10.03.2010 | Autor / Redakteur: Barbara Darrow und Jo Maitland / Ulrich Roderer
Oracle hat noch Großes mit seinen Virtualisierungsplänen vor, doch ob der Markt dem folgt, bleibt fraglich. Im Frühjahr soll Oracles Virtualisierungstechnologie VM3 auf den Markt kommen.
Durch die Sun-Übernahme hat sich Oracle eine wichtige Ergänzung für sein Virtualisierungsportfolio eingekauft und will nun gegen den Marktführer VMware antreten. Obwohl viele die Entwicklung skeptisch betrachten, gibt es keinen Zweifel daran, dass Oracle mit VM 3 eine Xen-basierte Servervirtualisierung auf dem Markt bringen wird, die durchaus eine Alternative zu VMware, Microsoft und Citrix Systems darstellt. Zumindest für Oracle-Anwender.
„Oracle VM 3 hat ein wirkliches Potenzial, und in Unternehmen, die eine eigene Oracle-Managementgruppe haben, auch eine Chance gegenüber VMware“, sagt Chris Wolf, Analyst bei der Burton Group.
Denn gerade weil Oracle die Virtualisierungstechnologie von VMware nicht zertifiziert und supportet, dürften es Administratoren in Erwägung ziehen, in Oracle-Umgebungen die hauseigene Virtualisierung einzusetzen, wenn sie dafür den Support auch für den Oracle-Stack au seiner Hand bekommen.
Tucson Electric Power beispielsweise lässt seine Oracle-Anwendungen auf Sparc Solaris Systemen auf logischen Partitionen und in Container laufen, nutzt hingegen VMware für die x86-Systeme.
“Oracle lässt sich nicht gut für VMware auf x86 lizenzieren. Oracle drängen, auf das eigene Unbreakable Linux mit VM zu migrieren”, sagt Scott Myers, Senior Systems Administrator bei TEP. Für Myers wäre ein einziger Supportkontrakt für die gesamte Software eine attraktive Alternative, auch wenn das Unternehmen vorerst bei VMware für die x86-Server bleibt.
Gerade diese Unternehmen stellen für Oracle ein großes Potenzial dar. Denn das Unternehmen beherrscht den Datenbankmarkt. Nach dem Marktforschungsunternehmen Gartner hält Oracle einen Marktanteil von 43 Prozent, gefolgt von IBM mit 24 Prozent und Microsoft mit 18 Prozent.
Auf dem Segment der Geschäftsanwendungen attackiert Oracle zusammen mit seinen Erwerbungen PeopleSoft, JD Edwards, Seibel Systems bereits die Maktführerschaft von SAP. Durch die Aquisition von BEA Systems wurde Oracle zudem zum Marktführer bei Application Servern und Middleware.
Sicher, viele Oracle-Kunden wollen nicht noch mehr ihrer IT-Infrastruktur Oracle überlassen. Wie ein großer amerikanischer Oracle-Partner sagt, sind sie nicht an dem kostenlosen Oracle VM oder Oracle Linux interessiert. Und dass, obwohl sie mit der Virtualisierung von Oracle viel Geld für VMware-Lizenzen sparen könnten.
„Keiner glaubt, dass Ellison diese Produkte kostenlos abgibt, weil er ein gutes Herz hat. Es herrscht das Gefühl vor, sobald man den Köder geschluckt hat, hängt man am Haken”, sagt ein Manager des Oracle-Partners, der ungenannt bleiben möchte. Denn danach stehen Preiserhebungen zu befürchten. Gerade die Herstellerabhängigkeit beschäftigt viele Oracle-Anwender, vor allem seit der Sun-Übernahme.
„Das ist der Grund, warum Oracles Linux kein Erfolg ist“, sagt der Manager. „Wir waren gerade dabei, mit einem Kunden seine Low-end-Datenbank auf Suns MySQL als Alternative zu Oracle zu migrieren, aber nach der Übernahme stoppte das Projekt.“
Doch Oracle ist erfolgreich, wenn es darum geht, Drittanbieter zu verdrängen. „Viele Oracle-Anwender hatten Veritas Backup im Einsatz, bevor Ellison den Krieg erklärte. Jeder, der mit Oracle konkurriert wird entweder gekauft oder verdrängt“, sagt Scott Jenkins, CEO EBS Group, ein Oracle-Partner.
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