Mythos vs. Realität: VM-Wildwuchs in der Cloud verhindern

Virtual Machine-Wildwuchs: Zu viele VMs in der Infrastruktur gefährden die Performance-Gewinne in der Cloud.

Virtualisierung wird dank Effizienzgewinnen und Kostensenkungen durch Server-Konsolidierung zum Massenphänomen...

– mittlerweile läuft die Hälfte aller Server-Workloads auf Virtual Machines (VMs). Das Aufkommen von Cloud-Diensten wird Virtualisierung zudem bald noch allgegenwärtiger machen: Nach einer Prognose von IDC sollen 2014 schon 70 Prozent aller Workloads auf VMs untergebracht sein. Für Cloud-Provider bringt dieses explosive Wachstum allerdings ein potenziell gravierendes Risiko mit sich: VM-Wildwuchs, auf unter dem englischen Schlagwort „VM sprawl“ bekannt.

Die Folgen des VM-Wildwuchses können genau die Vorteile zunichte machen, die Service-Provider erst auf Virtualisierung setzen lassen. So birgt ein immer größerer Pool an Virtual Machines die Gefahr, dass Effizienzgewinne wieder schwinden, sobald das System-Management zu unübersichtlich wird. Auch die Kostenersparnisse können sich in Luft auflösen, wenn zu viele VMs nach übermäßig vielen Ressourcen auf ihren Hosts verlangen. Obendrein kann eine Umgebung mit Lücken im IT-Management dafür sorgen, dass Cloud-Provider anfällig für Einbrüche werden.

Der Kampf gegen VM-Wildwuchs in einer Cloud beginnt mit mehr Bewusstsein dafür – nur wenn ein Provider weiß, wie er VM-Wildwuchs erkennt, kann er auch dagegen vorgehen. Leider jedoch gibt es viele falsche Vorstellungen zu diesem Thema, die einem effektiven Vorgehen im Wege stehen. Um einige der verbreiteten Mythen aufzuklären, haben wir uns Fakten und Fiktion zu VM-Wildwuchs in der Cloud genauer angeschaut.

Vier Mythen über VM-Wildwuchs in der Cloud

Mythos: Virtualisierung führt automatisch zu deutlich effizienterer Ressourcen-Nutzung als mit physischen Servern und Appliances, deshalb muss man sich über VM-Wildwuchs in einer Cloud-Umgebung eigentlich gar keine Sorgen machen.

Realität: Ein Teil der Anziehungskraft von Cloud-Diensten auf die Kunden liegt in der Flexibilität des Zugriffs nach Bedarf auf IT-Ressourcen, mit dem sich schwankende Kapazitätsbedürfnisse bedienen lassen. Cloud-Dienste versetzen Kunden in die Lage, auf die Überprovisionierung von Servern vor Ort zu verzichten. Server-Wildwuchs einfach in die Umgebung eines Cloud-Providers zu übertragen, ist jedoch immer noch ein Risiko. Schließlich lassen sich neue VMs  – dank Cloud-Automation – in der Cloud mit einem Bruchteil des Aufwands für einen physischen Server einrichten. Aus diesem Grund könnten Kunden mit neuen VMs sehr großzügig umgehen. Die Fähigkeit zum Konfigurieren mit wenigen Klicks macht es auch für Cloud-Provider fast schon zu einfach, neue VMs in Betrieb zu nehmen – ganz anders als bei einer physischen Bereitstellung, bei der die neue Maschine ausgepackt, zusammen mit anderen in einem Regal untergebracht und dann verkabelt und konfiguriert werden muss.

Cloud-Provider sind häufig der Ansicht, sie könnten über Spitzen bei der Inbetriebnahme neuer VMs hinwegsehen, weil die Kapazitätsanforderungen in ihrer Cloud auch wieder abnehmen werden. Doch leider kann die schnelle Ausbreitung zusätzlicher VMs zu einer Cloud-Umgebung führen, die alles andere als optimal ist. Die virtuellen Maschinen mögen effizient sein, doch sie brauchen immer noch IT-Support, effektives Sicherheits- und Compliance-Management, Storage und andere Ressourcen. Deshalb kann es leicht dazu kommen, dass Cloud-Provider eine Umgebung voller nicht ausgelasteter VMs unterstützen, die Lizenzkosten und administrativen Support im Übermaß verschlingen.

Lösung für das Problem: Um VM-Wildwuchs zu verhindern, brauchen Cloud-Provider gute Governance und pragmatische Methoden zur Umsetzung dieser Richtlinien. Nötig sind zum Beispiel Praktiken, die konsistente VM-Konfigurationen oder kontinuierliches VM-Monitoring vorsehen. Denn diese tragen dazu bei, dass Cloud-Provider alle ihre Ressourcen nicht nur im Blick behalten, sondern auch über den gesamten Lebenszyklus hinweg steuern können.

***

Mythos: VM-Wildwuchs in der Cloud ist unvermeidlich, weil unterschiedliche Gruppen im selben Unternehmen in on-demand-Umgebungen redundante Daten ablegen.

