Hypervisoren haben Grenzen: Was man nicht virtualisieren kann

Sie müssen nicht alle Workloads in eine Virtualisierungs-Umgebung stecken, nur weil es möglich ist. Kosten und Support spielen eine wichtige Rolle.

Viele Virtualisierungs-Hersteller erzählen Ihnen heutzutage, dass es nur sehr wenige Workloads gibt, die sich nicht...

virtualisieren lassen. Große und Ressourcen-hungrige Workloads sind nicht mehr vom Tisch, wenn Sie virtuelle Maschinen (VM) mit 64 virtuellen CPUs, einem TByte Arbeitsspeicher und direktem Zugriff auf das Storage Area Network (SAN) haben. Nur weil Sie etwas virtualisieren können, heißt das aber nicht, dass Sie das auch tun sollten.

Puristen würden sagen, dass es keine technischen Grenzen mehr für VMware und Hyper-V gibt. Moderne Hypervisoren lassen sich auf Kapazitäten skalieren, die weit darüber hinausgehen, was die meisten Anwender ausnutzen können. Unterm Strich müssen Sie drei Fragen stellen. Damit finden Sie heraus, was Sie virtualisieren können und was nicht.

  • Ist es kosteneffizient?
  • Wird es vom Hersteller unterstützt?
  • Ist es den Aufwand wert?

Kosteneffizienz bei Virtualisierung

Unternehmen übersehen oftmals das Puzzleteil der zusätzlichen Kosten für die virtuelle Umgebung. Nicht selten hört man sogar den Spruch, dass virtuelle Maschinen kostenlos sind. Wir wissen allerdings, dass die unterstützende Infrastruktur für diese „kostenlosen“ virtuellen Maschinen alles andere als kostenlos ist. Der Host, das Netzwerk und das Storage kosten Geld. In vielen Fällen fällt der ROI (Return on Investment) höher aus als das ursprünglich investierte Kapital. Bei einem Thema kann der ROI allerdings nicht so hoch wie in anderen Bereichen sein - und das ist Storage. Für viele virtuelle Umgebungen ist gemeinsam genutztes (shared) Storage eine entscheidende Komponente. Dadurch können die Hypervisor-Hersteller Features wie Live-Migration und Failover realisieren.

Ein Problem gibt es an dieser Stelle. Gemeinsam genutztes Storage ist teuer. In der Regel steckt dahinter ein Storage Area Network (SAN) oder ein Network-Attached Storage (NAS). Sie können sehr einfach eine virtuelle Maschine mit einem oder zwei TByte Arbeitsspeicher mit VMware oder Microsoft Hyper-V erstellen. Die Frage ist aber nicht, ob es realisierbar ist, sondern ob man das auch tun sollte? Hier sind einige Beispiele, was sich nicht für eine Virtualisierung eignet:

  • Imaging-Server: Hier handelt es sich für die meisten Organisationen um ein leicht greifbares Problem. Diese Server halten dutzende von Abbildern vor, um die Workstations von Anwendern schnell wieder zu bestücken. Allerdings sind diese Abbilder nicht gerade klein. Enthalten sie auch vorinstallierte Software, werden sie noch größer. Das Hinzufügen weiterer Images kann einen Block an fixen Daten in Ihrer virtuellen Umgebung in Anspruch nehmen. Dabei werden nur Teilbereiche genutzt. Sie müssen wahrscheinlich ältere Abbilder vorhalten, die sich noch im produktiven Einsatz befinden. Allerdings brauchen Sie die Images nicht täglich. Diese gültigen aber selten gebrauchten Daten kosten Geld, weil Sie wertvollen Speicherplatz auf Ihrem SAN beanspruchen.
  • Patch-Server (für Microsoft und VMware): Jeder Hersteller bietet zentralisiertes Management und entsprechende Ausroll-Möglichkeiten für Patches, Updates und Hotfixes an. Somit können Administratoren entscheiden, welchen Server man mit welchen Aktualisierungen versorgt. Diese Systeme sind lokale Repositories und können dutzende oder sogar tausende an Updates für Ihre Systeme vorhalten. Virtualisieren Sie das, importieren Sie notwendige aber selten benutzte Daten. Möglicherweise befinden sich darunter sogar veraltete Daten.

Bei beiden Beispielen handelt es sich nicht um Daten der Qualitäts-Typen Tier Eins oder Zwei. Allerdings landen sie auf denselben Festplatten-Niveaus, weil diese virtuellen Maschinen oftmals Platz und Ressourcen mit höher angesiedelten Tiers teilen. Auf Kosten bedachte Administratoren schieben sie auf SATA-Festplatten, sofern verfügbar. Allerdings befinden sich diese in der Regel auch innerhalb Ihrer Storage-Infrastruktur.

