Interview mit Daniel Reinold von Consol Software

Wie praxistauglich ist Desktopvirtualisierung?

27.05.2010 | Redakteur: Ulrich Roderer

„Virtualisierungsprojekte sollten nicht gemacht werden, weil „jeder sie macht“. Vielmehr sollten Virtualisierungsprojekte ein klares Ziel verfolgen“, Daniel Reinold, Virtualisierungsexperte bei Consol Software

Desktopvirtualisierunjg ist 2010 der Trend auf dem Virtualisierungssektor. Doch wie effektiv ist sie und hilft sie Kosten sparen? SearchDataCenter sprach mit Daniel Reinold, Virtualisierungsexperte bei Consol Software GmbH, München.

SearchDataCenter: Virtuell oder schon real – inwieweit ist Desktop-Virtualisierung reif für den Einsatz in Unternehmen?

Daniel Reinold: Man kann die vorhandenen Lösungen durchaus als reif bezeichnen, da mittlerweile auch Lösungen für Standards wie „Drucken“ und „USB-Support“ vorhanden sind. Allerdings boomt dieser Markt im Augenblick extrem und ist daher auch starken Veränderungen unterworfen.

Flexibilität, Skalierbarkeit – welche Vorteile von Desktop-Virtualisierung greifen wirklich unmittelbar?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da man bei Desktop-Virtualisierung nicht von „der Lösung“ sprechen kann. Ausschlaggebend ist vielmehr, welches Ziel ein Unternehmen mit Desktop-Virtualisierung hat. Genau diesen Ansatz verfolgt übrigens Consol mit seinem 3-Phasen-Modell. In einem ersten Schritt führen wir eine genaue Analyse der Unternehmensstrategie, der IT-Infrastruktur und des vorhandenen Know-hows. Da wir kein Produktanbieter sind, können wir eine objektive Empfehlung abgeben, ob Virtualisierung sinnvoll ist oder nicht. Darin liegt der Vorteil für das Unternehmen – die objektive Einschätzung, ob und wann sich Virtualisierung rechnet.

Wie verändert sich der Aufwand für die Unternehmens-IT durch Desktop-Virtualisierung?

Normalerweise reduziert Virtualisierung, also auch Desktop-Virtualisierung die Komplexität, da sie zugleich auch standardisiert. Wenn physikalische Umgebungen auf einem virtuellen „Zeichenbrett“ abgebildet werden, führt dies zu einer verbesserten Übersicht über die Infrastruktur. Darüber hinaus bieten Virtualisierungslösungen die Chance, die Infrastruktur zu konsolidieren und die Möglichkeiten der Hardware optimal auszuschöpfen.

In wiefern das Potential von Virtualisierungslösungen genutzt wird, hängt nicht nur vom Projektbudget für die Einführung einer Virtualisierungslösung ab, sondern auch von der bestehenden Infrastruktur, dem technischen Know-how der Durchführenden, der nachträglichen Betreuung der aufgebauten Lösung und von der strategischen Zielrichtung des jeweiligen Unternehmens.

Ist Desktop-Virtualisierung für Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung aus Gründen der Komplexität überhaupt empfehlenswert?

Der Erfolg von Desktop-Virtualisierung in KMUs hängt von verschiedenen Faktoren ab: Umfang der Desktop-Infrastruktur, Komplexität, Anzahl und Lizenzen der Anwendungen, Umfang des Eigenanteils an der Betreuung (z.B. Key-Account-User für Vor-Ort-Arbeiten). In jedem Fall empfiehlt sich eine individuelle Analyse.

Wie verändert Desktop-Virtualisierung das Management der Softwarebestände im Unternehmen?

Das ist davon abhängig, wie sehr sich ein Unternehmen auf eine Virtualisierungslösung einlässt. Grundsätzlich muss sich an der Art des Managements nichts ändern. Durch gekoppeltes und automatisiertes Managen von Lizenzen ist es jedoch möglich, das Management den Virtualisierungsprodukten zu überlassen. So können z.B. mit dem Deployment eines neuen Desktop-Clients durch ein oder mehrere Counter die Lizenz aus dem Inventar abgezogen, eine Warnmeldung bei Engpässen von verfügbaren Lizenzen oder weitere automatisierte Aktionen durchgeführt werden.

Ein klares „Ja“ zur grundsätzlichen Einsparung von Lizenzen kann man nicht geben. Das ist abhängig von der Art der Lizenzierung einzelner Produkte. Die Gefahr einer Überlizenzierung lässt sich jedoch mit einer automatisierten Lösung minimieren.

Virtuelle Maschinen sieht man nicht – was bedeutet das für ihre Administration und Wartung?

Virtualisierungs-Lösungen fördern den Wildwuchs, da neue virtuelle Rechner ganz einfach per Knopfdruck erzeugt werden können. Die damit verbundene schlechtere Administrierbarkeit dieser Systeme, der exponentiell wachsende Speicherplatzbedarf und die Aufgabe, nicht mehr benötigte virtuelle Maschinen zu entfernen, ändern die Anforderungen an System Management Systeme – die Themen wie Asset-Management, Lizenz Management und Monitoring integrieren sollten.

Wo liegen die häufigsten Fehler in Virtualisierungsprojekten? Welche Gefahren lauern in der Virtualisierung? Und wie kann man da vorbauen?

Virtualisierungsprojekte sollten nicht gemacht werden, weil jeder sie macht. Vielmehr sollten Virtualisierungsprojekte ein Ziel verfolgen und eine klare Motivation haben. Man sollte nicht mal nebenbei virtualisieren, sondern Virtualisierung als eigenständiges Projekt durchführen und bei Bedarf Experten-Know-how hinzuziehen. Wichtig ist auch, dass alle Stakeholder, die von der Virtualisierung betroffen sind, frühzeitig mit ins Boot geholt werden. Dann wird das Projekt auch die nötige Akzeptanz finden.

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