08.01.2010 | Redakteur: Regina Böckle
„Wir sind nicht mehr Alleinanbieter“, sagt Citrix-Zentraleuropa-Chef Jens Lübben. Sein Rezept gegen den Mitbewerb: Mehr Wahlmöglichkeiten für Kunden, mehr Mitspracherechte für Partner und Kunden sowie eine durchgängige End-to-End-Virtualisierung. Eine Bestandsaufnahme.
Wahlfreiheit für den Kunden: Mit diesem Slogan hatte sich Citrix im Herbst 2007 aufgemacht, dem Pionier und Platzhirschen im Virtualisierungs-Markt, VMware, die Stirn zu bieten. Der Kauf des Open-Source-Spezialisten XenSource schuf für Citrix die Voraussetzung, künftig im Server-Virtualisierungs-Geschäft mitzumischen.
Der XenServer basiert auf dem Open Source Xen-Hypervisor, dessen Quell-Code frei verfügbar ist und von einer Community weiterentwickelt wird. Neben dem offenen Quell-Code des Xen-Hypervisors, der die Anbindung von XenServer an Systeme Dritter erleichtert, führte Citrix anfangs auch immer wieder die weltweite Xen-Gemeinde als Vorteil gegenüber den Mitbewerbern ins Feld.
Mittlerweile hält sich das Unternehmen mit den Lobeshymnen auf die Leistungen der Open-Source-Community etwas zurück. Denn diese Entwickler-Gemeinde schenkt ihre Gunst zunehmend einem anderen Stern am Open-Source-Himmel, nämlich der KVM-Plattform (Kernel Virtual Machine), auf die Red Hat heute schon und Novell künftig setzt. Xen habe sich unter dem Citrix-Dach zunehmend kommerzialisiert, moniert die weltweite Entwickler-Gemeinde. Im Klartext: Citrix gibt nicht mehr so viel an die Community zurück.
Gleichwohl hält Citrix am Grundsatz, dem Kunden Wahlfreiheit zu gewährleisten, nach wie vor fest. Das Gewicht des Open-Source-Gedankens hat sich nur etwas verlagert: einerseits hin zu engen Allianzen mit Drittanbietern, darunter auch Mitbewerber – allen voran Microsoft.
Zum anderen ist Citrix dabei, den Community-Ansatz unter Citrix-Partner und –Kunden massiv zu fördern, beispielsweise mit den GeekSpeaks.
Ein zweites Versprechen, mit dem Citrix bei der Übernahme von XenSource Ende 2007 antrat, war, Kunden die so genannte End-to-End-Virtualisierung aus einem Guss zu bieten – vom Server über den Desktop bis hin zu den Applikationen.
Im Unterschied zu VMware ging Citrix das Thema historisch bedingt vom End-Anwender her an. Spätestens seit der Mitte November verfügbaren XenDesktop-Version 4, hat Citrix dieses zweite Versprechen ebenfalls eingelöst.
Während sich 2009 also VMware mit der Desktop-Virtualisierungslösung View Richtung End-Anwender aufmachte und Citrix den Ausbau der XenServer-Plattform vorantrieb, drängte Microsoft als Dritter Großer im Bunde mit Windows Server 2008 in den Markt, und holt nun zum lang erwarteten Angriff aus – laut eigenen Angaben mit erklecklichem Erfolg.
Marktauguren zufolge werden sich diese drei Anbieter mittel- und langfristig den Kuchen im Virtualisierungs-Markt etwa gleichrangig teilen. Ob das so kommen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, wie erfolgreich sie ihren jeweiligen Heimvorteil auszubauen: VMware ausgehend vom Server-Markt in Richtung Desktop; Citrix ausgehend von der Applikations- und Desktop-Bereitstellung in Richtung Server; und Microsoft in beide Richtungen.
„Wir sind nicht mehr Alleinanbieter in unserem Markt, und wir werden uns in den nächsten Wochen extrem umstellen“, kündigte Citrix-Zentraleuropachef Jens Lübben Mitte Dezember an.
Welche Rolle Citrix dem Schulterschluss mit Microsoft und das langjährige Engagement im Bereich Applikations-Virtualisierung bei der Eroberung des Desktop-Virtualisierungs-Marktes beimisst, erfahren Sie auf der nächsten Seite.




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