Legacy-Hardware und Kosten: Wann ist konvergente Infrastruktur sinnvoll?

Konvergente Hardware bietet viele Vorteile, muss aber auch finanziell und mit Blick auf Legacy-Hardware abgewogen werden. Wann lohnt sich der Kauf?

Der Erfolg bei der Virtualisierung hängt nur zu oft von einem erfolgreichen Management der darunterliegenden Hardware...

ab. Das klingt im Grunde ganz einfach, kann aber ein sehr schwer zu erreichendes Ziel sein, da in Data Centern oft ein Mix verschiedener Anbieter und Modelle vorherrscht. Das wiederum schränkt die Sichtbarkeit der Infrastruktur ein, die durch die ebenfalls sehr unterschiedlichen System-Management-Tools gegeben ist.

Konvergente Infrastrukturen versprechen, einige dieser Probleme zu adressieren. Server, Storage und Netzwerk-Geräte sind bereits integriert, optimiert und mit gemeinsamen Management-Tools versorgt. Allerdings eignen sich konvergente Infrastrukturen sicherlich nicht für jedes Szenario. Daher müssen sich IT-Profis noch vor dem Kauf mit den Elementen einer konvergenten Infrastruktur auseinandersetzen und verstehen, wie sie mit Legacy-Hardware kommunizieren und was die besten Einsatzgebiete für diese Technologie sind.

Aus welchen Teilen besteht konvergente Infrastruktur und was davon wird virtualisiert?

Mit einer konvergenten Infrastruktur verfolgt man das Ziel, heterogenes Data-Center-Equipment durch eine komplette Suite an integrierter und optimierter Hardware zu ersetzen. Dazu gehören dann Server-, Storage- und Netzwerk-Geräte. Virtualisierung ist in allen drei Bereichen präsent. Somit können IT-Profis Storage- und Netzwerk-Ressourcen in Pools organisieren und ein besseres Provisioning sicherstellen.

Ein weiterer Vorteil ist die Menge an virtueller Maschinen (VM). Jede davon lässt sich zwischen lokaler und Remote-Hardware migrieren. Da konvergente Infrastrukturen dieses hohe Niveau an Virtualisierung und Flexibilität mit sich bringen, sind sie oftmals Vorboten von Private Clouds oder sogar gewisser Formen des Software-defined Data Centers.

Konvergente Infrastrukturen lassen sich im Data Center von Grund auf neu erstellen. Ein Beispiel dafür wäre IBMs Flex System, das aus einem IBM-Flex-System-Enterprise-Gehäuse, einigen x86- oder POWER-Servern, PCIe-Erweiterungs-Geräten und IBM Flex System V7000 oder Storwise V7000 für Storage besteht. Hinzu kommen noch einige Ethernet-Netzwerk-Geräte und diverse IBM-Flex-System-Komponenten. Die Hardware wird komplett von einem einzelnen Management-Framework verwaltet, wie zum Beispiel dem IBM Flex System Manager.

Cisco UCS ist ein weiteres Beispiel für konvergente Infrastruktur, die man im Data Center von Grund auf neu erstellt. Cisco UCS C-Series Rack Server und Cisco Nexus Fabric Extenders für UCS Rack Server können für einen dedizierten Einsatz in konvergenten Infrastrukturen zusammenarbeiten, bei der man dennoch Zugriff auf ein existierendes SAN (Storage Area Network) hat. Cisco UCS wird durch die Software-Pakete UCS Manager oder UCS Director unterstützt.

Konvergente Infrastruktur-Plattformen lassen sich auch mit Hardware von verschiedenen Anbietern verwenden. Zum Beispiel vereint NetApps FlexPod Storage-Systeme von NetApp, Ciscos UCS Server und Cisco Nexus-Produkte in einer konvergenten Infrastruktur. Ciscos UCS Director stellt dann die zentralisierte Automatisierung und das Management für die FlexPod-Komponenten zur Verfügung, wodurch nur ein einziges Management-Tool benötigt wird.

Die Server-Virtualisierung lässt sich dann mit nahezu jedem Hypervisor realisieren. Dazu gehören auch Hyper-V und vSphere.

Auch VMware ist mit seiner EVO:RAIL-Appliance vor kurzem in den Markt für hyper-konvergente Infrastruktur eingetreten. EVO:RAIL wird von Hardware-Partnern wie Dell, HP oder Fujitsu gefertigt und konkurriert einerseits mit konvergenten Produkten von EMC oder NetApp, andererseits aber auch mit Infrastrukturlösungen aus dem VMware-Umfeld von Nutanix oder SimpliVity.

Wie gut kann eine konvergente Infrastruktur mit Legacy-Hardware kommunizieren?

Die Frage nach Heterogenität kann in Umgebungen mit konvergenter Infrastruktur herausfordernd sein. Im Allgemeinen können konvergente mit nicht-konvergenten Geräten aber natürlich kommunizieren. Dabei ist es egal, ob diese virtualisiert sind oder nicht. Es gibt zum Beispiel keinen technischen Grund, warum man einen Server einer anderen Marke oder eines anderen Modells einer konvergenten Infrastruktur nicht als Switch-Port anfügen kann. Allerdings hebelt das in den meisten Fällen den Sinn von konvergenten Infrastrukturen aus.

Als Alternative zu konvergenten Infrastrukturen bieten sich auch alternative Infrastruktur-modelle wie Co-Location oder die Public Cloud an.

Der große Vorteil konvergenter Infrastrukturen liegt ja gerade im universellen Hardware- und Software-Framework, der mit einem umfassenden Management-Tool verwaltet werden kann. Alle Einzelkomponenten wurden aufeinander abgestimmt und getestet, wodurch der Anbieter garantiert, dass auch alle Komponenten zusammenspielen.

