Fünf Gründe für das Scheitern der IT-Automatisierung

Die Automatisierung von IT-Prozessen ist eine komplexe Angelegenheit. Die folgenden fünf Fehler gehören zu den häufigsten Gründen für das Scheitern der IT-Automatisierung.

Die Automatisierung von IT-Prozessen erscheint oft als Lösung für den immer größeren Personalmangel vieler IT-Abteilungen. Das ist aber nicht immer der Fall. Manchmal steht Unternehmen etwa gar nicht ausreichend Kapital zur Verfügung, um die Anfangskosten der IT-Automatisierung stemmen zu können. Zudem kommt es auch häufig vor, dass Unternehmen die IT-Automatisierung in Angriff nehmen, dabei aber Fehler bei Planung oder Umsetzung übersehen und am Ende vor einer großen Geldvernichtungsmaschine stehen.

„Die IT-Automatisierung ist sicherlich ein erstrebenswertes Ziel, weil sich so durch geringere Personalkosten viel Geld einsparen lässt“, so Tony Iams, Managing Vice President bei Gartner. „Allerdings sollte man auch tunlichst dafür sorgen, dass die Automatisierung später wirklich wie geplant funktioniert, andernfalls steht man vor einem großen Problem. Man braucht wohl keine große Vorstellungskraft um sich auszumalen, was dabei alles schief gehen kann.“

Laut Iams sind vor allem die Automatisierungsprojekte der Firmen erfolgreich, die dabei eher mit Vorsicht ans Werk gehen: „Jeder der dabei mit Köpfchen vorgeht, nimmt nicht nur die versprochenen Vorteile der IT-Automatisierung wahr, sondern auch die damit verbundenen Risiken.“

Die folgenden fünf Fehler gehören zu den häufigsten Gründen, warum die Automatisierung von IT-Prozessen scheitert.

1. Fehlende Vorbereitung auf die IT-Automatisierung

Einer der häufigsten Denkfehler ist für David Williams, Senior Vice President of Portfolio Strategy bei CA Technologies und früher Research Vice President bei Gartner, dass viele Unternehmen einfach ein entsprechendes Produkt kaufen und einsetzen können. Tatsächlich ist aber viel zu oft die Infrastruktur noch gar nicht für die Automatisierung vorbereitet. „Dies betrifft nicht nur große Enterprise-Umgebungen, sondern eigentlich alle Unternehmen“, erklärt Williams. „Die wenigsten Infrastrukturumgebungen sind so aufgebaut, dass die Automatisierung direkt eingebaut werden kann.“

Die meisten IT-Abteilungen bestehen aus Spezialisten, die sich auf ganz bestimmte Bereiche wie die Server-, Netzwerk- oder Anwendungsverwaltung fokussieren. IT-Automatisierung betrifft aber meist unterschiedlichste Fachbereiche.

So könnte laut Williams zum Beispiel die Orchestrierung der Netzwerkinfrastruktur von der Serverinfrastruktur abhängen – wenn entsprechende Änderungen vorgenommen werden, könnten dann wiederum neue Sicherheitskomponenten nötig werden. „Bei der IT-Automatisierung denkt man zu oft in Silos“, weiß Williams, „aber die meisten Automatisierungsvorhaben betreffen die gesamte IT-Abteilung.“

2. Der Scheuklappen-Blick auf die IT-Automatisierung

Bei so populären Technologien wie der IT-Automatisierung ist es leicht, einfach dem Hype zu verfallen. IT-Manager sollten sich aber immer im Klaren darüber sein, welche Kennzahlen ihrer Umgebung sie damit eigentlich verbessern wollen.

In den Worten von Tony Iams ausgedrückt, sollte die IT-Automatisierung kein Selbstzweck sein, sondern der Lösung eines Problems dienen. Unternehmen sollten sich also zunächst Gedanken darüber machen, welches Business-Problem sie lösen wollen, und erst im nächsten Schritt darüber nachdenken, welche Technologie hierfür am besten geeignet ist. Wenn ein Unternehmen beispielsweise die Anzahl der IT-Mitarbeiter reduzieren will, sollte als Ziel zunächst die Zahl der pro Administrator verwalteten Server erhöht werden.

