Jenseits von VDI: Workloads von SQL bis SAP mit hyper-konvergenter Infrastruktur

Hyper-konvergente Infrastruktur wird oft mit VDI-Bereitstellungen gleichgesetzt. Dabei ist die Technologie längst auch fit für SAP, Oracle und Co.

Das Thema hyper-konvergente Infrastruktur (Hyper-converged Infrastructure, HCI) hat vor allem im letzten Jahr durch...

die Ankündigung von EVO:RAIL durch VMware auf der VMworld 2014 mächtig an Fahrt aufgenommen. Frühe Start-ups wie Nutanix, SimpliVity oder auch Pivot3 waren dem Marktstart von VMwares hyper-konvergenter Lösung da aber bereits viele Jahre voraus, dementsprechend hoch ist ihr Marktanteil und die technische Reife ihrer Produkte.

Vor allem in den Anfangsjahren war der klassische Anwendungsfall hyper-konvergenter IT die Bereitstellung virtueller Desktop-Infrastrukturen (VDI), und daran hat sich bei vielen Hyperconverged-Anbietern bis heute nicht viele geändert, auch EVO:RAIL wurde von VMware mit dem klaren Fokus auf VDI ins Rennen um Umsätze und Marktanteile geschickt.

VMware mag dabei spät in den HCI-Markt eingestiegen sein, immerhin soll dieser aber kurz vor dem Durchbruch stehen, so zumindest die Einschätzung von IDC, wonach die Umsätze von 373 Millionen US-Dollar im Jahr 2014 im laufenden Jahr 2015 bereits auf 800 Millionen US-Dollar steigen sollen. Auf der ersten Nutanix .Next-Konferenz im Juni 2015 sprach Eric Sheppard, Research Director bei IDC, während einer Panel-Diskussion schließlich von 1,5 Milliarden US-Dollar Umsatz, die hyper-konvergente Infrastrukturlösungen 2016 erzielen sollen.

Jeder definiert hyper-konvergent anders

Dabei ist die Frage nach der Definition von Hyper-Konvergenz nach wie vor mehr als berechtigt. Im Gegensatz zur konvergenten IT dürfte der kleinste gemeinsame Nenner hyper-konvergenter Lösungen darin bestehen, neben den einzelnen Hardwarekomponenten mit dem Hypervisor auch die Virtualisierungsschicht zu integrieren.

SimpliVity grenzt seine Produkte gegenüber anderen Anbietern durch die starke Betonung auf Storage-Funktionen wie Inline-Deduplizierung und Daten-Komprimierung ab, was über eine gesonderte Hardwareschnittstelle mit eigener CPU erfolgt und so Backups und Disaster-Recovery-Szenarien vereinfachen soll.

Pivot3 verweist als Alleinstellungsmerkmal ebenfalls auf das Storage-Management und nennt hier vor allem Erasure Coding, durch das Appliances von Pivot3 wesentlich mehr Storage-Effizienz bieten sollen als replikationsbasierte Produkte anderer Hersteller. Pivot3 setzt hierzu auf ein eigenes Virtual-SAN-Produkt (Storage Area Network), mit dem Storage und Arbeitsspeicher über alle Appliances hinweg global angesprochen werden können, während andere Anbieter Storage lediglich lokal pro Appliance nutzen könnten, so zumindest Francois Wolf, Vice President Marketing bei Pivot3. Für ihn ein Unterschied wie der zwischen „Newton'scher Physik und Relativitätstheorie“.

Nutanix dagegen bietet Erasure Coding erst seit kurzem an, allerdings derzeit noch nicht für Produktivumgebungen. VMware vSAN soll erst in der nächsten Preview eine erste Implementierung erhalten.

Im Gegensatz zu Pivot3 und SimpliVity will VMware das ganze Thema Hyper-Konvergenz wesentlich breiter verstanden wissen. Für Alberto Farronato, als Senior Director Product Marketing bei VMware für integrierte Systeme zuständig, ist Hyper-Konvergenz eine Frage der Architektur, nicht der Produkte. Gerade Start-ups, so Alberto Farronato, würden sich meist auf die Produktkategorie hyper-konvergenter Appliances stürzen, da bei diesen geschlossenen Systemen Entwicklung, Produktdesign und Vertrieb wesentlich einfacher seien.

Für ihn kommt es dagegen auf das Zusammenspiel aus vSphere und vSAN an, egal ob in der hyper-konvergenten Appliance EVO:RAIL, auf selbst konfigurierten Systemen oder bald auch in der Rack-Scale-Architektur EVO SDDC. Den großen Unterschied zu konkurrierenden Lösungen macht er in VMware vSAN aus, was eine bessere Integration in VMware-Tools ermöglichen soll und dadurch viele kleine Vorteile wie beispielsweise das Ressourcen-Management mit vSphere Distributed Resource Scheduler (DRS) ermöglicht. Anbieter wie Nutanix oder SimpliVity dagegen empfehlen ihren Kunden, vSphere DRS zu deaktivieren.

