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Do-it-yourself-Ansatz kann Vendor-Lock-in bei hyperkonvergenter IT verhindern

Hyperkonvergente Infrastruktur bietet Management-Vorteile, bringt aber oft einen Vendor-Lock-in mit sich. Diese Tipps sorgen für mehr Unabhängigkeit.

Häufig wird der sogenannte Vendor-Lock-in als größte Sorge genannt, wenn es um die Anschaffung konvergenter (Converged Infrastructure, CI) oder hyperkonvergenter Infrastruktur (Hyperconverged Infrastructure, HCI) geht. In vielen Fällen sind diese Bedenken auch gerechtfertigt. Sobald man erst einmal in einen CI/HCI-Anbieter investiert hat, kann es sehr zeit- und kostenintensiv werden, dieses Silo wieder zu verlassen.

Allerdings gibt es auf der anderen Seite kein System, das völlig frei von Herstellerabhängigkeiten wäre. Selbst Open-Source-Lösungen bieten keine Garantie, nicht von einem bestimmten Hersteller abhängig zu werden.

Der Schlüssel zur Verwendung von CI-/HCI-Produkten liegt darin, das Risiko eines Vendor-Lock-ins zu minimieren. Das wiederum hängt maßgeblich von der zu implementierenden Plattform ab.

Konvergente und hyperkonvergente Plattformen

Konvergente Infrastrukturlösungen zielen auf die Konsolidierung von Ressourcen und die Reduzierung des administrativen Aufwandes ab, während Kompatibilitätsprobleme über Compute-, Storage- und Netzwerkressourcen hinweg minimiert werden sollen. Hyperkonvergente Produkte, eine Art Weiterentwicklung konvergenter IT, ähneln diesem Ansatz, integrieren zusätzlich aber auch Virtualisierungs-Software zur Abstraktion von Compute- und Storage-Ressourcen.

Viele Anbieter vertreiben konvergente und hyperkonvergente Lösungen als vorgefertigte Appliance. Auch wenn es wichtige Unterschiede zwischen beiden Arten gibt, so kann man sich CI- und HCI-Appliances auf einer abstrakten Ebene als modulare Einheit vorstellen, die Compute-, Storage- und manchmal auch Netzwerkressourcen vereint. Hyperkonvergente Appliances fügen dem dann noch Virtualisierungs-Software hinzu.

Anbieter von Appliances bauen diese mit eigenen Komponenten und mit denen bestimmter Partner. Konvergente oder Hyperkonvergente Appliance werden vorab getestet, vorkonfiguriert und optimiert, um auf vorab definierte Workloads abgestimmt zu sein.

Viele Anbieter stellen aber auch Referenzarchitekturen zur Verfügung, auf deren Basis sich eigene CI- und HCI-Plattformen aufbauen lassen. Die Referenzarchitektur dient dabei als Blaupause oder Vorlage, die Aufschluss über die benötigten Komponenten und deren Konfiguration gibt. Referenzarchitekturen sollen die Verbreitung der eigenen CI-/HCI-Software vergrößern und versprechen meist hohe Performance- und Effizienzsteigerungen, so lange man sich an die Vorgaben hält.

Appliance-Ansatz führt zum Vendor-Lock-in

Über den Ansatz von (H)CI-Appliances ist es sehr leicht, in einen Vendor-Lock-in zu geraten. Immerhin besteht der Sinn einer Appliance ja darin, sehr spezifische Komponenten nur bestimmter Hersteller zu verwenden, um genaue Vorabtests und Vorabkonfigurationen durchführen zu können.

Je mehr Variablen hier ins Spiel kommen, also je mehr Komponenten unterschiedlicher Anbieter, umso schwieriger wird auch die Standardisierung, was sich letztlich auf die Garantie auswirkt, dass auch alle Komponenten wie beworben miteinander funktionieren. Je weniger unterschiedliche Komponenten, umso stabiler ist die Plattform, und umso weniger wahrscheinlich treten Probleme auf. Umso weniger wahrscheinlich ist aber auch der Wechsel eines Kunden zu einem anderen Anbieter.

Wer sich für konvergente oder hyperkonvergente Appliances entscheidet, der riskiert damit auch auf Hardware- wie auf Softwareseite die Herstellerunabhängigkeit. Der Formfaktor Appliance widerspricht ganz einfach dem Gedanken der Anbieterunabhängigkeit. Wenn IT-Abteilungen Komponenten einer Appliance ersetzen oder erweitern wollen, dann werden sie auf ziemliche Probleme stoßen, wenn sie dabei nicht vom Hersteller abgesegnete Teile verwenden. Damit müssen sich Administratoren mit Interoperabilitätsproblemen auseinandersetzen, die sehr kosten- und zeitintensiv werden können.

Als Beispiel nehme man die Dell XC-Appliance, ein konvergentes System auf Basis von Dell PowerEdge Server mit vorintegrierter Nutanix-Software zum Management von Direct-Attached Storage. Um diese Appliance über die anfangs nötigen Nodes zu skalieren, gibt es nur eine Möglichkeit: Weitere XC-Appliances kaufen. Damit sind Unternehmen während der gesamten Lebenszeit der Hardware beziehungsweise der Projektdauer an die Dell-Nutanix-Kombination gebunden. Als einziger Lichtblick bleibt, dass die individuellen Nodes auch für andere Zwecke verwendet werden können, wenn sie nicht mehr für die CI-Plattform benötigt werden.