„Dies wäre das über allem stehende Ziel, und wenn die IT-Automatisierung dabei helfen kann – schön. Es mag aber eben auch noch andere Maßnahmen geben, die bei der Erreichung dieses Ziels helfen können“, so Iams. „So könnte man beispielsweise bei der Softwarebereitstellung ansetzen oder auf anderen Wegen das Verhältnis pro Administrator verwalteter Server erhöhen. Dafür sind sinnvolle Kennzahlen nötig, man sollte sich nicht einfach nur der tollen Technologie wegen auf die Automatisierung stürzen.“

3. Falsche Gründe für die Automatisierung

Laut Williams müssen sich Unternehmen zudem entscheiden, ob sie über die IT-Automatisierung vor allem Kosten sparen oder die Effizienz der Umgebung steigern wollen. Die Antwort auf diese Frage führt für ihn zu unterschiedlichen Implementierungspfaden der Automatisierungslösung.

Demnach sei Unternehmen mit dem Ziel der Kosten- oder Mitarbeiterreduzierung geraten, viele kleine, sich wiederholende Aufgaben zu automatisieren. Über diesen Weg ist es für Williams möglich, an vielen Stellen in der IT-Abteilung ein klein wenig Zeit einzusparen, was letztendlich in Summe eine Verringerung der Mitarbeiterzahl möglich macht.

Dieser Weg eignet sich zwar auch, wenn die Effizienz erhöht werden soll, hierfür sollten aber besser vor allem große Aufgaben automatisiert werden. Etwa das Hinzufügen oder Entfernen virtueller Komponenten oder Konfigurationsänderungen. „Den größten Mehrwert bietet die Automatisierung großer und zeitraubender Aufgaben“, erklärt Williams. „Hierfür ist allerdings auch mehr Fachwissen nötig und die Implementierung ist aufwändiger, wodurch man nicht zwangsläufig auch Kosten senkt. Dafür steigt anschließend aber die Effizienz der IT-Umgebung.“

4. Fehlendes Vertrauen in die IT-Automatisierung

Schlaue Unternehmen beginnen laut Iams eher vorsichtig mit der Automatisierung bestehender IT-Umgebungen und setzen auch lange Testprozesse voraus. „Damit ist ganz einfach gemeint“, so Iams, „dass die Automatisierung nach dem Aufsetzen des Automatisierungs-Frameworks zunächst nur Ratschläge gibt. Erst wenn man nach Wochen oder Monaten immer noch zufrieden mit dem Ergebnis ist, lässt man dem System freien Lauf und wartet ab, was passiert.“

5. Kein Reporting der Automatisierungsergebnisse

Wenn die Automatisierung funktioniert, wird sie schnell zum Held der IT-Abteilung, die sie im Gegenzug aber nur allzu schnell als gegeben hinnimmt. Für Williams kann sich dies schnell rächen, daher sollte nach der Implementierung damit begonnen werden, den Mehrwert der Automatisierungslösung festzuhalten.

„Man sollte dringend sicherstellen, dass das Automatisierungs-Tool über eine Reporting-Funktion verfügt, die einen permanent an die vielen Vorteile erinnert“, so Williams. „Damit lässt sich zum Beispiel eine weitergehende Automatisierung rechtfertigen – oder aber ein größeres Investment in die Tools, die die Automatisierung erst möglich machen.“

Überblick über die wichtigsten Tools zur IT-Automatisierung

Produkt

Beschreibung

Funktionsumfang

BMC Atrium Orchestrator

Ein System zur Prozessautomatisierung, das über Anwendungen und Plattformen hinweg Automatisierungs-Workflows erstellen und koordinieren kann.

Verwendet vorgefertigte Runbooks und ermöglicht das Erstellen eigener Runbooks.

Unterstützt die einfache Konfiguration von App-Schnittstellen über Konnektoren und einen Mapping-Assistenten.

Bietet eine skalierbare Architektur, um auch große Enterprise-Umgebungen einbinden zu können.

Verbessert Service-Bereitstellung, Compliance und IT-Spending.

CA Process Automation

Ein Tool zur Prozessautomatisierung, das vorgegebene Standards über Systeme hinweg durchsetzt.

Design, Bereitstellung und Management der IT-Automatisierung für Unternehmensumgebungen.

