Microsoft-Lizenzmodell erschwert DaaS-Lizenzierung von Windows

In DaaS-Umgebungen kommt meist Windows Server und nicht Windows als Desktop zum Einsatz. Der Grund hierfür liegt in den schwierigen Lizenzbedingungen.

Es mag auf den ersten Blick etwas erstaunlich erscheinen, aber kaum eines der verfügbaren DaaS-Angebote (Desktop...

as a Service) nutzt tatsächlich auch ein Desktop-Betriebssystem. Der Grund hierfür liegt aber ganz einfach in den erheblichen Problemen bei Lizenzierung und Preisgestaltung begründet.

Es gibt keinerlei technische Einschränkungen, die DaaS-Anbieter davon abhalten würden, Windows 7 oder Windows 8 einzusetzen, wie in einer On-Premise VDI-Umgebung (Virtual Desktop Infrastructure). Das Problem ist also nicht technischer Natur, sondern eine Sache der Lizenzierung.

Microsoft bietet Service-Providern für Desktop-Betriebssysteme keine Lizenz an, weshalb so gut wie jedes DaaS-Angebot Windows Server als Desktop-System einsetzt.

Ein Blick auf die Desktop-Lizenzierung mit Microsoft

Cloud-Anbieter vermieten virtuelle Maschinen (VMs) auf Stundenbasis. Typischerweise wird Windows aber über eine unbefristete Lizenz lizenziert, die Gebühr hierfür wird vom Kunden einmalig bezahlt. Anschließend kann das Betriebssystem ohne zeitliche Begrenzung genutzt werden.

Software darf nicht auf Endkunden-systemen, sondern ausschließlich auf Hardware des DaaS-Anbieters eingesetzt werden.

Man sieht sofort, dass diese beiden Modelle nicht zusammenpassen, weshalb Microsoft eine spezielle Lizenz für Cloud-Anbieter entwickelt hat: Das bereits seit einigen Jahren bekannte Service Provider License Agreement (SPLA). Auf Basis des SPLA können Cloud-Anbieter Zahlungen an Microsoft auf Basis der Stundenlaufzeit ihrer VMs entrichten, anstatt für sämtliche VMs unbefristete Lizenzen zu einem Festpreis erwerben zu müssen. Auf diese Weise binden sich die Lizenzkosten direkt an den Ertrag des Anbieters und letztlich auch an den Wert des Kunden.

Allerdings müssen Service-Provider einige Einschränkungen im Umgang mit der SPLA-Lizenzierung beachten. Am wichtigsten ist hierbei wohl, dass die Software nicht auf Endkundensystemen, sondern ausschließlich auf Hardware des DaaS-Anbieters eingesetzt werden darf. Das SPLA umfasst die meisten Windows-Server-Komponenten, darunter auch SQL Server, Exchange und den Remote Desktop Session Host (RDSH). Auch für Microsoft Office ist das SPLA verfügbar. Die größte Lücke im SPLA ist allerdings das Fehlen jeglicher Windows-Desktop-Betriebssysteme.

Der Grund hierfür hängt wiederum mit Microsofts generellem Lizenzverhalten bei Desktop-Betriebssystemen zusammen. Wenn Windows 7 oder Windows 8 auf einem PC installiert wird, kommt die Lizenz dafür üblicherweise aus einer überschaubaren Anzahl von Quellen. Oftmals wird die Lizenz vom Hardwarehersteller (Original Equipment Manufacturer, OEM) mitgeliefert, andererseits kann die Lizenz aber natürlich auch separat im Einzelhandel erworben werden (Full Packaged Product, FPP).

Die Lizenzformen OEM und FPP richten sich üblicherweise an kleinere Organisationen oder Privatanwender. Größere Organisationen gehen dagegen meist breiter ausgerichtete Lizenzvereinbarungen mit Microsoft ein. Diese Vereinbarungen umfassen Server-Software, Desktop-Betriebssysteme und Anwendungen wie Office.

Software Assurance und VDA

Die einzige Möglichkeit, Windows für VDI nutzen zu können, führt über eines der Volumen-Lizenzprogramme. Reseller mit hohen Umsätzen mit Microsoft-Software beschäftigen sogar eigene Spezialisten dafür, die komplexe Lizenzwelt von Microsoft zu verstehen. Um die Dinge etwas einfacher zu halten, sind Microsofts VDI-Lizenzen auf die Geräte ausgerichtet, von denen aus auf die virtuellen Desktops zugegriffen wird.

Für jedes Gerät wird ein Hauptnutzer erstellt, dem der Zugriff auf einen virtuellen Desktop erlaubt ist. An dieser Stelle wird die Angelegenheit aber dann doch etwas kompliziert, da sich hier Geräte- und Benutzermodelle der Lizenzierung überschneiden. Besonders in flexiblen Arbeitsplatzmodellen mit ständig wechselnden Mitarbeitern an unterschiedlichen Endgeräten kann das Probleme aufwerfen. Weiter verkompliziert sich die Lage dadurch, dass der Lizenztyp für ein Gerät davon abhängig ist, welches Betriebssystem es nutzt.