Mit hyperkonvergenter Infrastruktur hat man diese Option meist nicht. Dell EMCs VxRail Appliance beispielsweise nutzt VMware-Software, um Compute- und Storage-Ressourcen zu abstrahieren. Ähnlich wie bei konvergenten Appliances wird die Skalierung über das Hinzufügen neuer Appliances erreicht, was wiederum zum Vendor-Lock-in führt. Anders als bei CI-Appliances können hyperkonvergente Appliances aber nicht für andere Zwecke verwendet werden, weil die Einzelkomponenten so tief integriert sind. Was man hierbei also an Kompatibilität und Einfachheit gewinnt, verliert man an Flexibilität.

Do-it-yourself-Ansatz gegen den Vendor-Lock-in

Die größte Flexibilität mit konvergenten oder hyperkonvergenten Appliances hat man, wenn man sie bestellt. Hier kann meist aus unterschiedlichen Konfigurationen bei Compute, Storage oder Memory ausgewählt werden. Abseits davon gibt es kaum Wahlmöglichkeiten.

Es gibt aber auch Anbieter, die durchaus mehr Optionen bieten, beispielsweise bei den hyperkonvergenten Appliances von Maxta. Hier haben Unternehmen die Wahl zwischen Serverplattformen von Cisco, Dell, HPE, Lenovo, Quanta oder Supermicro, auch hier kann zudem die Menge an Compute-, Memory- oder Storage-Ressourcen je nach Bedarf angepasst werden. Der Vendor-Lock-in winkt in diesem Fall bei der Maxta Storage Platform (MxSP), der Software zum Storage-Management.

Aber selbst mit Maxta hat man sich mit Blick auf die Serverplattform wieder einem Vendor-Lock-in hingegeben, nicht zu vergessen der MxSP-Software. Immerhin verkauft Maxta seine MxSP-Lösung auch unabhängig von den Appliances, wodurch Unternehmen auch mit eigener Hardware eine hyperkonvergente Umgebung aufbauen können. In ähnlicher Weise bieten auch Springpath und VMware ihre HCI-Software getrennt von der Hardware zum Kauf an.

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Um den Aufbau eigener hyperkonvergenter Systeme zu erleichtern, bieten entsprechende Unternehmen auch hierfür Referenzarchitekturen an. Damit können x86-Server und Hypervisor der Wahl die Basis der HCI-Umgebung bilden, egal ob HPE, Dell EMC oder Supermicro, egal ob VMware vSphere oder KVM.

Dabei bieten aber nicht alle Referenzarchitekturen die gewünschte Flexibilität. HPE und VMware beispielsweise bieten ihren Kunden eine Referenzarchitektur für VMware Horizon 6.1 auf HPE ConvergedSystem 700 2.x. Wie der Name schon verrät, gilt diese Referenzarchitektur lediglich für spezifische CI-Systeme auf Basis von HPE-Servern und VMware-Software.

Das gilt allerdings für viele andere Referenzarchitekturen für HCI-Systeme in gleicher Weise. Von Dell gibt es beispielsweise auch eine Referenzarchitektur für die Implementierung einer Private Cloud auf Basis von EMC VSPEX mit VMware vSphere, die sich lediglich mit Hardware von Dell EMC und VMware-Software realisieren lässt.

Referenzarchitekturen können also über das Do-it-yourself-Verfahren durchaus einen Weg aus dem Vendor-Lock-in aufzeigen, allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass man dem Lock-in niemals ganz entgehen kann: Viele Referenzarchitekturen bauen auf spezifischer Hardware auf, und spätestens bei der Management-Software konvergenter oder hyperkonvergenter Infrastrukturen begibt man sich letztlich doch wieder in die Abhängigkeit des jeweiligen Anbieters.

Entscheidungsfindung

Der beste Weg, um einen Vendor-Lock-in zu vermeiden, liegt damit im Kauf der HCI-Software und dem Aufbau einer eigenen hyperkonvergenten Infrastruktur. Dabei könnte man natürlich noch einen Schritt weiter gehen und statt proprietärer HCI-Software eine Open-Source-Lösung wie OpenStack als Fundament der eigenen Private Cloud wählen. Alleine der zeitliche Aufwand würde in diesem Fall aber wohl die möglichen Vorteile schnell zunichtemachen. Selbst mit zugekaufter HCI-Software wie Maxta MxSP hätte man noch viel Arbeit vor sich.

Gleichzeitig sollte man die Angst vor dem Vendor-Lock-in aber auch nicht übertreiben. Viele Apple-Nutzer sind ja beispielsweise sehr glücklich mit dem Maß an Lock-in, das sie von Apple erhalten. Zumal ja keine Hardware oder Software ohne zumindest ein Mindestmaß an Lock-in zu erhalten ist.

Zudem sollte man eine Appliance oder eine sehr produktspezifische Referenzarchitektur nicht alleine aus Gründen des Vendor-Lock-in ablehnen. Der drohende Lock-in sollte ein Kriterium bei der Auswahl hyperkonvergenter IT sein, aber sich nicht das einzige. Für manche Unternehmen ist eine Appliance beispielsweise die ideale Lösung für eine Zweigstelle. Räumlich vom übrigen Data Center getrennt, wäre hier ein Vendor-Lock-in auch langfristig kaum zu bemerken.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2017 aktualisiert

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