Automatisierungs- und Orchestrierungsfunktionen zur Effizienzsteigerung, Beschleunigung der Service-Bereitstellung und Kostenreduzierung.

Unterstützt Compliance-Richtlinien.

Chef

Konfigurationsverwaltung und Continuous-Delivery-Framework, das auch Infrastrcutre as Code (IaC) unterstützt.

Erstellt und verwaltet Infrastruktur-Code.

Vorgegebene und eigene Deployment-Skripte zum Verpacken, Testen und Konfigurieren von Code.

Hält den anvisierten Zielzustand einer Infrastruktur ein.

Cisco UCS Director

Software zum Provisioning und Lifecycle-Management von Compute-, Netzwerk-, Storage- und virtuellen Ressourcen.

Automatisiert, orchestriert und verwaltet Cisco- und andere Hardware.

Ersetzt manuelle Arbeitsabläufe durch automatisierte Workflows.

Konfiguriert Ressourcen für physische und Bare-Metal-Rechenzentren.

Unterstützt Cisco UCS Converged/Hyperconverged Infrastructure.

Diagnose-, Analyse- und Reporting-Funktionen.

HPE Enterprise Data Center Automation

Produkt zum Lifecycle-Management, um Infrastruktur bereitzustellen und zu aktualisieren. Bietet auch Audit- und Compliance-Funktionen.

Orchestriert Lifecycle-Prozesse und automatisiert Aufgaben.

Setzt Sicherheits- und Compliance-Regeln durch.

Analytics-Funktionen für Ressourcenverbrauch und Performance-Planung.

Funktioniert mit physischen und virtuellen Server sowie mit Datenbanken und Middleware.

Microsoft System Center

Management und Automatisierung für Linux und Windows Server, sowohl in der Cloud als auch On-Premises.

Verwaltet heterogene Systeme wie Linux, Hyper-V und VMware vSphere.

Bereitstellung von Windows Server und Windows über Enterprise-Umgebungen hinweg, Monitoring von Konfigurationen, Systemzustand und Compliance.

Automatisierung und Self-Service-Funktionen.

Puppet (Enterprise)

Framework für SysOps-Spezialisten, Unterstützung automatisierter Softwarebereitstellungen.

Bietet Standards zur Verwaltung und zum Betrieb von Software.

Orchestriert Änderungen inklusive Veränderung am Architektur-Design über heterogene Infrastruktur hinweg.

Infrastructure as Code für Continuous Software Delivery.

Red Hat Ansible Tower

Management-Konsole für Red Hat Ansible, ermöglicht die skalierbare IT-Automatisierung und komplexe Deployments.

Dashboard mit Echtzeitdaten zu Ansible-Hosts, Inventarisierung und Job-Aktivität.

Anzeige aktuell ausgeführter und anstehender Playbooks nach Maschine inklusive Ergebnis.

Workflows zu VM-Bereitstellung, zur Anwendung von Basiskonfigurationen zur Anwendungsbereitstellung über Playbooks.

Ansible Tower kann über REST API oder Kommandozeile in Drittanbieter-Tools integriert werden.

Salt/SaltStack

System zur Orchestrierung, Remote-Ausführung und Konfigurationsverwaltung auf Basis eines dynamischen Infrastruktur-Kommunikations-Bus.

Kontrolliert Cloud- und Container-Infrastruktur, inklusive Multi-Cloud-Konfigurationen.

Kompatibel mit IBM, AWS, Microsoft Azure, Google Cloud Platform und OpenStack sowie Docker und LXC.

Sicherheitsrichtlinien für Compliance- und Audit-Funktionen.

Automatisches Erkennen und Beheben von Konfigurationsabweichungen.

VMware vRealize Orchestrator

Tool zum Erstellen und Automatisieren komplexer IT Workflows innerhalb der vCenter-Plattform.

Große Workflow-Bibliothek mit vorgefertigten Aufgaben, Möglichkeit zum Erstellen neuer Workflows.

Betrieb tausender gleichzeitiger Workflows.

Neustart eines Servers ohne Verlust des Workflows.

Zentrale Konsole für Konfiguration, Monitoring und Troubleshooting.

(Tabelle von Stephen J. Bigelow)

Folgen Sie SearchDataCenter.de auch auf Twitter, Google+, Xing und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im August 2017 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über Data-Center-Systems-Management

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

Close