Xen-Enterprise für Windows-Sever

Open-Source-Wurzeln, Citrix-Stamm und Microsoft-Äste

27.04.2007 | Autor / Redakteur: Richard Hellmeier / Ulrike Ostler

Was als Universitäts-Projekt im englischen Cambridge begann, hat sich in seiner kommerziellen Variante in nur wenigen Monaten zu einem veritablen Konkurrenten von VMware gemausert. Mit der jüngsten Version 3.2 von „Xen Enterprise“ legt Xen-Source nach und virtualisiert jetzt auch Microsoft Windows 2000 Server und Advanced Server.

Obwohl im Open Source-Umfeld entstanden, zielt Xen-Source mit seinen Produkten auf gemischte Linux-Windows-Umgebungen. Das Unternehmen profitiert dabei von seinen engen Partnerschaften mit Microsoft und Citrix.

Dadurch können virtualisierte Linux-Betriebssysteme auf Windows-Plattformen und umgekehrt ablaufen, der Xen-Source-Hypervisor harmoniert mit seinem Microsoft-Pendant. Zudem unterstützt Xen-Source als Partner der Dynamic-Desktop-Initiative von Citrix die Virtualisierung von Desktops und macht damit auch eine virtuelle Anwendungsbereitstellung möglich.

Wichtigster Unterschied zum Hauptkonkurrenten VMware ist der Virtualisierungsansatz. Bei der Paravirtualisierung à la Xen-Source können die virtualisierten Betriebssysteme per Hypercall direkt mit ihrer Hardware sprechen und somit den Emulationsprozess vermeiden. Mit anderen Worten: Die Gast-Betriebssysteme wissen, dass sie virtualisiert sind. Das schont Ressourcen und steigert die Leistung.

Weiterer Vorteil der Paravirtualisierung von Xen-Source: Kommen die neuen Prozessoren von Intel („Intel VT“, ehemals „Vanderpool“) und AMD („AMD-V“, ehemals Pacifica) zum Einsatz, die in der heutigen Server-Generation bereits Standard sind und Teile des Hypervisor-Codes integriert haben, müssen die Gastbetriebssysteme nicht mehr an den Virtual Machine Monitor von Xen-Source angepasst werden.

Neuerungen in Xen-Enterprise 3.2

Mit der eben veröffentlichten Xen-Enterprise 3.2 Version lassen sich Multi-Prozessor-Systeme in Kombination mit Windows-Server-2003- und Windows-XP-Gästen ausnutzen, da eine Skalierung und Multi-Threaded-Anwendungen möglich sind. Zudem unterstützt die Software jetzt Windows 2000 als Gastsystem. Die Liste der unterstützten Gäste wurde darüber hinaus um Red Hat Linux Enterprise 5 und Suse Linux Enterprise 10 Service Pack 1 erweitert.

Paravirtualisierte und WHQL-zertifizierte (WHQL = Windows Hardware Quality Labs) Treiber führen zu einer höheren Netzwerkleistung und tragen damit zu einer reibungsloseren Virtualisierung von Windows-Gastbetriebssystemen bei. Jedem Windows-Gast lassen sich nun bis zu 8 Gigabyte Random Access Memory (RAM) zuweisen, der Zustand einer virtuellen Maschine kann eingefroren und wieder fortgesetzt werden.

Virtuelle LANs lassen sich in der aktuellen Version mit Hilfe von virtuellen Bridges bauen. Ferner können neben den Glasfaser-SAN-Arrays in der Version 3.2 auch iSCSI-SAN-Systeme genutzt werden. Mitte des Jahres lassen sich darüber hinaus virtuelle Server im laufenden Betrieb auf einen anderen physikalischen Server verschieben. Damit sind dann alle bislang noch bestehenden funktionalen Lücken zur Konkurrenz geschlossen.

Microsoft paravirtualisiert Longhorn

Wichtigste Initiative in der Partnerschaft mit Microsoft ist die Paravirtualisierung der nächsten Betriebssystem-Generation. Longhorn wird damit das erste Betriebssystem aus Redmond sein, das technisch nicht mehr so konzipiert ist, als bestünde die Welt ausschließlich aus Microsoft-Produkten, sondern die Existenz heterogener Betriebssystemwelten anerkennt.

Umgekehrt wird Xen-Source im Rahmen des im Sommer letzten Jahres mit Microsoft geschlossenen Kooperationsabkommens seine Produkte mit dem künftigen Longhorn-Server kompatibel gestalten.

Von der Server- zur Desktop-Virtualisierung

Nach Aussage führender Marktforschungsunternehmen wird die Desktop-Virtualisierung in den nächsten Monaten an Aufmerksamkeit gewinnen. Was heute bei Servern niemand mehr in Frage stellt, wird auch bei den Desktops Einzug halten. Die Vorteile des Managements und die Flexibilität der Ressourcen einer virtuellen Lösung lassen in Zukunft viele Unternehmen über Desktop-Virtualisierung nachdenken.

Mit dem „Presentation Server 4.5“ hat Citrix Systems ein Produkt auf dem Markt, das die Funktion eines Desktop-Broker bereits integriert hat. Virtuelle Client-Rechner lassen sich damit bereitstellen.

Mit dem neuen Produkt „Desktop Server“ von Citrix, das ausschließlich für die Virtualisierung von Desktops gedacht ist, soll es noch im Laufe des Jahres möglich sein, dass virtuelle Clients über das Citrix-eigene ICA-Protkoll mit virtualisierten Betriebssystemen kommunizieren.

Ganz nebenbei wird durch die Partnerschaft zwischen Xen-Source und Citrix vermutlich auch der Umstieg auf Windows Vista für die Unternehmen attraktiver, weil das Betriebssystem komplett von der Desktop-Hardware entkoppelt wird.

Über den Autor

Richard Hellmeier ist Vorstand Technik und Vertrieb der Computerlinks AG.

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