Unabhängig von den unterschiedlichen Schwerpunkten und Definitionen ist hyper-konvergente Infrastruktur aber vor allem eines: eine wesentliche Erleichterung auf dem Weg zum Software-definierten Data Center  (SDDC). Aus diesem Blickwinkel verwundert es dann auch nicht, dass die auf hyper-konvergenten Produkten ausgeführten Workloads immer vielfältiger werden.

Hyper-Konvergenz für SAP, Oracle und SQL

Am Beispiel von Pivot3 lässt sich gut nachvollziehen, welchen Entwicklungsweg hyper-konvergente Infrastruktur genommen hat. Ursprünglich als Storage-Lösung für die Überwachung von Casinos in Las Vegas per IP-Kameras gestartet, entwickelte Pivot3 zunächst eine Software-defined-Storage-Plattform, aus der schließlich durch die Integration von Compute-Virtualisierung eine hyper-konvergente Produktpalette wurde.

Um die fehlende Flexibilität hyper-konvergenter Appliances auszugleichen, sind die verschiedenen Systeme in unterschiedlichen Konfigurationen erhältlich, die anfangs vor allem für VDI, später dann auch für Disaster Recovery sowie Business Continuity und mittlerweile für alle möglichen Workloads bis hin zu Exchange, SQL und SharePoint eingesetzt werden.

Auch für SimpliVity ist VDI inzwischen nur noch ein Workload unter vielen, so Henri Mak, Director Solution Architects Central Europe. Einer eigenen Umfrage zufolge geben 80 Prozent der SimpliVity-Kunden an, Microsoft SQL Server auf ihrer OmniCube-Apliance auszuführen, bei 50 Proezent läuft dort Microsoft Exchange, bei 38 Prozent SharePoint. Für VDI-Bereitstellungen nutzen dagegen nur 36 Prozent ihre SimpliVity-Hardware. Workloads wie Oracle und SAP kommen immerhin noch mit 19 beziehungsweise 7 Prozent zum Einsatz.

Diesem Trend entsprechend hat wiederum Nutanix passend zur VMworld Europe 2015 die Zertifizierung der Nutanix Xtreme-Plattform für SAP NetWeaver bekanntgegeben. Damit erhalten Nutanix-Kunden die Möglichkeit, auch geschäftskritische SAP-Anwendungen wie ERP, CRM oder SAP Business Warehouse auf Nutanix-Systemen auszuführen.

Den Hauptgrund, warum Hyper-Konvergenz anfangs quasi mit VDI gleichzusetzen war, sieht Henri Mak von SimpliVity in den großen Vorteilen beim Storage-Management. Gerade in VDI-Umgebung ist die SAN-Konfiguration äußerst fehleranfällig und kann sich schnell negativ auf die Performance auswirken. Hyper-konvergente Systeme bieten demgegenüber den Vorteil integrierter und vorkonfigurierter Storage-Virtualisierung, was die Bereitstellung virtueller Desktop-Umgebungen wesentlich erleichtert. Nachdem sich die Funktionalität und Verlässlichkeit hyper-konvergenter Systeme inzwischen erwiesen hat, würden viele Unternehmen jetzt auch andere Workloads auf die neue Plattform migrieren.

Für Alberto Farronato von VMware gilt dieses Prinzip für viele IT-Abteilungen noch immer, viele Unternehmen starten ihre ersten Gehversuche mit hyper-konvergenten Lösungen demnach nach wie vor mit VDI-Bereitstellungen, um später auch kritische Applikationen wie SQL, Oracle oder Exchange auf dieser Infrastruktur auszuführen. Künftig sieht er sogar Anwendungsfälle für IaaS-Szenarien, Container-Virtualisierung oder OpenStack, und auch wenn das Data Center der Zukunft sicher nicht nur aus hyper-konvergenter Infrastruktur besteht – die Zeiten von ausufernden Storage-Arrays seien bald vorbei.

Ähnlich sieht dies auch Francois Wolf von Pivot3: „Für wen das Budget keine Rolle spielt, oder wer zu viel Legacy-IT betreibt, der wird bei Mainframe, Fiber-Channel-SAN und ähnlicher Infrastruktur bleiben. Wer nur 50 VDI-Desktops benötigt oder einen großen Kostendruck spürt, wird dagegen in die Cloud gehen. Der Rest des Marktes gehört zukünftig Hyper-converged-Anbietern.“

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2015 aktualisiert

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