Wird ein fremdes Gerät mit einer konvergenten Infrastruktur verbunden, ergibt sich daraus eine neue heterogene Gerätelandschaft. Daraus könnten wiederum eine schlechte Performance, Kompatibilitätsprobleme sowie eine eingeschränkte Verwaltbarkeit resultieren. Das alles sind bekannte Probleme, die immer wieder in herkömmlichen heterogenen Umgebungen auftreten. Sobald man eine konvergente Infrastruktur implementiert hat, will man diese Probleme eigentlich nicht mehr im eigenen Data Center sehen.

Wird eine konvergente Infrastruktur einem existierendem Data Center hinzugefügt, möglicherweise als Plattform für eine Private Cloud, stellt diese meist eine Insel mit eigenen Management-Tools und Performance-Standards dar. Die existierende Infrastruktur wird in der Regel wie bisher betrieben, zusammen mit all den anderen Management-Tools. Dass die IT-Mitarbeiter in diesem Fall zwei „verschiedene“ Umgebungen unterstützen müssen, kann dann zu einer echten Herausforderung werden – selbst wenn das Management der konvergenten Hardware an sich dann recht einfach ist.

Zieht man den Einsatz konvergenter Infrastruktur in Betracht, sollte man bei der Planung auch auf das Zusammenspiel mit heterogenen Legacy-Umgebungen achten und mit dem Hersteller der anvisierten konvergenten Lösung mögliche Probleme erörtern. Vor einem Kauf sollten zudem ausführliche Tests stehen, mit denen sich herausfinden lässt, wie sich die konvergente Infrastruktur mit heterogenen Geräten in Ihrem Data Center verträgt.

Wir betreiben bereits ein virtualisiertes Data Center. Ist es sinnvoll, zusätzlich auf konvergente Infrastruktur zu setzen?

Konvergente Infrastrukturen haben sich inzwischen als leistungsfähige Option für moderne Data Center erwiesen. In vielen Situationen können sie eine robustere, flexiblere und besser verwaltbare virtualisierte Infrastruktur darstellen, als Sie das vielleicht von typischen heterogenen Data Centern gewohnt sind. Konvergente Infrastrukturen sind aber trotzdem nur eine Art Tool, das geschaffen wurde, um Enterprise-Computing-Aufgaben zu adressieren. Wie bei jedem Tool ist es wichtig zu verstehen, wann und wie das Tool am effizientesten arbeitet.

Der Einsatz konvergenter Lösungen kann mitunter sehr disruptive Wirkung entfalten, da entsprechende Angebote große Teile eines Data Centers ersetzen. Das wirkt sich natürlich auch auf bereits getätigte Investitionen für Hardware und Software sowie auf bestehende  Wartungsverträge aus. Nur wenige Unternehmen werden sich bereit erklären, die hohen Investitionen für ihr derzeitiges Data Center komplett abzuschreiben und Geld für eine völlig neue Infrastruktur auszugeben. 

Diese finanziellen Konsequenzen sind wohl der Hauptgrund, warum konvergente Infrastrukturen nur so langsam Einzug in die Rechenzentren finden. In vielen Fällen schiebt man die Investition für eine konvergente Infrastruktur auf die lange Bank und wartet, bis sowieso ein großer Erneuerungszyklus ansteht.

Konvergente Infrastrukturen können aber auch eine Herausforderung bei Wachstumsanforderungen und Anbieterauswahl darstellen. Auch wenn konvergente Infrastrukturen extra für Skalierbarkeit geschaffen sind, muss man im Hinterkopf behalten, dass auch nur eine begrenzte Menge an Produkten mit dem jeweiligen Angebot kompatibel ist. 

Diese Einschränkungen bei der Produktauswahl bringen oft höhere Kosten mit sich und wirken sich später möglicherweise auch auf die Verfügbarkeit der Produkte aus. Hier kommt es vor allem auch darauf an, wie lange der Hersteller die jeweiligen Produkte unterstützt. Können Unternehmen das Wachstum nicht vorhersehen und haben an dieser Stelle plötzlichen Bedarf, bekommen Sie eventuell Schwierigkeiten, angemessene Equipment-Upgrades zu adäquaten Preisen zu beziehen. Das ist ein durchaus bedenkenswerter Unterschied zu herkömmlichen Data Center, wo im Extremfall jeder x86-White-Box-Server funktioniert.

Als Alternative zu konvergenten Infrastrukturen bieten sich auch alternative Infrastrukturmodelle wie Co-Location oder die Public Cloud an, die effiziente Computing-Ressourcen und den dazugehörigen Support anbieten. Zudem lassen sich die Kosten hier monatlich abrechnen und große Anschaffungskosten entfallen. Die Umwandlung von CAPEX in OPEX wird für  Firmen immer attraktiver, die sich so eine bessere Kontrolle ihrer IT-Kosten versprechen.

Konvergente Infrastrukturen können in vielen Fällen eine bessere Effizient im IT-Betrieb und beim System-Management bieten, allerdings ist die Technologie andererseits auch sehr disruptiv und möglicherweise nicht mit existierender Infrastruktur kompatibel. Der Einsatz von konvergenter Infrastruktur sollte durch eine ROI-Analyse gerechtfertigt und durch eine Machbarkeitsstudie untermauert werden. 

Unternehmen können künftigen Störungen zudem vorbeugen, indem Sie die Lebenszyklen entsprechender Produkte unter die Lupe nehmen und mit den eigenen Anforderungen abgleichen. Ist der Anwendungsfall für eine konvergente Infrastruktur einfach nicht stark genug vorhanden, sollte ein Unternehmen trotz des momentanen Hypes besser bei einem herkömmlichen Data-Center-Modell bleiben.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2014 aktualisiert

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