Kapazitätsplanung für die Anwendungs-Virtualisierung

Die Kapazitätsplanung für die App-Virtualisierung sollte mehrere Punkte berücksichtigen, darunter auch die Benutzerbedürfnisse und Hardwareanforderungen.

Anwendungs-Virtualisierung erfordert eine sorgfältige Planung. Der Grund: Nur so lässt sich sicherstellen, dass Computer-, Netzwerk- und Speicherressourcen eines Unternehmens die zu erwartenden Workloads bewältigen können. Und nur so vermeidet die IT-Abteilung ein Over-Provisioning – und damit auch hohe Kosten.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, mit welchen Leistungsanforderungen zu rechnen ist, sollten IT-Experten vor der Implementierung der Anwendungs-Virtualisierung ihre Konfigurationen so gründlich wie möglich testen. Wenn man das nicht möchte oder kann, sollte man alternativ einen schrittweisen Rollout machen. Damit ist man in der Lage, die Bereitstellung an genauere Kapazitätsprognosen, die auf den Erkenntnissen der ersten Implementierungen basieren, anzupassen.

Ein exaktes Austarieren der Werte ist wichtig: Eine ungenaue und unzuverlässige Anwendungsbereitstellung frustriert Anwender und führt zu weniger Produktivität – mit der Folge, dass Projekte fehlschlagen können. Je genauer die Kapazitätsvorhersagen hingegen sind, desto effektiver ist die Softwarebereitstellung und desto zufriedener sind alle Beteiligten.

Um die Bedürfnisse der Endnutzer zu kennen, die Anforderungen an die Anwendung zu ermitteln, die Bereitstellung zu bewerten und die physischen Ressourcen zu planen, sollten IT-Profis deshalb unbedingt Kapazitätspläne für die Anwendungsvirtualisierung ausarbeiten und befolgen.

Die Bedürfnisse der Endbenutzer kennen

Ein professioneller Kapazitätsplan für die Virtualisierung von Anwendungen beginnt mit den Bedürfnissen der Nutzer. Die IT-Abteilung muss verstehen, wie viele Benutzer sie aktuell unterstützt und wie viele das in nächster Zukunft sein werden. Dabei sollte sich die IT zunächst vor allem auf jene Nutzer konzentrieren, die mit virtuellen Anwendungen arbeiten.

Andere User sollten aber nicht außen vor bleiben, da diese ja ebenfalls in die Systemkapazitäten einfließen können. Zum Beispiel können Nutzer, die tagsüber große Dateien über das Netzwerk übertragen, die Kapazitäten deutlich beeinflussen – unabhängig davon, ob sie virtuelle Anwendungen verwenden oder nicht.

Um die Enduser-Bedürfnisse zu ermitteln, müssen IT-Profis tief in die Nutzungs- und Workflow-Muster der Anwender virtueller Applikationen eindringen. Sie müssen verstehen, wann und wo Benutzer arbeiten und wie viele von ihnen gleichzeitig auf welche Anwendungen zugreifen. Die IT-Abteilung sollte auch ein Gefühl dafür bekommen, wie sich die Zahlen im Laufe der Zeit ändern könnten, um Faktoren wie saisonale Schwankungen zu berücksichtigen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Verständnis, wie die Benutzer über externe Niederlassungen und geografische Regionen verteilt sind, und ob sie direkt über das Unternehmensnetzwerk, über ein WAN, über das Internet oder eine Kombination aus diesen drei Bereichen auf Anwendungen zugreifen. Darüber hinaus sollte die IT-Abteilung herausfinden, ob Benutzer von physischen Desktops, virtuellen Desktops oder Geräten wie Tablets oder Thin Clients auf die Anwendungen zugreifen. Die IT-Abteilung sollte auch andere Details im Auge behalten, zum Beispiel die Art der Dateien, mit denen die Benutzer arbeiten, und wie und wie oft sie zusammenarbeiten.

Die Anwendungsanforderungen identifizieren

Das Verständnis der Anwendungsanforderungen ist entscheidend für die Kapazitätsplanung der Virtualisierung. Dieses Verständnis beginnt mit dem Wissen, welche Anwendungen unterstützt werden sollen – jetzt und in Zukunft  und wie die Nutzung dieser Anwendungen schwanken kann. Beispielsweise kann eine Organisation eine Anwendung nur während der Weihnachtszeit verwenden. Oder sie stellt in einer bestimmten Jahreszeit mehr Benutzer ein als in einer anderen, wodurch sich die Nutzung der Applikationen verändert.

