am allerwenigsten wollen, wenn Sie die Endanwenderleistung überwachen, ist das Ausbremsen des Endanwender-Clients durch die Messung selbst.

Beide Strategien sind besser als keine Strategie

Beide Strategien, also sowohl die assistentenbasierte passive Überwachung der Anwenderleistung wie auch die Überwachung synthetischer Anwendertransaktionen in Ihrer VDI-Umgebung,  haben also ihre Vor- und Nachteile.

Wenn ein Anwender beispielsweise Support benötigt, um ein Leistungsproblem zu beheben, das scheinbar sonst kein anderer Anwender hat, dann wäre dies der ideale Anwendungsfall für den passiven Performance-Assistenten. So lässt sich genau herausfinden, welche Aktionen der Anwender tatsächlich auf dem Client ausführt und welche Nutzererfahrung er macht. 

Wenn allerdings Ihr CIO um einen Bericht bittet, der auf breiter Basis die VDI-Anwendungsleistung aus Endanwendersicht nachzeichnet, dann dürften die Stichproben bei der Überwachung synthetischer Transaktionen die aussagekräftigsten Daten hervorbringen. Im Vergleich zur passiven Leistungsüberwachung sollte es bei der Überwachung synthetischer Transaktionen keine Datenlücken oder fehlende Transaktionen geben.

Abhängig vom Anwendungsszenario haben beide Verfahren ihre spezifischen Vorteile. Wenn Ihr Budget es zulässt, dann fahren Sie mit der Implementierung beider Monitoring-Ansätze sicherlich am besten.

Über den Autor:
Earl Follis bringt langjährige IT-Erfahrung mit sich: Er hat bereits als technischer Trainer, Technologie-Evangelist, Netzwerk-Administrator und in vielen anderen Bereichen der IT gearbeitet – unter anderem bei Thomas-Conrad Corp., IBM Tivoli, Nimsoft und Dell. Er hat sich außerdem an mehreren Web-und Buchpublikation beteiligt, zum Beispiel an die For Dummies-Titel zu den Themen Windows Server und NetWare.  

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2015 aktualisiert

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