Wird ein Firmen-PC mit installiertem Windows aus dem Volumen-Lizenzprogramm für den Zugriff auf einen virtuellen Desktop genutzt, so muss dieser PC der Software Assurance (SA) unterliegen. Die SA ist ein jährliches Abonnement, das Unternehmen pro PC erwerben können. Dafür bietet die Software Assurance beispielsweise Produkt-Support oder Zugriff auf Upgrades.

Von Vorteil ist auch, dass der Hauptnutzer eines PCs mit SA auch von einem anderen Gerät aus auf seinen virtuellen Desktop zugreifen darf, beispielsweise von zu Hause aus. Außerdem deckt die Software Assurance die Lizenzen sowohl für den Firmen-PC wie auch für den virtuellen Desktop ab, die dadurch beide mit Professional-Editionen von Windows betrieben werden können. Die SA-Kosten liegen bei etwa einem Drittel einer Windows-Jahreslizenz.

Nutzt der Anwender vorrangig ein Gerät, das kein Firmen-PC mit SA ist, so benötigt dieses eine VDA-Lizenz (Virtual Desktop Access). Diese zielt auf Geräte wie Thin Clients, Smartphones und Tablets ab, für die mangels Windows-Desktop-Betriebssystem keine Software Assurance verfügbar ist. Anders als bei der SA ist bei einer VDA-Lizenz nur der virtuelle Desktop lizenziert, nicht hingegen die Software des darauf zugreifenden Geräts.

Die einzige Möglichkeit, Windows für VDI nutzen zu können, führt über eines der Volumen-Lizenz-programme.

Eine VDA-Lizenz wird für jedes Hauptgerät benötigt, von dem aus Anwender auf ihre virtuellen Desktops zugreifen. Allerdings können Anwender auch zeitweise auf denselben Desktop von einem Privat-PC oder anderen Gerät außerhalb der Unternehmensdomäne aus zugreifen, ohne dass diese dafür lizenziert werden müssten (Roaming). 

Eine VDA-Lizenz liegt bei etwa 100 Dollar pro Gerät und Jahr und ist damit kostenintensiver als eine Software Assurance. Der Preisunterschied erklärt sich durch die Mindereinnahmen von Microsoft für die darauf zugreifenden Geräte, die ja keine Windows-Maschinen sind.

SPLA und Volumenlizenzierung können allerdings nicht miteinander kombiniert werden. Volumenlizenzierung steht ausschließlich für Geräte im Eigentum oder der Verfügungsgewalt des Kunden zur Verfügung. SPLA-Lizenzierung wiederum steht ausschließlich für Endgeräte des Service-Providers bereit. 

Eine SA oder eine VDA-Lizenz für ein Gerät, das auf einen VDI-Desktop zugreift, lizenziert gleichzeitig diesen VDI-Desktop. Eine SA oder eine VDA-Lizenz für ein Gerät, das auf einen DaaS-Desktop zugreift, umfasst hingegen keine Lizenz für diesen DaaS-Desktop. Das mag unfair erscheinen, aber Microsoft hat sich nun einmal für dieses Lizenzmodell entschieden.

Was kostet DaaS?

Oft wirkt DaaS aufgrund der Kosten pro Arbeitsplatz sehr attraktiv. Wer könnte bei 25 Euro pro Monat schon widerstehen? Multipliziert man diese 25 Euro mit der Anzahl der Desktops im eigenen Unternehmen, dann dürfte das Ergebnis deutlich unter den Kosten liegen, die man für den Betrieb eigener Desktops oder die Implementierung einer VDI-Umgebung aufzuwenden hat.

Doch wie so oft verrät das Preisschild alleine längst nicht alles über die Gesamtkosten. Der Mehraufwand für die Bereitstellung von Anwendungslandschaft und Leistungsvermögen kann die vom Service-Provider ausgewiesenen Kosten schnell um das Dreifache übertreffen. Zusätzlich muss man die Kosten der Endbenutzergeräte berücksichtigen, mit denen die Anwender auf die Desktops zugreifen, und auch die dafür nötige Netzwerkinfrastruktur muss man ehrlicherweise hierfür in Rechnung stellen.

Sind die wahren Kosten pro Monat aber erst einmal berechnet, so hat man eine konstante, zuverlässige Betriebskostenrate (Opex). Größere Rechnungen für das Ersetzen aller Desktops nach jeweils drei bis vier Jahren (Capex) gehören dann der Vergangenheit an. Noch besser: Werden einige der Desktops zeitweise nicht benötigt, so können die damit zusammenhängenden Kosten flexibel eingespart werden.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2015 aktualisiert

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