In manchen Fällen, zum Beispiel bei Branchenanwendungen, kann es schwierig sein, zu prognostizieren, was die IT-Abteilung wann implementieren muss. Eine Möglichkeit, sich ein Bild davon zu machen, was auf die IT zukommt, sind Kapazitätstests mit ähnlichen Apps wie bei den Branchenanwendungen.

Für jede Anwendung müssen IT-Profis abschätzen, welche Systemressourcen diese verbraucht, einschließlich der Art und Weise, wie Anwender mit der Applikation arbeiten. Der IT-Abteilung sollte klar sein, wie viel Arbeitsspeicher und Rechenleistung jede Anwendung benötigt. Auch die Speicheranforderungen für die Anwendung und die zugehörigen Daten sollten bekannt sein. Was oft vergessen wird: Einige Anwendungen benötigen Datenbanken oder Konfigurationsdateien oder speichern individuelle Benutzereinstellungen.

Die IT-Abteilung sollte außerdem die akzeptablen Service Levels pro Anwendung festlegen und dabei Faktoren wie Antwortzeiten und Verfügbarkeit berücksichtigen. Es ist auch gut zu wissen, welche Auswirkungen es auf die Produktivität hat, wenn eine Anwendung plötzlich nicht mehr verfügbar ist. Es ist kein Geheimnis, dass einige Benutzer ohne bestimmte Anwendungen schlicht nicht mehr arbeiten können.

Die Ermittlung der Anwendungsanforderungen ist untrennbar mit dem Verständnis der Nutzerbedürfnisse verbunden. Sind die User beispielsweise global verteilt, muss die IT-Abteilung die Anwendungen auf mehrere Rechenzentren oder Office-Standorte verteilen und dabei berechnen, welche Benutzer mit welchen Anwendungen arbeiten. Eine solche Verteilung kann auch ein gewisses Maß an Redundanz erfordern und Auswirkungen auf die Netzwerklast haben.

Evaluierung der Bereitstellung

Unabhängig davon, ob die IT-Abteilung bereits ein Produkt mit Anwendungs-Virtualisierung verwendet oder plant, muss sie entscheiden, welche der Funktionen des Produkts implementiert werden sollen. Dies erfordert es, die Systemanforderungen zur Unterstützung dieser Funktionen festzulegen. Einige Produkte, wie zum Beispiel Microsoft Application Virtualization (App-V), bieten beispielsweise Reporting-Funktionen, die zusätzliche Ressourcen zur Unterstützung des Reporting-Servers und der Datenbank sowie des Datenerfassungsprozesses erfordern.

Um sich ein vollständiges Bild von den Anforderungen an Rechenleistung, Netzwerk und Speicherplatz zu machen, sollten IT-Experten Ressourcen wie Produktdokumentationen und Fallbeispiele studieren. Die Art und Weise, wie ein Produkt Anwendungen verwaltet und bereitstellt, kann sich auf den Kapazitätsbedarf der gesamten Infrastruktur auswirken.

Schwierig wird es, wenn die IT-Abteilung bereits ein Virtualisierungs-Produkt für andere Zwecke einsetzt. Zum Beispiel könnte die IT-Abteilung VMware Horizon zur Unterstützung einer virtuellen Desktop-Infrastruktur (VDI) einsetzen und möchte nun VMware ThinApp für die Bereitstellung virtueller Anwendungen nutzen. Die Abschätzung des zusätzlichen Kapazitätsbedarfs kann diffizil sein, da die Systeme und Dienste miteinander verbunden sind. Infolgedessen müssen sich IT-Profis in hohem Maße auf VMware- und Drittanbieter-Ressourcen verlassen, um die Auswirkungen der Anwendungs-Virtualisierung zu verstehen.

Unabhängig vom Produkt sollte die IT-Abteilung am Ende ein umfassendes Verständnis haben für die benötigten Servertypen, den Standort der Server, die spezifischen Datenbankanforderungen und alles andere, was für die Bereitstellung des Produkts relevant ist.