Wir fokussieren uns derzeit so auf 100 Prozent Virtualisierung, dass wir die Nutzung physischer Server nur noch als Virtualisierungs-Hosts sehen. Moderne Server können TByte an Storage zu angemessenen Preisen vorhalten. Darüber hinaus stellen Sie sehr hohe Performance bei niedrigen Kosten zur Verfügung. Sie verlieren natürlich die Vorteile von Virtualisierung. Aber die Kosten-Einsparungen sind möglicherweise groß genug, um das Risiko für Server und Applikationen zu rechtfertigen, die normalerweise unkritische Daten vorhalten.

Herstellerunterstützung

Support war schon immer ein heiß diskutiertes Thema in der Virtualisierungs-Welt. Unterstützung für innerhalb der virtuellen Umgebung laufende Applikationen ist heutzutage üblich. Bis vor wenigen Monaten gab es aber immer noch Hersteller, die die virtuelle Umgebung an sich nicht unterstützten. Eine der letzten großen Bastionen war Oracle. Im Jahre 2013 änderten sie diesem Umstand allerdings und die Firma unterstützt nun offiziell sowohl Microsoft als auch VMware. Das setzt aber voraus, dass Sie das Kleingedruckte sorgfältig studieren und sich an die entsprechenden Regeln halten.

Sie können natürlich immer Applikationen ohne Support für Virtualisierung installieren. Diese laufen möglicherweise auch Tage, Wochen oder Jahre ohne Beanstandung. Hier spielen Sie aber mit dem Feuer und gehen davon aus, dass Sie keine Unterstützung brauchen. Sollte das dennoch der Fall sein, hoffen Sie darauf, dass der Hersteller in der Zwischenzeit Virtualisierungs-Support anbietet. Laufen Sie dann in ein Problem, können Sie das möglicherweise nicht auf physischer Hardware reproduzieren. In diesen Fällen ist es wohl besser, weiterhin auf physische Hardware zu setzen. Das gilt zumindest so lange, bis Ihr Hersteller Virtualisierungs-Support anbietet.

Ist es den Aufwand wert?

Sprechen wir über Virtualisierung und speziell über VMware, gibt es mehrere Technologien, um mögliche Hindernisse in Bezug auf das Virtualisieren von Applikationen aus dem Weg zu räumen. Durch RDM (Raw Device Mapping) und andere Technologien ist der Hypervisor flexibel genug, um fast alles zu unterstützen. Das ist aber nicht die eigentliche Herausforderung bei der Entscheidung, was man nicht virtualisieren sollte. Diese liegt in der Abwägung, ob es sowohl kosteneffizient als auch einfach zu unterstützen ist.

Wir kennen alle Beispiel aus dem realen Leben und einer Herangehensweise die funktioniert, gleichzeitig aber unglaublich kompliziert und schwer zu erklären ist. Ein verbreitetes Beispiel ist Microsoft Clustering unter VMware aufzusetzen. RDM macht das möglich. Graben Sie sich aber tiefer in das Thema, finden Sie Grenzen. Sie können zum Beispiel keine Distributed Resource Scheduler vMotions mit geclusterten Gästen durchführen. Abhängig von Ihrem Design könnten diese Grenzen für den Verlust einiger wertvoller Virtualisierungs-Features verantwortlich sein. Zusätzlich sind möglicherweise komplexere Workarounds notwendig.

Eine klare Antwort

Sowohl Microsoft als auch VMware stellen Technologien zur Verfügung, mit denen Sie alles Denkbare virtualisieren können. Virtualisierung wird oftmals als Tier-Eins-Applikation bezeichnet, die auch auf Tier-Eins-Hardware läuft. Das Problem an der Sache ist, dass nicht alle virtuellen Maschinen Tier Eins oder zusätzliche Features benötigen. Damit blasen Sie nur die Kosten auf und belasten sich mit zusätzlicher Komplexität. Unterm Strich kann ich mich nur wiederholen: Nur weil Sie etwas virtualisieren können, ist das noch lange nicht die beste Herangehensweise. Als Virtualisierungs-Administrator müssen Sie bei den Entscheidungen behilflich sein, was man virtualisiert und was nicht.

Artikel wurde zuletzt im März 2014 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über VMware

0 Kommentare

Älteste Beiträge 

Passwort vergessen?

Kein Problem! Tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse unten ein. Wir werden Ihnen eine E-Mail mit Ihrem Passwort schicken.

Ihr Passwort wurde an die folgende E-Mail-Adresse gesendet::

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

Close