Blades sind proprietär und binden an den Hersteller

Bladetechnologie versus Rackserver: Der Unterschied schwindet

10.08.2007 | Autor / Redakteur: Megan Santosus / Ulrich Roderer

In den letzten Jahren haben Hersteller die Bladetechnologie deutlich verbessert in den Bereichen I/O, Speicher, Netzwerk-Interfaces und Stromeffizienz. Die verbesserten Leistungsmerkmale ermöglichen es Anwendern, die Geschäftsanforderungen mit geringerer Ausfallszeit und größerer Flexibilität zu bewältigen. Dennoch haben Racks weiterhin Vorteile in Puncto Flexibilität.

Bill Montgomery, Chief Technology Officer bei Lulu, einem weltweiten On-Demand-Buchverleger, hat die Migration von Rack- auf Bladeserver vor allem wegen der Flexibilität durchgeführt. „Blades sind viel einfacher produktiv einzusetzen, zu verwalten und zu beschaffen.“ Der CTO betreibt eine Infrastruktur aus IBM Bladecenter-Servern und einem SAN von Equallogic, die sich sehr schnell ohne große Unterbrechung skalieren lässt.

Neben Zuverlässlichkeit bieten Blades auch mehr geschäftskritische Funktionen an. „Blades verfügen jetzt über wesentlich mehr Ethernet Ports, so dass sie sich auch für die Servervirtualisierung eignen“, sagt Dave Leonard, Chief Technology Officer des Hosting-Anbieters Infocrossing. Nach seiner Meinung hat sich die Unterscheidung zwischen Racks und Blades in der Zwischenzeit auf dem Formfaktor reduziert. John Enck, Research Vice President beim Marktforschungunternehmen Gartner stimmt dem zu: „Die wichtigsten Anbieter verwenden fast die gleichen Chipsets in ihren Racks und Blades.“

Montgomery von Lulu empfiehlt die Bladetechnologie sogar speziell für die Servervirtualisierung. Der CTO setzt die Lösung von Vmware ein, die den erweiterten Speicher der IBM-Blades ausnützt. „Wir verwenden acht GByte Speichermodule anstatt der vier GByte“, sagt Montgomery. Obwohl diese Speicherbausteine weniger Kapazität haben als die der neuesten Racks, lassen sich zweimal so viel davon in die Blades einstecken.

Doch Virtualisierung ist nicht für alle Unternehmen geeignet. Für einige Rechenzentren kann Virtualisierung auf Blades ein teures Projekt sein, weil Blades nicht so viele virtuelle Maschinen hosten können wie Rackserver. Darüber hinaus erfordern Blades mehr Softwarelizenzen. „Große Rackserver erfordern nur eine Lizenz,“ sagt Bob Sullivan, Senior Consultant des Uptime Institute.

Rack bleiben weiter in der Gunst

Obwohl Blades sowohl technologisch als auch ökonomisch an Bedeutung gewinnen, werden Unternehmen dennoch weiter Rackserver bevorzugen. Der Marktforscher Enck von Gartner schätzt, dass 2010 Racks noch immer 80 Prozent der Serververkäufe ausmachen werden, obwohl die Hersteller die Bladetechnologie stark in den Markt drücken.

Selbst Manager von großen Bladeherstellern räumen ein, dass die Rackserver weiterhin eine bedeutende Rolle spielen werden. Scott Tease, Worldwide Product Manager von IBMs Bladecenter als auch Steve Gillaspy, Group Manager Hewlett-Packard für Bladesystem, betonen, dass ihre Unternehmen sehr gute Rackumsätze erzielen und dass sich dies auch in Zukunft nicht ändern wird.

Leonard vom Hosting-Anbieter Infocrossing hält die Technologie von Rack- und Bladeservern für gleichwertig, bevorzugt aber Racks. Sie wären flexibler im Einsatz. „Wenn ein Kunde drei Server will, kann ich sie ohne Probleme sofort bereitstellen“, sagt Leonard. Beim Hostinganbieter spielt sicherlich die Sicherheit eine wesentliche Rolle. Kunden fühlen sich nicht wohl, ein Chassis mit anderen Unternehmen zu teilen.

Und es gibt weitere Gründe, warum sich der Einsatz von Blades verzögert. David Marshall, Director of Business Development und Product Management beim Virtualisierungsanbieter Inovawave hält kürzere Lebenszyklen, kleinere Festplatten und eine längere Technologie-Kurve für deutliche Nachteile. Rackserver haben üblicherweise die neuesten und leistungsfähigsten Prozessoren, bevor sie dann erst in Blades zum Einsatz kommen.

Der Analyst Enck sieht aber nur einen kurzfristigen Technologievorsprung für Racks, meist folgen die entsprechenden Blades kurz nach den Racks, der Innovationszyklus sei also fast gleich. Dennoch gesteht Enck zu, dass Racks in einem Punkt einen wesentliche Vorteil haben: sie lassen sich sehr schnell umkonfigurieren, weil die Komponenten nicht so stark integriert seien wie in Blades. Zudem besteht bei Blades das Problem, das Kunden Server upgraden müssen, wenn der Hersteller neue Chassis auf dem Markt bringt, die nicht rückwartskompatibel sind. Damit entstehen zusätzliche Kosten.

Ein letzter Einwand gegen Blades sind Beschränkungen in den ausführbaren Anwendungen. Gillaspy von HP räumt ein, dass Blades nicht genügend Kapazität haben für sehr große Datenbanken, die mindestens vier CPUs benötigen. Andererseits sind sie ein gute Lösung in Umgebungen mit vielen Servern, beispielsweise beim Webhosting. Einzelne Maschinen lassen sich dabei relative leicht ohne große Unterbrechungen austauschen.

Gekettet an den Hersteller

Da Blades proprietäre Architekturen sind, laufen >Kunden Gefahr, abhängig zu sein von einem Hersteller. In den meisten Rechenzentren sind Racks mit Servern von unterschiedlichen Herstellern bestückt. „Kunden wollen die Auswahl haben, weil sie damit die Anbieter gegeneinander ausspielen können”, sagt der Analyst Enck. Mit Blades ist das nicht möglich. Da es kein standardisiertes Gehäuse oder Blade gibt, lassen sich die Blades von Herstellern nicht untereinander austauschen.

Deshalb halten 20 Prozent der Befragten der TechTarget-Studie “2007 Server Decisions” den Kauf eines proprietären Chassis als Kaufhinderungsgrund.

Letztlich lassen sich weder Rack- noch Bladeserver grundsätzlich als die bessere Technologie bewerten, der Einsatz ist abhängig von der Anwendung und der Unternehmensstruktur.

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