Stellen Sie sicher, dass Sie die verfügbaren Rechen-, Netzwerk- und Speicherkapazitäten evaluieren, um zu bestimmen, welche Lasten die einzelnen Benutzer aktuell bewältigen müssen. Die Netzwerkkarte der IT-Abteilung sollte die verfügbare Bandbreite, Verbindungswege, WAN-Verbindungsgeschwindigkeiten und andere relevante Informationen anzeigen. IT-Profis wollen die Anwendungs-Virtualisierung nicht auf Kosten des laufenden Betriebs implementieren. Gleichzeitig könnten sie entdecken, dass sie genug Platz haben, um zumindest einen Teil der Applikationslasten zu übernehmen.

Darüber hinaus sollten IT-Profis überlegen, ob sich das Virtualisierungs-Produkt in Active Directory oder Management-Software integrieren lässt. Außerdem sollten sie die Ressourcen berücksichtigen, die für Backups, die Unterstützung von Failover-Cluster oder die Implementierung anderer Disaster-Recovery-Mechanismen erforderlich sind.

Planung der physischen Ressourcen

Für die Compute-Ressourcen sollte die IT-Abteilung die Serverkonfigurationen festlegen, die sie benötigt, um die Komponenten des Virtualisierungs-Produkts zu hosten. Dabei sollte besonders auf CPU- und Speicheranforderungen geachtet werden.

Im Rahmen dieser Planung sollte die IT-Abteilung auch die Ressourcen berechnen, die sie für das Hosting und die Bereitstellung von Anwendungen benötigt. Dabei sollte man nicht davon ausgehen, dass die Ressourcen für die Ausführung einer Anwendung auf einem physischen Desktop direkt in die Virtualisierung übersetzt werden. In der Regel wird man feststellen, dass die Anwendungen mehr CPU- oder Speicherressourcen benötigen. Die Applikationen können auch andere Operationen wie virtuelle Desktops oder Remote-Desktop-Services-Sitzungen beeinflussen.

Bei der Berechnung der Anforderungen an die Netzwerkkapazität sollte die IT-Abteilung alle Ressourcen berücksichtigen, die sie für die Bereitstellung der Applikationen und die Kommunikation zwischen den Komponenten, aus denen sich das Produkt zusammensetzt, benötigt. Die IT-Abteilung sollte auch die Auswirkungen berücksichtigen, die die Virtualisierung von Anwendungen auf andere Systeme haben könnte, sowie die Ressourcen, die für die Kommunikation mit diesen Systemen erforderlich sind.

Ein weiteres, netzwerkrelevantes Kriterium ist die Veränderung der täglichen Arbeitsabläufe der Anwender. Wenn Benutzer von ihren Desktops aus über lokal installierte Anwendungen auf Dateien im Rechenzentrum zugreifen, repräsentieren die Vorgänge ein bestimmtes Netzwerk-Nutzungsmuster. Wenn die Dateiübertragungen zwischen den Anwendungen und Servern vollständig innerhalb des Rechenzentrums stattfinden, hat die IT ein sehr unterschiedliches Nutzungsverhalten.

Bleibt noch der Speicher. Der Storage umfasst die Ressourcen, die für die Speicherung aller Daten im Zusammenhang mit dem Hosting und der Bereitstellung von Anwendungen erforderlich sind. Dazu gehören die Anwendungen selbst, die dazugehörigen Daten und persönlichen Benutzerdaten sowie das Virtualisierungsprodukt und die dazugehörigen Dateien. Admins sollte daher sicherstellen, dass alle Datenbanken, Analysedaten, Konfigurationsdateien und andere Komponenten, die Speicherressourcen benötigen, berücksichtigt werden.

Die IT-Abteilung muss letztendlich auch Faktoren wie Festplatten-I/O, Latenzzeiten und Caching berücksichtigen. Darüber hinaus muss sie auch die möglichen Auswirkungen auf andere Systeme, die diese Ressourcen nutzen, im Auge haben. Wenn die IT-Abteilung beispielsweise VDI unterstützt, muss sie die möglichen Auswirkungen auf zufällige I/O-Muster und geringe Latenztoleranzen in ihre Entscheidungen mit einbeziehen.

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Artikel wurde zuletzt im Februar 2018 aktualisiert

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