Realität: Einkaufsentscheidungen für Cloud-Dienste fallen oft auf Abteilungsebene, so dass es tatsächlich vorkommen kann, dass mehrere Gruppen einer Organisation dieselben Workloads in unterschiedlichen Clouds unterbringen. Kunden, die auf mehrere redundante Clouds setzen, können jedoch rasch ihre Daten aus den Augen verlieren und die Cloud-Umgebung ihres Providers ineffizient nutzen.

Lösung für das Problem: Cloud-Providern kommt eine entscheidende Rolle dabei zu, Unternehmenskunden dazu zu raten, zu einer strategischeren und ganzheitlicheren Sichtweise auf die Cloud zu kommen. Am wichtigsten dafür sind klare Richtlinien.
Einzelne Abteilungen haben zwar tatsächlich einen gewissen Grad an Autonomie bei ihren Entscheidungen über Cloud-Einsatz. Die Provider sollten jedoch darauf achten, dass jede Einzel-Bestellung im Einklang mit den Unternehmensrichtlinien des Kunden zu der Frage steht, wo bestimmte Anwendungen untergebracht werden dürfen. Ebenfalls sollten sie andere Gruppen einer Organisation informieren, wenn eine Workload in der Cloud bereitgestellt wurde. Cloud-Provider können Kunden dabei helfen, Richtlinien für Cloud-Deployments zu definieren, einzuführen und umzusetzen. Dies geschieht durch Beratung und den Einsatz von Monitoring-Werkzeugen und -Techniken, mit denen die Einhaltung von Vorgaben der Kunden sichergestellt wird.

***

Mythos: VM-Wildwuchs lässt sich allein anhand der Zahl der VMs feststellen.

Realität: Zahlen spielen zwar eine Rolle, doch es gibt keine universelle Berechnungsmethode, mit der sich VM-Wildwuchs in einer Cloud quantifizieren ließe. Dies macht auch die Eindämmung solchen Wildwuchses sehr schwierig. Manche Provider haben dazu versucht, massenhaft VMs abzuschalten, um anhand der Kunden-Reaktionen festzustellen, welche redundant oder unterausgelastet sind. Die als nicht essenziell identifizierten Maschinen wurden dann außer Betrieb genommen.

Redundante Maschinen abzuschalten, löst jedoch das Problem mit VM-Wildwuchs in der Cloud nicht endgültig. Denn für diese Maschinen fallen weiterhin Lizenzkosten an, während sie aber keine automatischen Sicherheitspatches mehr erhalten. Dadurch können wichtige Aktualisierungen in Vergessenheit geraten, so dass die Kunden anfällig für Sicherheitslücken werden.

Lösung für das Problem: Cloud-Provider sollten zusammen mit ihren Unternehmenskunden an Richtlinien arbeiten, die den Zeitraum zu begrenzen, über den eine VM ungenutzt sein darf. Nach einer standardmäßig vorgegebenen Zeit sollte eine offline bleibende Maschine komplett aus dem Netzwerk entfernt werden.

***

Mythos: Das Management von Virtual Machines ist so viel schwieriger als das von physischen Servern, dass es unmöglich ist, VM-Wildwuchs in der Cloud zu verhindern.

Realität: Durch Virtualisierung verringert sich die Zahl physischer Geräte in einem Netzwerk, doch zugleich steigt meist die Zahl der Anwendungen und Betriebssysteme, so dass die Verwaltung insgesamt komplexer wird. Komplex bedeutet aber nicht unmöglich.

Schon wegen der physischen Gebäude-Grenzen mag es tatsächlich in vielerlei Hinsicht einfacher sein, Wildwuchs bei physischen Servern einzudämmen. Das heißt aber nicht, dass es in virtuellen Umgebungen zwingend zu ungezügelter und unkontrollierbarer Ausbreitung von VMs kommen muss. Mit den richtigen Werkzeugen – und einem Provider, der Erfahrungen im Management von gemischten virtuellen und physischen Umgebungen hat – lässt sich Wildwuchs bei VMs sehr wohl einschränken.

Lösung für das Problem: Herkömmliche Management-Werkzeuge und -Praktiken wie die manuelle Erfassung in Tabellen wurden für physische Assets entwickelt und reichen für virtuelle Umgebungen meist nicht aus. Cloud-Provider sollten deshalb den Einsatz von automatisierten Werkzeugen für das Management von Informationen über ihren gesamten Lebenszyklus (Information Life Cycle Management – ILM) prüfen. Ebenso sollten sie ihren Kunden raten, den Personenkreis einzugrenzen, der neue VMs provisionieren darf. Um die Integrität der Umgebung zu bewahren, sollte es außerdem ein Standard-Image der VMs eines Unternehmens geben.

Über die Autorin: Amy Larsen DeCarlo ist leitende Analystin bei Current Analysis, wo sie sich vor allem mit der Bewertung von verwalteten und Cloud-basierten Rechenzentrums- und Sicherheitsdiensten beschäftigt.

Artikel wurde zuletzt im Januar 2012 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über VM-Performance-Management

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

Close