SOA – ungeliebtes Konzept, an dem man nicht vorbeikommt

Der Mittelstand verweigert „Service Orientierte Architekturen“ – zu Recht?

12.10.2007 | Autor / Redakteur: Markus Reppner / Ulrike Ostler

Analysten sagen: „Die Service-orientierte Architektur (SOA) kommt“. Das auf einer Plattform basierende Prinzip verspricht flexible Anpassungsfähigkeit, niedrigere Kosten und Wiederverwertbarkeit von IT-Anwendungen – den Services. Doch die Firmen tun sich schwer mit der Umsetzung. Fehlendes Know-how und unstrukturierte Geschäftsprozesse lassen so manches SOA-Projekt frühzeitig scheitern. Wer also braucht SOA überhaupt?

Akademischen Diskussionen wirft man vor, sie hätten für die Praxis keine Bedeutung und würden einfache Dinge nur kompliziert machen. Die IT ist eine praxisorientierte Disziplin, die sich immer auch an der Machbarkeit messen lassen muss. Nur was am Ende funktioniert und einen betriebwirtschaftlichen Nutzen hat, hat die Chance sich durchzusetzen. Streitigkeiten um Begrifflichkeiten scheinen hier fehl am Platze zu sein.

Beim Thema der service-orientierten Architekturen (SOA) drängt sich allerdings der Eindruck auf, es handele sich tatsächlich lediglich um eine akademische Diskussion. Denn was man unter diesem fast schon überstrapazierten Begriff versteht, ist auch nach vier SOA-Jahren noch nicht eindeutig bestimmt.

Schon um den Begriff „Service“ streiten sich die Experten. Wieso soll jeder jetzt auf einmal in „Services“ denken? Ist nicht eine ganze Anwendung bereits ein Service? So mancher IT-Leiter muss sich fragen: „Brauchen wir das überhaupt?“

SOA für alle?

„Zum jetzigen Zeitpunkt ist SOA sicherlich nur für große Unternehmen interessant“, erklärt Rüdiger Spies, Independent Vice President, Enterprise Applications beim Analystenhaus IDC. Die jüngste Entwicklung zeigt jedoch, dass auch kleinere und mittelständische Untenehmen im Fokus der Hersteller stehen. Beispiel SAP: Mit dem neuen On-demand-Modell „Business by Design“ wollen die Walldorfer Unternehmen mit einer Größe von 50 bis 500 Mitarbeitern ansprechen. Der Mittelstand gibt sich jedoch noch zurückhaltend gegenüber dem SOA-Konzept.

Für Spies steht allerdings fest: SOA wird kommen. „Von einem Scheitern der Bemühungen um SOA ist zum gegenwärtigen Zeitraum nicht mehr auszugehen.“ Die massiven Investitionen seitens der Hersteller, ließen ein Scheitern nicht mehr zu.

Ist SOA somit eine verordnete Notwendigkeit? So negativ will Spies das nicht sehen. „In letzter Konsequenz werden auch die Anwender von den SOA-Vorteilen profitieren. Dieser Zeitpunkt ist allerdings noch nicht erreicht.“

Aller Anfang ist schwer

Nach einer IDC-Studie vom August dieses Jahres haben durchschnittlich 20 Prozent der insgesamt 228 befragten Unternehmen ein SOA-Projekt abgeschlossen, 7 Prozent befinden sich in der Entwicklungsphase und weitere zwei Prozent wollen in den nächsten 12 Monaten ein SOA-Projekt in Angriff nehmen. Annährend 50 Prozent gaben an, dass ihnen keine SOA-Aktivitäten in ihrem Unternehmen bekannt seien.

Allerdings gibt es hier deutliche Branchenunterschiede. Fast zwei Drittel der Befragten aus dem Bereich Telco/Media/Transport/Utilities sagten, dass sie von SOA-Aktivitäten nichts wüssten. Bei Unternehmen aus der Versicherungsbranche haben immerhin 46 Prozent ein SOA-Projekt zu Ende gebracht. Die Zahlen zeigen, dass sich die Unternehmen noch im Anfangsstadium befinden.

Spies sieht die aktuelle Situation als Assimilierungsphase. Der Hype sei vorbei, was jetzt komme, sei SOA als Mainstream. Fast alle Hersteller hätten ihre Produkte auf das neue Konzept umgestellt. SAP hat beispielsweise seinen monolithischen Block R/3 aufgebrochen und in kleinere Module zerlegt. Auch Microsofts sah Handlungsbedarf in Richtung SOA. Windows, die Office-Anwendungen sowie die ERP-Applikationen waren programmtechnisch kaum noch beherrschbar beziehungsweise nicht direkt integrierbar.

Schale Vorteile

Doch die ehemals hochgelobten Vorteile einer SOA, wie Flexibilität, Kostenersparnis und Widerverwertbarkeit haben an Glanz verloren. Das Analystenhaus Nucleus Research hat in einer jüngst veröffentlichten Studie gezeigt, dass von Rentabilität bei SOA-Projekten nicht die Rede sein kann.

Vielmehr kristallisiere sich das Gegenteil heraus: SOA-Projekte fressen mehr Kapital, als dass sie sich rechnen würden. Nur 37 Prozent aller Projekte auf Basis serviceorientierter Architekturen seien finanziell lukrativ, obwohl – wie die Studie weiter ergab – die Produktivität der Entwickler um durchschnittlich 28 Prozent stieg. Das größte Hindernis für einen positiven Kapitalrückfluss sieht das Beratungshaus im geringen Anteil wieder verwertbarer Services. Er liegt lediglich bei 32 Prozent.

IT ohne Services ist schon tot

Trotz dieser Lage muss sich auch der Mittelstand mit SOA beschäftigen. Wer sich für den Kauf einer neuen Business-Software entscheidet, kommt um das Thema SOA nicht mehr herum. „Wenn ein mittelständisches Unternehmen heute in eine neue Software investieren möchten, muss es sich mit dem Thema SOA auseinandersetzen“, empfiehlt Spies. „Es macht keinen Sinn mehr, Geld für IT-Technologie auszugeben, die nicht SOA-fähig ist.“

Spies rechnet, dass diese Assimilierungswelle noch die nächsten drei bis fünf Jahre andauern wird. Der Grund weshalb SOA-Vorteile wie größere Flexibilität, leichtere Integrierbarkeit, Standardisierung, größere Modularität, klarere Architekturdefinition sowie geringere Kosten noch keine Wirkung zeigen, sieht Spies in mangelnder Erfahrung und fehlendem Know-how auf Seiten der Anwender sowie in der Tatsache, dass die Hersteller ihre SOA-Produkte erst nach und nach auf den Markt bringen.

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