02.05.2007 | Autor / Redakteur: Alex Barrett / Ulrich Roderer
Das Geschäftsmodell von Citrix Systems bestand bisher darin, Endbenutzern zentral gehostete Anwendungen bereitzustellen. Auf ihrer jährlichen Konferenz iForum dieses Jahr kündigte das Unternehmen an, dass es jetzt auch komplett virtuelle Desktops liefern kann.
Anstatt Anwendungen von Microsofts Terminal Server zu beziehen, bietet Citrix jetzt die Möglichkeit, Desktops von virtuellen Servern zu beziehen, die unter der Virtualisierungssoftware von VMware ESX Server, Microsoft Virtual Server und XenSource XenEnterprise laufen.
Citrix hat darüber hinaus die Dynamic Desktop Initiative mit mehreren Partnern gegründet, die neben den oben erwähnten Virtualisierungs-Anbietern auch IBM, AMD und einige Thin-Client-Hersteller einschließt.
Als erste Lösung bietet Citrix einen virtuellen Desktop Connection Broker. Der Desktop Broker ist für Kunden des Citrix Presentation Server 4 verfügbar, die über eine aktive Support-Vereinbarung verfügen. Im ersten Quartal 2007 soll abgeleitet vom Projekt „Trinity“ ein eigenständiger Connection Broker unabhängig vom Presentation Server angekündigt werden.
„Wir sind von der Bereitstellung der Anwendung zur vollen Desktop Delivery übergegangen“, erklärt Wes Wasson, Coporate Vicepresident of Product Marketing und Strategy bei Citrix. „Wir reden nicht mehr über diskrete Anwendungen, sondern über komplette Desktop-Erfahrung.“
Fünf Themen charakterisieren den dynamischen Desktop:
Citrix identifiziert drei Grundarten dynamischer Desktops: „einfache und schnelle“ Desktops, die gut durch Windows Terminal Server bedient werden; „persönliche und vielseitige“ Desktops, die auf virtuellen Maschinen laufen; und „Hochleistungs- und leistungsfähige“ Desktops, die auf einem dedizierten Blade in einem Datacenter laufen.
Aber Citrix-Beobachter, die mit der aktuellen Version des Desktop Brokers vertraut sind, haben sich von der blumigen Rhetorik von Citrix nicht beeindrucken lassen. Desktop Broker ist „eine Art von Lückenbüßer. Sie haben diesen eindeutig in letzter Minute zusammengeschustert“, erklärt Brian Madden, unabhängiger Industrieanalyst. „In Wahrheit wurde Citrix eindeutig von VDI (VMware Virtual Desktop Infrastructur) überrascht“ und so „stöpselten sie den Desktop Broker für vorhandene Kunden zusammen, die sich den VDI ansehen wollten oder um sie davon abzuhalten, eine andere VDI-Lösung zu kaufen.“
„Der Desktopbroker ist eigentlich nur eine Microsoft Access-Anwendung, die auf dem Citrix Presentation Server veröffentlicht wurde. Somit verbindet sich ein Benutzer durch den Desktop Broker mit dem Server über das Standard Citrix ICA-Protokoll, das dann die Verbindung an den virtuellen Desktop mit Hilfe des Microsoft Remote Desktop Protokolls (RDPs) herstellt. Es handelt sich also um einen Zwischenschritt“, erläutert er weiter.
„Niemand, der nicht schon eine substantielle Citrix Infrastruktur betreibt, würde den Desktop Broker kaufen,“ erklärt Madden. Er deutet aber auch darauf hin, dass der nächste Connection Broker von Citrix architektonisch komplett anders ist und „tatsächlich recht gelungen“ ist.
Andere Hersteller, die VDI-Verbindungsbroker anbieten, sind Leostream, Propero und Provisioning Network, um nur einige zu benennen.
Gehostete virtuelle Desktops gewinnen zunehmend an Bedeutung. David Siles, Chief Technology Officer der Information Technologies Abteilung von Kane Country Illinois, beschloss, virtuelle Desktops in der Verwaltung des Wohlfahrtsamtes des Bezirks auszuprobieren. „Wir hatten eine Anwendung für das Gesundheitswesen, das Novell benötigt, aber nicht über IPX geroutet werden konnte und damit nicht Citrix-freundlich war“, erläutert er.
Siles fand etwas freien Platz auf einem ESX Server und wählte einige Personen aus, um am Pilot-Programm teilzunehmen. „Wir wählten besonders kritische Leute aus, um daran teilzunehmen. Wir gingen davon aus, dass, wenn wir sie glücklich machen könnten, dann können wir jeden glücklich machen“, erklärte Siles. Das Ergebnis? „Es hat für uns hervorragend funktioniert.“
Heute betreibt Kane County zwischen 50 und 60 virtuelle Desktops pro Dell PowerEdge 1600 Server mit vier Prozessoren und zwischen 16 und 32 GByte RAM. Statt PCs kaufte Kane Wyse Thin Clients, von denen die meisten 1:1 auf einer dedizierten virtuellen Maschine abgebildet sind. Kane verwendet auch einen Leostream Connection Broker für bis zu 25 User.
Der Bezirk startet im nächsten Jahr mit einem größeren Projekt zum Thema Desktopersatz und Siles beginnt schon zu ermitteln, welche Clients vollständige PCs benötigen und welche gehostet werden können. Von 300 PCs können nach Schätzungen von Siles 170 PCs als hostet Desktops betrieben werden.
Siles Enthusiasmus für virtuelle Desktops ist nicht wirklich finanzieller Art. „Die Kosten liegen ungefähr bei 780 Dollar pro Desktop, einschließlich Wyse Thin Clients, Zugriffslizenzen, ESX Server und Flach-Bildschirmen und sind nicht wirklich niedriger“ gibt Siles zu. Aber wenn man sich andere immaterielle Dinge wie Verwaltungs- und Stromverbrauch ansieht, „wird es sich am Ende auszahlen“.
Donn Bullock, Program Director für virtuelle Clientlösungen bei Mainline Information Systems, einem Händler von IBM und Leostream, sagt, dass Erfahrungen wie sie Kane County gemacht hat, zunehmend verbreitet sind. „Wir sehen einen großen Trend von IT-Abrteilungen, eine zentrale Desktopverwaltung einzuführen“, erklärt er. „Sie wollen Kontrolle über die Desktops zurückgewinnen, die sie millionenfach eingesetzt haben.“
„VMware Läden führen diese Bewegung an“ teilt Bullock mit. „Für Mainline sind die vorhandenen VMware Kunden eine optimale Basis.“ Thin Clients plus VMware geben den IT-Managern „die Fähigkeit, ihre vorhandenen VMware-Qualifikationen einzusetzen, um Desktops auf dieselbe Weise zu verwalten, wie sie schon ihre Server verwalten“, betont Bullock.
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